CRADLE MOUNTAIN, den wir heute Morgen mit dem Hubschrauber erkunden werden. Nein, werden wir nicht. Das Wetter ist zu schlecht. Der Flug wurde gecancelt. Schaaade!!! Wir hatten es auch schon gestern Morgen versucht, klappte auch nicht. Vielleicht klappt’s heute Nachmittag um 16:00 Uhr?! Und was machen wir jetzt? Jetzt fahren wir wieder zum Parkplatz, lösen ein Busticket, nach etwas Verwirrung gelingt uns das dann auch, und fahren mit einem der Parkbusse hoch zum Berg.




Wir marschieren los, nachdem wir uns einig sind, welchen Weg wir denn laufen wollen. Es gibt mehrere Möglichkeiten. Einmal den Weg um den See, leicht bis mittelschwer, den Weg auf den benachbarten Berg, mit alpiner Herausforderung, und noch nen ganz langen Weg, der den ganzen Tag benötigen würde. Der fällt schon mal weg wegen des nachmittäglichen Heliflugs, wir bleiben ja optimistisch und den alpinen machen wir nach gestern ganz bestimmt nicht. Dann bleibt der Weg um den See, der immerhin auch schon 3 Stunden veranschlagt. Allerhopp! Wir haben suuuper Wetter und so früh am Morgen ein traumhaftes Licht. Wäre der Flug dann nicht doch gegangen? Das ist nun auch egal, jetzt sind wir hier und atmen die schöne, frische Morgenluft.






Es gibt sooo viele, schöne Perspektiven auf den Wiegenberg. Ich kann nicht aufhören ihn zu fotografieren. Jepp, die Briten nannten ihn Wiegenberg, da er sie an eine Babywiege erinnerte. Tja, wenn sie meinen… 😏. Und den See nannten sie nicht nach dem Deo, sondern nach dem Spitznamen “Taube” des Gustavus Charles von der Heyde. Er war ein bedeutender und wohlhabender Siedler des 19. Jahrhunderts, und es war damals üblich, Landschaften nach bekannten Persönlichkeiten zu benennen, um diese zu ehren. Also heißt der See “Taubensee”, Dove Lake. Fertig. Echt unromantisch! 🙁








Und alle paar Meter gurgelt ein Bächlein aus dem Gestein. Also an Wasserknappheit leidet diese Region gerade nicht.




Wieder plätschert das frische Nass über unseren Weg, weiter runter in den See. Der See liegt in einer von Gletschern geformten Senke. Auch werden wir später noch einen großen Findling aus der letzten Eiszeit zu sehen bekommen, toll. Doch wirklich glücklich bin ich über dieses wunderschöne Wetter. Blauer Himmel, strahlende Sonne, angenehme Temperaturen. Das ist so gar nicht typisch für diese Gegend! So mancher Tourist hat die Reise hierher schon abgebrochen, da die Wettervorhersagen so furchtbar waren.


Die Natur ist sehr abwechslungsreich. 🤩



Und dieser tolle, tote Baum lädt unmissverständlich zum Verweilen ein❣️





Auch dieses Spinnennetz ist so schön und ordentlich gewebt, dass es fast unecht wirkt und Künstler zu ihren Arbeiten inspiriert.

























Also, getanzt wird da nicht. Vielmehr sollen die vielen, geraden, alten Bäume, ohne wilden Bewuchs am Boden, wie ein stiller, mystischer Tanzsaal wirken. Ah so! Das kann ich jetzt hier und heute nicht ganz nachvollziehen, haben aber frühere Siedler und Ranger so gesehen. Okay.
Wir machen ein kleines Bananen- und Apfelpäuschen und haben ein Tête à Tête mit einem Rabenvogel. Die schlauen unter den Vögeln.

Also, der ist nur verwandt mit den Raben, er gehört nicht zur Kernfamilie, das habe ich gerade gelernt. Seine Familie sind die Stare, und im speziellen ist er ein Weißbürzel-Krähenstar. Und Bürzel ist nichts am Kopf sondern am Popo. Eine weiße Stelle unter dem Schwanz. Daneben hat er noch schöne, weiße Halbmonde an den Schwanz- und Flügelspitzen und stechend gelbe Augen.

Üblicherweise zieht er fleischliche Kost vor. Würmer, Insekten, Aas, aber zwischendurch dürfen es auch mal Beeren sein. Okay, deshalb verschmäht er den Apfel auch nicht. Aber von Banane will er absolut nichts wissen. Pfui bah!

Es geht nun auf der anderen Seeseite zurück und ein längeres Stück kräftig bergauf. Oben schnappen wir uns sofort die erste lange Bank und lassen die anderen, die nun deutlich mehr geworden sind, schnaufend an uns vorbeiziehen.













Wir haben das Bootshaus erreicht und sind schon fast wieder am Startpunkt angelangt. Das ist auch gut so, denn ab hier knubbelt es sich vor lauter Touris, und die Atmosphäre leidet. Viele laufen vom Startpunkt nur bis hierher, laufen das kurze Stück des Weges also rechts herum, machen Fotos und Selfies und zwitschern wieder ab. Auch ist das Mittagslicht nicht mehr so schön, eher konturlos und platt, im Vergleich zum Morgen- oder Abendlicht. Also nix wie weg.


Zurück am Rezeptionsgebäude besuchen wir das Restaurant und lassen uns jeder eine gute Portion Fish & Chips schmecken. Wir haben doch tatsächlich von hier aus nochmals einen guten Blick auf den Berg, also auf den rechten Teil davon. Und deshalb schmeckt es nochmal so gut. 😋


Kurze Verdauungspause in unserer Lodge, dann geht es auf zum Flugplatz. Keine weitere Absage hat uns erreicht, also scheint der Heli mit uns abzuheben. 🚁


Die Leutchen vor uns steigen aus, wir steigen ein, und ein kurzer Flug über den Nationalpark beginnt. Ich sitze diesmal vorne, neben dem äußerst jungen Piloten, doch mein Headset ist weg…. Klaus hat es sich geschnappt und nimmt den Piloten überhaupt nicht wahr, der ihn auf seinen Fehler hinweisen will. Da muss dann ich erst noch eingreifen und deutlich rufen, hey, das ist meins! Lass mal rüberwachsen! Grins, deins ist hinten bei dir! So, das wäre geklärt, jetzt können wir starten.



Dieser Hubschrauber ist deutlich kleiner, als der, mit dem wir in Neuseeland geflogen sind. Das merkt man auch deutlich. Man hat nicht viel Material um sich herum, alles ist maximal dünn und leicht. Jede Windböe kann diesem Teilchen gefährlich werden. Daher muss das Flugwetter auch wirklich optimal sein. Der Pilot meint auch, dass er es gar nicht mag bei zu vielen Wolken zu fliegen. Die Aufwinde sind dann zu arg. Jepp, das hat Klaus ja auch mal beim Paragliden erlebt, als ihn eine Wolke angesaugt hat. Schwupps war er in dieser Wolke drinnen und sah gar nichts mehr. Die Orientierung war gleich null. Zum Glück fand er damals wieder heraus und kann diesen Flug hier und heute richtig genießen. Auch, wenn er hinten sitzen muss.











Jetzt geht es auch schon wieder zurück.









Schön war’s❣️ Und tatsächlich haben wir immer noch nicht genug für heute und laufen noch einen kleinen, schönen Wanderweg. Es gibt hier im Nationalpark so unendlich viele, tolle Möglichkeiten. Und wie es zu diesem Park überhaupt kommen konnte, ist auch eine schöne Geschichte. Ein Österreicher, Gustav Weindorfer, leidenschaftlicher Botaniker, wanderte 1900, mit 26 Jahren nach Australien aus. Er ließ sich in Tasmanien nieder und lernte 1906 Kate Cowle kennen, eine naturverbundene, unabhängige Tasmanierin, 11 Jahre älter als er. Sie verliebten sich, heirateten 1909 und verschrieben sich dem Ziel, das Gebiet um den Cradle Mountain zum Nationalpark werden zu lassen. Als Kate ihm das Bergmassiv und die wilde, atemberaubende Natur ringsum zeigte, war es um ihn geschehen, und die Vision eines „Nationalparks für das Volk, für alle Zeiten“, wurde ihr Lebensinhalt. Eine Liebe zwischen zwei Menschen und deren Liebe zur Natur, machte sie zu geduldigen Kämpfern für ihr Ziel. Sie errichteten ihr „Waldheim Chalet“

und beherbergten Besucher und Freunde, um sie für ihre Idee zu begeistern. Doch das Leben dort war hart, entbehrungsreich und abgeschieden. Sie starb 1916, was ihn unendlich hart traf. Man sagt, er sei ein Stück weit zerbrochen, zumindest sein Herz. 💔 Doch er machte weiter und durfte noch erleben, dass Cradle Mountain 1922 zum Naturschutzgebiet ernannt und 1927 zum Nationalpark erhoben wurde. 1932 verstarb auch Gustav, es war etwas mit seinem Herzen. 💔 Seine Asche wurde am Cradle Mountain verstreut. Ja, so war das. Und auch heute noch, fast 100 Jahr später, ist diese dramatische Landschaft ein sehr beliebter Nationalpark. Kate und Gustavs Herzenswunsch ist in Erfüllung gegangen.

Unser kleiner Weg verbindet wieder alles. Einen schönen Laufsteg, Totholzskulpturen, Wasser, ein mystisches Wäldchen und Geister… Waldgeister? Oder?











Hex, hex, Klaus sei wieder dabei! 🤗






Schluss aus, wir gehen jetzt nach Haus! Und legen die Beine hoch.

Mann, war das ein ereignisreicher Tag und anstrengend noch dazu. Zum Glück ist Kläusi wieder aufgetaucht und zufrieden kuscheln wir uns ins Bettchen. Morgen geht‘s weiter im Programm. Wir fahren nach Devonport. 👋✋👋✋👋
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