Jib in Auflösung 🫥

Früher als geplant, schon kurz nach 7:00 Uhr morgens, verlassen wir Coffs Harbour. Drei Tage Durchsegeln bis Brisbane, bei widrigen Verhältnissen, stehen auf der Agenda. Na, dann wollen wir uns mal in die Wellen stürzen. 🌊⛵️🌊🌊

Schwibbel-schwabbelig, kippel-kappelig wackeln wir voran. Die Ausfahrt aus der Marina, vorbei an der sich bildenden Sandbank, hat schon mal geklappt. Wir sind nicht hängengeblieben. 👍 Nach erneutem Wetterbriefing ist klar, besser wird’s nimmer, eher schlechter bis ganz schlecht, und das für die nächsten 14 Tage. Im Moment regnet es nicht und manchmal blinzelt sogar die Sonne durch. Heute Morgen, beim Lösen der Leinen setzte sich ein kleiner, süßer Piepmatz auf die Reling und schaute mir zu. Flog weg und kam wieder zurück, legte sein Köpfchen schief und schaute mich an. War das Mutti? Beflügelt und frei? 🥹 Als mein Vati vor mehr als 4 Jahrzehnten verstarb, hüpfte monatelang ein kleiner, grüner Frosch auf seiner Grabstätte herum und quakte leise. Ein kleiner Trost, insbesondere damals für meine Mutti. Ich drifte ab… Wir segeln dicht entlang der Küste, mit Groß auf Reff 3 und Jib. So versuchen wir der starken Gegenströmung von bis zu 3 Knoten etwas zu entgehen. Und tatsächlich haben wir “nur” 1,5 Knoten gegen uns und fahren beachtliche 6 bis 7 Knoten über Grund, bei 22 Knoten Wind. Immer mindestens 2 Augen sind auf den Plotter und das Meer gerichtet, um nicht auf eine der vielen Untiefen und Inselchen zu krachen.

⚠️

In der Nacht zum 26. April wird’s ungemütlich, aber so richtig!

Ein Squall nach dem anderen geht über uns hinweg. Der Wind legt bis 32 Knoten zu, und Klaus muss abdrehen. Es wird zu arg für unsere Segel, insbesondere für das arg geschundene und heruntergekommene Jib. Jetzt segeln wir noch dichter an der Küste, was wir eigentlich nicht wollten. Zu viele Untiefen gefährden unsere Sicherheit. Aber das Wetter zwingt uns dazu. Das Jib wird vorsichtig eingerollt, es zerfetzt uns sonst. Bis Brisbane brauchen wir es noch, definitiv! Wieder und wieder muss abgefallen und Richtung Küste gesegelt werden. Die See ist wild, immer wieder treffen uns einzelne Brecher von der Seite. Dann sind wir erstmal durch’s Schlimmste durch, vorerst. Das Jib kommt wieder raus. Ach herrje, jetzt ist es aber wirklich vollends kaputt. Kaputt, ein Begriff der auch bei den Australiern durchaus bekannt ist und Verwendung findet. 😉

Extrem verdreckt und verschimmelt.
Sich ablösende Reparaturflicken.
Aufgehende Nähte.
Sich ablösendes Laminat.

Auch wenn wir das Jib nur hälftig rausnehmen, zeigt sich Delaminierung und Auflösung. Uhhh, kein sehr angenehmes Gefühl!!!
Der nächste Squall nimmt uns unter seine Fittiche und hat uns im Griff.

Wellen klatschen von rechts übers Boot und tauchen auch den Steuerstand in salziges Nass. Die Türen müssen zu, wir verkrümeln uns im Salon. Bei Helligkeit können wir das Desaster jetzt auch noch sehen… 😣.

Und der nächste Squall ist fett und dunkel im Anmarsch. Fürchterlich! Das Jib ist nun ganz eingerollt, nur das Groß auf Reff 3 stabilisiert uns im Wind. Doch dieser Squall streift uns nur, mit genau einem Regentropfen. Hat ja gar nicht wehgetan, war ja nur aus Marzipan… Klaus gibt aber keine Entwarnung! Da käme noch ne zweite Runde, meint er. Doch bis zum Nachmittag bleiben wir verschont und das kaputte Jib kommt wieder raus. Mann, das ist wirklich im Arsch!! Hoffentlich passt unser neues Jib, welches wir ja schon eine geraume Zeit im großen Locker haben. Fingers crossed 🤞.

In der Nacht zum heutigen Tag,…

geht es immer wieder zur Sache. Echte Wellenbrecher schlagen über Yuti hinweg. Sie ist mit Salz nur so überzogen. Um in die groooße Moreton Bay vor Brisbane einzufahren und vor der Moreton Insel zu ankern, sollte es einigermaßen hell sein. Es wird dort sehr, sehr flach. Direkt vor Brisbane gibt’s dann nur noch 2 bis 1,50 Meter Tiefe. Gefährlich! ⚠️ Und so segeln wir wieder ein Stückchen zurück, denn es ist noch stockdunkel.

Schau mal, da hinten leuchtet schon Brisbane.

Kurz vor 6:00 Uhr begeben wir uns wieder in Richtung Moreton Island. Laut unserer Infos, soll es vor der Insel gefährliche Wellenbrecher geben, die sich wegen verschiedener Untiefen dort aufbauen können. Wir gucken und schauen, kneifen die Augen zusammen und nehmen das Fernglas zur Hand, aber entdecken können wir ums Verrecken nichts. Nur Brisbane winkt uns aus der Ferne zu.

Die Insel liegt etwa 35 Seemeilen vor der drittgrößten Stadt Australiens, und wir erreichen sie jetzt.

Sie ist die drittgrößte Sandinsel der Welt. Lustig, die drittgrößte Sandinsel, vor der drittgrößten Stadt des Landes. Man kann die bewachsenen Dünen schon gut erkennen.

Hier wird jetzt auf circa 5 Metern Tiefe geankert. Wir sind mutterseelenallein. Ich nun auch im doppelten Sinne. 😥 Ein Fischerboot, später insgesamt 3 Fischer, halten sich in unserer Nähe auf, um zu pausieren. Wir tun das auch. Es wird sich ordentlich gewaschen, Yuti bekommt etwas Frischwasser ab, um wenigstens das schlimmste Geschmiere zu beseitigen, und ich haue mich für 6 Stunden aufs Ohr. (Der erste zusammenhängende Schlaf nach Muttis Tod.)

Der zurückgelegte Weg von Coffs bis Moreton Island. Eigentlich ist die gesamte Küste ein einziger großer Strand.

Wir haben den 27. April, der Marinaplatz ist ab 30. April gebucht. Bis dorthin brauchen wir noch einen Segeltag, und so werden wir die zwei Tage davor uns um die Insel herumtreiben müssen. Jetzt begutachten wir erst einmal die Schäden am Boot. Den Verdunklungschutz am kleineren rechten Fenster habe ich wohl geschrottet, als ich noch bei Dunkelheit aufs Dach bin, um das Großsegel zu bergen. Ich sollte ja unbedingt meine festen Schuhe anziehen, um nicht abzuschmieren. Doch mit denen habe ich gar kein Feingefühl, wie mit meinen einfachen Schlappen. Beim Runtersteigen muss ich das Gewebe eingerissen haben. Blöd, blöder am Blödsten!

Ein ganzer Satz von 4 Stück kostet 885 US Dollar. 💸 Baum!!

Ich werde gleich versuchen es behelfsmäßig zu nähen. Die Latte vom Segelsack ist wieder nach vorne rausgerutscht, und eine Verbindungsleine, die den Sack vorne zusammenhält, ist gerissen. Das Jib ist hinüber, ich kann durch mehrere Stellen hindurchgucken. Okay, das war ja jetzt klar. Tauschen werden wir es erst in der Marina.
Moreton Island gehört zu einem Naturschutzgebiet. Befestigte Straßen gibt es keine, ein Resort liegt westlich von uns und eine Kette von Schiffswracks, die Tangalooma Wrecks, befinden sich ebenfalls dort. 15 ausgemusterte Schiffe wurden dort zwischen 1963 und 1984 versenkt, um ein künstliches Riff mit Wellenbrecherfunktion zu erschaffen. Der Name Tangalooma stammt von den Aboriginal people und heißt soviel wie, „Ort, an dem sich die Fische versammeln”. Das wollen wir uns natürlich alles anschauen, auch Dugongs soll es hier geben.

Eines vorweg, diese äußerst seltenen und seltsamen Meerestiere werden wir nicht zu Gesicht bekommen. Schade eigentlich. 🙁

Doch heute gehen noch viele Regengüsse über uns nieder, und darum geht es früh ins Bett. Wir schlafen fest, obwohl es deutlich schaukelt und knatscht.

28. April 2026

Die liebe Sonne begrüßt uns am Morgen, doch die Freude währt nur kurz. Ein fetter Squall ist wieder einmal im Anzug. Der Wind pfeift und heult, an Land sieht Klaus sogar eine kleine Windhose, beziehungsweise Sandhose. Der Anker, die Kette, oder die Bridle oder alles zusammen, knacken, knatschen und reißen am Boot. Yuti wird vorgeschubst und lautstark zurückgeschnalzt. Sehr unangenehm!!! Es hört sich jedesmal äußerst unschön an, und ich zucke zusammen. Hoffentlich geht nichts kaputt! Während kurzer Regenpausen entdecken wir eine Meeresschildkröte, die immer wieder ihr Köpfchen rausstreckt, um die Lage zu peilen. Klar, natürlich auch um zu atmen. Dann scheint das schlechte Wetter mal Pause zu machen und Platz für Sonne zu lassen. ☀️

Eine Diskussion entbrennt. Nutzen wir dieses Schönwetterfenster und paddeln mal rüber an Land? Oder schwimmen wir sogar?? Am Ende entscheiden wir uns für‘s Schwimmen, aber nicht von so weit weg. Wir heben den Anker, ja er hängt noch dran, und tuckern näher an den Strand. Jetzt sind noch ungefähr 200 bis 250 Meter schwimmend zu überwinden, eine Richtung. Chat meint, man kann es hier ruhig wagen ins Wasser zu gehen, Haie wären normalerweise weiter draußen. Okay. 👍 Shorty, Flossen und Brille an, Schnorchel behelfsmäßig dranknüddeln und ab ins Wasser. Huch, kühl ist es erst einmal. Aber dann geht’s, und die Brandung spuckt uns an Land.

Hier ist Klaus aber schon im Wasser hinter dem Wasser!
Ein Priel sozusagen, durch den auch diverse Offroader gerne düsen.
Da hinten stehen zwei…

Wir beobachteten schon vom Boot aus, dass hierher gerne Ausflüge gemacht werden. Wahrscheinlich kommen sie vom Resort her.

Autospuren im Sand.
Wo ist Yuti?
Da ist Yuti❣️
Und hier sitzen Kormorane.
Weitermarschieren…
Steht Yuti an Land? Optische Täuschung!
Strandgut
Pelikane…
und Möwenschwärme.

Hier sind wir nun im großen Bogen zu den beiden Autos gelaufen. Eine Tourigruppe mit ihren Guides hat es sich bequem gemacht und grillt. Wir halten einen kurzen, netten Talk, bekommen Würstchen angeboten und erfahren, dass eine Australierin schon seit 15 Jahren nach Dugongs Ausschaut hält aber noch kein einziges Tier dieser Art hier entdecken konnte.

Ein Abschiedsfoto, Yuti mit Pelikan, wird noch gemacht, dann zuckeln wir wieder ab und schwimmen zurück. Dieses Mal geht‘s gegen die Brandung, aber auch das klappt❣️Wenn auch etwas mühsamer. Das war doch jetzt echt nett! Und das Sonnenwetter hält immer noch…

29. April 2026, Ziel verfehlt

Nun aber ab! Es geht weiter rum um die Insel, weiter zum Tangalooma Resort und den versenkten Wracks. Unruhige See und kräftiger Wind sind unsere ständigen Begleiter. Zwischendrin wird‘s zum Luftanhalten flach, menno! Dann gewinnen wir wieder etwas an Tiefe und sind da. Das glauben wir zumindest,… mal kurz. Doch das Ziel wird verfehlt, wir sind beim verlassenen Resort Cowan Cowan angekommen. Wracks gibt es hier zwar auch, aber die schauen so gar nicht aus dem Wasser heraus. Und los ist hier nichts. 🥱 Eher ist hier der Hund begraben.

Dieses verrostete Schiffsgerippe am Strand ist das einzige, was wir entdecken können. Und zwei Autos am Strand.

Okay, wir müssen dann wohl weiter, um den Tangalooma Point doch noch zu erreichen. Aber davon berichte ich ein anderes Mal. 👋

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