Es ist 7:00 Uhr morgens, und eigentlich sollten wir jetzt die Küste sehen. Was wir sehen sind dichte, dunkle Wolken und nochmals Wolken und noch mehr Wolken. Laut Wetterbericht soll es noch bis 14:00/15:00 Uhr regnen. Na, da schauen wir doch mal, was diese Wolken nun für uns bedeuten…. 👀 👀.


So sieht es auf Google ohne Wolken aus. Endspurt und Einfahrt in die Fahrrinne und in die dunklen, dunklen Wolken. Ein Squall, der sich gewaschen hat, bricht über uns herein. Oder, mit anderen Worten gesagt, die Hölle bricht los. Es heult und pfeift der Wind. Der schaukelt sich nun hoch bis auf gruselige 44 Knoten. Der Regen peitscht fast waagerecht ins Cockpit. Wir sehen überhaupt nichts mehr und müssen uns total auf Plotter und Handy verlassen. Selbst die grellweißen Lichter, die wir in Deckung bringen müssen, um sicher durch die Fahrrinne zu kommen, sehen wir nicht mehr. Auch die fetten Lateraltonnen, rechts grün, links rot, sind im Regennebel verschwunden. Hätten wir jetzt noch die Segel draußen, dann gute Nacht Marie. Aber die haben wir ja zum Glück nicht mehr draußen! 🍀
Wir driften ab, hoffentlich knallen wir nicht irgendwo gegen!!! 🙏 Mehr Gas, mehr Gas!!! Sollen wir umdrehen, Klaus? Klaus reagiert nicht und steuert gnadenlos weiter geradeaus. Es muss ja besser werden, wird es auch. Es geht von 44 Knoten Spitze auf 24 Knoten runter. Puhhh! Auch das Lichtzeichen scheint aus dem Nebel wieder hervor, oder ist’s das gleißende Licht der Himmelspforte?? 😇 Ein zweites Mal nimmt der Wind Anlauf, bis auf 40 Knoten fetzen die Böen, dann fällt er aber schnell wieder in sich zusammen. Wir erreichen die Molen und haben die Einfahrtsrinne durchfahren. Der Regen und Sturm ist vorbei.

Links ab geht es in eine alte, ehemalige Marina. Da möchte Klaus hinein. Es wird flach bis auf 3 Meter. Vor uns liegen ein paar Boote, aber in dem ehemaligen Marinabereich ist noch Platz für uns. Das sieht hier aus wie auf einem See, der aber im hinteren Bereich versandet. Das soll mal eine Marina gewesen sein? Also, es gibt ein Jetty, ein Dinghy Dock und eine breite Slipanlage.

Aber alt und vergammelt sieht das gar nicht aus. Später werden wir noch die wirkliche Geschichte dieser “Marina” erfahren.



Später kommt sogar noch die Sonne zum Vorschein und taucht alles in ein freundlicheres Licht.


Übrigens, ab morgen soll es nur noch Sonne geben. Da bin ich jetzt echt mal gespannt!
Richtig guuuut geschlafen…
haben wir beide. Das war jetzt auch wirklich nötig. Es liegen zwar noch ein paar weitere Boote mit uns auf dem “See”, aber die meisten sind unbewohnt. Es ist sooo ruhig hier, dass es manchmal sogar auf den Ohren drückt. Und die Sonne lacht vom makellosen blauen Himmel, dass es eine wahre Freude ist. Juhuuu, dann kann jetzt alles mal richtig durchtrocknen.
Einige Reparaturen stehen an: 🔧🪛🔩🔦
Die Schlitten vom Groß, wo bei einem die seitliche Platte abgeflogen war, werden nun alle festgezogen. Ein Sicherungsschräubchen wurde nicht ordnungsgemäß angezogen. Das hatte Roger in Neuseeland wohl vergessen. Klaus hat intensiv recherchiert und das System letztendlich durchblickt. Mit der Aktivierung dieses Schräubchens sitzen nun alle Schlitten fest am Segel. Größere Schrauben brauchen wir nun nicht mehr. Bravo!
Der Wassermacher? Ist repariert! Mit meiner Idee, den festsitzenden Schlauch durch Hitze zu erweichen und ihn so abziehen zu können, hat es geklappt, und Klaus kann mit einem langen Schraubenzieher den Wasserschlauch freikratzen. Seepocken haben ihn tatsächlich zugesetzt. Jetzt kann der Wassermacher wieder Wasser ziehen und Druck aufbauen. Uns fällt eine riesige Seepocke von der Leber! Und wir sind sehr froh, dass wir wieder Wasser machen können. Aber nicht hier, hier ist das Wasser zu schlammig und zu grün.

Bevor wir weiterschippern werden, geht’s aber noch zur Bundaberg Marina um die Ecke, um zu tanken und Wasser aufzufüllen.
Die Relais, die den Impuls für die Lichtmaschinen geben, sollten ausgetauscht werden. Das hatte uns schon Mike von Seawind in Sydney ans Herz gelegt. Da diese Relais zum Überhitzen neigen, entsteht immer auch eine gewisse Brandgefahr. Diese Relais sind für die Stromerzeugung über die Lichtmaschinen unerlässlich und sollten gegen neue Relais von Bosch ausgetauscht werden. Die liegen auch längst bereit, aber Klaus drückt sich noch um den Austausch herum. Er hat Muffe, dass er da auch bloß alles richtig macht, denn ganz leicht ist diese Elektroarbeit nicht. Andere Seawinder haben da extra einen Fachmann engagiert, und so traut er sich noch nicht an diesen Austausch heran. Erst einmal will er die Boschdinger vollständig verstehen.
Dann gehen wir jetzt eben an Land und besuchen den nächstgelegenen Supermarkt.


Im Hintergrund sieht man den versandeten Bereich, der ganz gut zum Beachen geeignet ist, wenn sich das Wasser bei Ebbe zurückzieht.


Wir laufen zum Supermarkt, der zum Glück nicht sehr weit weg ist.



Die Mitarbeiter im Supermarkt sind so freundlich, dass sie uns sofort anbieten, uns und unsere Einkäufe zurück zum Steg zu fahren. Das ist ja toll, dann können wir ja richtig zuschlagen und auch noch Wasserflaschen mitnehmen.

Wieder am Steg werden wir etwas zu früh abgesetzt, was wiederum ein im Auto sitzender Australier mitbekommt und Klaus auffordert, die 4 Sechserpacks Wasser in sein Auto zu laden, damit er diese noch 5 Meter näher an den Steg heranfahren kann. Er wäre ein guter Australier und klaut uns das Wasser jetzt nicht. 🤔 Gibt’s das? Unglaublich! Ich bin echt sprachlos über diese Hilfsbereitschaft. Dann, auf dem Steg, will uns noch ein anderer Australier die Sechserpacks zum Boot tragen. Nu ist’s aber gut. Das machen wir selbstverständlich jetzt mal selber! Später genießen wir noch einen tollen Sonnenuntergang und den aufziehenden Vollmond. 🌝


Und was hat das jetzt auf sich mit dieser Gateway Marina? Ahhh sooo ist das! Hier war noch nie eine Marina, hier sollte eine gebaut werden und zwar eine richtige Luxusanlage mit einem Investment von 250 Millionen Dollar. Und so sollte das dann hier aussehen:




Nicht schlecht, was da schon seit 2008 so in Planung war. 2018 wurde alles spruchreif und 2023 sollte das Projekt fertig sein. Sollte……..

Doch bis heute ist nichts passiert. Was ist stattdessen passiert? Probleme taten sich auf. Das Vulkangestein lässt keine tieferen Ausbaggerungen, oder Verankerungen der Stegpfeiler zu. Und die Hälfte des Areals verschlickt und versandet immer wieder. So berichteten uns das die Leute hier. Dann ging der aktuelle Investor pleite, der ursprüngliche Investor kaufte alles wieder zurück, und Ende 2026 soll nun endlich alles fertiggestellt sein. Aha! Wir haben schon Ende Mai und was ist bis jetzt passiert? Nichts! Eigentlich schade für die gesamte Gegend hier. Doch so können wir noch geschützt und kostenlos ankern, auch nicht schlecht. Morgen wollen wir uns nach Bundaberg fahren lassen, die Stadt des Bieres, des Rums und der verschiedensten Limonaden. 🍻
Die Stadt
Am Dinghy Dock angelandet, spricht uns ein älterer Mann an und meint, wir stünden da jetzt nicht so glücklich mit unserem Boot. Aha! Wieso? Am Montag, also übermorgen, gehen hier die Bauarbeiten los. Die was??? 😳 Die Bauarbeiten für die neue Marina! Donnerschlag, das gibt’s doch nicht! Wirklich? Ja, es soll mit den Facilities losgehen. Also, Marinabüro, Dusch- und Waschräume, Tankstelle und so weiter. Ach, das freut uns ja, dass da jetzt wirklich was in Gang kommt und ja, wir legen sowieso demnächst ab und räumen das Feld.
Jetzt laufen wir aber zur tatsächlich existierenden Marina, der Bundaberg Marina. Sie ist gar nicht weit von uns entfernt und liegt nur etwas weiter drinnen im Burnett River. Und wieder strahlt die Sonne vom azurblauen Himmel. ☀️














Wir laufen mal ins Marina Office und fragen nach den Tankmodalitäten und ob wir auch Wasser aufnehmen dürften. Wir dürfen. 😊 Supi, dann fahren wir jetzt mit einem Uber nach Bundaberg in die Stadt. Der Fahrer ist schnell da, und es geht los mit der Fahrt über Land. Die gesamte Gegend ist platt wie eine Flunder, es gibt viel Landwirtschaft, wie Gemüseanbau, ganz viel Zuckerrohr für die Brauerei und Rum Destille und Macadamia Nussanbau.


Wir fragen unseren Fahrer mal nach Sehenswürdigkeiten in Bundaberg. Was lohnt es sich dort anzuschauen? Hmmm…., das wisse er auch nicht. Er ist zwar von hier, aber Sehenswürdiges? Keine Ahnung! What? 😳 Wir: Den Botanischen Garten vielleicht? Er: Tja, wenn man Bäume mag…?! Dann vielleicht noch die Brauerei, stellt er fragend in den Raum? Ach herrje! Nee, zur Brauereibesichtigung haben wir keine Lust. Wir werden den Botanischen Garten in Augenschein nehmen, wie geplant. Noch passieren wir Reihen von eher einfachen Wohnhäusern,….


Es wird städtischer. Gute 52.000 Einwohner hat Bundaberg im engeren Umkreis.

Wir lassen uns an der Burnett Bridge absetzen.



Nun laufen wir ein ganz schönes Stück durch die Stadt. Wobei, eine richtige Stadt ist Bundaberg gar nicht. Es ist eine große Ansammlung von Wohnhäusern, kleinen und größeren Shops und Restaurants (Spilunken und Ketten), Bars und Spirituosengeschäften. Alles macht einen eher heruntergekommenen Eindruck, mit einigem Leerstand. Auch die Menschen, die uns begegnen, scheinen nicht gerade die erfolgreichsten ihrer Art zu sein. Wir sind froh, dann irgendwann am Botanischen Garten anzukommen.





Och, wir eigentlich auch. Der Garten ist zwar sicher nicht das Non plus Ultra, aber für Bundaberg bestimmt der netteste Ort und auch ziemlich tierreich.





Jetzt aber! Massen an Schmuckenten und Ibisse bevölkern das Ufer des großen Sees.




Ich schleiche mich mal da hinten an eine Ibis Gruppe heran, komme von hinten durchs Unterholz, will mein Handy zücken, bin noch gar nicht ganz bei ihnen, da flattern alle verschrocken auf und davon. Mist! Nichts war’s. ☹️ Dann schlagen wir jetzt lieber mal den Weg in einen kleinen Regenwald ein.






Dann stoßen wir auf ein Häuschen…

und das heiß ersehnte Restaurant Café 1928.😋

Das Häuschen gehörte einst einem kleinen Manne, namens Bert Hinkler. Hinkler, hört sich ja irgendwie deutsch an. Jepp! Sein Vater war Deutscher aus Preußen, seine Mutter hatte englisch-britische Wurzeln. Aha.

Dieser nur 1,62 Meter kleine Bundaberger Pilot, legte 1921 einen rekordverdächtigen Flug von Sydney nach Bundaberg hin. Zur großen Freude der Bevölkerung fabrizierte Hinkler noch ein paar spektakuläre Kunstflugstücke über dem Burnett River. Das tollste Ding war sein Flug unter der Burnett Brücke hindurch, die, über die wir vorhin gelaufen sind.

Klein der Mann, klein sein Flieger, aber groß sein Erfolg. 1928 gelang ihm der zu dieser Zeit schnellste Alleinflug von London/England nach Darwin/Australien. 15 1/2 Tage war er unterwegs. Damit stellte er einen neuen Rekord auf, wurde international berühmt UND wurde zum Ritter geschlagen. Wenn das nichts ist! Ihm zu Ehren steht hier eine Museumshalle mit seinem Flugzeug und Erinnerungen an seine fliegerischen Erfolge.
Das Restaurant Café trägt ebenfalls den Namen 1928, das Jahr Hinklers größtem Erfolg.
Da sitzen wir nun, im Café 1928 und lassen es uns schmecken. Die Ibisse übrigens auch.

Das Publikum, das wir währenddessen so beobachten, ist eher einfach, korpulent und kinderreich.




Und auf einem Baum tiriliert ein Vögelchen. Hübsch seine Stimme, hübsch sein Aussehen.

Nun setzen wir unseren Spaziergang fort, aber in Richtung Ausgang. 🔚

Wieder erreichen wir einen großen, angelegten See, mit Pelikanen UND Wasserschildkröten. Aber diesmal ist dieser urwüchsiger, natürlicher und grüner.




Dann, auf einer breiten Holzbrücke, sehen wir so einiges im Wasser herumschwimmen. Sieht irgendwie etwas ekelig aus…




Also, wir gehen mal weiter, laufen noch durch Japan und beschließen diesen Gartenbesuch.




Hier sitzen wir nun. Unter Palmen, müde und geschafft. Gleich kommt unser Uber und fährt uns zurück zum Boot. Keinen Zentimeter möchte ich mehr laufen!

Das war es für heute, mehr geht nicht. Morgen überlegen wir mal, wie wir unsere Abreise gestalten wollen. 🤔
Tschau, tschau… 👋✋👋………… 🖖.
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