Wo wollen wir eigentlich überall hin? Eine Übersicht:

Aktuell sind wir in Hobart, und reisen werden wir im Uhrzeigersinn. Doch der heutige Tag ist ja noch gar nicht rum, und wir fahren nun vom Mount Wellington runter zum Hafen.





Jetzt könnten wir an der Bronze vorbeigehen und weiterlaufen. Der Titel dieser Arbeit stößt mir aber sauer auf. Körperhaltung und Mimik der Frauen, die da angeblich in die Freiheit treten, ganz hinten steht auch noch ein Junge, passen so gar nicht zum Titel dieser Arbeit! Was soll uns das sagen? Eine Provokation? Ein Spannungsfeld? Was sind das für Frauen und Kinder, die zwischen 1803 und 1853 hierher gebracht wurden? Sträflinge aus Großbritannien! 13.000 Frauen und 2.000 Kinder wurden hierher deportiert. Frauen und Kinder, die oftmals nur einen Leib Brot oder Kleidung zum Überleben geklaut hatten, wurden oftmals zu 7 bis 10 Jahren Straflager verurteilt und nach Australien verschifft. Tasmanien galt als eines dieser großen Straflager. Warum waren die Strafen so unglaublich hart? Großbritannien zur Zeit der Industrialisierung bedeutete, aus allen Nähten platzende Großstädte. London war nahe einem Vorhof zur Hölle. Zu viele Menschen, katastrophale hygienische Zustände, entsetzliche Armut und viel Überlebenskriminalität. Die “Ordnung” drohte zu kippen und so entledigte man sich so vieler Menschen und deportierte sie ins ferne Australien. Nach monatelangen Schiffspassagen, unter furchtbaren, hygienischen Verhältnissen, ausbrechenden Krankheiten und körperlicher und sexueller Gewalt, gingen Frauen und Kinder dann letztendlich genau hier an Land. Ängstlich, gebrochen, alleine, schutzlos, schwanger, krank, mit Baby, aber vielleicht auch mit etwas Hoffnung auf eine neue Chance. Sie wurden umgehend in die “Cascades Female Factory” verfrachtet, ein Frauengefängnis und Arbeitslager an den Wasserfällen.

Vom Schiff kommend wurden sie registriert, untersucht und in 2 Gruppen eingeteilt. In die Gruppe der sich „gut Geführten“ und in die der „auffälligen Personen“. Letztere Gruppe verblieb in der Fabrik und musste schwere, körperliche Arbeit leisten, wie Wäsche waschen im eiskalten Wasser bis die Haut aufplatzte, Näh- und Flickarbeiten und Putz- und Reinigungsarbeiten erledigen. 12 Stundentage waren an der Tagesordnung, bei spärlichster Versorgung und schlechter hygienischer Zustände. Ärztliche Versorgung war praktisch nicht existent. Die Versorgung mit Nahrung bestand aus geschmacklosem, dünnen Brei, Wasser und ner Scheibe Brot. Ganz selten gab es Gemüse. Die Folgen waren Krankheiten und Unterernährung. Verstieß Frau auch nur im geringsten gegen die knallharten Knastregeln, gab es sofort Sanktionen in Form von Nahrungsentzug, körperlicher Züchtigung und Isolationshaft. Hatte die Frau ein Kind, wurde ihr dieses meist weggenommen. Ein eigenes Waisenhaus stand bereit.
Die erste Gruppe, der sich gut geführten Frauen, wurde meist Siedlern übereignet, um im Haushalt, auf dem Feld oder bei der Kindererziehung zu helfen. Ausbeutung, körperliche Gewalt sowie sexuelle Übergriffe standen an der Tagesordnung. Jepp, das kann ich mir gut vorstellen. So, und das nennt der Künstler nun “Schritte in die Freiheit”, da kann ich ja nur lachen. Obwohl, Ausnahmen gab es schon auch. So der wohl bekannteste Fall der Mary Reibey. Sie wurde 1777 in England geboren, verwaiste früh, lief von zu Hause weg und verkleidete sich als Junge, um zu überleben. Sie klaute ein Pferd, wurde erwischt, mit nur 13 Jahren zu Strafarbeit verurteilt und nach Australien deportiert. 1792 kam sie an, wurde einem Siedler zugeteilt, da war sie gerade mal 15 Jahre alt. Dann kam, oh Wunder, die große Wende. Sie lernte ihren späteren Ehemann kennen, heiratete und bekam Kinder. Nach dem Tod ihres Mannes, übernahm sie dessen Handelsgeschäft, baute es aus, handelte mit Waren, Land und Schiffen und wurde zu einer der reichsten Frauen Australiens. Eine Geschichte wie im Märchen, aber äußerst selten! Dies bedingte allerdings auch eine Frau mit viel Mut, gut Glück und noch mehr Verstand. Andere heirateten oft ehemalige Strafgefangene, wenn diese die Haftstrafen überstanden und überlebten. Sie gründeten Familien und gelten somit als die Gründungsmütter der sich langsam entwickelnden Gesellschaft.

Übrigens, wurden Frauen wiederholt straffällig, wurden sie nach Port Arthur verfrachtet. Auch Kinder spielten dort eine ganz eigene, traurige Rolle in dieser Geschichte der deportierten Strafgefangenen aus Europa. Port Arthur werden wir als Abschluss unserer kleinen Reise besuchen. Denn, wenn man mal ehrlich ist, ist die Geschichte der Sträflinge die einzige, existente „Geschichte“ Australiens, neben der ebenfalls traumatischen Geschichte der First Nation. Gut, die „Geschichte“ der Siedler, ich denke da nur an die große Marmorwand in Sydney, spielt natürlich auch eine Rolle in diesem Land. Okay.
Ach schau mal! Da hinten liegt ein fettes Kreuzfahrtschiff mit einer riesigen Wasserrutschanlage. 💦 Das Leben von heute… 😌.


Wir laufen nun per Pedes weiter Richtung Salamanca Place. Ein Ort von guterhaltenen Sandsteingebäuden aus den 1830er Jahren. Dieses Hafenviertel lagerte Waren, Wolle, Walöle, als der Hafen noch ein wichtiger Umschlagplatz war. Heute ist es ein Platz für Cafés, Restaurants und eines sehr beliebten Marktes, der aber nur samstags aufgebaut wird.





Battery Point ist das alte Herz von Hobart. Hier gibt es noch sehr viele Cottages aus dem 19. Jahrhundert, gut erhalten und heute unter Denkmalschutz stehend. Der Name stammt aus der Zeit, als hier zum Schutz des Hafens, eine Kanonenbatterie stationiert war.



Einer der schönsten Plätze ist wohl Arthur Circus. Hier stehen die hübschen Häuschen um eine runde Grünanlage mit wunderschönen Rosen und Dahlien herum.





Von 1824 bis 1836 war George Arthur Gouverneur von Van Diemen’s Land (später Tasmanien). 1829 kaufte er diesen Grund, Häuser wurden gebaut und 20 Jahre später als Ort der schönen Welt in einer Verkaufsauktion angepriesen.

Ich denke, das trifft’s ganz gut. Glücklich kann sich derjenige schätzen, der damals wie heute hier sein Zuhause gefunden hat.

Nun geht’s wieder runter zum Hafen, vorbei an dick behängten Zitronenbäumen und pinken Herbst-Anemonen.

Wir laufen am Wasser entlang, der Wind fetzt kräftig, die Segelboote liegen schräg!

Weiter geht’s zum Tasmanian Botanical Garden. Jetzt aber mit dem Auto. Wir möchten noch ausreichend Zeit für diesen Garten haben, bevor sich eventuell seine Tore schließen.


Schon vor den Toren empfangen uns gigantische Séquoias. Davon hat meine Schwiegermama auch zwei in ihrem „Park“ stehen, genannt Max und Moritz und gepflanzt von Klaus und seinem Papa.


Der Garten ist gepflegt und weitläufig, in Themenbereiche gegliedert und das Beste, der Eintritt ist frei❣️ Die Sonne strahlt vom Himmel, wie schon den ganzen Tag, und wir marschieren alles ab. 😅 Ja, nee, Päuschen machen wir natürlich auch. Mal für ein Eis, mal für etwas Herzhaftes, mal nur für eine Bank.






Wohl kaum. Aber ganze Familien des Tasmanischen Wildhuhns haben hier ihr Zuhause gefunden.


Das ist doch tatsächlich eine auf Tasmanien endemische, flugunfähige Rallenart. Sie haben stark verkürzte Flügel und bewegen sich nur auf ihren kräftigen Beinen. Ja, jetzt verstehe ich warum sie so überproportionierte Beine und Füße haben. Und laut können sie sein!!!
Nein, eine Balz ist das natürlich nicht! Das sind Revierkämpfe! Revierkämpfe an exakt gezogenen Rasenkanten… 😆. Und wo Rallen sind, kann Wasser nicht weit sein.


Ohhh, eine Mühle, eine Mühle! Da schlägt das Müller-Herz aber sofort höher❣️







Jetzt kommen wir zu einem gemischten „Grenzbereich“, Mixed Border…


Bei Gräsern bin ich immer mit dabei! Ich liiiiebe Gräser❣️Und hier dann so schön kombiniert mit hübschen Stauden und Blüten.







Monsterblätter und australische Farne schließen sich an.




Und das Blättchen unten links ist sooo unfassbar zart und weich, dass ich sofort an ein Angorakaninchen erinnert werde.


Verschiedene Bereiche im Garten, nennen sie hier Kollektionen. So kommen wir jetzt in den Bereich der Eukalyptuswaldkollektion, mit schönem Durchblick auf die Brücke nach Hobart, die Tasman Bridge.



Nun kommt die Palmkollektion:





Wir sind diesen schönen, großzügig gestalteten, weitläufigen Garten nun komplett durchspaziert. Auch die übrigen „Kollektionen“ haben wir betrachtet. So die neuseeländische Kollektion beispielsweise. Aber mit der wirklichen, überbordenden Natur Neuseelands kann dieser Gartenbereich nicht mithalten, drum gibt’s auch keine Fotos. Ganz nach dem Motto Heidi Klum‘s, heute habe ich leider kein Foto für dich. 🥲 Nein, aber ernsthaft. Die Umgebung von Hobart erscheint mir eher trocken. Grasflächen sind beigebraun. Und die neuseeländische Kollektion kommt auch eher trocken, teils vertrocknet rüber. Gut, wir sind jahreszeitlich im beginnenden Herbst und Neuseeland erlebten wir im Frühling. Das macht schon einen Unterschied. Ich bleibe gespannt auf das, was wir während unserer Überlandfahrten noch so zu sehen bekommen. 👀 👀
Jetzt bewegen wir uns mal ganz entspannt zurück zum Auto.

Diese Ziegelsteinmauer, „Arthurs Wand“ genannt, hatte im 19. Jahrhundert eine ganz bestimmte Aufgabe. Sie sollte nicht trennen oder dekorieren, sie sollte wärmen. Nicht nur die Sonnenstrahlen sondern künstlich erzeugte Wärme heizte die Wand auf, um in kalten Tagen empfindliche Obstbäume zu schützen. 1818 wurde der Royal Tasmanian Botanical Garden gegründet und diente auch ganz praktisch der Anzucht von Nutzpflanzen und der Erprobung neuer Pflanzenarten.

Gehörten die Fuchsien auch dazu? Ja, durchaus. In den 1820er bis 1830er Jahren kam die Fuchsie durch den Austausch mit Botanischen Gärten im Empire auch nach Tasmanien.
So, das soll nun der farbliche Schlusspunkt für heute sein. Wir fahren in unser schönes Kurzzeitzuhause und bereiten uns schon mal mental auf unseren morgigen, gebuchten Ausflug nach Bruny Island vor. Noch ne Insel, aber eine gaaanz kleine.

Bruny Island ist so winzig, dass man sie auf dem Globus gar nicht sehen kann. Anfänglich dachte man, sie sei gar keine Insel und nur ein Wurmfortsatz von Tassie. Bis der französische Seefahrer Bruni d’Entrecasteaux kam…., aber dazu beim nächsten Mal. Bonne nuit 😴💤💤💤
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