Um 5:30 Uhr geht‘s raus aus den Federn, um 6:00 Uhr soll’s losgehen. Tatsächlich segeln wir schon um 5:45 Uhr. Sauber!

Bloß die vielen Fliegen nehmen wir mit. 🪰Klaus wird zum Massenmörder. Nee, wird er nicht, die Fliegen fliehen.








Dann werden wir halt zum Fliegentransporter und müssen sehen, wie wir sie zur Nacht wenigstens aus dem Innenraum wieder loswerden. 🪰🪰🪰 Dafür haben wir jetzt richtig guten Wind und kommen auf gute Geschwindigkeiten. Auch das könnte ja helfen, die Fliegen loszuwerden. 🪰🪰🪰

Entlang der Küste kommen wir prima voran.

Um 8:17 Uhr passieren wir die Seal Rocks Light House Cottages. Der halbe Mond steht noch am Himmel.

1875 wurden Leuchtturm und Cottages für das Leuchtturmpersonal gebaut und später für den Tourismus liebevoll restauriert. Heute ist es ein spektakulärer, aber ruhiger, abgelegener Ferienort. Hochzeitsreisende finden sich gerne dort ein, wir segeln daran vorbei. ⛵️


Ein doller Felsen, auf dem der Leuchtturm da steht!


Dann liegt Crowdy Head voraus…

Alle markanten Felsvorsprünge tragen hier Namen. James Cook, der mal wieder, segelte einst hier vorbei und erspähte einen Pulk von Aborigines auf dem Felsen stehen. Sie waren überrascht und neugierig wegen seines Segelschiffes, und er zeigte sich überrascht ob der Menschenmenge und nannte den Felsen kurzerhand „Voller Kopf“, Crowdy Head. Da segeln wir jetzt noch herum und erreichen immer noch mit gut Wind, die dazugehörige, riesige Bucht.


Die orangene Stunde ist schon eingeläutet, aber wir ankern bereits als einziges Boot in dieser übergroßen Bucht. Genau zum Ankerwurf ebbt der Wind ab. Wie passend! Zur Streckenplanung gehört immer auch, genau zu wissen, woher der Wind weht und ob die angepeilte Bucht den dafür entsprechenden Schutz bietet. Hier passt alles, und wir verbringen eine entspannte Nacht. Ein paar Fliegen sind uns noch treu geblieben. Aber sie tuen gut daran, sich nicht bei uns blicken zu lassen, sofern ihnen ihr Leben lieb ist. 🪰
Um 6:00 Uhr und eppes geht’s schon wieder weiter…
Es liegen nur 15 Seemeilen vor uns bis zum nächsten Stopp, aber Klaus möchte noch etwas vom Morgenwind mitnehmen. Allerhopp. Der Anker wird gehoben, kein Schlick hüllt ihn ein, wir entrollen das Screecher und kommen eine 3/4 Stunde lang gut voran. Ziel ist das Camden Haven Inlet. Jepp, diesmal geht es in einen Fluss hinein. Zwei Besucherbojen stehen dort zur Verfügung. Ob da eine für uns frei sein wird? Klaus steht unter Spannung. Im Fluss ankern ist nicht ohne. Mal schauen…




Per… was? Senkrechte Landspitze heißt das. Jau, das passt!👍






Und das ist die Einfahrt in den besagten Fluss, zur Ortschaft Laurieton.
Ohhh, das wird jetzt aufregend! Es gibt Brandungswellen, es wird eng und es wird sehr flach, bis auf 2 Meter!! Ohhh, ich bin schon ganz zappelig!!! Klaus ist hochkonzentriert❕Er hat sich die Einfahrt zuvor auf der eigens dafür aufgebauten Kamera angeschaut, aber in Echt ist’s doch welliger als auf dem Livebild.

Gleichzeitig möchte ich, dass er auch noch Screenshots von Yuti macht, sobald sie im Kamerabild erscheint. Verrückt oder? Ich will natürlich auch fotografieren und mit Argusaugen auf den Tiefenanzeiger gucken! Was ist wohl wichtiger? 😜





Wir sind durch! Wir sind drinnen im Fluss! Puhhh 😮💨! Aber die volle Entspannung kommt noch nicht! Es bleibt weiter sehr, sehr flach. Kurz bekomme ich sogar Schnappatmung, als es unter 2 Meter Tiefe geht. 😯 Und an der Böschung sind wir auch ganz schön dicht dran!





Wir sind natürlich nicht über Land gefahren!




Es ist schon seeehr idyllisch und friedlich❣️Eine ganz besondere Stimmung fängt uns ein. Auch, wenn wir immer noch etwas angespannt sind. Ob wohl eine der beiden Publikumsbojen noch frei sein wird?!

An dieser Orientierungsboje müssen wir noch links vorbei, eine Sandbank passieren…

und dann fällt der Blick auf:

Zwei belegte Bojen. Mist, Mist, Mist… 🙁.
Und am Steg hängt noch ein Katamaran. Puhhh, dann müssen wir ankern. Schauen wir mal. Also, der Anker sitzt erstmal, und jetzt heißt es die wechselnden Strömungen durch die Gezeiten gut im Auge zu behalten. Dreht sich der Anker raus oder hält’s?
Schau mal Klaus, drüben am Steg sind ganz schön viele Pelikane.



Da kommt eine blonde, hübsche Maid im Dirndel, nein, im Dinghy zu uns gebrettert. Hallöchen 👋, Rita aus Hannover ist da. Sie hat uns deutsch reden hören und will sofort wissen, wo wir herkommen und wo wir hinwollen. Sie ist ganz aufgeregt und will’s gleich ihrem Vater in Hannover erzählen. Sie selbst lebt schon seit 2001 in Sydney. Dort ist sie Physio- und Chiropraktikerin, hat vor einem Monat ihren jetzigen Freund mit Boot kennengelernt und will nun mit ihm die Ostküste unsicher machen. Dafür hat sie sich kurzentschlossen für 4 oder gar 5 Monate frei genommen. Wow! Mutig! Toll! Dann ist sie also die Crew vom kleineren Monohull und im dickeren sitzt der Freund ihres Freundes mit Frau und zwei kleinen Töchtern. Sie sagen uns, sie blieben wohl a couple of days… Oh ha, da können wir die Bojen für uns auf jeden Fall abschreiben. Es bliebe noch die blaue Polizeiboje, tatütatata 🚨. Nee, das können wir echt nicht machen. Jetzt muss Rita mit ihrem Freund an Land, um dickes Öl zu besorgen, ihr Motor tropft… Tschau, tschau, man sieht sich… 👋✋👋


Hier ist echt ne super gechillte Urlaubsstimmung, gefällt mir richtig gut❣️

Aber Klaus ist muffelig. Keine freie Boje und dann ist auch noch unser GPS kaputtgegangen. Er hat zwar Ersatz dabei, aber es gibt ein blödes Gefummel, um das alte herauszubekommen. Ich helfe natürlich so gut ich kann, und irgendwann ist das alte Teil draußen. Das neue zu montieren ist dann gar nicht mehr so schwer, und nach einer guten Portion Spaghetti mit Gemüse ist die Stimmung wieder im Lot.
Das Screecher ist auch schon abgebaut und der Bugspriet eingeklappt. So schubbert sich nichts an der Bridle kaputt, denn auch wir wollen ein paar Tage hierbleiben. Denn ab morgen zieht ein Sturm auf. Was der Anker dann im schlammigen Flussbett machen wird? Wir müssen aufpassen!
Am nächsten Morgen
Die Nacht war ruhig, der Anker hielt. Viele, viele Pelikane sitzen auf der Sandbank und sonnen und putzen sich. 😎

Wir warten auf die Umkehr der Strömung, um den Anker zu kontrollieren und dann mal von Bord gehen zu können. Aber auch 2 Stunden nach Tidenwechsel hat sich Yuti noch immer nicht gedreht. Wir wagen es trotzdem und setzen mit dem Dinghy über.

Die Australier sind sooo sportlich! Ganz besonders auch die älteren. Ich bin begeistert!


Wir haben Müll dabei, eine Tonne steht bereit und unsere Rucksäcke für einen Einkauf beim Supermarktriesen Coles. Der ist gut sortiert, und mit allem, was wir gerne haben wollten, kehren wir zu Yuti zurück. Jetzt hat sie sich auch gedreht und der Anker hält. Wir verstauen unsere Einkäufe und düsen gleich wieder los. Bis zum Queens Lake wollen wir es schaffen. Das geht nur mit dem Dinghy, da Brücken den Weg für Segelboote versperren.






Schon nach wenigen 100 Metern in den Flussarmen, treffen wir auf viele tolle Vögel und Austernfarmen, eine nach der anderen.





















Dann erreichen wir den Königinnen See und eine regengeschwängerte Wolkendecke.





Jetzt fahren wir wieder zurück und haben schon ordentlich Benzin verbraucht. Hin und wieder überholen uns junge Kerls mit ihren Blechbooten, quieken und johlend und mit deutlich mehr Speed.🥳













Wir sind wieder zurück und Yuti ist noch da. Das war jetzt ein wirklich schöner Ausflug in Australiens tolle Wasser- und Vogelwelt. 🤗
Wie machen wir jetzt weiter? Eigentlich dachte ich, wir blieben noch ein bisschen hier, in dieser sehr, sehr schönen Flussidylle. Aber Klaus zieht es weiter. Die Ausfahrt aus diesem “Bullerbü” steckt ihm schon jetzt in den Knochen und macht ihn ganz unruhig. Wir müssen dann nämlich gegen die einrauschenden Wellen gegenan, und dieser Moment gilt als durchaus gefährlich. Warnungen poppen überall auf. Nicht zuletzt am Ausgang selbst.

Ich glaube, mein Kapitän möchte es hinter sich bringen. Schauen wir mal… .
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