Samstag, 07.02.26
Guten Morgen vorletzter Segeltag. Es geht weiterhin ganz schön ruppig zu, und Captain Klaus beschließt erneut den Kurs zu verändern. Statt nun runter nach Newcastle zu sausen, mit Strom und mit Wind, fahren wir weiter Richtung Küste und haben Strom und Wind dabei natürlich von der Seite.

Warum? Wir sind zu flott, immer noch. Das Timing passt einfach nicht, um am Montag um 10:00 Uhr pünktlich in Newcastle einzutrudeln. Dann schlagen wir halt noch nen Haken, stöhn, und treten damit auf die Bremse. Um 9:00 Uhr haben wir weitere 136 Seemeilen zurückgelegt. Ich bin mal gespannt, auf wieviele Seemeilen wir am Ende kommen, bei der eigentlichen Distanz von 1.300 SM.
So langsam sollte ich auch mal darüber nachdenken, welche nicht erwünschten Lebensmittel noch von Bord verschwinden müssen und was wir davon noch schaffen aufzuessen.
Der Wind nimmt weiter zu, von wegen zwei Flautentage! Unser „Bremsvorgang“ wird unangenehm, da ja nun alles von der Seite kommt und Yuti durchgeschüttelt wird, wir natürlich gleich mit. 🫤 Auch kreuzen wir demnächst die stark befahrene 100 Meter Tiefenlinie und müssen uns durch mehrere Fischereiflottillen durchmogeln. Uffbasse ist angesagt!!! Am Nachmittag nehmen wir wieder Kurs auf Newcastle.
Plötzlich springt die Handy-Uhrzeit von 19:53 Uhr auf 17:53 Uhr zurück, häää? Ach ja, das ist die australische Zeit. Nun sind wir „nur noch“ 10 Stunden der Heimat voraus. Allergut. Das sind jetzt aber auch zusätzliche 2 Stunden, die es heißt irgendwie rumzubringen. Um 19:17 Uhr, neuer Zeit, pfeift der Wind schon mit 25 Knoten und die Strömung schiebt mit 2,3 Knoten. Wir sausen ohne Motor und nur mit klitzekleinem Jib …

durchschnittlich 7 Knoten über Grund. Viel zu schnell, viel zu schnell… ☹️. Was machen wir denn da, Schwester? Die neue Idee ist, bei der Insel Broughton Island, …

kurz vor der Nelson Bucht zu pausieren, verbotener Weise zu ankern und den Tag bis tief in die Nacht abzuhängen. Bis in die Nacht zum Montag wohlgemerkt! Nach Klaus‘ Berechnungen müssten wir die Insel um 2:00 Uhr in der heutigen Nacht erreichen.
Um 21:00 Uhr pustet der Wind mit 28 Knoten und die Strömung schiebt uns mit sage und schreibe 3,2 Knoten voran. Unser Speed over Ground ist atemberaubend, 10 Knoten! Meine Güte, was preschen wir hier die Küste runter. 😳 Dann, gegen 23:00 Uhr, ich habe gerade wieder Nachtwache, muss ich eine “Kurve” fahren, um dem gesteckten Kurs folgen zu können. Aber es geht nicht! Nein! Ununterbrochen klicke ich auf die Fernbedienung, um den Kurs anzupassen. Klick, klick, klick, …. klick, klick, klick, klick und nochmals klick, klick, klick…… Am Ende bin ich 30 bis 35 Grad nach rechts gegangen, aber Wind und Strömung halten unerbittlich dagegen. Dazu steht Yuti völlig schräg. Das sieht nicht gut aus. Da räuspert sich Klaus und ich nutze die Gelegenheit sofort, um ihn zu wecken. Denn auch die Geschwindigkeit ist exorbitant auf 2 Knoten zurückgegangen. Das ist mir jetzt doch alles zu suspekt! Tja, diese Schräglage zum Kurs ist wirklich nicht gut! Ein, zwei kräftige Wellen von der Seite, könnten Yuti geradezu umdrehen. Dann führen wir rückwärts. Nein, das wäre gar nicht gut! Verstehe! Durch das stark verkleinerte Jib, haben wir fast keinen Vortrieb mehr. Es muss wieder ein Stück weiter heraus, keine Frage. Und tatsächlich, 1 bis 1,5 Knoten mehr Vortrieb ist das Ergebnis, und nach und nach kann ich die Schrägstellung Yuti’s zurückdrehen. Klick, klick, klick, klick, klick und klick… Die Kurve ist genommen, aber wer ahnt es schon? Jepp, wir sind weiterhin zu schnell! Viel zu schnell!! Bei der Insellösung kommen uns aber Skrupel. Ankern, ohne Einklarierung? Wo wir doch beobachtet werden? Ach, ich weiß ja nicht. Das könnte uns noch teuer zu stehen kommen und ordentlich Ärger einbringen. Ja, das findet Klaus auch. Was könnte denn noch helfen, um uns zu verlangsamen? Wir könnten das Jib ganz reinnehmen und einen Motor hinzunehmen, um langsam, entgegengesetzt der Fahrtrichtung, gegen die Strömung anzufahren. Klappt nicht. Der Autopilot bekommt Schwierigkeiten, meckert piepend und steckt auf. Bei zu wenig Vortrieb kann unser dritter Mann nicht arbeiten. Hmm 🫤. Dann versuchen wir es mit kleinem Jib. Aber auch das gelingt uns nicht, der Autopilot meckert ununterbrochen weiter. Wir könnten mit vollem Speed gegen die Strömung anbolzen. Und rauf und runter fahren, immer wieder, auf und nieder… Tja, das kostet viel Diesel und ergibt einen völlig bekloppten Track, der dann auch wieder Fragen aufwerfen könnte. Wie wäre es denn mit Segel rein, Motor aus und einfach treiben lassen, werfe ich ein. Da meint Klaus, dass er sich nicht vorstellen kann, dass das funktioniert. Er glaubt, wir würden bei den gegebenen Bedingungen sehr schnell gegen die besagte Insel getrieben werden. Aber, wir probieren auch das, und es funktioniert❣️ Wir treiben mit nur 0,3 bis 0,8 Knoten voran und auch noch in die richtige Richtung. 🤩 Wenn wir dann irgendwann im Laufe des morgigen Tages bei der Insel angekommen sind, fahren wir mit Motorkraft wieder zurück und dümpeln erneut. Jepp, so machen wir das jetzt. 👏 Gesagt getan, wir dümpeln also durch die Nacht, und Klaus dreht sich noch mal auf die Seite. 😴 Ich passe auf, dass wir mit nichts und niemandem zusammenstoßen. Gegen Mitternacht wird gewechselt.
Sonntag, 08.02.26
Jepp, richtig toll sind wir durch die Nacht gedriftet, und noch haben wir die Insel gar nicht erreicht. 😊 Vielleicht brauchen wir ja überhaupt nicht zurückfahren? Warten wir es ab! Jetzt um 11:00 Uhr (vormals 9:00 Uhr) schaue ich mir mal wieder unseren Tachostand an. 109 Nautische Meilen sind wir unterwegs gewesen. Lustig. Zur Mittagszeit erreichen wir driftend besagtes Broughton Island.


Hier soll man also gut ankern können, wenn man denn einklariert ist. ⚓️
Gegen 17:00 Uhr starten wir beide Maschinen, wir brauchen Strom. Denn heute gab es seit längerem mal keine Sonne. Die Wolkendecke ist geschlossen, aber regnen tut es nicht. Morgen, am Einklarierungs-Montag, soll es dann den ganzen Tag regnen. Prost Mahlzeit. 😏 Wo wir nun mal schon die Motoren anhaben, fahren wir jetzt doch noch ein Stück zurück. Wir sind der Insel auch schon sehr nahe gekommen. Ja, so ist das dann, wenn man mit einem Segelboot auf dem Wasser stoppen will. Mit dem Auto ist es sooo verdammt viel leichter! Du hältst einfach an. Fertig! Später driften wir dann das Stück erneut zurück.

Das müssen wir den Offiziellen morgen bestimmt noch erklären… Bei dieser zweiten Drifterei gehts leider schneller zur Insel zurück. Mehr Wind und mehr Strömung drücken uns dieses Mal mit bis zu 1,2 Knoten voran. Klaus nimmt noch schnell ne Mütze Schlaf, ich passe auf. Über den Tag habe ich noch aus den letzten frischen Vorräten Speisen zubereitet, aufgeräumt, geputzt und gesaugt. Ich bin schon sehr gespannt, was uns bei der australischen Biosecurity erwartet! Die sollen ja eher militärisch streng sein, im Vergleich zu den Neuseeländern, sagte man uns. Ich bin gespannt und neugierig!!!
Um kurz nach 21:00 Uhr, ist die Insel ein zweites Mal erreicht. Eigentlich möchte Klaus erst um Mitternacht den Weg nach Newcastle fortsetzen, so seine Berechnung. Dann dümpeln wir halt noch ein bisschen weiter, solange es der Wellengang zulässt, denn der Schutz der Insel ist nun Geschichte. Um 22:45 Uhr drehen wir Yuti wieder auf Kurs, rollen das Jib ein kleines Stückchen raus und segeln mit durchschnittlich 3,5 Knoten dem Ziel entgegen. Das klappt auch richtig, richtig gut. Nur mit diesem kleinen Jibfetzen zur Stabilisierung und der Strömung liegen wir gut auf Kurs. Mal frischt der Wind auf, dann schwächt er wieder ab, doch unsere 3,5 Knoten bleiben recht stabil, supi❣️ Dann ist das Ziel in Sicht und wir sind gar nicht mal zu früh. Das Ende dieser aufregenden Passage naht…. 👋.
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