Nach dem Sturm

Mittwoch, 04.02.26

Wir haben es durchgestanden! 😮‍💨 Mann bin ich froh!!! 🤗 Halleluja! 130 Seemeilen sind wir in den letzten 24 Stunden gesegelt und davon bestimmt die Hälfte wieder in die richtige Richtung. 👍

Jetzt schaukeln wir wieder sanfter durchs Wasser und werden stetig von Sturmvögeln begleitet.

Gestern, beim gegen die Wellen Knallen dachte ich, jetzt werde ich seekrank. Aber durch stoisches Sitzen im Salon, nicht runter in die Küche gehen oder sonst wie rumhampeln, war die Übelkeit wieder verschwunden. Und auch diese Episode ward überstanden. In der Nacht konnte ich sogar sage und schreibe 5 Stunden schlafen. Zuvor kam Klaus vielleicht auf 3 Stunden. Wenigstens etwas. Kurz haben wir überlegt, ob wir nun ganz dicht an Lord Howe Island vorbeifahren und glotzen, haben uns aber dagegen entschieden. Denn diese und die anderen 12 Inselchen liegen in einem strengen Schutzgebiet, und wir sind ja noch nicht einmal einklariert. Nee, das machen wir besser nicht, später sind die Offiziellen noch sauer auf uns… 😏. Jetzt halten wir direkt auf die australische Küste zu. Bloß auf die starken Strömungsbänder müssen wir Acht geben, um nicht andauernd gegen diese anbolzen zu müssen. Im Moment segeln wir ohne Motorhilfe, mit Jib, so um die 3 Knoten. Passt. 👍 Wir sind ja erst für Montag angekündigt. Doch dann kann ich ganz plötzlich Lord Howe Island entdecken, schemenhaft und in der Ferne.

Nur 350 Bewohner hat dieses Island. Folgendes habe ich gefunden:

Gerne hätte ich dieser Insel einen Besuch abgestattet. Vielleicht machen wir das ja, wenn wir später im Jahr die Ostküste hochsegeln werden. Jetzt genießen wir die Herrlichkeit der Ruhe, entspannen uns, essen gut, hören einen Krimi, schlummern ein…

… so erschöpft.

und schaukeln gemütlich voran. Dann gibt es etwas zu tun. Das Screecher muss wieder aufgebaut werden, denn der Wind ist mittlerweile doch etwas zu wenig fürs Jib. Allerhopp. Das Boot ist komplett mit Salz paniert, und Klaus spritzt es notdürftig mit unserem Frischwasser ab. Plötzlich kommt nichts mehr, die Frischwasserpumpe hat den Geist aufgegeben, wieder einmal… 🫤. Gibt es wohl irgendein Gerät an Bord, das mehr Aufmerksamkeit vom Kapitän bekommt als die Frischwasserpumpe??

… mit nassem Popo. 🤭

Er nimmt sich das Teil genauestens vor, tüftelt hier und tüftelt da und bereitet 2 weitere Mikroschalter vor, für zukünftige Ausfälle. Jepp, es liegt zu 99,9 Prozent immer am Mikroschalter. Ich koche in der Zwischenzeit, schreibe am Blog und befasse mich mit dem möglichen Glasfaseranschluss in Mainz-Mombach… Dann geht es wieder in die Nacht, nach einem wundervollen Sonnenuntergang. Ganz großes Kino! 🍿

So ein schöner Pinselstrich.

Nach dem Sonnenuntergang kommt der noch fast volle Mond hervor, meine Nachtwache beginnt…

Donnerstag, 05.02.26

Hu, huuu, wir haben Mitstrom, aber fast keinen Wind. Das Screecher muss rein, selbst dafür reicht der Wind nicht, der Motor an… Nein, Klaus will jetzt nicht motoren, wir haben ja Zeit. Okay, dann dümpeln wir mal wieder…. Um 9:00 Uhr fällt mein Blick auf unseren Tacho. 119 SM sind wir vorangekommen.
Mein Gott, was bin ich müde! Klaus auch! Wir lassen aber dennoch das Jib zur Stabilisierung heraus und driften nun nach entsprechender Rudereinstellung mit Hilfe des Stroms in die richtige Richtung. Jetzt aber!!! Beide schlafen wir umgehend ein und pennen um die Wette. Wobei ich deutlich in Stunden vorne liege. 😴
So geht es dahin, bis der Strom nach und nach seine Richtung ändert und der Wind wieder übernimmt. Es ist noch Zeit, bei herrlichem Sonnenschein, ein paar aufgetrieselte Nähte und Schubberlöcher im Jib zu reparieren. Wir sitzen beide vorne und geben uns abwechselnd die Nadel in die Hand. 🪡🧵 Auf die Löcher wird Spezialfolie geklebt. Fertig ✅ Eigentlich ist unser Jib durch, kaputt und dreckig und müsste ausgetauscht werden, so wie unser Groß. Das Tolle ist, wir haben ein nigelnagelneues Jib in unserer großen Luke zu liegen. Ich denke, wir tauschen es demnächst mal aus. 😁
Nach diesen Reparaturarbeiten dauert es nicht lange, das Jib kommt rein, und das Screecher darf wieder seinen Job machen. Klaus und ich machen uns derweil auf die Suche nach dem richtigen Strom. Gar nicht so leicht kann ich nur sagen! Wie eine Schlange dreht und wendet sich der Hauptstrom, und Mit- sowie Gegenstrom liegen zeitweise dicht beieinander. So zeigt‘s der Plotter, die Realität ist aber oftmals anders, ganz anders….
In der Nacht kommt kräftiger Wind auf und wir preschen mit 7 bis 8 Knoten durchs Wasser. Hey, das war aber ganz und gar nicht vorhergesagt. 🤔

Freitag, 06.02.26

Um 9:00 Uhr haben wir 100 SM mehr auf dem Tacho, und es geht weiter fett zur Sache. Wie es aussieht haben wir den Mitstrom gefunden.

Und schon haben wir wieder das Problem mit der Geschwindigkeit. 🙄 Zu schnell, zu langsam, zu schnell…. Tja, wir sind jetzt wieder zu schnell. Wie war das mit dem Wochenende und der Ankunft? Nicht am Wochenende, bitte! Und was machen wir da? Na, Screecher rein und Jib raus natürlich. Gleich sind wir 2 Knoten langsamer und genießen das schöne Wetter. Jepp, es wird wärmer, auch das Wasser. Auf brüllende Hitze müssen wir uns aber nicht einstellen. An der Küste ist es stets angenehm, mit 24/26 Grad. Im Innern des Landes hingegen brühtet die Sonne und schmurgelt bei 40 bis 50 Grad alles Leben weg. 🥵 Was wollen wir eigentlich in Australien machen? Tja, einmal von Newcastle nach Sydney schippern, steht auf unserer Wunschliste. Mit dem Boot rein nach Sydney Harbour, die Skyline, die Oper vom Wasser aus bestaunen, ja, das wollen wir. Dazu müssen aber die Wetterbedingungen für’s Segeln wieder einmal passend sein, schauen wir mal. Klar ist, wir möchten nach Tasmanien fliegen…

und mit dem Mietwagen diese ganz besondere, australische Insel erkunden. Sie zeichnet sich aus durch spektakuläre Natur und moderate Temperaturen. Wir werden wohl dieses Mal ganz auf eigene Faust losfahren, auch auf die Gefahr, dass wir mal ein gewünschtes Hotel nicht bekommen oder Aktivitäten ausgebucht sind. Zur Not hätten wir ja immer unseren Leihwagen. 🤭 Später im Jahr soll es dann mit Yuti die Ostküste hochgehen. Vom Barrier Reef über die Sunshine Coast und so vieles mehr, gibt es wunderschöne Küstenabschnitte zu bewundern und erkunden. Ich werde schon ganz aufgeregt und zappelig, wenn ich nur daran denke. Doch zu allererst müssen wir unsere Zielmarina zum richtigen Zeitpunkt erreichen! Langsamer geworden, genießen wir Sonnenschein, leckeres Essen, Hörbücher und Podcasts. Wenn wir erst die Küste erreicht haben, ist Schluss mit dieser entspannten Gemütlichkeit. Etliche Frachter und Fischer bevölkern die 100 Meter Tiefenlinie an der Küste. Eigentlich schade. 😌 Ich liebe diese Ruhe und dieses Alleinsein hier und jetzt sehr❣️
Da funkt’s « Djueti », « Djueti », here is Border Marine Rescue, Border Marine Rescue, ….
Meint der uns??? Die Australier haben ja wirklich eine lustige Aussprache. Die sagen zum Beispiel nicht day sondern {dai}, oder {woota} statt water. Doch wir können gar nicht antworten, da unser Funk nicht so stark ist, dass die Herrschaften uns in 100 SM Entfernung hören könnten. Wir verstehen aber, dass sie uns im Blick haben, „we monitoring you“, jepp, das wissen wir. Vielleicht wundern sie sich ob unserer Langsamkeit? Denn das ist schon eher ungewöhnlich! Die meisten Segler wollen so schnell wie möglich ihre Passage zu Ende bringen. Vielen ist es wichtig, möglichst wenige Tage für eine Überfahrt zu benötigen. Der, der am wenigsten Zeit braucht, hat gewonnen… 🥇. Bei uns ist das anders, abgesehen von der damaligen Malediven Rallye. Da wollten wir schnell sein, was wir dann auch in der Tat waren. 😄 Aber jetzt lieben wir geradezu die Langsamkeit, lieben das gemütliche Dahinsegeln bei schönem Wetter.

Guck mal, ein Halo-Effekt.

Nun gut. Dann schunkeln wir mal so weiter.
Zur Nacht hin legt der Wind ne Schippe drauf, und es geht wieder ruppiger zur Sache. Auf dem Plotter sind schon einige Frachter und mindestens 3 Fischereiflottillen zu erkennen. Der Platz auf dem Wasser wird nun deutlich enger.
Ich befinde mich in meiner Nachtwache, da gibt es plötzlich einen lauten Knall. 💥 Huch, was war‘n dass?? Reißen etwa erneut die Wanten? Nee, aber ich höre weiteres Gerumpel. Beim Hinaustreten rieche ich es schon, Fischalarm! 🙊 Ein größerer Fliegefisch hat es bis in den Leinenkasten geschafft und zappelt hektisch weiter darin herum und kackt. Ich schnappe ihn mir und werfe ihn wieder zurück ins Wasser. Gut. ✅ Meine Hand stinkt jetzt aber nachhaltig, iiiiiii. Heißt es nicht immer, wenn der Fisch nach Fisch stinkt, ist der Fisch alt?! Komisch. 🤔
Wir holpern weiter durch die Nacht, der Wind und auch die Wellen haben noch mal zugelegt. Das gechillte Dahinsegeln ist definitiv vorbei. Bäää….
Morgen ist Samstag, und der vorletzte Segeltag bricht an. Ich bin gespannt, ob wir erneut zu schnell, oder zu langsam sein werden?! Eigentlich sind zwei Flautentage vorhergesagt. Mal gucken…

Ein Kommentar

  1. Ach wie schön, dass Ihr es geschafft habt und vor der australischen Küste angekommen seid! 😊 Was für phänomenale Sonnenuntergang-Fotos 🤩! Genießt Australien, viel Spaß beim Entdecken! 🫶

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