Kings Canyon

Kurz nach 5:00 Uhr sitzen wir im erstmal sehr kalten Auto und fahren gute 3 Stunden durchs Outback. Die müssen wir dann später auch wieder zurück. 😕 Jau, das hätten wir besser organisieren können. Ein oder zwei Nächte am Kings Canyon und von dort zurück zum Flughafen nach Alice Springs wäre sinnvoller gewesen. Aber das Angebot vom Sails of the Desert, 5 Nächte zum Preis für 4 zu bekommen, war für’s Sparbrötchen Klaus Müller einfach unwiderstehlich. 🤑 No worries, all good, damit komme ich gut klar. So sehen wir das Outback vollumfänglich. Nur die Popos werden heute Abend deutlich platter sein.

Es geht endlose Kilometer geradeaus,…
an manch verbranntem Baum vorbei…
und auch der ein oder anderen angefressenen Leich.

Gerade bei Dunkelheit soll man besondere Obacht walten lassen, damit es nicht zu Zusammenstößen mit Wildlife kommt❗️

Immer wieder passieren wir Bergketten und witzige Berghaufen. Also flach ist das Outback mitnichten.

Um 8:40 Uhr ist unser Auto geparkt, der Rucksack geschultert und der sogenannte Rim Walk (3 bis 4 Stunden) könnte beginnen. Wenn, ja wenn nicht noch eine Nationalparkgebühr entrichtet werden müsste. Das geht aber nur per Internet und mit einem zuvor eingerichteten Account. Poah, das ist so dermaßen kompliziert, dass Klaus nur so mit den Augen rollt und mit den Ohren schlackert. Dieser ganze Ferz für gerade mal 10 australische Dollar pro Person. 🤬 Aber auch diese Hürde wird von meinem Mann genommen, und so können wir endlich losstapfen. An einem heißen Tag mit 36 Grad wäre jetzt schon Schluss. Da würde nach 9:00 Uhr niemand mehr auf den Walk gelassen werden. Kontrolleure begegnen uns aber nicht. Auch unsere extrem mühsam erworbenen Eintrittskarten will niemand sehen. Es ist einfach niemand da. Hmm…. 🤔
Zu allererst müssen wir 500 unebene, krumme, schiefe und verschieden große Felsstufen hochkraxeln, manchmal auch auf allen Vieren. 🥵

Du bist oben. 👏 Von wegen! Nee, nee, etwas weiter versetzt geht es nochmals hoch. 🥵

Ich mache vorerst keine Fotos mehr, habe genug mit mir selbst zu tun! Und an jeder geeigneten Stelle, wo sich ein Päuschen lohnt, trifft man wieder auf dieselben roten Gesichter, die sich mit uns zusammen hochquälen. Dann, endlich, ganz oben angekommen, erwartet uns die Erste-Hilfestation mit einem Button, den man 5 Sekunden lang drücken muss, um einen Helikopter anzufordern. Ein Defibrillator ist auch mit dabei. 😳 Okay, braucht den jetzt jemand? Nein, zum Glück nicht. Nee, es wird nur ein Weilchen verschnauft, und dann geht’s weiter.

Das ist ja wohl schon ein doller Blick runter in die Talebene❣️ Ganz weit hinten kann man gerade noch ein paar weiße Krümel erkennen. Das ist der Parkplatz, wo wir am Schluss wieder hin zurück müssen. Oh ha, wenn das man die Kläusi-Knie packen… 🫢.

Ich hole das mal mit dem Tele etwas näher heran, dann sieht es nicht so schlimm aus.

Na, so viel besser schaut’s doch nicht aus, und weiter hoch müssen wir auch noch. 😝

🤗
Durch den Wind klappt meine Hutkrempe immerzu hoch. Das sieht ja aus wie ein Dreispitz oder Torero Hut… 😆.
Diese kreideweißen Stämme finde ich zu schön. Das ist bestimmt ein Hitze- und Kälteschutz. Denn die Temperaturen variieren ja schon sehr! Toll, was so ein Baum da kann.
Und noch weiter, und noch weiter…. Immer höher führt der Weg.
Ja, ich komme ja schon… 😅

Die Landschaft ist toll❣️ Immer wieder erinnert sie mich an Südeuropa. Jetzt fehlen nur noch die Olivenbäume.

Toll, wie dieser Baum die Kraft hat, aus dem puren Sandstein herauszuwachsen.
Wie eine Konzertmuschel wölbt sich der Stein über das tote Bäumchen.

Und was ist das jetzt wieder für ein Gestein? Quarzreicher Mereenie-Sandstein ist das. Aha. Das war mal alles eine riesengroße Sanddüne.

Die Linien im Gestein zeigen, dass der Wind aus verschiedenen Richtungen den Sand aufeinander blies. Die sogenannte Kreuzschichtung verrät’s. Dann führte der immer weiter zunehmende Druck zur Verdichtung, und kieselsäurereiches Wasser zementierte das ganze Zeug über Jahrmillionen. Und wie entstand der Canyon?

Die Beantwortung dieser Frage muss noch warten. Denn da sind wir noch nicht.

Erstmal müssen wir uns gegenseitig ablichten 😄 und noch so manch kraxelige Stelle überwinden.

Blumige Pflanzenpower direkt aus dem Sandstein heraus. 💪
Jepp, ist schon alles ganz schön groß und mächtig!
Glücklicherweise sind die Wege gut beschildert. Ein blauer Pfeil auf weißem Grund zeigt uns die Richtung.
Ach schau an, Mr. Moon ist auch noch da.
Dieses vor-dem-Baum-Motiv sieht der Mann einer asiatischen Familie und will es augenblicklich auch knipsen lassen. 😄

Jetzt ist es gleich soweit, wir erreichen den Canyon.

Blick hinunter ins Tal und zum Parkplatz… 🫣.
Oben auf dem Plateau geht es weiter,…
an dicken, fetten Felsendomen vorbei,…
weiter und weiter,…

bis wir die Königsschlucht gut einsehen können.

Jaaa, da sind die Schluchtenwände, wie mit einem Messer geschnitten.

Vom Riss bis zum Canyon. Tiefe senkrechte Risse durchziehen den Sandstein. Durch das Eindringen von Regenwasser wurden diese Risse über Millionen von Jahren immer breiter, bis sie nach und nach ganze Blöcke des gepressten Steins absprengten. Daher diese sehr glatten Cliffwände. Der letzte markante Steinschlag ging 2016 ab. Oben auf dem Plateau wurden die Felsblöcke durch Verwitterung rundgeschliffen, da die Ecken zuerst der Witterung anheim fielen. Bienenkorbartige Kuppeln entstanden.

Von den Australiern werden diese Dome gerne auch „Lost City-Verlorene Stadt“ genannt.

Wir laufen jetzt einen Extraweg, um näher an die Cliffkante heranzukommen.

Hier und da klettern auch andere Besucher herum.

Ohne diese Brücke, wäre das jedoch nicht möglich.

Auf dem kleinen Bild oben rechts, kann man schön die riesige Fläche des gepressten Sandsteins sehen. Die obere Schicht ist der Mereenie Sandstein, den, den wir sehen können. Die tieferliegende Schicht nennt sich Carmichael Sandstein und ist viel gleichmäßiger geschichtet. Auch die Ausbildung des Canyon’s ist gut zu erkennen.
Wir überqueren Dank der Brücke eine weitere Schlucht…
und klettern über „Bienenkörbe“ bis zur Cliffkante vor.
Ach guck an, die Leutchen auf der anderen Seite sind ja sehr gut zu erkennen. Da müssen wir auch noch rüber! Warnschilder vor dem zu nahen Betreten der Kante stehen fast überall. Klaus will nie, dass ich zu weit vorlaufe. Tja, der letzte Abgang war vor 10 Jahren. Wann wird der nächste sein?
Ohhh ha, da kann ich die verwitterten Blöcke im Vordergrund sehr gut sehen. Ob einer von denen als nächster fällt? Da würde ich mich nun auch nicht daraufstellen!!‘
Auch an der glatten Abbruchkante bröckelt es munter weiter.
Da ist schon gewaltig❣️

Manchmal wird dieser Canyon auch gerne der Grand Canyon Australiens genannt. Da muss ich aber intervenieren. Über den Grand Canyon bin ich als 19-Jährige, nach dem Abi, mit einer Cessna geflogen. Das war schon noch mal eine andere Nummer! Aber hier ist’s auch doll. Vor allem, dass man überall so herumspazieren kann…

und fotografieren darf!!! Uneingeschränkt!

Unten im Tal explodiert die tropische Botanik. 🤩

Sodele, der markierte Zusatzweg ist hier zu Ende, wir falten unsere Hände und laufen zurück, zurück auf den Rim Walk.

Dabei betreten wir ein sehr, sehr altes Fluss- oder Seebett. Das von den Wellen geformte Sandbett ist deutlich zu erkennen. Auch dieses ist versteinert.

“Eine lange gekräuselte Welle hinterließ ihren Fingerabdruck an einem längst vergangenen Tag. Ich blätterte in den Seiten eines toten Meeres, berührte diesen Tag und sah.“
Aus einem Gedicht von Judith Wright. Judith Arundell Wright war eine australische Poetin (*1915 bis 2000), Umweltaktivistin und Vermittlerin zwischen Siedlern und Aboriginal People.

Ein nun versteinertes Flussbett schlängelte sich einst hier entlang.
Es kann nicht nur eine Idee von Wasser sein. Es muss auch real vorhanden sein, oder?
Real ist zumindest das Wasser in unserem Rucksack,…
was gerade mit Kläusi…
verschwindet.
👋

Just geht es eine laaange, steile Holztreppe hinunter ins Tal, die gerade frisch geölt wurde. Achtung ⚠️, Vorsicht! Rutschgefahr 🚨.

Oh, ein Sandsteindach über’m Treppenabgang. Hält das auch?
Da geht’s aber runter…

Unten angekommen gibt’s jetzt zwei Möglichkeiten. Entweder direkt weiter durch’s Tal und auf der anderen Seite die Treppen wieder rauf? Oder noch den Abstecher weiter runter in den Garten Eden machen. Klaus muckt bei Variante zwei. Seine Knie mögen nicht mehr, zumal es ja noch den sehr langen Abstieg zum Parkplatz geben wird. Brauchen wir jetzt noch den Dritten im Bunde? Den Orthopäden? Oder fangen wir gleich wieder von vorne an, mit nem Ohrenarzt?? Sein Kummerohr ist wieder zu. Tja und ich würde schon noch gerne Edens Garten sehen. 🤔 Also, dann bleibt Klaus am Fuße der hochführenden Holztreppe sitzen, bekommt alle noch vorhandenen Weintrauben und ich steige alleine ins Tal der Tränen. Äh, in den Garten…

Los geht’s…
Da muss ich runter und auch wieder hoch! 🫠
Der Weg hinab führt nicht nur über gute Brücken, auch viele Felsstufen müssen überwunden werden.
Das es unten grünt und blüht ist kein Wunder. Es gibt Wasser, und Wasser bedeutet Leben❣️
Erstmal nur ein kurzer Blick zurück.
Ach, da schlängelt sich gar ein Bächlein.
Sehr schön❣️
Noch schöner❣️ Ein kleiner, klarer See beschließt diesen Talausläufer.
Hier halte ich kurz inne. Nachdem eine recht laute Familie verduftet ist, herrscht himmlische Ruhe. Vogelstimmen klingen ganz klar und rein. Traumhaft❣️

Nun geht es wieder zurück. Die Trauben sind bestimmt aufgefuttert und Kläusi wartet.

Da hat er mich schon im Visier.

Ich hätte genau die angegebenen 20 Minuten gebraucht, meint mein Mann. So so… Und Trauben hat er mir auch noch übrig gelassen. Na prima! Dann geht’s jetzt gestärkt auf den letzten Teil der Strecke. Oben angekommen, haben wir sofort einen tollen Blick auf die andere Seite der Schlucht.

Tja, da waren wir eben auch noch.
Holla, die stehen aber dicht am Abgrund. 🫢
Den Blick und die nächsten finde ich am coolsten❣️Wie sich der große Schlund da öffnet, und wie viele Millionen Jahre daran gearbeitet wurde…

Jetzt geht es weg vom aufgerissenen Schlund und weiter zum Abstieg.

Schön zu sehen ist hier die dunkelrote Rostpatina und das pure Weiß innerhalb des Sandsteins.
Der Weg ist noch weit….
Schau, eine kleine Oase. Wasser kann dort nicht weit sein.

Wir laufen jetzt schon eine ganze Zeit alleine vor uns hin. Keiner läuft vor uns, niemand hinter uns. Die rote, verrostete Sandsteinwüste nimmt kein Ende. Sind wir auch wirklich noch auf dem richtigen Weg?

Jepp, Klaus ist sich da ganz gewiss. Allergut. ☺️
Ja doch, wir sind richtig. Wegweiser und Infotafel zeigen es uns an.
Diese Palmfarne sind circa 400 Jahre alt. Ihre Vorgänger besiedelten schon vor den Dinosauriern 🦕 die Landmassen.

Einst waren Australien und die Antarktis miteinander verbunden. Vor 45 Millionen Jahren brachen sie auseinander. Alles war viel, viel feuchter. Auch noch, als Australien als Kontinent weit entfernt von der Antarktis zur Ruhe kam und trockener wurde. Viele Flüsse und Wasser durchzogen das riesige Land. Pinienwälder, Farne und Palmfarne gab es in rauen Mengen. In den letzten 20 Millionen Jahren wurde Australien kontinuierlich trocken und trockener. Dennoch schafften es manche primitiven Arten in bestimmten Bereichen zu überleben. So auch hier und im Garten Eden. Anhand der alten Blattbasen kann das Alter der Palmfarne geschätzt werden. Und so schätzen Wissenschaftler diese hier, sehr langsam wachsenden Exemplare, auf um die 400 Jahre. Das ist doch wohl was, gell?!

Wir betreten wieder einmal Sandwellen eines lang vergangenen Flusses und begeben uns nun in den Abstieg.

Jetzt gibt es keine Fotos mehr. Volle Konzentration gilt dem steinigen Abstieg! Klaus quält sich, schafft es aber bis zum Parkplatz. Tja, einen Button zum Rufen eines Helikopters gab’s hier jetzt nicht. 😌 Was soll’s, die Knie sind noch dran und lassen sich beide auch noch beugen. Einen Orthopäden müssen wir wohl nicht aufsuchen. Aber eine Tanke, damit wir den weiten Weg zurück auch sicher schaffen. Und Pipi lassen wäre auch nett und was essen und trinken wäre noch netter!!! Gut, das bekommen wir hin. Vier Stunden haben wir jetzt alles in allem für den Rim Walk gebraucht. Vier sehr anstrengende Stunden! Doch dieser Walk hat sich absolut gelohnt. Die Blicke waren großartig, das Wetter fantastisch, der Weg super beschildert und gelernt haben wir auch noch was. Bravo! 👏 Nun müssen wir halt noch in den sauren Apfel beißen und die gut 300 Kilometer wieder zurückkurven. Das heißt, gekurvt wird da gar nichts. Drei Stunden geht es fast nur geradeaus. Sehr ermüdend… 🥱

Witz komm raus, ne Kurve! 😆

Sehen wir eigentlich Wildlife? Nö, nüscht. Entweder haben sich alle versteckt? Oder sie sind weiter in den Norden gezogen, um erst in der Regenzeit wieder hierher zurückzukehren. Dann, wenn der seltene Regen mit ordentlich Blitz und Donner übers Land geht und alle tieferliegenden Straßenabschnitte überschwemmt werden. Das passiert zwar nicht oft, kann aber…. Darum stehen viele dieser Schilder am Straßenrand.

Und zusätzlichen Messstangen an den entsprechenden Stellen.

So weiß der Fahrer, dass da gleich ein möglicherweise überflutetes Straßenstück kommt, und er die Wassertiefe abschätzen kann. Aber, wenn das der Fall sein sollte, werden Straßen auch einfach mal geschlossen. Dann stehen die großen Straßenschilder auf „CLOSED“. Diese Sorgen haben wir in der „Dry Season” natürlich nicht.

Viele Wüsteneichen säumen den Weg. Fast alle haben schon Kronen ausgebildet und somit das Grundwasser mit ihren Wurzeln erreicht.
Als wir endlich wieder unser Hotel erreicht haben, sind wir quicklebendig und voller Tatendrang. Hahaha, wer’s glaubt. 🤣 Wir pfeifen auf dem letzten Loch, hauen nochmal ne Ladung Diesel in den Tank und verschwinden in unserem Zimmer, bis auf nimmer Wiedersehen… 👋✋👋

P.S.: Morgen steht nichts Großes auf unserer “To-Do-Liste”. 😮‍💨 Ausschlafen und kleinere Aktivitäten vor Ort. Schauen wir mal.

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