Ein letztes Hotelfrühstück, dann checken wir aus, winken Auckland zum Abschied 👋✋👋 und sagen leise Servus.
Auf dem Weg nach Hause/Yuti, kommen wir an einem Kauribaum Museum vorbei. Das ist nicht irgendein Museum, sondern DAS Kauri Museum des Landes. Da müssen wir definitiv hin! Wo wir doch selber einen Esstisch aus Kauriholz haben, auch wenn der aus einem Sumpfkauri geschnitten wurde. Das sind Bäume, die während der letzten Eiszeit unter Schlamm, Eis und Schnee begraben waren und von einer italienischen Firma wieder ausgebuddelt wurden. So, nun wächst dieser Kauri ausschließlich in Neuseeland und zwar nur im Norden der Nordinsel.

Da sind wir ja gerade, passt also.
Er ist bei den Māori heilig, kann über 50 Meter hoch und 2.000 Jahre alt werden. Stammesumfänge von bis zu 16 Metern und mehr sind durchaus möglich. Die Māori bauten ihre riesigen Kriegskanus aus diesen Giganten. Doch als die Europäer kamen, ging es dem Kauri so richtig an die Rinde. Dieser Baum hat die Eigenschaft, kerzengerade und ohne Astlöcher zu wachsen, da die Krone wirklich eine Krone ist und nur ganz ganz oben draufsitzt. Auch wächst er ohne Jahresringe und sorgt in der Verarbeitung für außergewöhnliche Oberflächen.


Für die Europäer war das der Baum der Bäume, für alle Fälle. Für den Hausbau, für Möbel, für den Schiffsbau, Zäune, Eisenbahnschwellen, Wandvertäfelungen und vieles, vieles mehr. Und so fällten sie einen nach dem anderen, bis kaum noch einer übrig war.


Eine ganze Industrie entwickelte sich um das Fällen und Verarbeiten dieser Bäume herum.

Erst wurde nur mit Motorsägen gearbeitet, dann wurden riesige Bandsägen und andere Maschinen und Maschinchen entwickelt.
Sogar eine Melkmaschine ist mit in dieser Ausstellung zu sehen. Klaus ist total begeistert und würde am liebsten in die Maschinen hineinkriechen. Da hätte er doch besser Maschinenbau studiert, statt Wirtschaft, Banken und Versicherungen. Aber, auf unserer Reise wird sein Maschinenverständnis und das Interesse am Lösen technischer Probleme ja ordentlich genutzt und gebraucht. Passt doch. 👍
Der Kauribaum produziert auch noch große Mengen Harz. Das wurde ebenfalls umfänglich geerntet und genutzt. So zum Beispiel als Bestandteil von Linoleum, zur Herstellung von Lacken, für Schmuck, ähnlich wie Bernstein…

und als Räucherwerk und Heilmittel für die Māori.
Für mich ist’s interessant, dass der Kauri eine Konifere, eine Fichte ist, also zu den Nadelgehölzen gehört. Zu erkennen ist das erstmal nicht wirklich, sehen die Nadeln doch eher wie kleine, ledrige Blättchen aus.

Doch die Samen reifen in Zapfen und auch die Harzproduktion zeigen deutlich, zu welcher Familie der Kauri gehört.

Das Museum ist wirklich toll gemacht. Sogar ein ganzes Haus aus kolonialer Zeit ist im Gebäude untergebracht.

Auch eine Kapelle und eine provisorische „Zahnarztpraxis“ ist mit dabei.


Zurück zum Kauri. Heute sind die verbliebenen Bäume streng geschützt. Nur Māori selbst dürfen mit vorheriger Genehmigung noch Kauris fällen. Für sie ist der Baum ein Heiligtum und gilt als „Lord of the Forrest“. Insbesondere der bekannte, größte und noch lebende Kauri, der Tāne Mahuta.


Einst machte sich der Gott des Waldes Tāne, der Sohn von Erde und Himmel, auf, die miteinander verschlungenen Mutter Erde und Vater Himmel mit Gewalt zu trennen. Erst dadurch kam Licht und Luft auf die Erde, und alles Leben, welches nun entstehen konnte ward geschaffen, so der Glaube der Māori. So ist Tāne der eigentliche Lebensbringer und damit absolut heilig. Angeblich soll es noch einen größeren, lebenden Kauri auf Neuseeland geben. Dieser Riese, über 50 Meter und vielleicht 4.000 Jahre alt soll verborgen bleiben, um beschützt zu sein. Schutz bedürfen die Kauris allemal, da eine üble Wurzelfäule, verbreitet durch einen Pilz, den alten Riesen das Leben nimmt. Deshalb ist der Zugang zu Wäldern mit Kauris verboten oder aber durch Schuhreinigungsstationen geschützt. Hmm…, jetzt würde ich doch gerne mal einen Kauri in Natura sehen! Die Museumsleiterin gibt uns einen Hinweis, wo wir in Museumsnähe einige Bäume finden können. Wir machen uns auf die Suche, suchen und suchen 🔍…..

Aber wir finden keinen einzigen Baum, der passen könnte. Die Astansätze sind viel zu tief, die Rindenstruktur passt nicht. Pech gehabt, dann halt nicht. ☹️ Wir fahren jetzt mal weiter… 🚙, Yuti wartet.
Wie treffen wir sie an? Gut treffen wir sie an und die Motoren laufen. Puhhh, was für ein Glück❣️Dann kann es ja beherzt morgen rausgehen. ✅
Haul Out
Kurz nach 7:00 Uhr am Morgen geht es aus unserer Liege-Box heraus. Für Klaus ein Trauma, wegen der ersten missglückten Einfahrt. Die Anspannung und Aufregung ist deutlich zu spüren! Aber die Strömung passt, der Wind ist noch kaum erwacht. Es klappt. 😮💨 Vor der Rampe machen wir erstmal seitlich fest, denn wir sind noch einiges zu früh. Aber die erste Aufregung ist schon mal verklungen. Ein kerniger Rotschopf von der Werft kommt zu uns und zieht uns ein Stückchen weiter vor. Dort lägen wir besser und stören niemanden. Okay. Entweder geht es um 10:30 Uhr oder um 14:00 Uhr für Yuti raus. Gut, gut, dann schauen wir mal. Um 11:00 Uhr ist es soweit, Yuti wird rausgezogen.


Wir dürfen übrigens nicht an Bord bleiben und können so gut mitverfolgen, wie er die Hebebacken genauestens positioniert.

Dann wird Yuti angehoben und rausgezogen.


Immer wieder ist es aufs Neue spannend und aufregend! Aber diese Art des Rausziehens ist mir lieber, als das Rausheben in Schlingen. Beim Rausheben ist die Belastung nur auf vier Stellen, beim Rausziehen auf das gesamte Unterboot verteilt. Hier kommt noch dazu, dass die Hebebacken genau in Yuti’s Vertiefungen passen. Also perfekt, sozusagen. In der Abspritzbox angekommen, legen der Rotschopf und sein Kollege augenblicklich los. Es geht ordentlich ran an den Dreck!


Nach der Spritzaktion geht es auf unseren Platz, für die nächsten, mindestens 7 Tage.

Doch Schock in der Nachmittagsstunde, wir haben ein Loch! 😱

Beim Abspritzen sind zwar keine Muscheln und Co. abgeflogen, aber ein Stück der Rumpfschutzschicht. Bis aufs Fieberglas kann man nun gucken, Scheiße!!! Dem ungeachtet geht’s weiter bis auf unseren Trockendockplatz.


Aufgeregt suche ich den Rotschopf. Ich will ihm das Loch zeigen 🫵.

Er schaut sich die Malaise an, meint aber, das sei nicht so schlimm. Eine Delamination, ein Produktionsfehler, wieder einmal. Entscheidend sei, ob es im Randbereich des Loches hohl weitergeht und damit ein größerer Bereich betroffen ist. Ist aber wohl nicht. I hope so!!! Wir sollen Chad rufen, den Werftmanager. Das machen wir sogleich. Chad kommt, schaut und meint, kein großes Problem. Das lose Material wird abgeschlagen, mit Epoxy ausgespachtelt, geschliffen, Antifouling drüber und fertig ist die Chose. That‘s it! Aber, der Termin bis zu unserem gebuchten Abflug, 28.12., würde wohl knapp. Was? Jepp, heute ist schon der 17.12., und für die gesamte Woche sei unstetes Wetter vorhergesagt, und für alle Unterbodenarbeiten braucht’s stabiles, trockenes Wetter. Na toll… 🙄. Immer ist alles so knapp bemessen und mit Druck behaftet. Könnte im Notfall jemand anderes Yuti wieder in die Box fahren, ist meine Frage? Wenn, dann Mike, der Polierer. Ach, der super nette Kerl, der ja auch noch Hand anlegen muss? Okay, dann hätten wir doch eine Lösung für den schlechtesten Fall und könnten fliegen. Und wir müssen fliegen, unbedingt! Einmal können wir nicht umbuchen, wir haben fix gebucht, dann wartet Alva schon seit nunmehr 15 Monaten auf uns und auch meine Mutti wartet ungeduldig. Ihr geht es nicht gut, sie wird immer tüddeliger, und mein Bruder und ich müssen Lösungen für sie finden und zeitnah umsetzen. Ich bin mir gar nicht sicher, ob die 4 Wochen im Dezember überhaupt reichen?! Aber Schritt für Schritt! Da klopft es am Boot. Ein Motor-Service-Mann steht vor uns. Der Ölwechsel der Saildrives muss gemacht und neue Opferanoden angebracht werden. Hurtig räume ich die 3. Kabine leer, damit auch „mein Motor“ zugänglich ist. Langsam aber sicher bekomme ich im Hin- und Herräumen Routine. 🥵 Da fällt mir gerade ein, dass ich unbedingt bei unserer Gemeindeverwaltung in Altrip nachfragen muss, wie wir auf die Schnelle neue Personalausweise bekommen können. Unsere sind nämlich gerade abgelaufen. Ob wir das im Dezember, kurz vor Weihnachten hinbekommen werden? Mal sehen…
So, der Motor-Mann ist wieder weg, die Kabine sollte aber leergeräumt bleiben. Wo schlafe ich dann? Der ganze Krempel liegt ja auf meinem Bett. Mensch, ich brauche doch nur die Klappe zur Maschine schließen, die Polster wieder darauflegen, und dann kann ich in der „Gästekabine“ besser schlafen, als im Salon! Das mache ich. Gute Nacht. 🌙
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