Eine dystopische Taxifahrt bringt uns zum Fähranleger. Der alte, singapurische Fahrer diskutiert mit uns die Zukunft einer düsteren, bedrohlichen, gar unmenschlichen Welt. Oh Schreck! 🫣
Er gibt uns und der Menschheit noch maximal 30 Jahre, dann sei Schicht im Schacht. 😰 (Das würde für uns ja gerade noch reichen… 😉)
Seit 11 Jahren wütet derzeit die schlimmste Haze ever, so wird hier der Smog genannt. Hust, hust, keuch… Selbstgemachte Brände, für immer neue Palmöl Plantagen, und wiederholte Vulkanausbrüche auf indonesischer Seite, verqualmen fatal die Atemluft der gesamten Region. 🤧
Der Klimawandel treibt die regionalen Temperaturen zu immer neuen Rekorden. Regen fällt zudem immer weniger und immer seltener. 🥵
Die Kriege dieser Welt drehen sich immer nur um Macht und Geld. 💪 🫰
Die Chinesen nehmen sich was ihnen gefällt. Jedoch viel smarter als mit Krieg, denn sie kaufen sich die Welt. Keiner mag sie haben, aber ihr Geld dann doch. 💴
KI und Co. brauchen uns schon bald nicht mehr. Ist erst der Quantenkomputer da, wird nichts mehr sein wie bisher. 😵💫
Stopp, sofort aufhören!!! Zum Glück haben wir den Fähranleger erreicht und düsen zurück in unsere kleine Segelbootwelt.
Die Luft in Singapur hat heute Feinstaub von 284 bis 288 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft und einer Partikelgröße von höchstens 2,5 Mikrometer Durchmesser (PM 2,5). Diese winzigen Partikel dringen tief ins Lungengewebe ein. Feinstaub mit dieser „Größe“ und von 201 bis 300 Mikrogramm gilt als sehr ungesund, darüber als gefährlich. Wir werden zu einem späteren Zeitpunkt noch erfahren, dass im Süden von Sumatra über 800 Mikrogramm herumfliegen. Unvorstellbar!!! Die Winde tragen die dortigen Rauchsäulen rüber nach Singapur und Batam.

Batam soll heute hingegen „nur“ 190,1 Mikrogramm Feinstaub in einem Kubikmeter Luft enthalten. Na dann…
Also lassen wir trotzdem alle Schotten dicht, die Klimaanlage laufen und planen den Kurs unsere Weiterfahrt. Wir wollen das große Verkehrstrennungsgebiet anpeilen, um nicht mit den unendlich vielen Fischerbooten im Feinstaubnebel herumzackern zu müssen. Die großen Pötte sind besser zu erkennen, auch bei Nacht. Wir werden 5 Tage und Nächte durchfahren müssen. Stopps vor Inseln sind leider nicht möglich, da wir nicht einklariert sind. Dafür soll die Luftqualität auf Langkawi eine bedeutend bessere sein. Allerdenn…
Letzter Tag vor Abreise
Yuti wird noch einmal abgespritzt, die
Wassertanks aufgefüllt. Auch, obwohl das Wasser ziemlich braun ist.
Eine letzte Runde Waschmaschine und Trockner wird gestartet.
Die Pässe zwecks Abmeldung werden im Marinabüro abgegeben, die letzte Rechnung bezahlt, der Landstrom abgeklemmt.
Klaus möchte noch unseren Tintendrucker reparieren, denn der druckt kein Schwarz mehr. Es funktioniert aber nicht. 🤨 Da werden wir wohl einen neuen brauchen.
Ein ständiger MOB-Alarm nervt massiv! Woher der kommt, wieso und weshalb? Wir finden es nicht heraus. 😏
Am Abend bestellen wir ein letztes Mal Schnitzel mit Pommes und Cola-Bier, Hicks. Das aber 2 mal!!! Eine Doppelportion verschmatzen wir gleich, die andere nehmen wir mit an Bord als Reiseproviant für morgen. 😋
Auf nach Langkawi
Um 7:45 Uhr legen wir ab, die 500 Seemeilen im Blick.

Heute werden wir im Laufe des Tages auch unser Kielwasser kreuzen und somit unsere Weltumsegelung schlussendlich, tatsächlich und wirklich besiegeln. 🥳
Die Sicht ist katastrophal!





Etliche Schnellfähren kommen aus dem Nebel herausgeschossen, wie aus dem Nichts. Von allen Seiten flitzen sie an uns vorbei.

Es geht kaum Wind, wir müssen motoren. Einige Schiffe und Fähren geben Safety Signale ab, um wenigstens rechtzeitig gehört zu werden. Die Stimmung ist eigenartig, beunruhigend und etwas bedrohlich. Uffbasse ist mal wieder die oberste Prämisse! Zusätzlich herrscht extremer Funkverkehr. In allen möglichen Sprachen stimmen sich die Frachter miteinander ab. Nur in Englisch verstehen wir das Gebrabbel. Aha, der eine sagt dem anderen, er möchte ihn gleich überholen. Portside an Portside. Okay, wir nähern uns also der Frachterautobahn, dem Verkehrstrennungsgebiet. Innerhalb, aber auch am Rand, haben wir als Segelboot keinerlei Rechte. Stattdessen haben wir Pflichten. Wir dürfen die Verkehrsschifffahrt in keinster Weise behindern!
Ungläubig starren wir auf den Plotter,…

das Radar…

und in die nebelige, versmogte Wirklichkeit. Die Autobahn ist so dermaßen voll,…

dass wir ums Verzagen nicht wissen, wie wir da durchkommen sollen. Aber wir müssen da durch, um auf die malaysische Seite zu kommen. Es fließt der Angstschweiß, als gäbe es kein Morgen. 😓
Kurz vor zwölf sind wir durch. 😮💨 Klaus hat uns perfekt hindurchgemogelt❣️ Zwei Frachter mussten wir innerhalb der Verkehrsstraße durchlassen, dann war‘s geschafft. Auf der anderen Seite begrüßen uns diverse Frachter vor Anker…

und eine seltsame Plattform.


Boskalis steht für das führende, niederländische Unternehmen am Markt, um Offshore Plattformen zu errichten, zu verlagern oder abzubauen. Bohrinseln, Plattformen für Windkraft und anderes stehen in ihrem Portfolio. Wir motoren mal weiter, brummel, brummel…
Upsi, da kommt uns ja einer entgegen! Entgegen!! Also gegen die Fahrtrichtung. 🤔

Okay, mit dem legen wir uns besser nicht an! Wir sind ja auch beide knapp neben der Spur.
Dann passiert‘s. Um 13 Uhr, 52 Minuten und 37 Sekunden Singapur Zeit, kreuzen wir unser Kielwasser. Jippie 🙌❗️ Tröööt 🥳❗️Konfetti 🎉❗️Und parallel haben wir Larissa und Alva am Handy und halten zeitgleich einen Video Call ab. Lustig❣️

Wir haben extra einen Schlenker hoch gemacht, um unsere alte Spur vor 4 Jahren zu kreuzen. Predict Wind setzt aber nur einmal in der Stunde einen Punkt, so dass es auf unserem Track so ausschaut, als hätten wir unsere alte Spur immer noch nicht gekreuzt. Dem ist nicht so! 😅 Okay, das wäre nun geklärt und abgehakt. ✅ Gegen 15:00 Uhr kommt Wind auf. Sofort ist es klimatisch besser auszuhalten. Wir werden ein wenig belüftet. Doch bald schon fängt es an zu grummeln. Es donnert, das Wetter leuchtet, man könnte auch sagen, es blitzt. 🌩️ Aber Regen fällt keiner. Da wir momentan noch das Screecher draußen haben, geht es ganz gut ab dafür. 8 bis 9 Knoten ist unsere Duchschnittsgeschwindigkeit. Zur Nacht hin sollten wir das Segel aber doch besser bergen. Bloß wie??? So bekommen wir es nicht rein. Wir müssten abfallen. Doch abfallen, bei dem Verkehr? Dazu schwimmt noch so einiges im Wasser herum.

Auch wuseln Tug-Boote, Pilot-Boote und anderes „Zeug“ hier herum.

Überhaupt schwimmt zudem noch schrecklich viel Müll auf der Wasseroberfläche. Auch ekelige Schaumhauben müssen durchquert werden. Bähhh! 😖

Trotz alledem ist das Screecher jetzt eingerollt und wir motoren in die Nacht.
Gibt’s Schlaf?
Kaum! Wir wechseln uns in ganz kleinen Happen ab. Die Fischerbootdichte hat deutlich zugenommen. Die sind immer so verflucht schwer einzuschätzen. Noch dazu kommt, dass sie in einem extrem blendenden und grellen Grün leuchten.


Erst um 6:30 Uhr wird es so hell, dass ich auch mit meinen eigenen Glubschern wirklich etwas erkennen kann. Und siehe da, der Himmel weist ein paar wenige, blaue Flecken auf.

Sollten wir tatsächlich dem fürchterlichen Smog davonfahren können? Das wäre großartig. Schweißtreibend ist es aber dennoch. 🥵 Andauernd läuft es mir irgendwo herunter. Alles kitzelt, juckt und bappt auf der Haut. Bäääh…. 😓. Da kaum auch nur ein Lüftchen geht, ist keines unserer Segel im Einsatz. Dafür abwechselnd die beiden Motoren. Brummel brummelnd tuckern wir gemächlich voran. Wir passieren ein Feld rechts von uns, mit lauter seltsamen Schiffen.

Und was haben alle für einen langen Spieß vorne am Bug?

Ahhh, das sind Saug-Schiffe. Genauer, Saugbagger im Überlaufbetrieb. 🤓

Über die vorne befindlichen Förderbänder kann das im Bauch des Schiffes befindliche Material woanders wieder aufgespült werden. Nun ist mir alles klar. Jetzt waschen wir uns erstmal im Wechsel und ziehen uns „trockene“ Sachen an. Dann juckt es kurz mal weniger.
Später wird es tatsächlich ein längeres Stück des Weges geben, wo uns weniger Schifffahrt begegnet. Wir können uns sogar in den Salon legen und nicht ununterbrochen auf Plotter und Radar glotzen. 😮💨 Dann kommt wieder ein wenig Wind auf, und mit Screecher düsen wir erfreuliche 8 Knoten voran. Nicht übel❣️ Doch lange währt es nicht, das Segel muss wieder rein und ein Motor an. Ich koche Spaghetti mit Tomaten-Feta-Honigsauce, und die Frachter- und Fischerdichte nimmt zum Abend hin wieder deutlich zu.
Schon länger bewegen wir uns bereits auf der Malakka Straße. Die gehört halt zu den meist befahrensten Schifffahrtsstraßen der Welt.
Zur passend gruseligen Untermalung ziehen erneut Gewitter auf. Hinter uns, neben uns und vor uns. Diesmal setzt auch sehr starker Regen ein, der uns mehrere Stunden erhalten bleiben wird. Die Sicht ist grottenschlecht und beunruhigt mich sehr. 🫤
Langsam, ganz langsam…
arbeiten wir uns während der Nacht aus den Gewitterzellen heraus. Nach wie vor schippern wir am östlichen Rand des Verkehrstrennungsgebietes entlang. Immer, wenn wir uns rechts einer Insel mit Industriehafen nähern, wird‘s knuddelig. Ein ums andere Schiff fährt dann raus aus der Autobahn, andere fahren von außen hinein. Uffbasse❗️
Ein gutes Drittel der Strecke ist gemacht. Nee, fast die Hälfte. 😃

Mehr und mehr findet die Sonne einen Weg durchs Gewölk und den Smog.

Doch passend zum Abend hin wird es wieder trübe.

Selbst auf n-tv wird von den schlimmen Bränden in Indonesien berichtet, und der gesundheitsgefährdenden Luft. Sie wird wohl der Region noch lange zu schaffen machen. 😷
Wir sind jetzt erstmal abgebogen. Abgebogen in Richtung Langkawi. Damit haben wir das Verkehrstrennungsgebiet verlassen und bekommen es deutlich vermehrt mit den ungeliebten Fischerbooten zu tun. Die allerwenigsten verfügen über AIS, oder nutzen es. 😡 Doof! Wir können sie dann nur anhand von wolkigen, schwarzen Flecken auf dem Radar erkennen. Manchmal sind das auch nur kleine Pünktchen und wir müssen raten. 😬 Eben, Klaus telefoniert gerade mit seiner Schwester, durchfahren wir ein regelrechtes Müllschlachtfeld. Ich bin sprach- und fassungslos!


Was das Boot dort macht, beziehungsweise die Menschen drauf, ist mir schleierhaft. Müll fischen sie sicher nicht. Nach etwa einer Meile ist dieser Müllteppich durchfahren, und nur noch vereinzelt kommt uns Müll entgegen, dafür aber regelmäßig. Ich kann mich nicht erinnern, dass das vor 4 Jahren hier auch schon so schlimm war. Ich meine nein. Muss doch mal in meinem Tagebuch ein paar Jahre zurückblättern, bis ins Jahr 2022. Aber nicht jetzt, jetzt muss ich uffbasse! In der zunehmenden Dunkelheit sprießen die Fischer wieder wie Pilze aus dem Meer.

Die erste Nachtwache übernimmt heute mal Klaus, holla! Ich übernehme dann um 23:00 Uhr.
Bis viertel nach vier halte ich durch,…
dann muss ich Klaus wecken. Ein größeres Flachgebiet steht bevor und wir sollten klären, ob wir drüber fahren oder drumherum. Wir fahren drumherum, sicher ist sicher. Jetzt übergebe ich an Klaus und zwitscher ab in meine Koje, bis 8:00 Uhr. Allerdings mit einer Unterbrechung, das Screecher soll raus. Der Wind reicht aus, um genügend Vortrieb zu geben, und der Motor kann endlich mal ausgestellt werden.
Der Himmel ist nahezu blau, die Sonne scheint, wie schön. 🤩

Am späten Mittag, wir motoren so vor uns hin, das Screecher ist wieder drinnen, beschließen wir uns auszuruhen und zu dümpeln. Also, Motor aus, Jib setzen, um Kurs zu halten, und wirklich, wir dümpeln gaaanz langsam mit 1,8 Knoten voran. Wir sind so gut in der Zeit, dass, wenn wir nicht zu früh ankomme wollen, ruhig etwas Fahrt rausnehmen können. Das ist ja mal entspannend! Wir bleiben sogar auf Kurs. Prima! 😊 Tagsüber sind die meisten Fischerboote wie von Geisterhand verschwunden. Klaus legt sich aufs Ohr, ich koche etwas zu Essen. Es wird eine Kartoffel-Gemüsepfanne mit Bratwürstchen geben. Das sind kleine eingeschweißte Suppenfleischbällchen, die angebraten wie Bratwürstchen schmecken. 😉 Dazu gibt‘s Cola-Bier. Ich halt‘s nicht aus… 🤣! Bier auf hoher See! Das geht doch eigentlich gar nicht!!! Aber mit Cola hat das bisschen Bier gar keine Wirkung, oder?!?! Das sind halt die restlichen Dosen unserer vielen Schnitzelschlachten. Nun, bis zum Royal Langkawi Yacht Club sind es nur noch 100 Seemeilen. Heute ist Montag, unseren Platz haben wir ab Mittwoch. Also lassen wir uns weiter treiben, auch durch die kommende Nacht. Doch etwas später macht Klaus einen Motor wieder an, aber nur mit wenig Kraft voraus. Kurz vor Mitternacht gehe ich schlafen.
Um 3:00 Uhr stehe ich wieder bereit
Das ist auch gut so, denn Klaus ist hundemüde, und ein plötzlich aufziehendes Gewitter steht genau über uns und geht mit fettem Regen über uns nieder. Blöd nur, dass sehr viele Fischer hier ihr Unwesen treiben und wir rein gar nichts mehr sehen können. Auch das Radar hilft nicht mehr viel, denn die angezeigten Gewitterwolken vereinigen sich mit den Wölkchen der Boote ohne AIS. Schöne Wolkenscheiße!!! Mit großem Unwohlsein stehen wir mal hier, mal dort, mal drüben und versuchen mögliche Boote rechtzeitig zu erkennen. Keiner von uns will jetzt noch, dass irgendwas passiert und wir irgendwo, oder irgendwem drauffahren!!! 1 1/2 Stunden geht das so, dann ziehen die Gewitterzellen nach rechts ab. Links von uns erstrahlen wieder die Fischfänger in gleißendem Grün und rechts düsen schleppende Fischer mit ihren langen Netzen hin und her. Eigentlich habe ich schon ganz lange den Eindruck, die Gewässer hier sind leergefischt. Was fangen die bloß noch??? Angeblich sind’s Tintenfisch, kleine Schwarmfische und Garnelen.
Ab halb sieben kann man endlich wieder mehr sehen. Die Fischer düsen nach Hause und wir passieren in weiter Ferne die Stadt Penag auf der Insel Pinang, mit der größeren Stadt George Town gegenüber. Ja und? Mensch, das ist d a s deutsche Eck von Malaysia, meint Klaus. Viele deutsche Firmen haben sich dort angesiedelt, wie zum Beispiel Bosch und Infineon. Handelsbeziehungen gibt es schon seit dem 19. Jahrhundert. Und kürzlich haben sie mit Landaufspülung eine mega Promenade gebaut und eine neue Insel geschaffen, für eine riesige Marina, Hotels und, und, und… Sehr interessant! Da machen die vielen Saugbagger, die wir unterwegs gesehen haben, Sinn.
Wir holen jetzt mal das Screecher raus, um es trocknen zu lassen. Danach wird alles, inklusive des Bugspriets, mit einiger Schreierei 🙄, abgebaut. In der Marina stört der Bugspriet und fürs Haul Out sowieso.
Dann, wieder ein Schrei 🗣️ und wildes Gedrücke auf der Steuerungsfernbedienung, denn lange Bambusstangen ragen aus dem Wasser.

Fast wären wir da reingefahren. Oh Mannomann! 😱 Klaus hat’s nur ganz zufällig, beim Hochkommen aus der Küche, entdeckt. Sooo doof, sooo blöd, sooo verfickt sind Hindernisse dieser Art! Bei Dunkelheit oder schlechter Sicht sind diese unbeleuchteten Stangen nicht zu sehen. Null Chance! Mit „Bauchschmerzen“ fahren wir der letzten Nacht entgegen. Und plötzlich sehen wir die überall. Es sind immer 3 an der Zahl. Sie stehen als Markierungen für Reusen, gespannte Netze, herabhängende Leinen und sonstiges Gesums. Wir sollten auf gar keinen Fall da hineinfahren!!! Propeller-, Ruder- und Saildriveschäden würden drohen. Bei Letzterem sogar in Folge der Untergang. 😱 Was machen wir bloß? Gegen Mitternacht drohen auch noch Regen und Gewitter. Da fällt Klaus ein, dass er einen Baustrahler mit an Bord hat. Den nehme ich in die Hände, setze mich ganz vorne auf den Bug und leuchte in die nun einsetzende Dunkelheit. Hoffentlich werde ich diese vermaledeiten Stangen rechtzeitig erkennen und Laut schlagen können!?! 🙏
Drei Stunden halte ich das durch, dann tun Popo und Rücken sehr weh, und die Augen fallen mir unentwegt zu. Den Strahler halte ich aber immer noch wacker in Händen, grins. Während dieser Zeit, habe ich sehr viel Müll im Wasser treiben sehen. In erster Linie sind es Plastikflaschen, Becher, Tüten und Styropor. Immer wieder sah ich Seeschwalben darauf sitzen. Aber nun kann ich nicht mehr! Wir müssen anhalten, irgendwie. An einer Stelle, wo wir weit und breit keine Boote, Plattformen oder Stecken entdecken können, schalten wir die Motoren aus und lassen uns treiben.
Fix und fertig
Nur Sekunden später sind wir eingeschlafen, 😴😴 für ungefähr 2 Stunden. Dann möchte Klaus lieber abwettern, oder vielmehr „abstöckern“. Die Abdrift, die wir in den 2 Stunden gemacht haben ist ja nun erwiesenermaßen hindernisfrei. Die fährt er jetzt mit Motor rauf und runter, immer wieder, bis es fast schon wieder hell wird. Bis kurz vor sechs hat er die 1,5 Meilen 8 mal gemacht, dann kann er nicht mehr, nein! Ich hatte derweil im Salon einen Kurs in Motorsägen belegt, wache mit trockenem und kratzigen Hals auf und übernehme sofort. Obwohl, die „Sägemilch“ beziehungsweise die „Schlafmilch“ will so gar nicht aus meinem Kopf weichen. Blöd! Wie betrunken sitze ich am Steuerstand, fahre die Abdrift ein letztes Mal zurück und dann wieder weiter auf unserem gesteckten Kurs. Zum Glück wird es hell, und ich kann wieder etwas sehen und nach Stangen Ausschau halten. Um sieben geht die Sonne auf.

Also Bambusstangen entdecke ich keine mehr, und es geht ohne weitere Vorkommnisse gut voran. Gegen Mittag sollten wir den Royal Langkawi Yacht Club (RLYC) erreicht haben. Klaus schlummert jetzt mal ein, zwei Stunden zusammengekringelt auf dem Sofa vor sich hin, doch wir sind beide oberplatt! Nur das Waschen und Aufhübschen für die Offiziellen des Einklarierungsprozesses macht uns wieder etwas munter. Ja, das ist den dortigen Autoritäten wichtig, dass man ordentlich gekleidet erscheint. Mancher mit zu kurzer Hose oder zu lässiger Kleidung wurde schon mal weggeschickt. Das wissen wir ja noch aus der Zeit, von vor 4 Jahren.

Übrigens, die Luftqualität ist g u t !!!

Da können sich unsere Rauchlungen wieder etwas erholen. Jippie 😃❣️

Das ist echt nicht schlecht, wenn man das Ziel schon kennt! Klaus meldet uns per Funk an, und Punkt 12:00 Uhr liegen wir sicher vertäut in Box 70, an Steg D. 🥳
Ist das toll, nach 4 Jahren wieder hier zu sein❣️Und die ganze lange Reise um den Erdball geschafft zu haben❣️Irre!!! Wir stoßen zum ersten Mal mit Cola-Bier an, ha, ha, ha… 😂. Ich bin ja so gespannt, ob das Bad- und Toilettenhaus immer noch ein undichtes Dach hat und die Geckos dort hin- und herflitzen??? Und ob es den Charly noch gibt, mit seiner leckeren Lammkeule auf Buttergemüse und Kartoffelstampf??? Und ob der Einklarierungsprozess so einfach ist, wie vor 4 Jahren??? Aber davon berichte ich das nächste Mal. Tschau, tschau, Selamat tinggal 👋✋👋.
P.S.: Was es mit der Zahl 10 auf sich hat, siehe Überschrift, erkläre ich das nächste Mal. 😉
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