Wenn auch der kleinste von allen Kontinenten. Nimmt man alle umliegenden Inseln mit dazu, wie zum Beispiel Tasmanien, Norfolk, Christmas & Cocos Islands, und, und, und, kommt für Australien ganz schön was zusammen.
Ein kleiner Überblick:
8.222 Inseln gehören mit zum Staatsgebiet, um genau zu sein. Poah, sooo viele. 😳
Circa 27 Millionen Einwohner hat Australien. Poah, nur so wenige! Davon leben ganze 380.000 in Canberra, der fast unbekannten Hauptstadt. Sydney hat hingegen fast 6 Millionen Einwohner, Melbourne um die 5,5 Millionen. Newcastle, wo wir gerade sind, nur eine Autostunde von Sydney entfernt, soll um die 180.000 Bewohner im engeren Stadtgebiet haben, bis zu 600.000 in der gesamten Region. So, und jetzt, und in den nächsten Tagen gilt unsere Entdeckungslust erst einmal Newcastle. Wobei heute, am 2. Tag, ein allgemeiner Waschtag angesagt ist. Erst wir 😶🌫️, dann Yuti. Ja genau, mit ganz viel Schaum!! Nachdem alles frisch duftet und glänzt wird ein Ruhepäuschen eingelegt, bevor wir uns zu Fuß auf den Weg zum Marketplace machen, um Woolworth einen Besuch abzustatten.


Das sieht hier aber alles noch recht neu aus. Neu, modern und sauber!




Dann sind wir aber auch schon da und betreten eine Art Mall, mit Woolworth und dem Non Food Market “Big W” als Hauptmärkte.

Ringsherum sind ein großer Fleischer, Sushi-, Eis-, Saft- und Futterbuden angeschlossen, sowie ein Frisör, ein Barber, eine Brillenkette und eine super Boutique, in der mir eigentlich alles gefällt. Der Woolworth lässt überhaupt gar keine Wünsche offen, im Big W gibt es vom Kochgeschirr bis zum iPhone ebenso ein riesiges Angebot, so dass wir mal ganz geschwind 1.000,- Euro los werden. 💸 Mein Boutique Besuch, mit Mode aus Italien 🤩, fällt da mit 400,- Euro schon ganz schön ins Gewicht. 🫣 Ansonsten haben wir unsere doch so leeren Kühlgeräte wieder gefüllt, viel Obst und Gemüse gekauft, und all die Grundnahrungsmittel, die wir bei Ankunft nicht mehr dabei haben durften. Vier neue Zierkissen sind noch mit dabei, um alte und recht stockige Kissen zu ersetzen. Ein schmatziges Mahl in einem Schnellimbiss, dessen Theke kein Auge trocken, oder Magen leer lässt, noch obendruff. 🤤 Schwer bepackt buckeln wir zu Yuti zurück, fragen aber noch by the way Kyle, den Taucher und Hull Cleaner, ob er die restlichen Seepocken von Yuti entfernen könnte? Yeah, kann er. 🤗 Supi, dann machen wir demnächst mal einen Termin aus. Und wie ist das hier so mit den Haien? Jo, die gibt es natürlich, aber seit er den Job mache, seit nunmehr 15 Jahren, ist ihm nichts passiert und er hätte sogar noch alle Finger und Fußzehen, lach kaputt… 😂. Na dann….
Nächster Tag
Waschtag! Wie, schon wieder? Jepp, unsere Stinkewäsche ist nun dran. Fünf Maschinchen werden durchgezogen und Madame Fleißig wäscht tadellos. So tolle große Waschmaschinen wie in der Opua Marina gibt’s hier nicht. Nur ein paar Toplader, die ausschließlich Kaltwaschgänge anbieten. Also mache ich unsere Wäsche an Bord. Zwischendrin beobachte ich einen frechen Kakadu, oben auf dem Windgeber unseres Nachbarbootes.


Nachdem sämtliche, gewaschene Wäsche auf dem Boot verteilt zum Trocknen aufgehängt ist, schnappen wir uns unsere Wanderschuhe und stiefeln los. Ziel ist ein 5 Kilometer entfernter Leuchtturm auf Nobbys Head. Allerhopp. Diesmal laufen wir gleich die Promenade entlang, die auch die Fitnessmeile aller Jungen, Fitten und Schönen ist.

So beeindruckt von den vielen Joggern und Joggerinnen, verpasse ich es direkt ein paar Fotos zu machen. Aber nicht von der Möwe, die auch um ihr Äußeres weiß.


So ein schöner Promenadenwalk! Alle paar 100 Meter gibt es Wasserspender und Gasgrillstationen zur persönlichen Nutzung.



Dann stoßen wir auf diese illustre Gesellschaft. Schön nach Geschlechtern getrennt. 😄 Links die Jungs und rechts die Mädchen. Ein paar Girlies setzen an zum großen Platsch… 💦




Dann erreichen wir den Strand und den Weg zum Leuchtturm. Es handelt sich um den Brake Wall Walk, einen Wellenbrecherweg.



Nun ist schon mal Nobbys Head erreicht. So wird hier dieser Felsenknopf genannt, ein kleiner, vorgelagerter, runder Hügel. Die Kolonialherren nannten diesen Hügel erstmal Cole Island, Kohle Insel, bis er dann umgangssprachlich den Namen Nobbys Island verpasst bekam. Aha, die Europäer mal wieder. Jetzt muss ich mir erstmal die australische Geschichte in meinem Kopf zurechtrücken. Vor der Kolonialisierung war dieser Inselhügel bei den First Nations, den Aboriginal People heilig, unter anderem, da dieser Hügel am Eingang eines natürlichen Hafens lag. Übrigens ist Nobbys auch heute noch bei der Urbevölkerung heilig und spielt in ihren Traumwelten eine unveränderte und wichtige Rolle. Dazu später… Als im 18. Jahrhundert, britische und irische Gefängnisse zu platzen drohten, da keine Häftlinge mehr nach Amerika verschickt werden konnten (amerikanischer Unabhängigkeitskrieg), suchte man nach Neuland. Australien kam da gerade recht, da es als Terra nullius, als Niemandes Land galt, und auch noch so schön weit weg von Großbritannien lag. Also segelte man mit der First Fleet dort hin und nahm es ohne Rücksicht auf Verluste und auf die dort lebende Bevölkerung in Besitz. Die Ureinwohner galten den Briten als keine vollwertigen Menschen, sondern lediglich als eine Art Vorstufe, als Bindeglied, zwischen Affe und Mensch und damit als rechtlose Wesen. Also gehörte dieser Kontinent ab 1788 zu Großbritannien, Punkt. Jetzt wurde aber mal in den Gefängnissen aufgeräumt und bis 1868 um die 160.000 Sträflinge rübergekarrt. Noch dazu kamen Siedler, Glücksritter und auch Angehörige der Sträflinge. Schnell fand man Mengen an Kohle, auch auf Nobbys Island, gründete die erste europäische Siedlung, heute Sydney und nannte sie New South Wales. So heißt hier bis heute übrigens die gesamte Region. Die Häftlinge wurden zu allen wichtigen und sau anstrengenden Arbeiten herangezogen. So zum Beispiel zum Kohleabbau und zur knochenharten Arbeit, Nobbys Island mit dem Festland zu verbinden und diesen 900 Meter langen Wellenbrecherwall zu errichten.

Wer sich dabei bewährte, bekam die Chance sich zu rehabilitieren und als freier Mann zu siedeln oder gar zum geachteten Bürger aufzusteigen. Obwohl es auch einige harte Jungs unter den Strafgefangenen gab, waren die allermeisten eher Kleinkriminelle. Damals wurde man schon für den Klau eines Wintermantels nach Australien verbannt. Viele wurden nach dem Motto, Resozialisierung durch harte Arbeit, zu den ersten europäischen Bürgern dieser australischen Gesellschaft. Nach dem Bau des Dammes und der Verbindung zwischen Insel und Festland, wurde der Hafen sicherer, da die vorherigen Sandablagerungen, die etliche Handelsschiffe auflaufen ließen, sich nun außerhalb der Hafeneinfahrt anschwemmten und den heutigen Strand bildeten.



Ab hier wird vor gefährlichen Brandungswellen gewarnt, denn bei entsprechender Wetterlage kann das hier auch etwas anders zur Sache gehen.

Das tut es bei uns und hier und heute aber so ganz und gar nicht.

Auf dem Weg bleibe ich immer wieder zurück, da ich viele Metallgedenktäfelchen entdecke und mir so meinen Reim darauf mache.

Um sicher zu gehen, frage ich einen Aussie. Jepp, all diese Menschen sind hier beim Schwimmen oder Wellenreiten verschwunden, verschollen, verstorben. Oder gefressen??? 🦈 Vielleicht auch das. Dann befinden sich noch dicke Steinquader am Ende des Dammes, die eingemeißelte Bilder der damaligen Siedler und Segler präsentieren.


Wir sind am Ende angekommen und machen eine kurze Pause. Die Fitness hat durch die 14-tägige Überfahrt schon wieder gelitten. 🫠 Und ich muss über die Ureinwohner nachdenken. Woher kamen sie und was ist mit ihnen geschehen? Ganz ursprünglich kamen sie aus Afrika, der Wiege der Menschheit. Wobei das mit der afrikanischen Wiege heute ja auch wieder zur Diskussion steht. Vor 65.000 bis 50.000 Jahren erreichten sie Südostasien und wanderten über damalige Landbrücken weiter nach Australien. Durch viel niedrigere Wasserpegel war es gut erreichbar. Sie zogen als Halbnomaden über das riesige Land und entwickelten eigene Kulturen und Sprachen. Um die 700 Sprachen und Dialekte entstanden. Es gab die Küsten-, die Regenwald- und die Wüstenbewohner, mit jeweils eigenen, der Umgebung angepassten Lebensweisen. Sie waren und sind nicht nur historisch sondern auch spirituell über ihre Traumzeit-Geschichten mit dem Land, der Natur, den Tieren und dem Wasser verbunden. Ihre Kultur gilt als eine der ältesten der gesamten Welt und als am längsten bestehend. Sie lebten ohne Hierarchien, wobei die Ältesten aufgrund ihres Wissens eine Sonderstellung inne hatten. Sie waren übergreifend der Meinung, Menschen hätten keinen Anspruch auf Landbesitz sondern sie selbst gehörten dem Land und verschmolzen geradezu mit diesem. Ahnen und Schöpfungsgeschichte sowie Regeln und Lehren wurden mithilfe der Traumzeit mündlich und durch Gesänge weitergegeben. Sie fühlten sich trotz Besitzlosigkeit ihrer Region tief verbunden, schützten und bewahrten sie, absolut im Einklang mit sich und der Natur. Dieses Gleichgewicht im Dasein wurde durch die Kolonialherren total auf den Kopf gestellt und zwar gnadenlos. Die Engländer nahmen sich das Land und siedelten, wo es ihnen gefiel. Sie beuteten das Land aus und errichteten Zäune und Mauern. Sie nahmen den Ureinwohnern alles, begegneten ihnen mit Gewalt und brachten ihnen den Tod. Entweder richteten eingeschleppte Krankheiten sie zu Grunde, oder sie wurden gleich umgebracht, wenn sie es wagten sich zu wehren. Letzteres fand durchaus statt, war aber nie von Erfolg gekrönt. Die Urbevölkerung von geschätzt 300.000 bis zu einer Million ging bis 1920 auf 60.000 Menschen zurück. Und dann gab es ja auch noch das zwangsweise Wegnehmen ihrer Kinder und Verfrachten in weiße Familien oder in kirchliche Missionen. Ach, die Leidensgeschichte der First Nations People ist sooo lang und wirkt bis heute. 1942 erlangte Australien de facto die Unabhängigkeit. Die Ureinwohner erhielten erst 1948 die australische Staatsbürgerschaft. Wählen durften sie ab 1962. Aber erst 1967 erlangten sie politische Anerkennung und Gleichstellung. Bis heute leiden sie unter den Folgen der Kolonialisierung. Sie haben eine geringere Lebenserwartung, eine schlechtere medizinische Versorgung, verfallen häufiger dem Drogenkonsum und landen öfter im Gefängnis als ihre weißen Mitbürger. Eine offizielle, politische Entschuldigung vom Staat bekamen sie erst 2008, was eine umfängliche Wiedergutmachung allerdings nicht wirklich mit sich brachte. Nur teilweise wurde Land zurückgegeben, nur einige der verschleppten Kinder bekamen Entschädigungen und so weiter…
So, nun ist mein Popo platt und wir müssen zurück zum Boot. Die 5 Kilometer hin geht es jetzt wieder heimwärts. Da begegnet uns noch ein auffallender Möwenfütterer, der aussieht wie der Apostel Paulus…




Ziemlich kaputt kehren wir noch im Marina Restaurant ein, wobei mir schon jetzt etwas übel ist. Nach dem durchaus leckeren Essen, …

muss ich an Bord einen Teil davon wieder zurück ins Meer geben. 🤮 Es war Fisch, passt doch…. 😉.
Das war’s für heute, reicht ja auch! Bis demnächst aus Down Under. 👋
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