Beides ist grenzwertig, aber dazu gleich.
Also, wir erreichen Rotorua und damit unser Zuhause für die nächsten drei, 3, DREI Nächte! Rotorua ist bekannt für seine vulkanisch-aktive Region, grandiose, schwefelige Geysire, heiß-blubbernde Schlammlöcher, reißende Flüsse für die verrücktesten Wassersportarten, ich sage nur “White-Water-Sledging”, Seen und Wälder. So ist diese Region ein Muss für alle Neuseelandbesucher.
Aber was ist DAS? Wir stehen vor unserer neuen Bleibe. Ein einfaches, kleines Winkelhaus mit viel gepflastertem Beton und steril-monotonem Rasen.

Von unseren vorherigen Unterkünften total verwöhnt, schauen wir erst irritiert, dann ungläubig, ob wir hier auch wirklich richtig sind? Doch, doch, das ist hier die richtige Adresse. Zu allem Überfluss ist’s grau in grau und regnerisch. Ohne Gepäck steuern wir erstmal die Terrasse an, wo jetzt keine Gartenmöbel und kein Sonnenschirm aufgestellt sind. Aus der Terrassenschiebetür schaut eine alte Hexe heraus. Neiiiin, ein gebrechlicher, alter Mann, und der winkt uns herein. Er, Jeff, begrüßt uns kurz, Janice, seine korpulente Frau erhebt sich schwerfällig vom Sofa, humpelt mühsam etwas auf uns zu, sagt Hallo und lässt sich wieder mit dem Rücken zu uns aufs Sofa platschen und schaut weiter Fernsehen. 😳 Wir sind mehr als irritiert und lassen uns verdattert das Zimmer zeigen.

Ein sehr kleines, etwas spießiges Zimmer soll es nun sein, für die nächsten DREI Nächte. Ohhh Baum. 🫢 Kein schöner Ausblick, keine Natur, nur eine Schiebetür, die uns vom Essbereich und Wohn-Fernsehzimmer der Gastgeber abtrennt. Zum Glück gibt’s ein eigenes Bad, das aber auch nur durch eine dünne Schiebetür vom Schlafbereich der beiden getrennt ist. Privatsphäre ist irgendwie anders und Wohlfühloase auch! Wir sind erstmal ziemlich ruhig, holen unser Gepäck und quetschen alles so gut es geht ins Zimmer. Um 18:30 Uhr gibt’s Abendessen, so die Ansage von Jeff. Okay… Janice schaut erstmal weiter Fern und amüsiert sich lauthals über irgendwelche Witze. 🫣 Wo sind wir denn jetzt hier gelandet??? Im Vergleich zur letzten Bleibe ist das geradezu wie mit nem Hammer auf den Kopf. 😵💫 Unglaublich! Zum Abendessen sitzen wir alle samt um den Tisch vor unserem Zimmer. Sobald Janice herbeigehumpelt ist, gibt es Grillkartoffeln, Salat und Hühnerklein, keine Servierten keine Getränke. Erst einiges später werden wir auf Getränke im kleinen Kühlschrank auf einem Plastiktischchen hingewiesen. Dort dürften wir uns bedienen und auch die ausgelegten Süßigkeiten nehmen. Das Essen schmeckt allerdings gut, auch, wenn das Hühnerklein etwas merkwürdig zerfleddert ausschaut. Einen netten Nachtisch gibt’s noch obendrauf. Selbstgebackener Apfelkuchen mit Sahne und Vanilleeis wird serviert. Das Eis kratzen wir aus dem auf den Tisch geknallten Plastikpott. Es fällt mir schwer, fröhliche Gespräche mit unseren Gastgebern zu führen. Sie kann ich einigermaßen gut verstehen, er nuschelt stark und hustet ununterbrochen. Oh Mann, nach dem Essen verkrümeln wir uns in unser winziges Zimmer. Ehrlich gesagt, ich entwickele Fluchtgedanken. Vielleicht sollten wir morgen, nach dem Event, einfach nicht mehr zurückkommen??! Aber wie bekommen wir unbeobachtet unser Gepäck zurück ins Auto? Keine Ahnung! 🤷
Das Bett ist schmaler als sonst, und ich bleibe recht schlaf- und fassungslos zurück und starre in die Dunkelheit. Klaus schnorchelt schon vor sich hin. Wenigstens einer❕
Der nächste Morgen, 7:00 Uhr
Das Frühstück ist ganz okay, wieder sitzen wir alle zusammen um den einen, runden Tisch. Mit ihr ist eine Unterhaltung möglich, ihren um einiges älteren Mann kann ich ums Verrecken nicht verstehen. Sein Husten und Nuscheln ist schwierig zu ertragen. Aber, wir müssen eh los, das nächste Wasserabenteuer wartet auf uns, das White-Water-Sledging! Was ist DAS denn nun schon wieder? Mit einem besseren Plastikbrett geht’s einen Wildwasserfluss hinunter. Ach ja, Klaus darf kein Wasser in seine gelöcherten Ohren bekommen!!! Dafür hat er sich nochmals verschiedene Ohrstöpsel zugelegt. Wir erreichen die Location, eine einfache Hütte. Lauter Beat schallt uns entgegen, einige junge, gechillte Leute schlurfen herum. Wir checken mal ein, losgehen soll es um 8:45 Uhr.
Ein deutlich jüngeres, fittes Paar und wir zwei Wackeldackel werden heute sledgen….
Wir werden von einem schnodderig- obercoolen Macho eingewiesen. Was für ein Unterschied zu den gestrigen netten jungen Männern bei den Ziplines. Wer Wasser liebt, der hätte Spaß, wer Wasser hasst, für den würde das hier zur Hölle, so seine Begrüßungsworte. Was soll das denn jetzt, Bitteschön? Dann geht’s auch schon weiter. Der Fluss führt nach dem gestrigen Regen besonders viel Wasser und ist entsprechend wild. Viele reißende Stromschnellen müssen überwunden werden, wir werden unter Wasser gedrückt und kommen hoffentlich auch wieder hoch. Und unsere Brillen, ist meine bange Frage? Tja die könnten wir mal gleich absetzen, mit denen geht das definitiv nicht. Upsi! Gut, wir haben unsere Schwimmbrillen mit dabei. Der Guide rotzt seine Infos nur so raus, ich verstehe längst nicht alles. Klaus und ich wechseln entsetzte Blicke. Dann kommt Jackie dazu, unsere zweite Guide. Sie ist deutlich netter und zeigt uns, nachdem wir uns einkleiden durften, ein paar Trockenübungen.


Sie zeigt uns gerade, wie wir uns winden müssen, um mit Brett wieder hoch an die Wasseroberfläche zu kommen. Ich kapiere nicht viel. 🤪 Aber die 3 goldenen Regeln dringen schon bis zu meinem Gehirn vor.
1.) Das Bord darf niemals und nie losgelassen werden! Sonst wirst du manövrierunfähig und lieferst dich hilflos der Strömung aus.
2.) Man darf never ever versuchen, sich im Fluss hinzustellen! Die Strömung reißt dich gnadenlos weg.
3.) Vor jeder Stromschnelle muss man sich vorziehen und den Kopf nach links oder rechts vorne ablegen, damit das hochschlagende Brett dir nicht die Nase bricht oder deine Zähne ausschlägt. 😱
Dann wird noch gezeigt, wie man mit den Kurzflossen den notwendigen Vortrieb erzeugt. Die Beine müssen durchgedrückt und gerade sein und nicht wie beim Tauchen bewegt werden. Ein lautes flip, flip, flip ist der anspornende Zuruf. Richtungsänderungen werden mit dem Brett eingeleitet und einmal unter Wasser muss das Brett mit durchgestreckten Armen wieder hochgedrückt werden. Während der gesamten Zeit muss immer Sichtkontakt zu den Guides bestehen und deren Kommandos befolgt werden. „Gerry“ werden die Nothaltebuchten liebevoll genannt, in die wir uns nach Ansage einfinden sollen.
Oh mein Gott, was machen wir hier bloß. Aber zum Nachdenken komme ich nicht mehr, es geht los. Die wirklich nicht leichten, teils mit Wasser gefüllten Bretter sollen nun auf den Kopf genommen und mit beiden Händen gehalten werden. So laufen wir dann in unseren Neoprensocken einen langen Weg runter zum reißenden Fluss. Der Weg ist nass und glitschig. Klaus wird mir später sagen, dass er sich nur wunderte, wie ich das schaffen konnte. Denn auch er empfand das Brett als schwer und den Weg als schwierig. Tja, ich versuche derweil ruhig und konzentriert zu atmen und einen Fuß vor den anderen zu setzen… Zum großen Glück nimmt mir Jackie bei der letzten, super eng werdenden Treppe das Board ab. Puhhh 😮💨. Dann stehen wir vor einem hohen Holzzaun, dahinter donnert das tosende Wasser den Fluss hinunter. Einer nach dem anderen muss nun über den Zaun klettern, sich am Rand des gurgelnden Wassers irgendwie die Flossen anziehen und genau zuschauen, wie unsere Guides im Wasser die Richtungsänderungen mit Brett sowie das Wiederhochkommen aus dem Sprudelwasser zeigen. Ich muss dazu noch sagen, meine Schwimmbrille beschlägt so vollständig, dass ich sie mir von den Augen reiße und wie ein Blindfisch mit zusammengekniffenen Augen versuche etwas zu erkennen. Schwierig! Klaus hat in seiner Verzweiflung den Ohrstopfen vom nicht entzündeten Ohr herausgenommen, um wenigstens etwas von den Kommandos zu verstehen. So behindert stürzen wir uns in die reißenden Fluten, mit dem Ziel, möglichst dicht hinter dem vorderen Guide zu bleiben. Der zweite schwimmt als Letzte(r).

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Ständig höre ich, Klaus, flip, flip, flip,….
und Uhrzeiten werden zur Richtungs-Orientierung gerufen. Ein Uhr wird geschrien, doch für mich ist’s 11:00 Uhr, komisch. Wo ist zwölf??? Ich kapiere es nicht und versuche den anderen hinterher zu kommen.


Wieso gibt es so viele Fotos von uns? Am Ufer, in den Büschen, sitzen mehrere Fotografen. Zu der Zeit wissen wir davon aber nichts.

Doch dann passiert‘s. Bei einer Stromschnelle schlägt sich Klaus das Knie an einem unter dem Wasser liegenden Felsen und zwar nicht zu knapp. Das ständige Geschrei, Klaus, flip, flip, flip verhallt. Er kann sein rechtes Bein kaum noch bewegen.

Sich in solch einer Nische zu halten ist alles andere als leicht! Die Strömung ist auch dort deutlich zu spüren, dreht im Kreis und reißt an einem, unentwegt. Und weiter geht’s, von Stromschnelle zu Stromschnelle. Neben, vor und hinter uns düsen zig Rafting Boote den Fluss hinunter. Auch auf die müssen wir achtgeben, schrecklich! Dann vergisst Klaus bei der letzten Stromschnelle den Kopf seitlich zu legen, und es passiert, was passieren musste…

Jackie sieht’s und meint, er solle sich mal das Blut wegwischen… Klaus hat davon gar nichts mitbekommen. Tzzzzz….. Doch Jackie weiß ja von den versteckten Fotografen und will gute Bilder.



Hier, in der letzten Gerry-Bucht schnallen wir beide gar nicht, dass wir fotografiert werden. Man sieht es unseren Gesichtern an. Auch, dass wir ziemlich fertig sind mit der Welt. Jetzt geht’s nochmal quer über den Fluss, wir dürfen keinesfalls Richtung 7-Meter-Wasserfall geraten und erreichen erschöpft den Ausstieg. Meine Güte, was sind wir froh dieses Spektakel überlebt zu haben!!! 😮💨 Meinetwegen machen wir auch noch ein Abschlussfoto:

Beim Zurücklaufen werden mir und der anderen Frau das Brett getragen, unsere Männer müssen leider selber schleppen. Und das, wo Klaus doch Knieschmerzen hat. Aber irgendwie erreichen wir das Camp, schälen uns fix und foxy aus den nassen Neoprenanzügen und zuckeln zum Auto. Unsere Guides sind da schon wieder mit nem neuen Kurs beschäftigt. Das andere Paar ist begeistert, dass wir diese Challenge so gut überstanden haben. Auch sie hatten zu kämpfen. Danke. Aber für uns war das jetzt definitiv das erste und das letzte Mal❕Was sich unser Reiseveranstalter dabei wohl gedacht haben mag, bleibt uns ein Rätsel. 🧐
Es ist erst frühe Mittagszeit, und zurück in unser kleines Zimmer wollen wir jetzt auf gar keinen Fall. Das Wetter ist gut, da fahren wir doch gleich mal bei den Geysiren vorbei, oder?! Abgemacht. ✅


Oh, das sieht aber verheißungsvoll aus! Dieses wilde Land ist im Besitz einer Māori Familie. Ich denke mal, die Briten konnten mit dem von Geysiren und blubbernden, heißen Schlammlöchern durchzogenen Land nichts anfangen. Und so blieb es in Māori Besitz. Heute ist dieses Gebiet ein großer kommerzieller Park, der der Eigentümerfamilie viel Geld einbringt. Das freut mich für sie! Wir schließen uns einer Führung an, die von einem der vielen Familienmitglieder geleitet wird.


Was ist das wieder für eine bizarre und beeindruckende Landschaft!
Schwefelige Schwaden wabern über eine unwirkliche Landschaft, Schwefelgeruch überall. Es würde mich nicht verwundern, käme Luzifer plötzlichen hervor… 👹.



Pupsende Schlammlöcher, bis zu hundert Grad heiß, würden unsere Enkeltochter, die den Weltrekord im Pupsen hält, begeistern. 🤭


Das sieht ja alles irgendwie ganz niedlich aus. Aber in Wirklichkeit tobt unter der Oberfläche das pure Grauen! 😬
Doch der große Ausbruch des Hauptgeysiers lässt auf sich warten. Unsere Guide führt uns derweil ins Kiwi Haus. Und tatsächlich können wir im dunkeln 3 Vögel erkennen. Aber auch hier herrscht strenges Fotoverbot. Nur ausgestopfte Exemplare dürfen abgelichtet werden. Menno… 😏


Tja, ist schon ein komischer Vogel!
Der Park ist neben dem Kiwi Haus echt schön angelegt. Blumen,

Blüten,

Farne,

Flüsse, Büsche und Bäume verlocken zum Herumspazieren.






Wir laufen bis zur Māori Hochschule der Künste. Jepp, diese noble Einrichtung befindet sich ebenfalls auf diesem Gelände. Hier können die Schnitzkünste der Urbevölkerung studiert werden sowie weitere Techniken der überlieferten Handwerkskunst. Wir lassen uns alles zeigen.




Aber gab es diese und andere Künstler wirklich? Signierte Stücke dieser Herren gibt es keine. Das war auch gar nicht üblich. Niemand signierte seine eigenen Werke. Vielmehr stehen verschiedene Stile in einer langen spirituellen Reihe von Weiterentwicklungen ganzer Generationen. Als Gemeinschaft, für die Gemeinschaft, in Tradition zur vorherigen Gemeinschaft wurden und werden Kunstwerke geschaffen, Kriegsboote und Gemeinschaftshäuser verziert, Schmuckstücke kreiert.




So, nun wissen wir aber gut Bescheid über das Handwerk der Künste, die Māori und ihre weitreichende Mythologie.
Nach dieser umfänglichen Führung schlendern wir noch ganz entspannt über das Gelände, zu den Geysiren. Immer in der spannenden Erwartung auf den großen Ausbruch des Hauptgeysiers. Und dann ist es plötzlich soweit. Das tiefe Magma hat heiße Arbeit geleistet und haut das kochende, schwefelige Wasser volle Kanne raus.


Das ist jetzt doch der perfekte Abschluss❣️ Klaus’ Knie schmerzt, hat aber gehalten, und nun zuckeln wir zum Auto und fahren in unsere “tolle” Unterkunft. Dort warten Jeff und Janice mit dem Abendessen auf uns. 😬
Wir sitzen zusammen am Tisch, und die Familie isst Suppe… 😂 Nein, es gibt Barbecue-Kartoffeln mit Steak und Salat, und es schmeckt richtig gut. 👍 Doch während des Essens bekommt Klaus einen ordentlichen Krampf im Bein. Das dumme ist nur, er kann wegen des schmerzenden Knies nicht aufstehen, um das andere Bein gegen den Krampf auszustrecken. Jetzt wird’s “lustig”. Schafft Klaus den Aufstand? Er wackelt hin und wackelt her, lacht, stöhnt, jault, zappeltl… und steht. 🤭Irgendwann lässt dann auch der Krampf nach, Klaus nimmt erneut Platz und isst weiter… 😜 Zum Nachtisch gibt’s auf allgemeinen Wunsch wieder Apfelkuchen mit Vanilleeis. Schon lecker…❣️Auch eine lockerere Unterhaltung kommt zustande. So erfahren wir, dass Janice eine neue Hüfte braucht, aber wegen Herzproblemen und massivem Übergewicht das Ganze zum Harakiri werden könnte. Schwierige Sache! Auch Alva ist später per Videoschalte mit dabei. Dann schmeißen wir uns komplett erledigt ins schmale Bett. Gute Nacht, ihr Leut!
Morgen geht’s wieder früh raus, eine Wanderung auf einen schlafenden Vulkan steht an. Ob das Abenteuer auch mit kaputtem Knie klappen wird? Man wird sehen….
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