Oh, ich muss Wäsche waschen. Wir hatten so das ein oder andere schmutzige Wäschestück vor unserer Abreise im Sack gelassen und nun kommen noch neue dazu, da muss ich jetzt ran. Also ab in den Waschsalon. Upsi, da ist ja richtig was los! Eigentlich wollte ich bloß die Wäsche in die Trommel stopfen und dann mit Klaus zum Frühstücken in Flo’s sein Café gehen. (westfälische Ausdrucksweise 😉) Jetzt müssen wir erstmal hier warten, bis eine Maschine frei wird. Da fangen wir eine Unterhaltung mit einer älteren neuseeländischen Dame an und erleben eine gefrustete, unzufriedene Person, über die Situation und Entwicklung ihres Landes. Wir hören aufmerksam zu. Seit Corona marschiere Neuseeland mit Tempo in die falsche Richtung. Das Sozialsystem sei ausgeufert, die jungen Leute kassieren lieber Sozialgelder, als zu arbeiten. Die Māori bekämen sowieso immer mehr in den Hintern geblasen, staatlich finanzierten Wohnraum und Geld für die Lebenshaltung. Die Lebenshaltung für die anderen werde teurer und teurer, Mieten und Immobilien sind kaum noch zu finanzieren, die Wirtschaft stagniere und viele Kiwis verlassen das Land. Oh ha! 😲 Sprechen wir wirklich von Neuseeland? Oder doch eher über Deutschland? 🫣 Da werden wir nachfassen und uns informieren. Jetzt ist ne Trommel frei und wir gehen rüber zum Frühstück. Danach wird recherchiert. Jepp, all das was die alte Dame, in 2. Generation hier, so sagte, trifft zu. In 2025 verließen bis zu 76.000 junge Menschen und auch Mittdreißiger, gut ausgebildet, das Land. Bisher die größte Abwanderung in der Statistik des Landes. Es wanderten auch Menschen ein, aber die Differenz war eindeutig negativ. Die Wirtschaft befindet sich seit längerem in der Rezession, eine anpackende Jugend kommt nicht wirklich nach, die alten Menschen dominieren. Die allermeisten, die Neuseeland verlassen, wandern nach Australien. Das ist für Neuseeländer sehr einfach und es lohnt sich für sie. Das Lohn- und Gehaltsniveau ist um circa 26 Prozent höher, bei ähnlichen Lebenshaltungskosten. Wir hatten ja schon ähnliche Erfahrungen gemacht. Vielen Gewerken hier in der Marina fehlt der Nachwuchs, die engagierten jungen Leute gehen, die, die hierbleiben, haben nicht mehr die Lust ordentlich zu schaffen. Die zumeist alten Betriebsinhaber können dann nur noch nach ihrer Schaffenszeit dichtmachen. Auch gab es wohl schon eine ganze Welle von Betrieben rund ums Segeln, die nach Australien rübergemacht haben. Auch sind die hohen Umweltanforderungen mittlerweile eher hemmend als förderlich. Auch Arbeitsschutz steht sehr hoch oben. Kurze Arbeitszeiten, viele Pausen, hoher Krankenstand etc., stehen einem wirtschaftlichen Wachstum im Wege. Eine Teufelsspirale hat sich entwickelt. Ach Mensch, das kommt uns doch alles so bekannt vor. Wie schade ist das!!! Neuseeland ist sooo ein wundervolles Land, mit grandioser Natur, gutem Klima und gechillten Menschen. Tja und irgendwie ist die Luft raus… 😔. Da fällt uns immer wieder der Spruch vom schweizer Piloten ein, der mit seiner Frau und seinem Boot schon Jahre in der Bucht von Nuku Hiva/Marquesas liegt und meinte, man müsse nur kratzen, je tiefer man käme, desto mehr Scheiße käme ans Tageslicht.
Das Wetter hier wird nun immer besser, aber ein Wetterfenster nach Australien tut sich nicht auf. Langsam sollten wir uns Gedanken über unseren Liegeplatz hier machen. Gut, wir könnten auch immer vor der Marina ankern, aber ehrlich, dazu habe ich null Bock. Wir fragen mal nach, ob wir verlängern können?
Und wir können. 🤗 Puhhh, da rutscht uns ein Kloß von der Leber. Wir könnten bis Anfang April verlängern, erst dann ist unsere Box wieder vermietet. Okay, wir verlängern mal um einen Monat, bis Mitte Februar. Eher gehen können wir immer. Ehrlich, ich bin sehr überrascht! Einmal sind wir jetzt hier in der absoluten Hochsaison, und in 2 Wochen findet ein großes Segelevent statt. Wir dachten, es sei dann alles ausgebucht. Ist’s aber gar nicht. Passt das zu den Gedanken von eben, über Neuseeland? 🤔
Wir ziehen jedenfalls erleichtert von dannen. Da können wir uns noch in Ruhe unseren Bootsproblemen widmen.
Als erstes kommt Roger, und gemeinsam überprüfen wir das neue Großsegel.

Es wird hier und da gezuppelt, er erklärt uns noch wie das Segel getrimmt werden kann und dann verlassen er und Klaus das Etablissement. Jetzt wird bezahlt. 💸 💸 Dann geht’s um unser IT-Problem. Klaus fragt Dean, der kann aber erstmal nichts mit dem geschilderten Problem anfangen. Und wann einer seiner Mitarbeiter für uns Zeit hätte, weiß er auch nicht. Aber, einen Thermostaten kann er bestellen. Na wenigstens etwas. Leider für einen vielfachen Preis. In Deutschland bekäme Klaus das Originalteil für 16,- Euro, jetzt wird’s uns 125,- Euro kosten. 💸
Das IT-Problem mit der fehlenden Kommunikation zwischen Hausbatterie und Lichtmaschinenregler lässt Klaus keine Ruhe. Da fällt ihm Tim ein. Der obergeniale Tim von Mastervolt in Auckland. Vermittelt von Seawind, half er uns ja schon einmal super aus einer misslichen Lage. Und jetzt? Er ist sofort am Handy und steigt augenblicklich in die Problemlösung ein. Fantastisch❣️Er geht in unser System hinein, prüft hier, checkt dort, Klaus schaut ihm fasziniert zu. Erstmal spielt er eine neue Firmware auf, verfügt über Passwörter, zu denen Klaus gar keinen Zugriff hätte, programmiert ein bisschen herum und Zack, alles funktioniert wieder. Göttlich😇! Danke Tim, you are the real Superman 🦸♂️! Klaus ist mega happy! Einen Tag später meldet sich Bernd Wagenführer, Klaus’ ältester Freund. Er und seine Familie haben gerade eine gut zweiwöchige Neuseelandreise beendet und fahren heute noch vom äußersten Norden der Nordinsel nach Auckland zum Flughafen. Der Rückflug geht heute Abend, und sie kommen fast bei uns vorbei. Aber hallo, da sollen sie mal direkt bei uns vorbeikommen, das wäre doch der Knaller! Und dann kommen sie…, Bernd und seine beiden Kinder. Mama Sabine ist schon 2 Tage früher nach Hause geflogen, da ihr Schuldienst ruft. Das gibt jetzt aber ein Hallo und Hallöchen. 🤗 Da treffen wir uns, seit langer Zeit, an einem Ort, der am weitesten von unser beider Zuhause entfernt ist, weiter geht’s nimmer. Sie freuen sich riesig, unser Boot mal in natura in Augenschein nehmen zu können, und wir verbringen 3 lustige und unterhaltsame Stunden zusammen.

Bernds Tochter war jetzt für ein Semester hier in Neuseeland auf einer Farm und hat dort alles Wichtige für’s Leben gelernt. Reiten, Mopedfahren, Jagen und Zerlegen des geschossenen Wilds. Und gegessen hat sie es auch und das als Vegetarierin. Alle Achtung!!! Jetzt geht es für sie wieder zurück nach Deutschland und sie wird weiter studieren, Ziel Lehrerin. 👩🏫 Solche Lehrerinnen braucht das Land! Toll! Bernds Sohn, ein echtes Brain startet demnächst als Unternehmensberater und hat sich zum Ziel gesetzt, jedes einzelne Land dieser Erde zu bereisen. Er kann schon viele Haken machen, und auch beruflich möchte er weltweit eingesetzt werden. Echt super spannend! Bernd, du hast da zwei tolle Kinder, da kann man ja direkt wieder hoffnungsvoller in die Zukunft schauen. 😃

Dann machen sie sich auf den Weg nach Auckland, um ihren Flug in die Heimat zu erreichen. Und was machen jetzt wir zwei beide? Däumchen drehen? Neiiiiin! Wir überlegen uns, was wir mit der zusätzlichen Zeit hier in Neuseeland anfangen können. Bis ungefähr zum 25. Januar ist nichts zu wollen. Nach Australien kommen wir nicht, null Chance. Mit Hilfe der entsprechenden Wettermodelle lässt sich vorausschauen, dass ein Zyklon nach dem anderen, entweder oben von Neukaledonien oder unten vom Tasmanischen Meer, oder von beiden Seiten gleichzeitig, uns in die Zange nehmen würden, sollten wir es wagen los zu segeln. Na, dann wollen wir die Region Bay of Islands und vielleicht noch darüber hinaus, etwas genauer erkunden. Schauen wir mal….✌️.
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