Schluss mit lustig

Montag, 02.02.26

Nun ist Happy Horsing angesagt. Wir bereiten uns weiter vor. Alles was fallen könnte wird hingelegt. Also, wir legen uns dann auch mal besser hin, 😆 und harren der Dinge, die da kommen. Es ist nur eine Frage der Zeit. Sag mir quando, sag mir WANN?
Um 9:00 Uhr geht mein Blick zum Tacho. 100 NM können addiert werden.
Der Himmel zeigt sich heute deutlich bewölkter, obwohl die Sonne immer noch genügend Lücken zum Durchscheinen findet. Ein Frachter, noch 200 Seemeilen von uns entfernt, nimmt exakt Kurs auf Yuti. Ist das die Anziehungskraft der Massen? 🙄 Wir haben mittlerweile einen so starken Gegenstrom von 2,9 Knoten direkt auf die Nase, dass wir eigentlich nicht mehr wirklich vorankommen.

Nee nich, 3 Knoten sind es jetzt! Exakt von vorne! 😳

Klaus ist schon spürbar genervt. 😠 Einmal klappt so sein Plan nicht, möglichst weit an die Ausläufer des Sturmtiefs zu gelangen, dann wackelt unser mitgeteilter Ankunftstermin, Freitag, deutlich, und wir sind zu langsam, um dem blöden Tanker aus dem Weg gehen zu können. Was soll man da machen?
14:10 Uhr, die Sonne ist weg, Squalls sind im Anmarsch, die Unruhe an Bord steigt. Der Frachter, selbst mit Strom unterwegs, fährt über 12 Knoten und immer noch directement auf uns zu. Klaus rechnet und kalkuliert, dass genau wenn das Unwetter uns in die Mangel nimmt, wir zusammentreffen werden, was unseren Handlungsspielraum unnötig und gefährlich einengt. Immer zappeliger werdend, ruft Klaus den jetzt mal an. Der dortige Kapitän meint lapidar, er hielte seinen Kurs, over and out. 😳 Klaus kontert, wir seien ein kleines Segelboot, in schwierigem Wetter und können schwer ausweichen. In der Tat geht gerade der erste Squall über uns nieder. Regen und Sturmböen fordern uns. Ahh, er habe verstanden. Ob er auch handeln wird? Klaus will nicht darauf warten und steuert etwas weiter nach rechts, um den Abstand zwischen uns zu vergrößern. Sau blöd, dass wir durch diesen einen Frachter bei sooo viel Platz auf diesem Ozean nicht so fahren können, wie es Wind, Wellen und Wetter erfordern würde.
Noch 2 Stunden, dann müssten wir aneinander vorbei sein. Jetzt, um 15:01 Uhr, fetzen uns 36 Knoten wahrer Wind um die Ohren. Wir fallen um 10 Grad ab, um den großen Druck aus dem Segel zu nehmen. Die Schotten werden geschlossen, der Regen soll draußen bleiben. Bei Windy war gut zu erkennen, dass ein dünner Streifen in grün auf Erholung schließen lässt. Und wirklich, gegen 17:00 Uhr beruhigt sich die Situation ein wenig.

Der Wind nimmt ab, die Wellen etwas später auch, wenn auch nur ein Ideechen. Wir hatten schon ganz schöne Brecher dabei! Wenn so eine fette Welle uns seitlich erwischt, hebt Yuti erst die eine „Kufe“ hoch, dann geht’s runter ins Wellental, dann die andere Kufe hoch und wieder runter. Das ist ein heftiges Gewackel, begleitet vom Gefühl gleich umzukippen. Dabei klappert alles in den Schränken und obwohl wir vieles gesichert haben, fliegt doch immer irgendetwas durchs Boot. 😖 Das Schlimme ist, dass Klaus dauernd sagt, dass das ja noch gar keine großen Wellen seien, die richtig fetten kämen erst noch und zwar heute Nacht. 😩 Ich habe Angst. Wirklich? Ja, ein bisschen… Ich stelle mir vor, wie das Boot zerbricht, umkippt oder ähnliches. Aber, da wäre ja jetzt noch dieser blöde Frachter in unserer Nähe, der könnte uns helfen, oder? Ach nee, an dem sind wir jetzt endlich vorbei, und der hält ja seinen Kurs, wie wir wissen. Also sind wir ganz allein auf uns gestellt und sitzen zu zweit in unserer kleinen Plastikschüssel. 🫣

Die Windböen bleiben kräftig, so um 30/31 Knoten, die Wellen bauen sich dadurch weiter auf und kommen aus unterschiedlichen Richtungen. Da wären die anstrengenden Windwellen, der hohe Schwell und noch so die ein oder andere Welle, die plötzlich aus dem Nichts erscheint. Klaus schaut schon stundenlang wie ein Habicht auf das Wellengeschehen und versucht mit der Fernbedienung unserem dritten Mann an Bord, dem Autopiloten, der einen hervorragenden Job macht, zu helfen. Der kann ja nicht sehen, nur fühlen. Wenn Klaus einen Brecher ankommen sieht, versucht er Yuti’s Popo noch etwas besser auszurichten, so dass das Ungetüm von hinten kommt. Dafür hatten wir ja den Kurs auch deutlich verändert und fahren immer weiter nach Norden. Das schmale grüne Band ist durch, und die Nacht erwartet uns bald. Ein Motor läuft immer mit, um im Notfall, falls das Boot aus der Spur gedreht würde, sofort handeln zu können.

Die Sonne ist weg, die Wolken hängen tief, aber Regen kommt keiner. Das ist ja mal gut, dass wir davon im Weiteren verschont bleiben. Auch Gewitter mussten wir bisher nicht ertragen. Was ein Glück! So viele Segler mussten schon Blitzeinschläge erleben, mit fürchterlichen Schäden für die gesamten Bootselektrik. Brrrrrr…. 😵‍💫 Das will ich wirklich nicht erleben!!! Es wird dunkel, die Szenerie unheimlicher. Wirklich? Es hat auch was für sich, das anrollende Tohuwabohu erst gar nicht zu sehen. 🫣 Doch ein bisschen Vollmondlicht haben wir ja doch. Jetzt kann Klaus allerdings nicht mehr nach den Wellen schauen, was auch ganz gut ist. Denn er ist durch, total fertig! Der Druck, die Verantwortung, die Sorge, eine falsche Entscheidung zu treffen oder getroffen zu haben, das alles lastet wirklich schwer auf ihm. Er muss jetzt mal für eine Weile die Augen zumachen und zwar pronto! Wir gehen auf Windsteuerung und ich muss halt aufpassen, dass Yuti durch besonders hohe Wellen nicht aus der Bahn geworfen wird. Im Fall der Fälle heißt es dann, Plotter umdrehen, Tür auf, an den Steuerstand jumpen, Vollgas geben, schnell wieder in die Spur kommen und richtig zur Welle stehen! Okay, aber Klaus bleibt ja oben im Salon und dreht sich lediglich mal kurz auf die Seite. Wird schon schiefgehen…

Dienstag, 03.02.26

Ein doller Sonnenaufgang schenkt uns neues Licht. Das Meer ist unverändert aufgewühlt. Vielleicht liegt der Wellenscheitelpunkt jetzt bei 3,60 Meter statt bei 3,80 Meter? Aber große Unterschiede kann ich nicht feststellen. Einige seltenere Brecher haben bestimmt auch 4 Meter… Aber bei Licht ist‘s doch angenehmer. Man atmet richtig auf, obwohl die Situation weiter angespannt ist.

Die Sturmvögel sind dagegen in ihrem Element!

Es geht noch ordentlich zur Sache! Dennoch will ich mal auf den Tacho schauern. Na? Wieviel Seemeilen sind wir denn nun in die falsche Richtung gestürmt? 153 NM um genau zu sein. Segeln wir zum Nordpol? Da dreht der Wind und wir bekommen Probleme mit der Segelstellung und Yuti’s Popo. Und, das heikelste Problem welches sich zeigt, ist, wir haben jetzt exactement Wind 🌬️ gegen Welle 🌊. Nicht gut! Das bedeutet, die Wellen werden höher und steiler. 😬 Und wir würden dann noch schneller die Wellen runtersurfen. Jetzt ist es so, dass wir regelrecht von der Welle hinter uns angesaugt werden, dabei schneller werden, dann kurz abstoppen und mit Schwung den Wellenrücken runtersurfen. Klaus hat da schon 12 Knoten Geschwindigkeit am Plotter gesehen. Uiuiuiiiiii…..

Wenn dann die nächste zu schnell folgt und steil ist, kann sie ohne weiteres hinten bei uns reinknallen. Das hatten wir bisher noch nie! Es soll bitte auch so bleiben. 🙏Eigentlich sollte die Wellenhöhe im Verlauf des Tages leicht abnehmen. So verspricht es die Vorhersage. Schauen wir mal ob‘s stimmt. Ja, es stimmt! Also hat der Wind gegen Welle nichts schlimmes bewirkt und die Wettervorhersage scheint zuzutreffen. Wobei, die Wellenhöhe nur zentimeterweise abnimmt. Und plötzlich probiert Klaus was aus… 😳. Ohhh ha! Er dreht Yuti mit Schmackes um und fährt gegen die Wellen. 🌊🌊🌊⛵️🌊🌊🌊🌊 Wir kehren praktisch um und fahren nicht mehr zum Nordpol. Sind die Wellen noch zu hoch dafür??? Nee, es funktioniert. Solche gegen die Wellenfahrten hatten wir doch schon oft. Why not?! Und wir nähern uns nun endlich wieder unserem eigentlichen Ziel, Australien! In Klaus kehrt deutlich erkennbar das Leben zurück. 🥰 Jetzt passt die Richtung wieder und es ist machbar. Was mir jedoch sofort auffällt ist, dass nun die Wellen wieder richtig kräftig unters Boot schlagen. Rums, Knall, schepper… 💥. Andersherum war das gar nicht der Fall. Aber jetzt wird mir beim Schreiben ✍️ in die Kladde fast der Stift aus der Hand geschlagen.
Klaus hatte heute Morgen noch allen Offiziellen und der Marina mitgeteilt, dass wir aufgrund der Wetterlage erste Montag, 10:00 Uhr ankommen werden. Jetzt könnten wir es tatsächlich früher schaffen. Doch wir wollen ja nicht am Wochenende ankommen. Der Wochenendtarif ist teuer und sie mögen es nicht so gerne.
Nach ein paar Stunden muss ich zugeben, das gegen die Wellen bumbern ist heavy, um nicht zu sagen, doof! Es gibt so fette Schläge und unzählige Wackler zwischendrin, dass ich richtig spüre, wie grummelige Genervtheit in mir hochsteigt. Und, mir wird sogar noch schlecht. 🤢 Werde ich jetzt etwa noch seekrank? Meine Tabletten helfen nun auch nichts mehr, wenn einem schon übel ist. Aber übergeben muss ich mich dann doch nicht. Ohhh, wie lange müssen wir das noch aushalten? Mindestens 24 Stunden, oder? Ausschnaufen, Ohm sagen, weiter……Klaus nimmt etwas Kraft aus dem Motor und es wird ein Ideechen besser. Wieder einmal geht es in eine weitere Rumpelnacht. Wird es morgen besser werden? Ich hoffe es! 🤞

Ein Kommentar

  1. So beeindruckend, die Film-Aufnahmen während des Segelns! Man kann, begleitet von der passenden Musik, gedanklich richtig „mitsegeln“, danke für diese Eindrücke, Ihr Lieben. Wir drücken die Daumen, dass Wetter und Meer es gut mit Euch meinen! 😘

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert