Auf Kollisionskurs

Montag, 29.01.2024
In der Nacht holen wir Groß und Jib wieder heraus. Das Groß ist auf Reff 2. Das ist unsere Besegelung bis 9:35 Uhr. Dann kommt Klaus ins Grübeln. Irgendwas passt nicht. Groß und Jib sind nicht im Gleichgewicht. Ja na klar! Der Mast wurde doch signifikant verändert, das ist es! Überleg, überleg, 🤔 … Wenn das Groß gerefft ist, sollte jetzt vielleicht auch das Jib etwas verkleinert werden?! Ich verkleinere. Joo, so stimmt es wieder. Auch die Ruder stehen nun wieder mittig und Geschwindigkeit haben wir auch nicht eingebüßt. Wobei unsere Geschwindigkeit nicht besonders groß ist. Gut gemacht Kapitän Klaus!
11:00 Uhr, na, wieviel Meilen haben wir geschafft? Ganze 39 NM, peinlich! 🫣 Ab Dienstag soll es laut Windy besser werden. Nun aber rumpeln und schaukeln wir ganz schön hin und her, obwohl die Schwibbel-Schwabbel-Wellen gar nicht so besonders hoch sind. So segelt es sich jedoch sehr unruhig, und alle unschönen Begleiterscheinungen sind wieder mit dabei. Es rumst, es knatscht und knackt, es schaukelt, es stöhnt und heult, wir auch… Und Klaus hat seine mittlere Luke offen stehen lassen, nun schwimmt Salzwasser im Mittelgang. Schöne Sauerei! Dabei fragte er mich noch vorhin, ob ich alle Luken zu hätte? 🙄
Der scheinbare Wind ist bei 22 bis 24 Knoten, wir fahren aber nur 2 bis 3,5 Knoten über Grund, und das fühlt sich auch noch wie in einer Waschmaschine an. Uns ist übel… 🤢.
18:45 Uhr, es hat sich zugezogen und es regnet leicht.
19:41 Uhr, alle Segel sind runter, ein Motor an. Das Wellenbild ist dermaßen uneinheitlich, sie kommen von allen Seiten, ohne Sinn und Verstand, und der Wind ist fast eingeschlafen. So geht kein Segeln mehr! Schluss aus, wir lassen uns jetzt treiben, und ich gehe ins Bett. ☹️

Dienstag, 30. Januar 2024

7:15 Uhr, Klaus ruft mich, er will mit mir das Screecher rausholen. Aye, aye Captain 🫡. Erledigt,… und wir fahren knapp 4 Knoten. Na ja… Klaus erzählt mir von seinen Nachterlebnissen. Zwei Frachter hielten geradewegs auf uns zu. Er taxierte und stellte fest, die sind noch weit weg, ich schlafe noch ne Stunde. Eine Stunde später, nochmal das selbe, er schläft noch ne Runde. Als er dann wieder erwachte, war einer der Frachter schon ganz schön nah, hatte aber zum Glück seinen Kurs etwas geändert. Der andere Frachter war längst einen anderen Kurs gefahren. 😮‍💨
9:08 Uhr, Klaus wäscht das Boot ab, es ist wieder so salzig. Unser schönes Wasser, jaule ich. Aber, er will es nun mal, der Wind käme jetzt eh nur noch von hinten, das spritze dann nicht mehr so. Aha… Okay, er spült wirklich nur ganz kurz ab, damit kann ich leben. 11:00 Uhr, die Stunde der Wahrheit.

Schlappe 37 Seemeilen haben wir erdümpelt, oberpeinlich. Tristan kommentiert, er beobachtet uns ganz genau. 👀 Da der Wind ziemlich sprunghaft ist, fahren wir nun mit Windsteuerung. Das heißt, wir legen den Anströmungswinkel zum Segel fest, sodass das Segel nicht mehr umschlagen kann, wenn der Wind dreht. Das bedeutet aber auch, wir halten den Kurs nicht mehr genau ein und müssen gegebenenfalls nachjustieren. So entstehen dann auf dem Tracker die Schlangenlinien, statt einer kerzengeraden Linie. Da hält wieder ein Frachter, aber so was von auf uns zu, das glaubst du nicht. Wir haben jedoch eindeutig Vorfahrt! Wir sind ein Segelboot unter Segel, und er müsste uns auch noch überholen, wenn er uns nicht rammen möchte. Da schauen wir doch mal genau hin. 3 Seemeilen vor’m Crash dreht er ab und geht hinter uns durch.

Okay ✔️ Dann ist der Segeltag ganz wunderbar. Wir segeln 5 bis 6 Knoten über Grund, die Sonne scheint und wir sind fast allein auf weiter See. Fein❣️Auch der Sonnenuntergang ist schön,

und ruhig geht es in die Nacht. Nur auf die großen Kähne müssen wir weiter gut Acht geben. Übrigens, auf dem Marine Traffic Finder ist zu sehen, was auf dem Südatlantik so los ist…

Kreisch….., das ist ja zum Ersticken!

Grün ist Cargo, pink sind Boote so wie wir. Da ist ja der Teufel los 😳. Wenn man das ganze dann aber auseinanderzieht, beruhigt sich die Situation ungemein.

Dennoch müssen wir aufpassen❗️

Mittwoch, 31. Januar 2024
6:17 Uhr, eine kabbelige See schmeißt mich aus der Koje. Es ist eindeutig unruhiger geworden. Das soll über den Tag, durch stärker werdenden Wind, auch noch zunehmen. Wir müssen aufpassen, dass wir das Screecher rechtzeitig einholen und dann das Jib dafür rausnehmen. Zur Zeit segeln wir 6 bis 7 Knoten, das ist nicht schlecht.
Derweil in East London: Tim mit Gwang und Dennis, der Ami, mit Nata, haben sich auf den Weg nach Cape Town aufgemacht. Das hat aber auch gedauert… Tim liegt noch vorne, mit seiner Tipsy Tuna, wird aber wohl in den nächsten Stunden von Denis und seiner Toilette ein- und überholt. 😂 Da freut sich Klaus schon Tim zu schreiben: Tim, du wurdest gerade von einer Toilette überholt…🤣😂🤣. Wieso Toilette? Diesen Begriff haben wir voll und ganz von Tristan übernommen. Und in diesem Fall stimmt es sowas von!!! Denis Boot ist eine ekelige Toilette! Oll, dreckig, vermüllt und undicht… 🫣.
10:45 Uhr, der Frachter « Maran Exellence » kommt uns ziemlich nahe. 292 Meter ist sie lang, 45 Meter breit und 12,7 Knoten schnell, dazu ordentlich verrostet. Engster Kontaktpunkt zwischen unseren Routen, 500 Meter.

10 Minuten später ist sie fast vorbei, kollidieren werden wir nicht, schwitz.
11:00 Uhr, 139 Nautische Meilen sind wieder im Sack. Okay, das sieht doch schon besser aus. Aber mit heute haben wir noch keine 500 Meilen von den ca. 1.800 NM bis St. Helena geschafft. Je nach Kurs, abhängig von Wind, Wetter und Strömung, wird der Weg lang oder länger…
Unsere GPS Antenne vom Funkgerät ist wohl kaputt. Klaus hat sich mit einem Mitarbeiter von Garmin besprochen, und es deutet alles darauf hin. Wir bekommen eine neue kostenlos zugeschickt. Aber wohin??? Am besten zu Familie Kißler und dann Übergabe in Panama. 🇵🇦 Klaus hat aber noch eine GPS Antenne übrig und probiert die eben mal aus. Obwohl der Garmin-Mann davon abgeraten hatte, sie sei ja nicht für unser Gerät getestet. Was soll ich wieder mal sagen, es funktioniert. 😃 Klaus ist mega stolz und verkabelt das Ding noch äußerst geschickt und unsichtbar. Toll❣️13:45 Uhr, der Wind nimmt deutlich zu. Wir holen das Screecher rein, um nicht zu riskieren die Öse zu zerreißen und holen das Jib im Gegenzug raus. Der Wind lässt nach, Baum…. 🙄. Trotzdem schaffen wir noch 5 Knoten. Vorher hatten wir 7… 😏. Das Jib wird noch optimiert, indem der Holepunkt auf der Travellerschiene etwas nach rechts verschoben wird. So kann der Wind noch besser greifen und nen guten Knoten mehr bringt’s auch. Nun schaukeln wir ganz gut voran. Die erste Nachtwache halte ich , dann Klaus, dann wieder ich… Die Wellen knallen unter mein Bett, aua!

Donnerstag, 01. Februar 2024
7:53 Uhr, der Tanker « Hafnia Larissa » hält exakt auf uns zu. So genau, dass sogar unser Alarmsystem anschlägt.


Wir sind kurshaltepflichtig, das steht schon mal fest. Wird der Tanker ausweichen?? Oder muss er angefunkt werden? Nee, er weicht aus, wenn auch nur knapp. Etwas später kommt uns noch ein Autofrachter entgegen. Der erinnert uns stark an die Schiffe in East London, die die vielen Mercedes Neuwagen verluden. Dieser hier hält aber zur Abwechslung genügend Abstand zu uns.

11:00 Uhr, Ablesezeit! 151 Seemeilen haben wir geschafft, toll! Und das wohlgemerkt nur mit dem kleinen Jib. Über den Tag, bis in die Nacht , bauen sich die Wellen immer mehr auf. 3 Meter hoch sind sie bestimmt und knallen unerbittlich unterm Boot durch. Es schaukelt so sehr, dass wir uns kaum durchs Boot bewegen können. Gut festhalten ist die Devise! Eigentliche sollte Klaus nun schlafen und ich wachen. Er kann aber nicht schlafen. Wir hören einen Podcast nach dem anderen. Ich kann auch nicht schlafen, habe ich doch vorhin einen Kakao mit ordentlich Espressopulver getrunken. ☕️ Und jetzt soll ich schlafen? Hohoho… Na gut, ich versuch’s mal. Die Wellen knallen mir in den Rücken und die Nieren. Wie soll ich da schlafen??? Auf den letzten Metern, kurz nach 1:00 Uhr schlafe ich dann wohl doch. Um 2:00 Uhr weckt mich mein Handy. Mist! Aber so war es ausgemacht. Ich schleppe mich in den Salon. Meine Augen sind sooo müde, dass die Radarkreise tanzen 😵‍💫. Das kann ja was werden… 🥱… 🥱… 🥱.

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