Die Taschen werden gepackt und ab geht’s in den Cradle Mountain Nationalpark. Wir kommen durch gottverlassenes Land und Ortschaften, die ihre guten Zeiten lange hinter sich haben. Einst prosperierte die Gegend durch allerlei Bergbau. Der ist größtenteils Geschichte. Und, Trommelwirbel, es regnet, ist verhangen und diesig. So soll es in dieser Region ja meistens sein. Klaus hat mich mental schon gut darauf vorbereitet. 🙂↕️







Aber einige pompösere Gebäude stehen noch. Und einen Golfplatz gibt es auch, staun!

Was ist,… was war das mal für eine Stadt? Aaaach, das ist Zeehan, die Silberstadt, Silver City. Zeehan, beziehungsweise die ganze Region hat die älteste Geschichte ganz Tasmaniens vorzuweisen. Denn 1642 nahm Abel Tasman, der mal wieder, diese Region unter seine Fittiche. Dann, 1882 werden Silber und Blei gefunden und die Stadt gegründet. Aber wie? Total chaotisch! Zeehan wächst wild und völlig unkontrolliert. Überall werden wahllos Zelte aufgeschlagen, Holzverschläge und Hütten aus dem Boden gestampft, um dem großen Zustrom der Silberjäger Herr zu werden. Die „Straßen“ sind schlammig, eine Kanalisation gibt es nicht. Das Klima ist unwirtlich. Die Durchschnittstemperatur liegt gerade mal bei 14,8 Grad und im Jahr fallen an die 2.300 mm Niederschläge. Uhhhh, wie uselig!!! 😣 Im Vergleich, in Deutschland fallen im Schnitt 700 bis 800 mm Niederschlag im Jahr.
Das Schuften in den Minen ist ebenfalls äußerst hart und trotz allem, oder vielleicht auch gerade deswegen, ist das Nachtleben intensiv. Zahlreiche Pubs und Saloons machen auf, Alkohol fließt in Strömen, das Glücksspiel floriert. Sogar Theater und Unterhaltung wird den Menschen geboten. Die Silbervorkommen versprechen schnellen Reichtum, die Menschen strömen aus ganz Australien und auch Europa herbei. Die absolut beste Zeit ist während des 1. Weltkriegs. Kurz zuvor knacken Zeehan und der Nachbarort Dundas zusammen die 10.000er Marke an Einwohnern. Die 2 Meilen lange Hauptstraße Zeehans zählt mehr als 20 Hotels und konkurriert damit mit Hobart. Im Bergbau misst sie sich mit Queenstown, und auch aus Sicht der Eisenbahn geht in Zeehan die Lok ab. Ein wichtiger Knotenpunkt verläuft durch Zeehan, und die dortige Schmalspurbahn ist bemerkenswert. Die erste Garratt Dampflokomotive verkehrt hier. Eine Lok für die harten Herausforderungen des Lebens. Sie zieht besonders schwere Lasten und kann‘s auch im Gebirge und auf engen und kurvigen Strecken. Fazit, Zeehan ist im frühen 20. Jahrhundert eine echte Boomtown! Wer hier herkommt ist hart im Nehmen, abenteuerlustig und hoffnungsvoll, den großen Reibach machen zu können. Einige wenige schaffen es tatsächlich, die meisten aber nicht.
Als das Silbervorkommen abgebaut ist wird‘s duster. Minen schließen, Menschen ziehen weiter, der Ort verfällt. Der Bleiabbau trägt sich zwar noch bis 1963, aber der Silberglanz ist verflogen. Die in den 1970er Jahren entdeckten Zinnvorkommen tragen bis heute noch zum Einkommen der Bevölkerung bei.

Auch der Tourismus wird langsam bedeutender. Aber alles in allem ist nach den Jahren des Booms nur noch eine kleine, abgelegene Gemeinde übriggeblieben, eine Geisterstadt mit Charakter und Geschichte.
Wer heute hier leben möchte, muss es ruhig und langsam mögen. Darf kein Sonnenanbeter sein, dafür aber Naturliebhaber der raueren Art. Auch sollte dieser Mensch ein Fabel für Eigenverantwortung und Selbstständigkeit haben, denn außer einer überschaubaren Grundversorgung gibt es hier nichts. Auch Ärzte sucht man vergebens und muss dafür schon mal weite Fahrten in andere Orte in Kauf nehmen. Aber, sie haben ja ihren Golfplatz… ⛳️ 🏌️♀️.
Wir wollen noch schnell zu einer ehemaligen Silbermine fahren, dort soll es einen 100 Meter langen Tunnel mit kleinsten Silberpartikelchen geben.








Jepp, das war’s, wir fahren weiter…


Und trotzdem halten wir an und schauen uns um. Wir brauchen noch einen Supermarkt, um uns mit Essen und Getränken einzudecken. Unsere nächste Unterkunft liegt auch sehr abgelegen und einsam. Selbstverpflegung sei angesagt, meint Klaus.

Der junge Fahrer ist stolz wie Oskar und wedelt mit dem toten Tier herum. Ich glaube, wenn du hier lebst, musst du hartgesotten sein, sonst hast du keine Chance. Auch, wenn der nächste Laden etwas herziger daherkommt.

Ansonsten gibt’s Leerstand und viiiele Immobilienverkaufsorder.

Zu guter Letzt finden wir auch einen kleinen, einfachen Supermarkt und präparieren uns für die nächsten Tage. Die Menschen hier passen zur rauen Umgebung. Sie sind grob geschnitten, kräftig gebaut, einfach gekleidet und nicht wenigen fehlen Zähne. Doch freundlich sind sie alle❣️Wir ziehen weiter…








Und dann sind wir da❣️Und das Wallaby auch. 🥰


Unsere Lodge ist prima! Und tatsächlich liegt sie im Grünen,…

und Tiere sollen bis zur Haustür kommen. Bei uns hängt sogar ein Faultier am Terrassenzaun… 😂 Ich habe noch ein bisschen virtuell nachdekoriert.
Erster Wandertag durchs Gelände
Gemächlich wollen wir beginnen. Klaus hat über eine Wanderapp einen schönen, einfachen Weg ausgesucht. 1 bis maximal 2 Stunden soll der Walk dauern. Danach können wir immer noch überlegen, eine Schippe daraufzulegen. Es ist bewölkt, aber es regnet nicht.

Die Landschaft ist besonders. Üppige Gräserbüschel bedecken den feuchten Boden. Überall scheint Wasser hervorzukommen, deshalb auch die gut präparierten Holzstege, über die wir laufen.









Kacke ziert unseren Weg. Die Tiere, die wir nicht sehen, markieren ihr Revier. Und wo, wenn nicht idealerweise auf den leicht erhöhten Stegen. 😌 Und dann hören wir immer wieder ein Affengeschrei, uuuaaaauuaauaaa… Leben hier Affen 🐒? Das kann doch wohl nicht sein! Sind das imitierende Rabenvögel? 🐦⬛ Doch wo sollten sie diese Laute herhaben? Entdecken können wir die Quelle der komischen Laute nicht. Erst Tage später, wird mich meine Schwiegermama aufklären. Das ist der lachende Hans. Der was??? 😂

Ein kleiner, unscheinbarer Vogel, der zur Familie der Kakadus gehört und unglaublich, affige Töne von sich gibt. 🤣










Wir sind bereits ne gute Stunde unterwegs, da führt uns der Weg in einen Wald.





Plötzlich wird es steil und geröllig. Steil abwärts, möchte ich betonen!

Klaus? Ist das der Weg den du rausgesucht hast? 😳 Also kurz und einfach ist das hier jetzt nicht mehr!

Kleine Wegüberprüfung. Tja, mein Göttergatte hat nen Weg von jemand anderem übernommen, der hier in einer Stunde und 40 Minuten rüber- und runtergebrettert ist. Tolllll❗️Das war bestimmt ein monstermäßig trainierter Typ und Marathonläufer noch dazu und nicht zwei 60 + Menschen, mit Übergewicht und Trainingsrückstand. 🥵 Da gerät Klaus plötzlich in Panik. Irgendetwas ist an seinem Bein. Er wischt hektisch herum und jetzt kommt’s, er wischt es an MEINEM Hosenbein ab! An MEINEM!!! Nicht an seinem! Ich glaube es nicht, geht’s noch? Sprachlos suche ich mein Bein ab, finde aber erstmal noch nichts. Tzzzz…

Wir hangeln uns immer weiter runter, manchmal auch rückwärts.

Nicht weit von uns fällt tosend ein Wasserfall.



Doch dann geht es so dermaßen steil hinunter, da gibt’s keine Fotos mehr, da schlackern nur noch die Beine. Fast senkrecht verläuft der mittlerweile alpine Klettersteig. Lose Steinplatten und Geröll machen jeden Schritt zu einem Wagnis. Zum Glück gibt es viele Bäumchen, deren Stämme uns Halt geben. Auch hochstehende Wurzeln werden ergriffen, alles was uns nur halten könnte wird genommen. Schneckenlangsam arbeiten wir uns abwärts. 1h 40, ich könnte mich totlachen. Dann haben wir das Schlimmste geschafft. Blümchen erscheinen wieder am Wegesrand. Waren vorhin nicht auch welche gestanden? Keine Ahnung! Ich war zu sehr auf den Abstieg konzentriert.

Irgendwas juckt mich an meiner Fessel. Ich schaue mal nach… Iiiiiii, ohhhh, ach, Blutegel sitzen an meinem Knöchel und lassen es sich schmecken. Das war es, was Klaus an mein Bein geschmiert hat. Ich zupfe sie schnell ab, stopfe meine Hose jetzt in die Socken und weiter geht’s.

Jetzt bekommen wir auch den Fluss zu Gesicht, der vom Wasserfall gespeist wird.


Ich staune über mehrere Blütenbäumchen, die an eine frühlingshafte Kirschblüte erinnern und das im Herbst.










Dann sind wir endlich wieder da. Passieren noch den Wasserfall am Parkplatz und fahren in unsere Lodge zurück. Über 3 Stunden haben WIR letztendlich für diese Tour gebraucht. 🥵




Endlich zurück fallen wir aufs Bettchen. Doch Achtung ⚠️ ! Klaus kontrolliert nun auch mal seine Beine und Knöchel. Und was findet er da? Einen Haufen vollgesoffener Blutegel. Ätsch 🤭! Einer hat sich sooo festgebissen, dass er ihn nur unter Mühen lösen kann. Und die Bisswunde hört den ganzen Tag nicht mehr auf zu bluten.

Und dann filmt Klaus auch noch das hier:
Das war sein dickster Sauger und der wandert jetzt ins Klo. Die Stelle juckt und blutet kräftig. Ohne Pflaster geht’s nicht. Desinfektionsspray habe ich leider nicht dabei, dann hoffen wir mal, dass es auch ohne was wird. Ich habe zumindest mal keine weiteren Egel bei mir gefunden. 👍 Für heute Abend haben wir noch eine Tierbeobachtungstour gebucht, Nachtfahrt und Wanderung. Bei Dunkelheit geht’s los. Wir werden vor der Rezeption unserer Anlage abgeholt. Übrigens, sooo einsam und verlassen sind wir hier gar nicht. Es gibt sogar ein Restaurant. Da hätten wir überhaupt nicht so viel einkaufen müssen. Nun gut, der nette Ranger holt uns ab, und mit einem weiteren Paar geht’s in die Nacht.


Dann geht es auch schon einen Holzsteg entlang. Jetzt aber zu Fuß und mit Taschenlampen. 🔦

Wir sind nicht alleine, im doppelten Sinne.

Einige Wombats grasen gemächlich und mit entsprechendem Abstand zueinander.

Wallabys hüpfen zwischen drin umher und grasen ebenfalls genüsslich.

Und neben uns fünfen sind noch 2 weitere Menschengruppen unterwegs. Die Tiere lassen sich von uns und dem Taschenlampenlicht aber so überhaupt nicht stören.


Die Wombats sind schon drollig. Dicklich, gemütlich und unbeholfen wackeln sie mit ihren kurzen Beinchen über die Wiese. Dabei sind sie trotz ihrem, für ihre Größe, hohen Gewicht von 40 Kilo, flott unterwegs, wenn es denn sein muss. 40 Stundenkilometer können sie tatsächlich rennen. Das kann ich mir fast nicht vorstellen. Eigenbrödlerisch sind sie, leben tagsüber in ihren Höhlen und kommen nachts zum Fressen heraus.

Ihr Hinterteil ist extra gepolstert und durch Knorpel und Knochen sehr widerstandsfähig. Und wenn das Wombat dann wirklich mal gejagt wird, saust es mit 40 km/h in seinen Bau und verstopft den Eingang mit seinem Popo. Da kann sein Verfolger gar nicht mehr viel machen. Lustig❣️Ist der Feind doch mal in den Bau gelangt, quetscht das Wombat diesen mit seinem Arsch einfach an die Wand. Matsch! 🫢 Übrigens, das Wombat ist wie das Känguru ein Beuteltier. Nur ist sein Beutel nach hinten, zum Schwanz geöffnet. Da es viel gräbt, würde der ganze Erdaushub sonst in den Beutel geraten. Das würde ja gar nicht gehen, wenn das klitzekleine Jungtier im Beutel ungestört aufwachsen will. Interessant! Auch noch lustig ist das Aussehen seines Kots. Der ist nämlich würfelförmig! 😂 Durch eine unterschiedlich dehnbare Darmmuskulatur und den langen Verbleib des Kotes im Darm und totale Entwässerung, kackt das Wombat Würfel. Saukomisch, aber von Vorteil, da der Stinker somit nicht wegrollt und eine perfekte Reviermarkierung darstellt.
Wieder im Bus sehen wir noch ein Possumweibchen mit Kind. Das Kind ist aber schon größer und muss nicht mehr in den Beutel der Mama. Possums sind ebenfalls Beuteltiere und leben in Australien und Umgebung. Opossums leben hingegen in Nord- und Südamerika, sind auch Beutler, sehen aber eher rattenähnlich aus. So, das wäre dann auch mal geklärt.



Das war jetzt aber interessant und spaßig! Wir werden wieder zurückgefahren, abgesetzt und hüpfen ziemlich erschöpft in die Kiste.
Morgen geht’s früh raus, Klaus hat einen Heli-Rundflug über den Cradle Mountain gebucht. 🚁 Sie (ich) will es nun mal! 🤗 Gute Nacht allerseits….
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