Kulturschock 😵‍💫

Ein Kulturschock ist, wenn sich 7 Indonesier um deinen kaputten Dinghymotor scharen, hunderte Mopeds, Roller und Motorräder knatternd und stinkend die Straßen verstopfen, die Muezzine um die Wette schreien und unser Agent mir sternhagelvoll ins Ohr raunzt, dass er mich liebe. 😳
Aber der Reihe nach.
Um 8:00 Uhr liegen wir in der Bucht von Kupang vor Anker.

Was nehme ich wahr? Gerüche! Geräusche! Liebliche Blumendüfte sind es nicht. Nein, ganz und gar nicht! Ich rieche Feuer und Fisch, sehe stinkigen Müll im Wasser schwimmen, höre Hähne krähen und Muezzine rufen.

Unsere Nachbarschaft.
Schau dir mal dieses galaktische Teil an! 😎

Da wuselt ja einiges um uns herum. 😝

Wer steuert da eigentlich???
Emsiges Treiben…
Etwas weiter weg zur Linken, liegt die andere Seawind❣️

Martin, so heißt der Österreicher, sieht uns und kommt sofort mit seinem Dinghy angesaust, um uns zu begrüßen. 👋
Wie nett ist das denn?! Und was für ein Glück! Er hat noch gar keinen Agenten für die Einreise und fragt nach unserem. Klaus war schon mit dem Dinghy los, um Matthew unsere Pässe und die Port Clearance zu bringen, aber der Motor ging ständig aus und die Wasserkühlung funktionierte nicht wirklich. Und Klaus kam unverrichteter Dinge zurück. Jetzt kann vielleicht Martin zusammen mit Klaus an Land fahren und Matthew kennenlernen? Ja, er kann. Und so sausen die beiden Männer in Martins Dinghy an Land. Was für ein glücklicher Zufall❣️ Ich kann beobachten, dass die Fahrt zum Strand kein Kinderspiel ist, denn die dort liegenden Fischerboote sind an Mooringleinen festgemacht. Diese Leinen durchziehen das gesamte Wasser, und Klaus und Martin müssen höllisch aufpassen, sich nicht heillos darin zu verheddern. Dazu ist der Wellengang mehr als unangenehm.

Soviel dazu. 🫤

Ich glaube, da bleibt heute kein „Auge“ trocken. Nach einiger Zeit kommt das Männerteam mit 2 Gesundheitsoffizieren zurück. Das Prozedere beginnt….
Beide Männer sind sehr lieb und freundlich, klein und zierlich. Gemeinsam haben wir beim Ausfüllen der Papiere und beim Rundgang durchs Boot ne Menge Spaß. Ich soll immer wieder Fotos machen, wie sie in den einzelnen Räumlichkeiten stehen, wie sie sich die Hände waschen und so weiter. (Mit ihren eigenen Handys versteht sich!) Insbesondere einer der beiden Health Officer hat einen Narren an Klaus gefressen und möchte unbedingt seine Kappe haben. Davon bekomme ich gar nichts mit, denn noch hat Klaus seine Kappe auf’m Kopp. Nach 40 Minuten werden beide Männer von Klaus und Martin zurück an Land gebracht. Vorher soll ich unbedingt noch die Quarantäneflagge einholen und die indonesische hissen. Eye, eye, wird gemacht. Und, ein Gruppenfoto muss noch geknipst werden, wo wir alle Arm in Arm beieinander stehen. Zu lustig! 😄Klaus und Martin kommen zurück, Klaus hat keine Kappe mehr. Doch, die vom Officer. 🥴 Mensch, seine Kappe war Kläusi’s Lieblingskappe. Die ist nun futsch. Im Dinghy sitzen jetzt noch 2 weitere Officer. Diesmal eine Frau und ein Mann, beide so ziemlich spaßbefreit und penibel, lasse ich mir später von Klaus erzählen. Das ist jetzt aber das Health Team für Martin. Danach bringt Martin Klaus zurück zu mir und die Health Officer wieder an Land. Hat jemand die Fahrten von Martin mitgezählt? Jetzt heißt es warten, bis Matthew mit all unseren immigrierten Pässen und den Offiziellen vom Zoll erneut abgeholt werden will.
Diese Zeit nutzt mein schon völlig auf dem Zahnfleisch gehender Mann, um sich mit unserem Dinghymotor zu befassen. Was ist nur das Problem? Was hat er bloß? Ist der Impeller gebrochen? Brauchen wir Hilfe bei einer Reparatur? Wer könnte uns da helfen? Ohne Dinghy haben wir ein echtes Problem! Wie sollen wir ohne Beiboot an Land kommen? Einkaufen? Gut, wir könnten rudern. 🚣‍♀️ Aber bei diesen Wind- und Wellenbedingungen ist das fast nicht zu machen. Ohhh, Klaus kommt an seine Grenzen. Er ist übermüdet und überanstrengt. Die ganze Situation überfordert ihn und gefällt ihm nicht. Vor allem das Motorproblem gibt ihm den Rest. Den Fehler findet er nicht. Und dann noch das telefonische hin und her mit Matthew. Er versteht ihn so schlecht. Matthew meint wohl, dass das mit dem Zoll etwas schwieriger würde. Die Zollbeamten seien immer die Primadonnen aller Behörden. Klaus solle später zum Strand kommen und mit einem wartenden Taxi zum Zoll fahren. Er, Matthew, sei dann auch dort. Dann solle Klaus wieder zurückfahren. Er, Matthew, liefe zum Hafenmeister und Klaus soll danach ins Büro kommen, um dort etwas zu unterschreiben. Büro? Büro? Welches Büro? Wo? Wie? Was? Wir schnallen es beide nicht. Und, Klaus braucht wiederum Martin, um überhaupt erneut an Land zu kommen. Martin ist einfach super und wird Klaus anstandslos abholen und zu allen Stationen begleiten. Süß die beiden❣️Er muss später ja auch noch alles machen. Wann? Keiner weiß es. Nach alledem meint Matthew, Martin solle danach mit seinem Dinghy Klaus in unserem Dinghy abschleppen und an Land ziehen. Dort solle Klaus dann mit dem Motor (52kg 🥵) in ein bereitstehendes Taxi steigen und zu Matthew nach Hause fahren. Matthew ist auch noch Mechaniker by the way und schaut sich den Motor mal an. Einen neuen Impeller habe er aber gerade nicht. Den müsse Klaus mitbringen. Den findet Klaus aber nicht. Er ist sich zwar recht sicher, dass er einen irgendwo hat, aber er findet ihn nicht. Klaus steht wirklich kurz vor einem Kollaps. Es herrscht Chaos!!! 😵
Und die vom Zoll kommen einfach nicht bei. 13:00 Uhr war angesagt, jetzt ist es 15:00 Uhr. Das mit dem Dinghymotor wird wohl heute nichts mehr, es ist ja schon bald dunkel. Da ruft Martin an, er und Klaus könnten zumindest mal die Pässe abholen, lässt Matthew ausrichten. Martin kommt und sammelt Klaus ein weiteres Mal ein. Ich bleibe, wie auch zuvor, an Bord und warte. Martins Ehefrau übrigens auch. Mensch, jetzt sind die beiden schon über eine Stunde fort, ich beginne mich zu sorgen. Auch Martins Frau steht an Deck und hält Ausschau. Sie haben keine Schuhe an, kein Geld mit oder irgendwelche Papiere dabei, Klaus zumindest nicht. 🫣 Was dauert das bloß so lange? Sie sollten doch nur am Strand die Pässe abholen. Oh je, das wird hier ja wirklich zu einem richtigen Problem?! Klaus hat auch schon lange nichts mehr gegessen und wollte es auch nicht. Hmm… Zwischenzeitlich ankern noch 2 größere Monos zwischen Martins Seawind und unserer. Viertel nach vier kommen sie endlich zurück, inklusive 3 neuer Officer. Sie kommen zu uns. Um 16:00 Uhr war aber auch die Zeit für Klaus‘ Mamagespräch. Das habe ich kurzerhand übernommen und habe sie gerade noch am Ohr. Doch nun will ich helfen, alle Personen an Bord zu hieven. Tschüss Schwiegermama. 😘 Weiter im Text…. Später wird mir Klaus noch erzählen, dass sie an Land nicht nur die Pässe bekommen haben, sie mussten auch noch mit einem Taxi die angesagte Fahrt zum Zoll machen. Ein Weg, ne knappe halbe Stunde, kreuz und quer durch die wuselige Stadt. Warum? Klaus sollte irgendwelche Zettel abholen. Einer dieser Zettel war für Matthew, der dann damit zum Hafenmeister fuhr. Martin kam wie versprochen mit Klaus mit. Das Theater stand ihm ja auch noch bevor, und so wusste er schon mal, wie der Hase hier hoppelt.
Klaus war wie gesagt barfuß 🦶🦶 und pikste sich die Füße 🤭 und Martin musste dringend aufs Klo, fand aber keins. 🫣
So dauerte das Ganze beim Zoll nochmal länger, bis sie endlich wieder mit dem Taxi zurückfahren konnten. Ein Zöllner zeigte Martin noch im allerletzten Moment eine Toilette. 💩
Die Offiziellen vom Zoll sind, wie Matthew immer wieder betont, die Primadonnen, die Oberwichtigen, die, bei denen man vorsichtig sein sollte. 🫢 Diese drei wollen nun erst einmal all das sehen, was auch schon die Gesundheitsjungs sehen wollten. Unsere Bordmedizin, unser Gesundheitsbuch, das wir nicht haben, dann alle elektrischen Geräte, wie Epirp, Plotter, AIS, Funkgeräte, Computer, Handys, und, und, und. UND dann auch noch die Maschinennummern von beiden Schiffsmotoren. Die Maschinennummern! Die Nummern stehen in unseren Papieren. Nein, sie wollen die Nummern live und in Farbe am jeweiligen Motor fotografieren. Ohhh nein! Auf Klaus‘ Seite ist das ja kein Problem, aber auf meiner Seite schon. Ich jammere und stöhne. 😩 Zeige, was ich dafür alles ausräumen müsste. Egal, sie lassen sich nicht erweichen. Ich räume aus, innerlich wie ein Rohrspatz fluchend. 😡 Nach gefühlt einer Stunde, es waren tatsächlich sicher nur 15 Minuten, können sie gucken und fotografieren. Na toll! Jetzt will der eine noch die Küche in Augenschein nehmen. Ich bekomme fast nen hysterischen Lachanfall, aber nur innerlich!!! Witz komm raus! Die Küche ist komplett mit all den Sachen von der Maschinenraumkabine vollgestellt, bis oben hin. Tja, da guckt er etwas hilflos und lässt es gut sein, denn sie haben ja gleich Feierabend. Meine Fresse, was ein Glück!!! Klaus kann nicht mehr, muss aber. Martin und er bringen alle drei Primadonnen, durch das Wellentouwabou zurück zum Strand. Martins Dinghy ist ein ganzes Stück kleiner als unseres, und es sieht echt lustig aus, mit 5 Männern in einem Boot. 😆 Jetzt muss von Klaus noch irgendwas in einem Büro unterschrieben werden. Der Zettel, den Klaus Matthew gab und gaaanz viele andere, sollen nun zusammengefasst in einem sogenannten Greenbook vom Hafenmeisterbüro abgeholt werden. Ahh so! Unterschreiben muss Klaus aber gar nichts mehr. Er bekommt dieses ominöse Greenbook vom wirklich netten Hafenmeister, der extra noch länger in seinem Büro gewartet hatte, einfach so. Käpt’n Klaus, von Sailing Vessel Yuti? Jepp! Okay, hier haste‘s. So, und damit waren wir komplett und vollständig einklariert. Poah! 😮‍💨 Bei Martin wird es heute nichts mehr. Er wird das ganze Prozedere morgen, am Samstag absolvieren müssen, mit einem ordentlichen Wochenendaufschlag. Er rollt genervt mit den Augen. Aber eigentlich weiß ich das ja alles noch gar nicht, ich bin ja auf dem Boot geblieben. Und was da nun noch mit unserem Dinghymotor passieren soll, weiß ich auch nicht. Heute läuft da bestimmt nichts mehr. 18:00 Uhr ist vorbei, es ist dunkel geworden und beide Männer sind immer noch nicht zurück. Hoffentlich ist Klaus nicht zusammengebrochen und ins Krankenhaus gebracht worden. 🙏 Ich muss meine Unruhe in den Griff bekommen! Da klingelt mein Handy. Klaus ist dran und fragt, ob er noch etwas Obst und Gemüse mitbringen soll und schickt mir dieses Foto.

Ein Glück, er lebt❣️ Ich gebe schnell meine Bestellung auf und schnaufe durch. Martin hat ordentlich Druck von seiner jungen Frau bekommen, erzählt mir Klaus. Sie ist sauer, dass sie den ganzen Tag auf ihrem Boot festsaß. So möchte Martin ihr wenigstens eine unreife Papaya mitbringen. Seine Frau mag es sauer, ha ha ha. 😝 Ich bin sehr froh, meinen Mann heile wieder an Bord zu haben! In der gesamten Zwischenzeit war in der Bucht richtig was los. Sooo viele große und kleine Fischerboote kamen und gingen mit ohrenbetäubendem Geknatter. Das Boot zu unserer Rechten wurde stundenlang entladen, und die vielen jungen Männer an Bord schauten ständig zu mir rüber und brabbelten was in einer mir völlig unverständlichen Sprache. Wohl habe ich mich da nicht gefühlt! Ehrlich? Das war jetzt wahrscheinlich doch das chaotischste und längste Einklarieren ever. Unser Dinghymotor soll morgen früh zu Matthew gebracht werden. Um 8:00 Uhr steht ein Taxi am Strand bereit. Klaus hatte ein Foto von Matthew‘s Zuhause im Netz gesehen und innerlich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Und er ist alles andere als glücklich über das doch eigentlich sehr nette Angebot von Matt. Dauernd stammelt er, das will ich nicht, das will ich eigentlich nicht, nein, das will ich nicht! Armer Kerl, er ist wirklich total durch den Wind! Nun, jetzt können wir gar nichts anderes mehr machen, als zügig ins Bettchen zu gehen. Über allem können wir sehr froh sein, dass Martin einen so fantastischen Shuttle Service geboten hat und, dass bei all dem Hin und Her die Sonne unablässig strahlte. Man stelle sich das mal bei Starkregen vor… 🫣. Morgen wird Martin auch wieder pünktlich bei uns sein und Kläusi samt Dinghy an Land ziehen.
Gute Nacht mein Kapitän und schlaf recht schön❣️
P.S.: Unsere Vorräte wurden übrigens in keinster Weise kontrolliert. Ich hätte weder vorkochen noch entsorgen müssen. 🙄

Am nächsten Morgen

Guten Morgen Jubel, Trubel, Heiterkeit. Die Fischer sind schon ganz früh am Morgen hinaus aufs Meer geknattert. Die meisten haben nur ein abgesägtes Rohr als Auspuff. 🙉 Die Hähne krähen, Musik dudelt von irgendwoher. Sirenen und Tatütata durchschneiden die rauch- und dieselgeschwängerte Luft. Wir sind wirklich in Südostasien, in Indonesien angekommen. Nur ganze 4 Tage mit dem Segelboot von Australien entfernt, tauchen wir in eine völlig andere Welt ein. Fremd kommt sie uns allerdings nicht vor. Durch Thailand, Malaysia, Sri Lanka und Madagaskar ist uns vieles recht bekannt, der Sound von Südostasien nicht neu. Aber jetzt wird Klaus von Martin abgeholt und abgeschleppt. Beide Dinghys zuckeln hintereinander an Land.

Martin ist übrigens 58 Jahre alt, Österreicher und mit einer sehr viel jüngeren Thailänderin verheiratet. Er war Profisegler im Regattasport, überführte verschiedenste Yachten und vieles mehr. Er kann es also, das Segeln! Ehrlich? Danach sieht er gar nicht aus. Er ist sehr dünn, zierlich und unscheinbar. Wie erste Eindrücke doch täuschen können! Jetzt hat er in den Sack gehauen, kaufte sich in Brisbane eine 16 Jahre alte Seawind 1000 XL, mit dem Namen Ulysses One und segelte zusammen mit seiner Frau von Brisbane nach Darwin und von Darwin, genau wie wir, nach Kupang/Indonesien. Nun will er mit gaaanz viel Zeit Indonesien erkunden und im nächsten Jahr nach Thailand segeln. Er möchte wandern, segeln, schnorcheln und zusammen mit seiner Frau das Leben genießen. Spannend!
Das hat mir alles Klaus erzählt. Sie hatten ja gestern viel gemeinsame Zeit.

Jetzt beobachte ich durchs Fernglas was an Land so alles passiert. Ich erkenne, dass das Dinghy an den Strand gezogen wird und ein Haufen Männer darum herum wuseln. Klaus und Martin stehen mit kleinem Abstand dabei. Mehr kann ich nicht erkennen und bin gespannt, wann und wie ich meinen Mann zurückbekommen werde.
Da schau einer an! Da kommt er ja schon, MIT unserem Dinghy und nur 1 1/2 Stunden später! 🤗

Klaus ist echt happy 😀 und erzählt mir die ganze Geschichte. Matthew hatte einen „richtigen“ Mechaniker hergeholt, der ein bisschen mehr im Thema war als Matt. Ruckizucki standen 7 Indonesier um unser Dinghy herum, und der Mechaniker nahm Stück für Stück den Motor auseinander.

Alle Männer haben immer und überall selbstgedrehte Fluppen im Mund. 🚬

Es wurde so lange gewerkelt, bis das Problem eingekreist war. Ein abgeklemmtes Schläuchlein für die Wasserkühlungskontrolle war der Übeltäter. Es hatte jetzt zwar niemand etwas dabei, um eine Art Stent zu setzen, aber das Schläuchlein wurde wieder geradegebogen, der Motor zusammengesetzt und eine Probefahrt unternommen. Siehe da, der Motor lief wieder einwandfrei. Juhu 🎉!
300.000,- Rupiah bezahlte Klaus für das ganze Unterfangen, das sind gerade mal knappe 15,-Euro. Martin ist zwischenzeitlich zum Zollbüro gefahren und schaffte es, die Beamten zu überzeugen, dass sie heute noch auf sein Boot kommen würden. Klaus und ich düsen jetzt erstmals gemeinsam an Land, um ein paar Einkäufe hinsichtlich Proviant zu tätigen. So lerne nun auch ich Matt kennen und er mich. Mann, was ist er für ein Matchoschleimer vor‘m Herrn. 😆 Mit all meinen Wünschen solle ich zu ihm kommen, er würde alles möglich machen. Da bin ich aber mal gespannt, kicher….
Mit dem von ihm besorgten Taxifahrer geht es nun zum Hypermart.
Impressionen:

Erstmal ist es noch gar nicht sooo wuselig.
Die Stadt Kupang auf der Insel Timor hat circa 490.000 Einwohner. Die Bevölkerungsmehrheit ist christlich, was für Indonesien außergewöhnlich ist. 70 % Protestanten, 20 % Katholiken, 9,5 % Moslems und unter 1% Hindus und Buddhisten leben hier sehr tolerant und friedlich zusammen.
Apotheke heißt hier Apotek.

Je weiter wir in die riesige Stadt hineinfahren, desto unübersichtlicher wird es. 😅 Gut, dass wir nicht selber fahren müssen.

Ach schau an, sie tragen alle Helme. 👍
Ob der wohl noch TÜV hat? 🫣

Nein. Indonesische PKW Besitzer bringen ihr Fahrzeug nicht zum TÜV. Das ist hier nicht üblich. Aber den deutschen TÜV kennt man aus anderen Bereichen:

Das finde ich echt lustig.
Christliche Kirchengebäude haben oft schöne und erhabene Standorte. Eigentlich fast wie in Deutschland. ⛪️

Das Verkehrschaos ist schon recht unübersichtlich. 😅

Und nicht viele Gebäude sind in einem guten Zustand.

Wir erreichen den Hypermart, der sich in einer größeren Mall befindet.

Das Angebot ist okay und reicht aus, um unsere schwindenden Vorräte aufzufüllen. Der Fahrer hat auf uns gewartet und fährt uns nun zurück zum Strand.

Es geht vorbei an einem Krankenhaus und mehreren Regierungsgebäuden.

Da wurde nicht gekleckert, da wurde geklotzt.

Zurück am Strand gibt es noch etwas Verwirrung wegen der Bezahlung des Fahrers. Der hätte gerne die 300.000,- Rupiah direkt von uns, aber Matt hatte uns gesagt, dass er den Fahrer bezahle und uns den Betrag auf seine Gesamtrechnung setzt. Tja, es ist Matthews Imperium, wir wollen da nicht quertreiben. Wir schaffen alles an Bord und warten auf ein Lebenszeichen von Martin, wie es ihm heute ergangen ist. Am Nachmittag kommt er angedüst und hat alles im Sack, inklusive das Greenbook. What the fuck ist ein Greenbook? Es ist ein Kontrollheft für ausländische Yachten. Heute ist es eigentlich ein Gesundheits- und Quarantänebuch, ohne das man sich nicht in indonesischen Gewässern bewegen darf. Es ist jedoch nicht zu verwechseln mit der Vessel Declaration. Dieses wichtige Zolldokument regelt die vorübergehende Einfuhr des Bootes. Also, alles wichtig, wichtig, wichtig. 🤪
So, Martin und sei Fruu sind nun auch fertig einklariert und wir wollen beide zu einem gemeinsamen Abendessen an Land einladen. Ein Dankeschön für Martin ist mehr als überfällig!
Um 18:30 Uhr holt uns Martin ein allerletztes Mal ab und stöhnt nun auch über Unregelmäßigkeiten bei seinem Dinghymotor. Er will Matt gleich nochmal um einen Motorcheck für morgen bitten. Normalerweise thront Matt am Strand, unter einem Baum, umringt von mindestens 6 bis 8 Männern, wie ein König. Er ist der Jobvermittler schlechthin. Es läuft alles über ihn. Sie nennen ihn Boss oder Chef. Fürs Dinghy gibt’s zum Beispiel Ivan. Er kommt sofort mit seinen kurzen Beinen gerannt, wenn man sich dem Strand nähert. Er hilft beim Anlanden und schiebt das Beiboot wieder zurück ins tiefere Wasser, wo er es an einer Boje festbindet. So ist es gesichert und er passt noch zusätzlich darauf auf. Dieser Service kostet 50.000,- Rupiah, das sind 2,50 Euro. Als wir jetzt ankommen, stürzt sich Ivan uns schon entgegen und wir klettern an Land. Die Stimmung unter‘m Baum ist ausgelassen und feucht fröhlich. Ein komplett sturzbetrunkener Mann taumelt mir entgegen. Klaus, wo bist du? Wo ist Matt? Du stehst vor ihm! Was? Ich habe ihn gar nicht wiedererkannt. 🤭 Martin versucht mit Händen und Füßen das Problem seines Motors mit Matt zu besprechen. Witz komm raus! 🤣 Matt hat fast keine Stimme mehr und interessiert sich eigentlich nur für mich. Er beugt sich runter und raunt mir ins Ohr, dass er mich liebe. 🫪 Was ist kaputt? Da hätte ich ihm heute Nachmittag besser nicht gesagt, dass sein Name bedeutet, ein Geschenk von Gott zu sein. 🤐 Er grinst und torkelt weiter zu Klaus. Auch ihm lallt er zu, dass er mich mag. Und was erwidert Klaus? Er lacht und meint, aber bitte nicht zu doll!🤣Was sagt man dazu? Nun, wir lassen uns von einem von Matts Fahrern zum Nachtmarkt chauffieren, wo aber nicht gerade der Bär tanzt.

Also, richtig was los ist hier nicht, aber es gibt zum Glück ein nettes Restaurant am Rande des Platzes. Da lassen wir es uns jetzt schmecken.
Die Beziehung zwischen Martin und seiner Frau Cherry (schon der Name 🍒) ist etwas komisch. Ich will nicht sagen, sie erfüllen das gängige Klischee, aber irgendwie schon. 🙂‍↔️ Sie können sich nur auf Englisch unterhalten, was für beide eine Fremdsprache ist. Sie ist viel jünger als er und eine typische Thailänderin. Ups, da habe ich gerade schon wieder eine Schublade aufgemacht. 🫣 Aber ja. Sie ist jung, selbstbewusst und macht ihm durchaus auch klare Ansagen. Irgendwie sind sie beide auf unterschiedlichen Wegen unterwegs, so kommt es mir vor. Und dieses Segelabenteuer ist für sie überhaupt der erste Kontakt in Sachen Segeln. Tja, wir werden es ja nie erfahren, aber ob das mit den beiden lange gut gehen wird? Da habe ich so meine Zweifel. Egal! Wir haben einen netten Abend, sie taut nach und nach auf, und gegen 22:00 Uhr sind wir wieder zurück auf unserem Boot. Morgen legen wir ab und haben die Insel Lombok zum Ziel erkoren. Martin wird wohl auch morgen den Anker heben, denn sein Dinghymotor schnurrt jetzt wieder wie ein Kätzchen. Vielleicht war nur irgendeine Zuleitung verschmutzt. Wir verabschieden uns herzlich von einander, wünschen uns eine gute Zeit und marschieren zügig in unsere Kojen. Das war’s. Das war unser Kulturschock auf Timor, in Kupang. Jetzt sind wir wieder voll drin, im südostasiatischen Way of Life. 😅

~~~~~~~~~~ Dadah 👋~~~~~~~~~~~~

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