🎼 Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord …

Wer kennt dieses Lied nicht 🎵 🎶?! Wir sind dem Ursprung dicht auf den Fersen.
Aber jetzt segeln wir erstmal nach Nosy Sakatia. Dort soll es einen Hot Spot für Meeresschildkröten geben. Die will ich sehen!
Das ist das Ziel:

Weit von Nosy Be ist es nicht, so sind auch einige Ausflugsbötchen mit an Schildkröten interessierten Schnorchlern und Tauchern vor Ort. Wir ankern vor einem dieser Boote, welches aber wohl zurzeit nicht touristisch genutzt wird, nahe einer Mooringboje. Der Anker hält, der Captain ist zufrieden. Die zwei Locals auf dem Boot hinter uns aber nicht. Die Verständigung ist schwer, aber sie wollen wohl, dass wir weiter draußen ankern. Das wollen wir aber nicht, und so bleiben wir an Ort und Stelle. Später kommt noch ein weiterer Kat und genießt mit uns den Sonnenuntergang.

Nächster Morgen. Um 8:00 Uhr geht Klaus ins Wasser. Das nahegelegene Riff interessiert ihn. Ja, gar nicht schlecht, ganz nette Korallen, einige Fische und ein Schwarm selbiger, kommt ihm entgegen. Meeresschildkröten sind nicht dabei. Dann wird eben das Boot geputzt, ich springe mit hinein und helfe. Sooo schlimm ist es aber nicht mit dem Bewuchs. Außer die Saildrivebereiche und die Propeller. Weder die sau teure Propellerfarbe, noch die extra Aluminiumfarbe der Saildrivebereiche, bietet einen Schutz vor Meeresgetier und Algen. Die Jungs von der Werft auf den Seychellen, hatten die Saildrivebereiche ja einfach mit Antifouling überstrichen. Was ein Theater, musste das ja wieder runter, um dann mit unserer Extrafarbe gestrichen zu werden. Wer sich erinnert? Die Farbe, die Klaus nicht wirklich umgerührt hatte. Zumindest beim ersten Streichvorgang… 🙄 Wenn man sich jetzt den Bewuchs anschaut, war’s dann wohl doch ne Fehlentscheidung??? Auf jeden Fall muss da beim nächsten Haul out was passieren! Später nähe ich noch einen neuen Riss im Segelsack. Der von mir genähte Flicken außen, ist auch schon wieder durchgescheuert. Da habe ich aber jetzt keine bessere Idee für, würde der Westfale sagen. 😉
Plötzlich sehe ich doch wieder mindestens vier Boote, die am hinteren Ende der Bucht im Kreis stehen und Touris ins Wasser lassen. Da muss es doch Schildkröten geben. Es ist bloß zum Hinschwimmen ziemlich weit. Flossen an, Brille auf, Schnorchel rein und los. Puh, es ist weit! Ich höre die Touris kreischen und juchzen. Sobald ich auch nur eine Schildkröte sehen sollte, wäre mein Ziel erreicht und ich kehre um. Und dann sehe ich doch tatsächlich eine und kurz darauf noch eine❣️Zum Glück sind sie richtig groß und daher im wirklich trüben Wasser überhaupt zu sehen. Sie grasen Seegras

und tauchen kurz auf zum Luft holen.

Es sind grüne Meeresschildkröten oder auch Suppenschildkröten genannt. Traditionell landeten sie früher oft im Suppentopf. Sie werden bis zu 1,5 Meter groß und maximal 200 kg schwer. Also richtige Brummer. Glücklich schwimme ich zurück zum Boot. Ziel erreicht, Wunsch erfüllt!
Es dunkelt schon, da kommt ein weiteres Touriboot und will an die zweite Mooringboje. Die Leute vom ersten Boot gestikulieren, dass sie uns das doch schon gestern gesagt hätten. Als wir es dann auch verstehen, heben wir den Anker und rücken etwas nach außen. Alle sind zufrieden.

Am nächsten Morgen heben wir erneut den Anker und tuckern zum nächsten Ziel, der Russen Bucht!
Wir sind da und gaaanz alleine.

Durch diesen schmalen Eingang ging’s durch und es eröffnete sich eine riesige Bucht.

Wir ankern vor einem schmalen Sandstrand.

Und erkennen durchs Fernglas wenige, sehr einfache Palmhütten und ein paar hölzerne Fischerboote. Doch wieso heißt diese Bucht noch heute Russian Bay? Was spielte sich hier ab?
Im Krieg zwischen Russland und Japan, von 1904 bis 1905 – ich hatte keine Ahnung, dass es diesen Krieg überhaupt gab – schickte das Zarenreich sein zweites Pazifikgeschwader los, um seine eingekesselte Flotte in Port Arthur zu unterstützen. 25 Kriegsschiffe, mit 10.000 Mann Besatzung, meist ukrainische Matrosen, liefen aus und mussten zwecks dringender Reparaturen vor Nosy Be rasten. Mit Erlaubnis der verbündeten Franzosen, durften sie in eben dieser Bucht vor Anker gehen. Diese Bucht war ideal. Super geschützt und groß genug, mit völlig ruhigem Wasser, keinerlei Wellengang. Sie lagen wochenlang in dieser Bucht und warteten nun auf das dritte russische Pazifikgeschwader, welches allerdings nie kam. Sie segelten irgendwann weiter, vergaßen ein Schiff, ein weiteres lief auf ein Riff und versank. Auf dem zurückgelassenen Schiff brach Typhus aus, nicht die Pest. Viele Matrosen starben und wurden auf Nosy Be begraben oder erhielten eine Seebestattung. Der letzte Überlebende soll 1936 auf der Insel verstorben sein. In dieser Zeit entstand das Lied:

Wir lagen vor Madagaskar
Und hatten die Pest an Bord
In den Kübeln da faulte das Wasser
Und mancher ging über Bord

Wir lagen schon vierzehn Tage
Kein Wind in den Segeln uns pfiff
Der Durst war die größte Plage
Dann liefen wir auf ein Riff

Der Langbein der war der erste
Der soff von dem faulen Nass
Die Pest gab ihm das Letzte
Man schuf ihm ein Seemannsgrab

Und endlich nach 30 Tagen
Da kam ein Schiff in Sicht
Jedoch es fuhr vorüber
Und sah uns Tote nicht

Ahoi! Kameraden.
Ahoi! Kameraden. Ahoi, ahoi, ahoi

Die Russen verloren diesen Krieg und Japan führte zum ersten Mal Asiaten gegen Europäer erfolgreich zum Sieg.
Also befinden wir uns jetzt an einem geschichtsträchtigen Ort. Auch wir erleben völlige Windstille, Yuti liegt wie ein Brett im Wasser und wir versuchen in Ruhe zu schlafen, wenn da nicht so viele kleine Mücken wären…

Uahhh 🥱, die Nacht war aber dennoch gut. Nach einem kleinen Toast Frühstück geht’s ins Wasser, schnorcheln. Das nächstgelegene Riff ist gar nicht schlecht. Schöne Korallengärten und viele Fischschwärme, ganz kleiner hellblauer Fischlein, sind zu entdecken. Ich sehe noch einen Kofferfisch, einen Drücker, einen Zitronengelben und viele Schwarze. Die Anzahl größerer Fische ist jedoch gering und das Wasser durch viele Schwebeteilchen ganz schön trübe. Wir sind halt Malediven verwöhnt. 🤷 Aber für Madagaskar ist das hier das bisher beste Riff.🪸
Gegen 10:30 Uhr kommt ein Touriboot mit Gästen. Sie bringen ihr eigenes Essen mit. So gibt es die beschriebene, billige Kneipe dann wohl doch nicht, oder sie ist geschlossen. Das möchte ich doch gerne mal selber erkunden. Wir beschließen kurzerhand rüber zu schwimmen und der Sache auf den Grund zu gehen. Drüben angekommen sehen wir einige, ganz einfache Palmenhütten, die billige Kneipe hat leider geschlossen und wenige dort sehr einfach lebende Menschen sehen wir auch. Sie sind sehr zurückhaltend und grüßen nur, wenn wir es tun.

Also dem Fischfang wird hier nachgegangen.

Solche einfachsten Hütten werden wirklich genutzt. Fensteröffnungen gibt es fast nie, damit keine Sonne hinein scheinen kann. Es sind sowieso genügend Löcher im Geflecht.

Strand bei Ebbe und ein sich aufbäumender Drachen 🐉, der hier alles bewacht?

Auch hier haben sie gerne das Fahrzeug direkt vorm Haus.

Schöne Ausblicke durch glatt gewaschenes Holz.🪵 Ein Hund passt auf. Naja, etwas müde das Getier. Erst in der Nacht fangen sie an, sich zu unterhalten…

Geheime Zeichen und Hinweise??

Wurde hier mal Gold gefunden? Wohl kaum. Aber goldgelbe Blütenpüschel betören mit ihrem wunderbaren Duft.

Plötzlich entdecken wir alte Mauern. Was das wohl mal war und von wem?

Nach langer Recherche finde ich eine Erklärung. Im 12. Jahrhundert wanderten arabische Händler ein und erbauten Moscheen. Hier sind noch die Überreste zu finden. Spannend!

Jetzt genug von alten Mauern! Lieber wollen wir mal unsere kleine, junge Yuti vom Strand aus betrachten. 🥰

Eine „Partyhütte“ gibt’s tatsächlich auch, aber ohne Party.

Das schönste Haus am Platz. Zwei junge Leute mit Rastazöpfen wurschteln herum, aber interessieren sich nicht die Bohne für uns oder andere Touristen. Irgendwie komisch….
Ist halt ein ruhiges Naturparadies. Dann schwimmen wir mal zurück zu Yuti…

und lassen nochmal kurz die Drohne fliegen.
Morgen, auweia, gibt’s viel am Boot zu tun. Lassen wir’s sein… 😝?, nein, nein!

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