Die schlimmste Ausfahrt unseres Lebens steht bevor. Wir wissen es bloß noch nicht, wir ahnen es nur. 😱
Der Plan ist, mittags den Anker zu heben und über Nacht bis Coffs Harbour zu segeln. Alles wird immer wieder durchgekaut, gecheckt, überprüft, gecheckt, überprüft und dann verworfen. Es soll nun doch nicht bis Coffs Harbour gehen, sondern nur bis zur Trial Bay. Da machen wir dann erst noch Halt, übernachten, und segeln weiter. Eye, eye, Herr Kapitän. 🫡 Jetzt warten wir erneut auf den Tidenwechsel, und dann geht’s los. Erst fahren wir mit Motor noch ganz gemütlich durch den Fluss und begegnen dabei diversen Fischfängern.


Die Stimmung ist noch sehr entspannt. Bei den Fischfängern… 😎.

Wir nähern uns dem Ausgang…











Wir beobachten und warten und beobachten und geben dann doch im falschen Moment Gas. 😵💫




🥵 😮💨 😬 🥳 GESCHAFFT 🤪 😇 🤓 😅 !
Hallelujah❕Das hätte auch ins Auge gehen können. Der letzte Brecher war fürchterlich! Du fährst die Welle hoch und fällst dahinter ins absolute Nichts. Dann schlägst du auf und es kracht ganz grauenhaft, so, als würde das Boot in tausend Teile zerbersten. 🙈🙊🙉 Aber Yuti ist nicht zerbrochen, was ich erstmal kaum glauben kann. Ängstlich und voller Sorge suche ich Yuti mit meinen Augen ab, kann aber nichts entdecken. Stattdessen segeln wir weiter durch kräftige Schwibbel-Schwabbelwellen und mit Kurs Richtung Norden. Teils mit Motorhilfe, teils ohne, segeln wir nun durch die Nacht. Mich haut die Müdigkeit und Erschöpfung schier um, und ich schließe die Augen. Klaus bekommt nur eine klitzekleine Auszeit, aber besser als gar keine. 😉
Um 8:00 Uhr erreichen wir unseren nächsten Stopp
Die Trial Bay soll es nun für uns sein. Am Eck, noch vor der Buchtöffnung, bestaunen wir eine Burganlage mit fantastischem Blick aufs offene Meer und auf uns. 😌











So, jetzt sind wir drin in der Trial Bay, der Versuchsbucht, und ankern.

Die sogenannte “Schiffsversuchsbucht”, wurde einst benannt nach dem Segelschiff Trial, welches versuchte hier irgendwo Anfang des 19. Jahrhunderts zu ankern und dabei in Schwierigkeiten geriet. Aha!
Bizarre Menschen in Schwarz versuchen heute auch etwas Interessantes in dieser Bucht.



Mann, sieht das aus! Wie ganz dünne Außerirdische, die mit übersinnlichen Kräften über das Wasser gleiten. 😳

Die Burg, die keine Burg ist. Nein, ein Kerker ist es. Eine Haftanstalt von Sträflingen für Sträflinge gebaut, um 1877. Sowas aber auch. Tzzzz…. Im 1. Weltkrieg wurde diese Anlage zum Internierungslager umfunktioniert, für deutsche Zivilisten in ganz Australien. Denn, im ersten Weltkrieg wurden aus deutschen Freunden plötzlich deutsche Feinde, ach herrje. 😳 Sie richteten sich dort ein. Wohlhabende Insassen machten es sich regelrecht gemütlich. Kunst, Musik, sogar Theateraufführungen organisierte man sich, zur allgemeinen Zerstreuung. Die meisten Deutschen waren gut gebildete Akademiker, beherrschten Instrumente, waren selber Künstler, andere reiche Händler. So gab es klassische Musik mit Meeresblick. Unglaublich! Noch doller war es, dass die Inhaftierten sogar ihr eigenes Bier brauten. Das war zwar offiziell verboten, wurde aber toleriert. Dreimal darf man raten warum wohl. 😄 Flucht war nicht wirklich machbar, die Lage machte diese nahezu unmöglich. Aber ehrlich, es wollte auch gar niemand flüchten. Wohin auch? Nach Deutschland? Nee, es ging ihnen verhältnismäßig gut hier. Die, die während der Haft starben, aus Altersgründen oder wegen Krankheiten, bekamen ordentliche Gräber. Die Grabsteine sind heute noch zu sehen. Da möchte ich hin, das möchte ich mir alles angucken.
Der lächerliche Versuch an Land zu kommen 🫣
Noch am selben Tag lassen wir unser Kayak zu Wasser und paddeln los. Das Wasser ist richtig kabbelig, doch es klappt ganz gut. Wir nähern uns der Strandbrandung und fahren Achterbahn. Beide sind wir der Meinung, dass wir das niemals mehr zurück schaffen werden. Diese Wellen waren vom Boot aus gar nicht zu erkennen. Wir drehen um, nach circa 2/3 der Strecke. Jetzt heißt es, wie zuvor mit Yuti bei der Flussausfahrt, schön gerade bleiben und Tempo machen! Die Wellen brechen, schwappen ins Kayak, wir stehen schräg und…. kippen um, bum. Schnell ist das Boot wieder gedreht und wir versuchen schwimmend, mit Kayak im Schlepptau, Yuti zu erreichen. Doch wir kommen so gut wie nicht von der Stelle. Die Wellen drücken uns immer wieder zurück. Da will Klaus wieder ins Kayak, ich hänge mich als Gegengewicht auf die andere Seite, und so gelingt Klaus der Einstieg. Bloß sitzt er falsch herum, lach kaputt. 😂 Er dreht sich umständlichst um und meint, ich sollte besser draußen bleiben und schwimmen. 🏊♂️ Aha, hier gibt es ja auch nur niedliche Hammerhaie, weiße Haie und Tigerhaie. Toll! Da kann ich mich ja wohl schon mal verabschieden. Aber, in dieser Bucht soll es wenige bis keine Haie geben. Die blieben lieber im offenen Meer, hatte Chat vorhin noch gemeint. I hope so!!!!! Dann will ich mal den Propeller machen und hänge mich ans Ende des Kayaks. Völlig entkräftet erreichen wir Yuti. 😮💨 Schnell duschen wir uns das Salzwasser vom Leibe und schmeißen uns aufs Sofa. Ende! Kein Happy End, denn wir haben das dolle Gefängnis nicht erreicht. ☹️
Dann schauen wir jetzt halt die Sail GP aus Brasilien/Rio.
Am nächsten Morgen
Die Nacht war mäßig. Irgendwas ruckelte und knackte immerzu, das Wasser in der Bucht war unruhig. Jetzt ist es auch nicht viel besser, der kräftige Wind erzeugt fette Wellen, die bis in die Bucht hineinreichen. Das gefällt uns gar nicht, denn Yuti wird hin und her geschubst. Das geht auf die Kette und hört sich nicht gut an. Wir wollen umparken, doch so einfach lässt sich der Anker nicht heben. Klemmt er an einem Stein? Nach Vor- und Zurückfahren bekommen wir ihn los und suchen uns eine andere Stelle. Aber letztendlich ist es dann da auch nicht viel besser. Blöd! Ausruhen steht eigentlich auf unserer To-Do-Liste, denn wir wollen noch heute Nacht weitersegeln, um zur rechten Zeit bei Coffs Harbour aufzuschlagen. Auch dort müssen wir wieder durch einen schmalen Eingang hindurch, um die Bucht zu erreichen.
Hier in der Trial Bay wird es zum Abend hin ruhiger, auch die Außerirdischen sind weg, und jeder von uns nimmt noch eine Mütze Schlaf. 😴 😴 See you later. 🥱
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