Ausschlafen, Garden Walk und Didgeridoo

Jesses, die 3 wichtigsten Naturereignisse des roten Herzens Australiens haben wir nun gesehen, erspürt, gefühlt, erlaufen, und erarbeitet. Sticht eines hervor? Was war das Beeindruckendste? Hmm… 🤔. Keines oder jedes auf seine Art. Ein australischer Segler meinte zu uns, der Uluru sei halt ein großer Stein in der Wüste und Schluss. Den Kings Canyon müssten wir unbedingt erleben! Andere meinten, Kata Tjuta wär‘s überhaupt und viel besser als der Uluru.
Also, ich empfand den Uluru schon als sehr beeindruckend. Kata Tjuta mit seinen vielen Köpfen und der atemberaubenden Öffnung ins Tal sowie der dollen Schlucht des Windes möchte ich nicht missen und den Kings Canyon mit seinen gut 100 Metern senkrecht abfallenden Felswänden auch nicht. Alle 3 Natursensationen waren jede Mühe wert❣️ Ich bin zufrieden und froh, all das empfunden und gesehen zu haben. Und heute? Heute bin ich froh, mal etwas länger schlafen zu dürfen und ganz entspannt um 11:00 Uhr den Gartenspaziergang zu machen. Die hier ansässigen Hotels bieten allen Besuchern ein paar kostenlose Events an. So eben diesen Gartenspaziergang, einen Malkurs oder auch einen Didgeridoo Workshop. Den wollen wir uns am Nachmittag dann auch noch reinziehen. Allerhopp. 😄

An diesem Rundplatz warten wir, zusammen mit den niedlichen Spitzschopftauben, auf das was oder wer da kommt.
Na, seid ihr euch sicher, dass da auch wirklich wer kommt?

Jaaa, da ist jemand gekommen. Ein junger Anangu ist gekommen. Endlich mal eine Person der First Nation❣️ Und was lernen wir nicht alles bei diesem Gartenspaziergang. Toll❣️ Woraus wird Brot gemacht? Was ist des alten Mannes sein Salzbusch? Warum heißt der blutige Baum, blutig? Woraus werden Möbel und das berühmte Didgeridoo gefertigt? Welche Wurzeln enthalten Wasser? Welcher Busch füllt den Magen und welcher entleert ihn wieder? Wie schmecken Wüstenpflaumen? Und was hat es mit den Kamelen hier auf sich?

Die Blätter schmecken fantastisch! Würzig und salzig. Werden sie geröstet, erinnern sie an Chips. Ansonsten ist es ein tolles Gewürz für allerlei Speisen.
Aus den Früchten kann Brot gebacken werden.

Zwischen diesen beiden Büschen ist gar kein riesengroßer Unterschied. Doch die Wirkung ist es schon. Da sollte man schon wissen, was man tut!

Warum Blood Wood? Bei Verletzungen der Rinde tritt blutrotes Harz aus.

Aha. Es wirkt verschließend und verhindert das Eintreten von Insekten oder Krankheitserregern. Das machten sich die Aboriginal People selbstverständlich auch zu Nutze und verwendeten das Harz ebenso auf Wunden und Verletzungen. Auch gilt das Holz als hart und widerstandsfähig. Gerne wird es für den Holzbau verwendet, und auch das Didgeridoo wird daraus hergestellt.
Und nun zur Buschpflaume.

Alle Reifegrade hängen am Busch. Je dunkler die Frucht, desto süßer der Geschmack. Wir probieren! Lecker❣️ Sie sind sehr Vitamin-C-haltig und gesund. Dann mal her damit. 😋
Das mit den Wasser speichernden Wurzeln, hatten wir ja schon geklärt. Das sind die Desert Oaks, deren Wurzeln das Grundwasser erreicht haben. Erkennbar an der Ausbildung einer Baumkrone.
Dann gibt’s noch Bäume, die „Zucker“ produzieren, welches die Kinder gerne als Lolly’s oder Busch-Bonbons vernaschen.

Der Baum ist eine Akazienart und LÄSST Zucker produzieren. Saugende Insekten, wie kleine Schild- und Blattläuse saugen den süßen Pflanzensaft und scheiden die zuckrige Lösung wieder aus. Die wiederum kristallisiert an den Blattunterseiten und Zweigen des Baumes hängen. Diese Kügelchen werden abgesammelt und verschmatzt. Ob aber auch heute noch? Wo der Süßkram in Hülle und Fülle im Supermarkt die Regale verstopft? Ich glaub‘s kaum.
Und was hat es jetzt mit den Kamelen auf sich, will ich wissen? Ja, die kamen damals mit den Europäern hierher. Als sie durch Eisenbahn und Trucks weitgehend überflüssig wurden, entließ man die Tiere kurzerhand in die Freiheit. 1000de sind es mittlerweile. Nein, was sage ich, bis zu eine Million Tiere könnten es sein, und sie fressen alles was sie finden, reißen dabei viele Bäume kaputt und trampeln alles nieder, was ihnen unter die Füße kommt. 🐪🐪🐪🐪🐪🐪🐪🐪🐪🐪🐪🐪🐪🐪 Unter den Anangu sind sie verhasst und werden auch getötet, kommen sie ihrer Wohnstatt zu nahe. Die befindet sich übrigens ganz nahe am Fuße des Ulurus.

…WAY!

Also „Welcome“ ist etwas übertrieben, denn dieser kleine Ort ist ausschließlich den Anangu vorbehalten. Um die 300 Menschen leben dort. Möchte man dort hin, braucht’s eine spezielle Genehmigung der Gemeinde.
So, das war’s. Schade, ich hätte noch stundenlang weiter zuhören können und mehr erfahren wollen.

Jetzt suchen wir uns ein Lokal und essen zu Mittag. Dann laufen wir noch zum Aussichtsplateau und genießen als Nachtisch den Blick auf den Berg der Berge.

Mir war nicht bewusst, dass man von hieraus so nen tollen Blick hat. 🤩

Nach einem ausgiebigen Schnack mit einer netten, australischen Touristin, laufen wir zum Didgeridoo Treffpunkt. Ich könnte zwar auch noch ein Wüstenholztier mit Tüpfeltechnik bemalen, da kommt aber schon der Musikant, ein weißer Mann mit ganz besonderen Wurzeln und legt auch sofort los. Dwain Phillis,…

auch The Bamboo Man genannt, entstammt einer Verbindung zwischen einem Aboriginal und einer französischen Jüdin. Ganz was besonderes! Über seine halb jüdischen Wurzeln erfuhr er erst sehr spät und feierte mit reisenden Rabbinern eine hoch emotionale Bar-Mizwar mitten im australischen Outback. Es ist wirklich beeindruckend, was er diesem „Instrument“ entlockt und auf ihm hervorbringt. Erstmal kommt nun das Vorspiel, oder die Einführung ins Thema:

Also geatmet wird durch die Nase, während er bläst. Die Luft und der Druck kommen aus dem gesamten Thorax, ein Hochleistungssport sozusagen.

Und jetzt kommt der Hauptakt in 3 Teilen.

Bravo, bravo 👏🥳… Und so spielt er weiter und weiter, mit Leib und Seele. Ganz ergriffen zuckeln wir wieder zurück zu unserem Hotel. Doch zuvor will ich noch zu einer kleinen Anangu Gruppe rüber, die ein paar selbstgemalte Leinwände auf dem Rasen ausgebreitet hat. Ich hatte sie vorhin schon gesehen, und jetzt will ich hin. Klaus will nicht, typisch. Nicht mit ihnen Kontakt aufnehmen und schon gar nichts kaufen. Egal, ich spreche sie an und interessiere mich für ein bestimmtes Bild. Wir fangen an zu verhandeln. Klaus quatscht mir ständig dazwischen und will mich ausbremsen. No Chance! Es sind zwei Frauen und ein Mann, so im mittleren Alter. Er kann wohl am besten Englisch von den Dreien und meint 600 australische Dollar würde mein Favorit kosten. Klaus bekommt Schnappatmung, ich krame in meiner Handtasche und zähle das noch vorhandene Geld. Auf 400 Dollar komme ich und sage es ihm. Er bespricht sich mit der jüngeren der beiden Frauen, der Künstlerin, wie sich noch herausstellen wird, und sie sind einverstanden. 😁 Klaus meint nur noch, das sei ja typisch… 🫤. Doch wir wollten unser Bargeld sowieso loswerden, und das ist in Australien gar nicht so leicht. Fast alles geht über bargeldlose Zahlungssysteme. Und mein Gespräch mit ihnen nimmt gerade erst so richtig Fahrt auf. Die Stimmung ist gut, Klaus ausgenommen. 🙂 Jetzt stelle ich meine brennendsten Fragen an die drei.
Wo leben sie denn?
Ach ja, in Mutitjulu. So heißt ja auch das wichtigste Wasserloch am Uluru.
Dürften wir sie dort besuchen?
Nein, nein, nur mit Sondergenehmigung. Ach ja, das weiß ich ja eigentlich. Die beiden Frauen meinen ganz begeistert, dass sie dort alles hätten. Einen Supermarkt, ein Schwimmbad und ärztliche Versorgung. Sie strahlen über alle 4 Backen.
Warum waren die Aboriginal People, die wir bisher trafen, so extrem verschlossen und mieden jeglichen Blickkontakt?
Er meint, viele seien schüchtern und noch mehr könnten kein Wort Englisch, nur ihre jeweilige Muttersprache halt.
Hmm, ach so.
Dann erklärt mir die Künstlerin ganz stolz ihr Bild und möchte, dass ich ein Foto von ihr und ihrem Werk mache. Aber gerne doch. Eigentlich mögen sie es nicht fotografiert zu werden. Sie und ihre Heiligtümer sollen nicht irgendwo im Internet erscheinen. So aus jeglichem Zusammenhang gerissen und womöglich noch mit Häme, Spott und schlechter Nachrede. Okay, ich verstehe sie nun ein wenig besser.

Also, der Uluru thront in der Mitte, klaro. Die gute Schlange rechts (grün), die böse Schlange links (rot). Dann sind Tierspuren zu sehen und am Himmel wird die Geschichte der 7 Schwestern erzählt. Das, was so aussieht wie Hufeisen, sind die zu Sternen gewordenen 7 Schwestern. Diese Geschichte gehört zu den wichtigsten Traumzeitgeschichten überhaupt. Erzählt wird sie von den hiesigen Anangu, den Pitjantjatjara, den Yankunytjatjara und den Martu. Nach jeweils eigenen Versionen, aber mit dem gleichen Kern. Und die Geschichte, die ist diese:
Vor langer Zeit reisten 7 Schwestern durch ihr Land. Sie waren schöne und starke Frauen und hielten fest zusammen. Ein mächtiger Mann namens Wati Nyiru sah die Schwestern und begehrte die älteste von ihnen. Doch die Schwestern wollten nichts mit ihm zu tun haben. Er war vom falschen Stamm oder hatte die falsche Hautfarbe, so meint die Künstlerin. Aha, da schau her, Diskriminierung auch unter den Aboriginal People! Die 7 Frauen flohen vor dem Mann. Doch er verfolgte sie unermüdlich durch das heutige Zentralaustralien. Immer wieder versteckten sie sich, verwandelten sich, bekamen Hilfe von Ahnenwesen und hinterließen dabei Spuren in der Landschaft. So entstanden beispielsweise Felsen, Wasserlöcher, Schluchten und Bergketten. Solche Landschaftsmerkmale gelten bis heute als sichtbare Zeugnisse ihrer getriebenen Reise. Schließlich gelangten die Schwestern in den Himmel und verwandelten sich zum Sternenhaufen der Plejaden. Ihr Verfolger wurde ebenfalls in den Himmel versetzt und wurde zum Stern des Orion.

So verfolgt er die Schwestern bis heute, jede Nacht, quer über das Himmelszelt, erreicht sie aber nie.
Für die Anangu führte diese Reise auch durch die Gegend von Uluru und Kata Tjuta. Ihre Spuren am Fels sind ihnen heilig. Daher auch das Fotografierverbot. Ihre Traumzeitgeschichten sind gleichzeitig Landkarte, Gesetze und Spiritualität.
So lassen sich zum Beispiel auch die Spuren des Schlangenkampfes am Uluru ablesen, sagen die Anangu. Da ich sie auch auf meinem Bild habe, erzähle ich sie hier kurz.
Vor sehr langer Zeit lebten 2 mächtige Schlangenwesen. Die Kuniya, eine große Woma-Python, meist gelbgrün dargestellt und die giftige Liru Schlange, oft rot gemalt. Die gute Kuniya reiste aus dem Osten zum Uluru, um dort ihren Neffen zu besuchen. Als sie ankam musste sie feststellen, dass ihr Neffe von einem jungen Liru-Kämpfer angegriffen und tödlich verletzt wurde. Zunächst trauerte Kuniya, dann stellte sie Liru zur Rede. Doch der Liru-Kämpfer zeigte keinerlei Reue, da kämpfte sie mit ihm. Mit ihrem Grabestock schlug sie ihn nieder und besiegte ihn.

Vor dem Kampf tanzte Kuniya den Kriegstanz und verwandelt sich in einen Menschen. Ihr erster Schlag saß, ließ Liru jedoch wieder aufstehen. Der 2. Schlag brachte Liru den Tod. Durch die Wucht des Schlages schloss Liru das Auge. Nach dem Kampf verwandelte sich Kuniya wieder zurück in ihre alte Gestalt der Schlange.

Nach Auffassung der Anangu sind die Löcher und Ritzen genau die Spuren, die von diesem Kampf zeugen. Für die Aboriginal People zeigt diese Geschichte die Verantwortung für die Familie, den mutigen Umgang mit Konflikten, Recht und Gerechtigkeit und die Verpflichtung, Angehörige zu schützen.
Für die Anangu sind Kuniya und Liru keine erfundenen Figuren, sondern Ahnenwesen, deren Handlungen das Land geformt haben und bis heute Teil ihrer Tjukurpa sind.
Hmmm… 🤔, okay…., irgendwie kommen sie mir vor wie Geschichten für kleine Kinder. Oder wie unsere Märchen, die ja auch ein gewisses Regelwerk vorgaben/vorgeben und zeigen was gut oder böse ist. Ja, aber es heißt bei ihnen, das wären ja nur die öffentlich erzählten Geschichten. Die wirklich wichtigen und tiefergehenden Storys bleiben nur ihnen vorbehalten. Dann hoffe ich mal für sie, auf deutlich mehr Tiefgang!
Also, diese Unterhaltung hier auf dem Rasen hat mir sehr gut gefallen. Ich glaube, auch Klaus ist jetzt mit diesem Verlauf zufrieden und versöhnt. Hier aus dem Zentrum Australiens wegzufliegen, das machen wir nämlich morgen, und dann kein einziges Wort mit den Nachfolgern der ersten Menschen dieses Kontinents gesprochen zu haben, wäre falsch gewesen.

Was mich jetzt noch interessiert ist, von wo kamen diese Menschen vor 65.000 Jahren eigentlich her? Nun, aus Afrika, wie alle heutigen, modernen Menschen. (Wobei diese Erkenntnis ja heute schon etwas wackelt.) Ihre Wanderung nach Australien war allerdings schon sehr, sehr früh und machte sie zu einer der ältesten, kontinuierlich bestehenden Kultur der Erde. Ihre Wanderung verlief von Afrika über den Nahen Osten, Südasien, Südostasien, Neuguinea, bis nach Australien.

Interessant! Wir werden später genau diese Strecke segeln, bloß andersherum.

Mutig waren die Menschen damals, das muss ich schon sagen. Ohne zu wissen, was sie überhaupt erwarten würde, zogen sie weiter und weiter, segelten über Meere und gingen nicht davon aus, das die Erde eine Scheibe sein könnte. 😉
Wir reisen morgen ab und fliegen von Alice Springs wieder zurück nach Darwin.

Wir sehen Kamele! ICH sehe Kamele!!

Klaus sucht und sucht, braucht aber noch ein Weilchen, er fährt ja auch… 12 bis 14 Tiere kann ich entdecken, spannend!

Mit einem Höcker sind’s wohl Dromedare.
Nee, nee, ganz falsch! Diese komischen Kühe sehen wir erst in Indonesien!!!
Viele glotzen neugierig zu uns rüber. Zu lustig!

Das ist schon toll, so eine große Gruppe wilder Kamele im Outback zu entdecken. Und ursprünglich waren sie ja auch der Trupp, der wie eine Karawane das Land bis ins Outback half zu erschließen. Zäh, schwer belastbar und anspruchslos, rockten sie bis zu 450 Kilometer.
Und genau diese Entfernung müssen wir nun fahren, um wieder nach Alice Springs zu gelangen, zu tanken, den Mietwagen abzugeben und den Flieger zu besteigen. Allerhopp

Ist dieser Himmel schön? Ja, dieser Himmel ist schön❣️Und die Umgebung ist tatsächlich mal richtig platt.

So, wir nähern uns Alice Springs, betanken den Wagen und stellen ihn am Flughafen ab.

Jepp, da ist er wieder. Er hat uns gute Dienste erwiesen. Nichts ist vorgefallen oder passiert, den Schlüssel werfen wir ein und checken unsere Flugdaten.
Der kleine Flughafen ist nett, aber noch gähnend leer. Wir sind noch viel zu früh und nehmen später die einzige Maschine des Abends.

Nun soll der Flug auch noch Verspätung haben, hat er dann aber doch nicht, und 2 Stunden später sind wir wieder in Darwin.

Flug in den Sonnenuntergang.

Das bestellte Uber kommt blitzeschnell und Zack sind wir an der Marina. Yuti steht noch da, so wie verlassen.
——————Fertig, over and out!—————-

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