Segeln, dümpeln oder Sturm?

Oder alles? Was halten die kommenden Tage für uns bereit? Treffen die Vorhersagen zu? Ganz, Mittel, oder Gar Nicht?

Mittwoch, 28.01.26

Als ich heute um 9:00 Uhr auf den Tacho schaue, kommen gerade mal 65 NM zusammen. Klar, bei dem Gedümpel gibt’s nicht mehr! Aber heute ist der Wind zurück, und wir segeln mit durchschnittlich 5 Knoten und Wind von hinten schön voran. Die Sonne lacht, das Boot gleitet ruhig durchs Wasser, herrlich❣️Land in Sicht! Wir passieren die letzten beiden vorgelagerten Insel Neuseelands, North und South Maria Ridge. Eine der beiden kann ich sogar gut erkennen. Es wird ein schöner Segeltag und auch die Nacht verläuft entspannt. So entspannt, dass Klaus und ich sogar gleichzeitig schlummern. Bloß einer von uns muss alle 20/30 Minuten mal nach dem Rechten schauen. 🥱😴

Donnerstag, 29.01.26

Vor lauter Entspannung habe ich vergessen nach den Seemeilen zu gucken. Dann morgen halt doppelt. Auch dieser Segeltag ist prima und schön, ganz so wie gestern. Zum Abend aber frischt es auf. Die See wird unruhiger, denn eins der 3 Tiefs zieht seitlich an uns vorbei. Jedoch im Abstand von mehreren 100 nautischen Meilen. Doch der Unterschied ist deutlich zu spüren, auch wenn es nur die Ausläufer des Wirbels sind. Kurzentschlossen wechseln wir vom Screecher zum Jib. Sicher ist sicher, und spätestens heute Nacht wäre der Wechsel eh gekommen. Durch das kleinere Segel werden wir langsamer und schaukeln so deutlich stärker durchs Wasser. Doch nun haben wir zum ersten Mal auf dieser Strecke Mit- statt Gegenstrom. Das hilft sehr. 😊 So schunkeln wir sicher durch die Nacht, und wie üblich, übernehme ich die erste Nachtwache.

Freitag, 30.01.26

325 NM sind zusammengekommen. Wow! Eine Fabelzahl, wär sie nicht für 2 Tage gemessen worden. 😉 Doch 162 Meilen pro Tag sind schon auch recht ordentlich. Wir segeln nach wie vor mit Jib und nur mit Jib und erreichen 5 bis 6 Knoten, allerdings mit Strömung. Ab spätestens Montag erwartet uns Ungemach, warnt mich Klaus. Sturm, Gewitter und Wellen von 4 bis 5 Metern. Ohhh ha! 😬 Das zuletzt entdeckte Sturmtief macht sich auf den Weg zu uns, rette sich wer kann. Aber wir können uns nicht wirklich retten, da es sich über die gesamte Region erstrecken wird.

Der obere Wirbel zieht weg, der untere wird uns holen. 🫣

Wir werden durch müssen, so oder so.
Heute verläuft der Segeltag dafür gut. Es ist etwas windiger als vorhergesagt, und deshalb muss das Screecher noch etwas länger auf seinen Einsatz warten als gedacht. Die Sonne lacht und ich mag noch nicht an Montag denken. Um 22:00 Uhr kommt der nächste Wetterbericht. Und es sieht deutlich schlechter aus! Das Tief wird dunkelroter, somit kräftiger und die Wellen höher. Sturmböen um 60 Knoten hat es zusätzlich mit im Gepäck. Mir wird übel, nein, das sieht übel aus! Die Entscheidung fällt, wir verlassen den direkten Kurs nach Newcastle und segeln stattdessen 25 bis 30 Grad nach Nordwesten. Die kleine, vorgelagerte, australische Insel Lord Howe Island ist unser Ziel, wir wollen uns dahinter verstecken. Auch, wenn es sich um eine besonders geschützte Region handelt, wir nicht einklariert sind und nur mit zusätzlicher Genehmigung in die 12 Meilenzone einfahren dürften. In der Not fragen wir aber nicht und würden es einfach machen. Dahinter wäre zwar nicht alles gut, aber die Wellen dürften niedriger sein. 80 Zentimeter, um genau zu sein. Vorausgesetzt, wir sind schnell genug und werden nicht schon vorher vom Tief geschnappt. Es wird knapp, das übersieht Klaus schon jetzt. Hmm…, 15 Seemeilen vorher kommt eine ganz, ganz kleine, unbewohnte Insel namens Ball’s Pyramid. Eigentlich ist sie lediglich ein erkalteter Vulkanschlot und heute der weltweit größte Monolith im Wasser. Doch besser als gar nichts, gell? Jepp! Ständig muss nun mit der Fernbedienung der Kurs angepasst werden, um das Screecher vorm Umschlagen zu bewahren. Der Wind kommt jetzt exact von hinten, wechselt aber um 10 bis 15 Grad die Richtung. Und so schlägt das Screecher dann doch mindestens 3 mal um. So kommt eigentlich keiner von uns beiden wirklich zur Ruhe, geschweige denn zum Schlafen. Gegen 5:00 Uhr morgens kann ich nicht mehr und falle in einen unruhigen, traumvollen Schlaf bis…


Samstag, 31.01.26

Die Sonne lacht ☀️. Das Screecher hatten wir dann doch noch auf die andere Seite gezogen, da lief es dann besser. Große Ausläuferwellen vom Zyklon 18, ja so heißt dieser Sturm tatsächlich, schieben uns voran. Jepp, um uns herum ist halt allerhand los. Doch es wird immer klarer, wir werden es nicht bis zu den Inseln schaffen. Wir sind viel zu langsam, und morgen wird sich der Wind komplett verabschieden. Die sogenannte Ruhe vor dem Sturm. 😱 Trotzdem ist die nun eingeschlagene Richtung besser, und wir geraten nicht ins Auge des Zyklons. Wobei, da wär es doch dann wieder ruhig, oder?🤔 Es ist schon längst 9:00 Uhr vorbei, aber ich habe geschaut. 164 nautische Meilen sind dazugekommen. Jede weitere kann helfen! Eigentlich schade, dass wir diese außergewöhnlichen Inseln nicht erreichen. Sie sind etwas ganz besonderes und gehören zum Weltnaturerbe. 13 versprengte Inselchen sind es, wobei Lord Howe die größte und auch einzig bewohnte Insel ist.

380 Menschen leben dort. Hin darf man nur mit Sondergenehmigung, und nicht mehr als 400 Gäste dürfen täglich die Insel betreten. Auch das südlichste, natürliche Korallenriff der Welt befindet sich dort. Und Ball‘s Pyramid sieht richtig toll aus!

Das sind die Überreste eines 7 Millionen Jahre alten Schildvulkans. In dem gesamten Marinepark wimmelt es nur so vor Fischreichtum, und zahlreiche Vogelarten bevölkern die Inseln. Gerne würde ich diese Schätze mit eigenen Augen betrachten❣️Aber, wir schaffen es nicht, definitivly.
Um die Mittagszeit segelt es sich dennoch herrlich und angenehm. Ein strahlend blauer Himmel und ruhige, gemütlich rollende Wellen lassen uns die nahende Gefahr fast vergessen. Der Wind nimmt kontinuierlich ab, das Screecher wechselt noch mal die Seiten,….

Sonntag, 01.02.26

bis Klaus es in den frühen Morgenstunden alleine reinholt und einen Motor startet. Schluss ist‘s mit der Segelei.
Unser Windmesser,…

der ganz oben am Mast sitzt, will nicht mehr so richtig. Seit 2 bis 3 Tagen sind die Daten, die wir von ihm auf den Plotter bekommen, quatschig. Die Werte passen nicht mehr zueinander. Der muss dann wohl erneuert werden. Klaus hat sogar das entsprechende Ersatzteil an Bord. Und? Geht’s jetzt hoch in den Mast? Neiiiin!!! Dann in Newcastle….
Auch reparierte Klaus, während ich noch in meiner Koje schlief, die Frischwasserpumpe. Jau, die hatte gestern Abend mal wieder ihren Geist aufgegeben. Mensch Klaus, eigentlich machen wir so etwas doch immer gemeinsam! Aber sehr schön ist‘s, zum Waschen gleich wieder Süßwasser zu haben❣️👏 Ein grandioser Sonnenaufgang verzaubert uns. 🤩

Und, wie ist die Lage? Tja, der Sturm nähert sich uns unerbittlich. Heute soll schon der erste Regen kommen, morgen dann Wind und Wellen bis 4,30 Meter. Komisch, wenn ich bei Windy schaue, sehe ich Wellen bis 5 Meter. Ich hoffe, Klaus hat recht! 🙏
9:00 Uhr, 146 NM sind gemacht, die Sonne lacht. ☀️ Um die Mittagszeit ist noch kein Regen in Sicht, und wir nutzen die ruhige Zeit, um das Screecher komplett abzubauen. Das geht bei uns beiden schon richtig zack zack. So wollen wir vermeiden, dass es bei Böen über 30 Knoten, aufgerissen, abgerissen oder sonst wie beschädigt wird. Wir müssen uns langsam seelisch und körperlich auf ungemütliche Zeiten einstellen und alle wichtigen Vorkehrungen treffen. So geht der Tag dahin, und trotzdem man vom nahenden Drama weiß, glauben kann man es nicht. Das Meer ist spiegelglatt,…

die Sonne lacht, die Atmosphäre ist himmlisch.

So sanft bewegt sich Yuti durchs himmlische Blau❣️ Es ist ein Genuss.

Wenn ein Hauch von Wind die Oberfläche streichelt, gibt es Muster, wie bei einem gesmokten Stoff.

Ja, ich liebe diese Momente, wo der sonst so raue und kabbelige Pazifik seine ruhige und friedliche Seite zeigt❣️

Regen ist nach wie vor nicht in Sicht!

Jo, jetzt noch nen Cocktail zur Hand und das Paradies wäre komplett. Aber wir mögen doch gar keinen Alkohol! Dann eben einen Mocktail und für Klaus ne Cola. Nee, nee, statt Cocktails packt Klaus unsere Notfalltasche für die Rettungsinsel. Ob die überhaupt noch aufspringen würde? Sie ist schon über 3 Jahre alt und bräuchte eigentlich eine Komplettüberprüfung. Zu spät……….. 😔. Die Sonne verabschiedet sich langsam, um auf der anderen Seite wieder aufzugehen.

Abschiedsschmerz, Wehmut und auch Angst vor dem was kommt, vermischen sich. Dazu passt ein Ave Maria doch ziemlich gut. 😌

Der Sonne hinterher…. ☀️

Bevor das letzte Sonnenlicht verschwindet, ruft uns Alva an. Bei ihr müsste die Sonne gleich aufgehen. Bei uns kommt ein super, toller Vollmond zum Vorschein. Den muss ich ihr sofort zeigen.

Etwas später…

Die Mondoberfläche ist deutlich zu erkennen. Klaus ist schwer begeistert und schaut durchs Fernglas. WOW❣️Mit diesen Eindrücken im Kopf geht es in die Nacht. Regen ist immer noch nicht in Sicht. Vielleicht sind das jetzt die letzten ruhigen Stunden?! Bis dann, 👋 die Spannung steigt.

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