
Wir ziehen es durch! Wir starten! Wir legen ab! Doch zuerst muss ausklariert werden. Da bekommt Klaus einen Anruf. Hä? Die Offiziellen sind‘s, sie kommen früher. Das ist ja super, denn um 9:00 Uhr ist Slacktime. Das aus der Box Herausfahren liegt Klaus sowieso schon seit gestern schwer im Magen. Aber so….
Um 9:03 Uhr legen wir ab, völlig problemlos. 👍 Los geht’s. Der Tacho steht bei 27.400 Seemeilen, 1.300 Seemeilen sind’s bis Newcastle, Pi mal Daumen. Denn wir werden nicht kerzengerade rüberfahren können, leider. Drei Wirbelstürme gilt es im Auge zu behalten, die Strecke daraufhin anzupassen. Wir winken Paihia zum Abschied 👋…

Noch sind wir im geschützten Bereich der Bucht und beobachten ein Fun-Parasailing. Die beiden Vergnügten werden gerade wieder reingezogen….

Bei uns tut sich hingegen das erste Problem auf. Wo bleibt unser Boatspeed? Wir habe keinen… 🤨. Das Rädchen scheint schon wieder zuzusitzen, shit! So geht das aber nicht, der Infogeber muss erneut raus. Klaus kontrolliert, das Rädchen dreht sich einwandfrei. Daran kann es nicht liegen. Hmm… 🤔? Da muss das Unterwasserschiff wohl veralgt sein, so dass das Fahrwasser nicht ungehindert durch’s Rädchen strömen kann, oder? Ich will echt nicht wissen, wie es unten am Boot aussieht!!! 🫣 Ich glaube, das sagte ich schon mal.
Um 11:00 Uhr ist unser neues Großsegel gehisst, das alte Jib auch. Ein altbekanntes Problem stellt sich wieder ein, beide Segel passen nicht so wirklich zu einander. Das Groß ist zu groß, oder das Jib zu klein. Es bekommt kaum noch Wind ab und schlackert. Eine Segeltuch-Diskussion entbrennt. Hätten wir das Groß kleiner wählen sollen? Nein! Da hätte es ein Minisegel werden müssen… Das geht auch nicht. Oder das Jib müsste durch ein größeres Segel, die sogenannte Genua ersetzt werden. Die Genua hat dann aber wiederum andere Nachteile, da man sie nicht zum Sturmsegel verkleinern kann, unser Jib aber schon. Es gibt bei der Besegelung sooo viel abzuwägen, puhhh. Was können wir hier und jetzt tun?
A) Das gesamte Groß wird ein Stück weiter nach hinten gezogen. Das ist etwas aufwändig!
B) Das Groß wird gerefft.
C) Das Jib kommt rein, das größere Screecher raus.
Hmm,… wir überlegen noch. 🤔
Denn jetzt ist hoppy horsing angesagt.
🌊🌊🌊🌊⛵️🌊🌊🌊🌊hoppa, hoppa Reiter, wenn er fällt dann schreit er,….
Nein, stimmt ja gar nicht, es fühlt sich eher wie ein explosiver Schleudergang an. 🤢 Zum Spätnachmittag nimmt der Wind deutlich ab, von 27 auf 12 Knoten. Doch erst einmal bleibt die See schwabbelig, und Yuti wackelt kräftig weiter. Bähhh… Dennoch schlafe ich viel 🤭, Klaus wenig 🫤. Ich weiß auch nicht, ich habe wohl wieder einmal die Müdigkeit gepachtet.
So geht es durch die Nacht. 🌙
Dienstag, 27.01.26
Es ist 9:00 Uhr, der Tacho verrät, 105 NM sind wir vorangekommen. Ein neuer Wetterbericht liegt vor, und Klaus macht große Augen 😳. Eine neue Kaltfront macht sich auf den Weg zu uns, oder wir zu ihr? Das sieht gar nicht gut aus! Doch jetzt und hier strahlt die Sonne und alles ist gut.
Tatsächlich sind wir regelrecht umzingelt von wirbeligen Stürmen. Wären wir gestern nicht losgefahren, hätten wir viele weitere Wochen warten müssen. So könnten wir gerade noch durchflutschen. Nur diese neue Kaltfront macht uns Bauchschmerzen. Jetzt nutzen wir aber die Zeit, das Großsegel etwas weiter nach hinten zu bugsieren. (Also Vorschlag A wird gezogen.) Auch die drei Blöcke der Reffleinen liegen viel zu weit vorne, schubbern und behindern sich gegenseitig. Nach dem gemeinsamen Fummeln, Huch 😂, ist es besser. Die Blöcke haben wieder Spiel, das Segel steht besser. Gut so.
Über den Tag schläft der Wind mehr und mehr ein. Das Meereswasser ist wieder kristallklar, und Klaus riskiert einen Blick runter an unsere Rümpfe und Ruder. Was er dort sieht, verschlägt ihm die Sprache. Da schaue ich doch auch mal nach. Upsi, das schöne, neue Antifouling ist übersäht von unzähligen, kleinen Seepocken. Das kann aber so nicht bleiben, meint Klaus, als er seine Sprache wiedergefunden hat. Die müssen ab! Wir beschließen ins Wasser zu springen und den Tierchen den Garaus zu machen. Die Segel werden eingeholt, der Motor ausgeschaltet, das Lenkrad festgebunden. Wir schlüpfen in unsere Neoprenanzüge, legen Schnorchel, Taucherbrille und Flossen an und bewaffnen uns mit Schaber und Messer. 🔪 Messer, um im Fall von Hai-Attacken wenigstens noch zustechen zu können. Kaum bin ich im Wasser, was mir übrigens sehr kalt vorkommt, ich muss prusten und quieken, nehmen 2 Seevögel neben mir Platz und beobachten ganz genau, was ich mache. Lustig!

Ungläubig glotze ich auf unsere verpockten Rümpfe, Kiele und Ruder. Das kann doch wohl nicht wahr sein!!!??? Ich bin schockiert! So etwas hatten wir noch nie bei keinem bisherigen Antifouling und in keinem Gewässer! International Micron Extra 2, ist das angeblich beste und definitiv das teuerste Antifouling, das wir in Neuseeland bekommen konnten. Ein scheiß Antifouling ist das! So ein Mist, verdammter… Ich darf nicht weiter nachdenken, sondern muss ins Handeln kommen. Also ran an die Pocken. Jetzt wird geschabt und gekratzt nach Leibeskräften. Jeder nimmt sich einen Rumpf vor. Um weiter nach unten zu kommen muss getaucht werden, was nicht leicht ist, ohne Gewichte und Sauerstoff. Schnell dreht sich der Körper und driftet wieder nach oben. Prustend und nach Luft schnappend geht es wieder und wieder runter. Mensch, ist das anstrengend!!! Beide kämpfen wir unermüdlich gegen die Pockenplage an. Tausende, Abertausende sind’s. Die Bugspitzen sind komplett von Pocken besetzt, da schaut gar kein freies Antifoulingplätzchen mehr heraus. 🫣 Alle Pocken die wir abkratzen hinterlassen ihren kleinen, weißen, runden Fußabdruck, der mit Hormonen durchsetzt ist und die nächsten Pockenlarven wie ein Magnet anziehen wird. Oh Mann. 🤦 Diese Füßchen bekommen wir aber so nicht weg. Dazu müsste das ganze Antifouling wieder abgeschliffen werden. Also, haben wir nach dieser Aktion ein weiß gepunktetes Unterwasserschiff. 🙄 Ich weiß nicht, wie lange wir schon schuften? Ich weiß nur, mir ist schlecht. Ich muss mich übergeben, jetzt direkt ins Wasser🤮Und dann muss ich raus, wieder an Deck! Meine Kotze riechen die Haie bestimmt… und Klaus ist auch schon an Deck. Ihm ist auch übel und Kopfschmerzen hat er noch dazu. Wir sind beide völlig am Ende. Fertig sind wir mit der Kratzerei nicht. Vielleicht haben wir 80 Prozent der Pocken abbekommen ? Blöd! Aber mehr geht einfach nicht. Wird das jetzt für Australien Konsequenzen haben? Lassen die uns mit Pocken überhaupt rein? Wir werden sehen….
Gegen Abend ist der Wind bei Null. Erst hatten wir noch das Screecher gesetzt und sind gesegelt. Jetzt geht nichts mehr. Die Wasseroberfläche ist ganz glatt, und du hast das Gefühl in einer riesigen Badewanne zu sitzen, in der nicht geplanscht wird.

Aus den 2 Seevögeln sind schnell 8, dann 10 geworden. Es sind Buntfuß-Sturmschwalben, ein häufig vorkommender Bewohner der Meere.







Und kurz nach Acht bekommen wir noch einen schönen Tagesabschluss zu sehen.

Durch mein abgedunkeltes Küchenfenster sieht’s nochmal besser aus❣️

Es ist traumhaft still! Kein Wind, kein Rauschen, kein Plätschern, nix. Herrlich❣️Da der Wind auch nach Sonnenuntergang noch nicht wiedergekommen ist, starten wir nun einen der beiden Motoren und dieseln ein Stück weiter. Später setzen wir das Screecher, und noch später schalten wir den Motor wieder aus.
Gute Nacht 🌛
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