Hier macht wohl jeder was er will…

Auch das Wetter! Es windet stark, ich würde sagen, nicht mehr viel und es herrscht Sturm. Klaus will Yuti festbinden, denn die steht nur auf ihren klitzekleinen Minikiels. Stimmt nicht so ganz, immerhin ist auch noch der Trailer unten drunter, wenn auch locker. Aber zu allererst muss Kläusi aufs Klo. So, ne halbe Stunde später, es ist halb acht, kommen die ersten Mitarbeiter und wundern sich erstmal über unsere Leinen und fangen dann an, den Rest vom schwarzen Antifouling abzuschleifen. Alle Schotten dicht! Der Staub ist giftig! 😷 Dann schleifen drei Leute an unserem Boot herum, gut. Aber bitte smooth!! Nicht die blaue Schicht auch noch runter machen!!! Das Nachbarboot, auch ein Katamaran, der knappe 4 Meter neben uns steht, soll eine neue Farbe bekommen. Er soll blau lackiert werden. Hey, wie soll das denn gehen, bei dem Wind? Werden wir dann blau gesprenkelt?? Wir bekunden unseren Unmut! Da spannen sie eine orange-rote Plane. Aber der Wind nimmt zu und reißt ordentlich daran herum. Ein Sprühschutz ist das nicht wirklich! Doch sie fangen tatsächlich an zu sprühen… 😳. Und der blaue Nebel saust nur so in alle Richtungen… Ich fasse es nicht!!! Ich schaue ständig auf unser Boot und suche nach blauen Pünktchen. 🧐 Noch sehe ich nichts, aber wenn, ist es auch schon zu spät! Klaus informiert Christoph, den Small Chef, wie er sich selbst tituliert. The Big Chef is not there. Dann kommt ein Trailerfahrer und zieht uns ein gutes Stück vor. Die blauen Jungs sprühen weiter, wir haben Stress… Dass die aber auch nun ausgerechnet mit dem zu uns gewandten Hull anfangen müssen??? Ja, sie ständen unter Zeitdruck und müssten eigentlich schon gestern fertig sein. Aber, aber, doch nicht auf unsere Kosten?! Und überhaupt, passt das Wetter so gar nicht!!! Egal, sie sprühen weiter… Bei uns wird zu Ende geschliffen und abgespritzt. Auch nicht gerade ideal für die nachbarschaftliche Lackierung! Dann werden bei uns zwei Macken entdeckt und zwar genau da, wo die Badeleiter mit ihren Füßchen beim Ausklappen anschlägt. Oh, das soll bitte ausgebessert werden. Vielleicht kann man ja die Plastikfüßchen anschrägen, da sie nur mit ihrer Kannte ans Boot drücken und somit den Schaden verursacht haben. Etwas später hören wir es schlagen und hämmern. Was machen die denn da? Sie wollen das Boot abschrägen, statt der Badeleiterfüßchen. Neeeiiin! Stopp!! Aufhören!!! Das doch nicht!!!! Eher schmeißen wir die Badeleiter weg als Löcher im Boot zu haben! Bitte wieder zu spachteln und ganz normal mit Antifouling rüber! Gut! 🥵 Mittlerweile haben sie angefangen zu streichen. Zwei junge Kerls sollen das machen. Na mal sehen. Wir wollen ja nicht dauernd wie die Schießhunde dabei stehen und glotzen… 👀 Aber immer mal wieder halt. Und was sehen wir da? Sie haben unseren vormals weißen Bereich um die Propeller und die Saildrives einfach schwarz gestrichen. 😳 Und über die breiten Gummies, die den Saildrive Bereich mit dem Bootsrumpf abdichten, haben sie auch drüber gerollert. Menschenskind, was machen die da bloß? Das war ja nicht ohne Grund weiß, statt schwarz. Der Bereich ist aus Aluminium und eben aus Gummi, der sich nicht mit unserem schwarzen Antifouling verträgt. Da haben wir halt ein anderes, weißes, spezielles Antifouling für und die Gummis sollen gar kein Antifouling bekommen!

Ist jetzt alles schön schwarz…

Christophhhh, deine Jungs haben einen Fehler gemacht…Wieso, sagt Christoph, das machen wir doch immer so… Hm,… ja, sie verwenden ein ganz anderes Antifouling, welches weiß der Teufel warum, auf alle Materialien gehen soll. Unser teures International Micron 350, was wir Christoph extra haben besorgen lassen, darf aber nicht auf den Saildrive Bereich. Was nun? Wir sollen doch morgen schon wieder ins Wasser… Das Schwarze muss da wieder ab! Und zum Glück hat Klaus das weiße Interprotect mit im Gepäck und wird es nun komplett opfern müssen. Dieser Entscheidungsprozess hört sich so einfach an, ist er aber nicht. Es kostet Klaus ordentlich Nerven, denn Bootsbauer ist er nun weiß Gott nicht, und all sein Wissen muss er sich in Windeseile aus dem Internet zurecht suchen. Und das Internet ist lahm, sehr lahm. Schweiß rinnt ihm den heiß gelaufenen Schädel hinunter. STRESS! Es geht aber weiter. Wie ist Interprotect anzuwenden? Auf dem Zwei-Komponenten Produkt seht’s auf Englisch und auf Türkisch. Er möchte jetzt einmal die Gebrauchsanweisung auf Deutsch und Schluß. Eines ist klar. Morgen Mittag können wir definitiv nicht ins Wasser, das Interprotect braucht eine 12-stündige Trocknungszeit und erst morgen kommt das schwarze Antifouling wieder runter. Derweil wird Feierabend gemacht. Erstaunlich, dass überhaupt heute am Nationalfeiertag gearbeitet wurde?! 🇸🇨 Naja, die Arbeiter hier sind wieder keine Seychellois, sondern Singhalesen oder Menschen aus anderen ärmeren, krisengeschüttelten Ländern. Eigentlich wollte ich heute auch etwas vom Independence Day mitbekommen, no Chance. Wie machen das eigentlich andere Bootsbesitzer, die bei Werfttagen nie auf ihrem Boot bleiben? Wir wurden auch angeschaut wie Marsmännchen, dass wir drauf bleiben wollten. Aber was für ein Oberchaos, wenn wir nicht hier gewesen wären und deshalb werden wir auch weiterhin bleiben! Übrigens, den Tiefenscanner haben sie auch übergemalt Zzzzz… , dafür die so wichtige Wasserlinie und die Ruderzwischenräume noch gar nicht… 🫣.

So, jetzt sind aber alle weg, außer die vier alten, räudigen Werfthunde. Da kommt schnell die Erinnerung an Sri Lanka wieder hoch. Die vier sind alt, alt und älter, dünn, verwahrlost, krank, verlaust. Einer kratzt sich ohne Unterlass und hat nur noch ganz wenig Fell. Ein anderer hat nen dicken verfilzten Pelz und wankt ins Wasser. Es sieht nach Selbstmord aus, er kommt aber wieder zurück. 🫣 Fotos habe ich mal keine gemacht, es ist nicht gut mit anzusehen.

Wir müssen mal abschalten und fahren noch flott nach Eden Island, essen etwas im “Eisrestaurant” und kaufen noch im Spar ein. Dann geht’s wieder zurück und das ist auch gut so. Der Wind ist nun ein Sturm mit kräftigen Böen. Wir binden Yuti wieder fest und verkrümeln uns im Salon. Die Plane vom Nachbarboot flattert wie ein zorniges Ungeheuer und zerfetzt Stück für Stück…

Später wird auch noch die linke Verbindung reißen. Die Plane hebt dann fast völlig ab.

Es heult, schlägt, flattert, klappert, pfeift uns laut um die Ohren, Yuti erzittert, es ist unheimlich! 🫨 Und der Werftstrahler scheint unerbittlich ins Boot, wir stehen jetzt genau davor. Da wirste fast blind. Na dann gute Nacht!

2 Kommentare

  1. Hallo Andrea & Klaus,
    Es ist immer wieder schoen, von Euren Abenteuern zu lesen – bitte weiter so! Alles Gute weiterhin fuer Euch und liebe Gruesse aus Phuket von
    Christine & Frank @ Micromégas II

    1. Hallo, ihr beiden!
      Das ist aber sehr schön von euch zu hören! Dass ihr weiterhin unseren Blog lest, finde ich ja toll! Ja, ich werde fleißig weiterschreiben. Wir hoffen, euch geht’s richtig gut und eurem Boot ebenso ❣️
      Liebe Grüße
      Andrea & Klaus 👋

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