Santa Marta, Sierra Nevada, Kogi & Kakao

Heute Vormittag geht es mit einem sehr netten Fahrer nach Santa Marta. 2 1/2 Stunden dauert es bis wir die Stadt am Fuße der Sierra Nevada de Santa Marta, dem höchsten Küstengebirge der Welt, erreicht haben. Unterwegs müssen wir viele Mautstationen passieren. Das Fahren auf kolumbianischen Autorouten ist echt teuer. Auch durchfahren wir zwei große Armutsviertel, die wieder stark mit Müll und Unrat zu kämpfen haben und das größte Küstenlagunensystems des Landes, die Ciénaga Grande de Santa Marta. Es gehört mit seinen 4.280 Quadratkilometern zum Deltasystems des Rio Magdalenas. Mit dem hatten wir es ja schon mehrfach zutun.

Trotz des vielen Wassers begegnen uns immer mehr Kakteen. 🌵
Und Behausungen am Wasser.
Oh je, schrecklich dort leben zu müssen!
Manche versuchen etwas Farbe in die Tristesse zu bringen.

Der gesamte Schwerlastverkehr läuft über die Straße. Die Trucks sind bullig und sehr amerikanisch.

Vor und hinter den Mautstationen haben sich viele Händler angesiedelt und hoffen auf Geschäft.

Mit denen ist wohl kein Geschäft mehr zu machen…
Auch Esel und Maultiere kommen nach wie vor zum Einsatz.
Rinder grasen zwischen herüberwehendem Müll.

Wir nähern uns Santa Marta. Es wird städtischer und sauberer.

Wir fahren runter ins Tal, wo sich uns Santa Marta präsentiert, die erste Stadt Kolumbiens, 1525 vom Spanier Bastidas gegründet.

Die Flora ist sehr interessant!
Gleich sind wir am Hotel.
Ihr ist langweilig. Wo bleibt die Kundschaft?
Wir sind da.
Ach Gott ist das schön ❣️

Eine kleine, feine, grüne Oase umgibt uns.

Die Eigentümer wohnen auch hier, und das sieht man auch. Es ist alles so wunderbar begrünt und gepflegt. Auch unser Zimmer ist etwas ganz besonderes. Ein antikes Schmuckstück hinter Glas ziert unsere Wand. Einfach nur toll❣️Trotzdem halten wir uns gar nicht lange auf und laufen erstmal zur Marina ans Wasser. Hunger haben wir auch und von der sehr lieben Rezeptionistin einige gute Empfehlungen erhalten. Dann mal los. Übrigens, gefährlich ist es hier nicht. Wir brauchen uns nicht zu sorgen und brauchen unsere Wertsachen nicht verstecken. War in Cartagena auch kein Thema.

Dieses lila Haus ist unser Hotel. Von außen lässt sich das grüne Paradies gar nicht erahnen…

Einen Lolli gefällig? 🍭

Chips, Lollis, Zigaretten und Zigarren…, alles was gesund ist. 😜

Promenade, …
Hafen und ….
Marina.

Und genau hier betreten wir ein sehr hübsches Restaurant und lassen es uns mal so richtig gut gehen. 😉

Während wir so vor uns hinschmatzen, es schmeckt übrigens großartig!!!, entleert sich ein regelrechter Wolkenbruch über uns und will gar nicht mehr aufhören. Na gut, dann müssen wir eben weiteressen. 😛 Köstliche Nachtische wandern in unsere Mägen und noch eine heiße Schokolade oben drauf. Endlich wird der Regen schwächer, und wir können uns wieder nach draußen wagen. Ach du lieber Himmel, alles steht unter Wasser 🫢.

Da wo wir eben noch langliefen, ist alles geflutet. Die Straßen sind gar nicht mehr zu erkennen.

Die Polizei patrouilliert.
Wir „schwimmen“ zurück zum Hotel.

Krokodile machen sich auf den Weg. 😱 Nee, die kommen doch erst später… 😅.

Viele Häuser sind toll bemalt!

Wir sind wieder da. Auch hier ist alles triefend nass, doch im Zimmer blieb es trocken. Wir schmeißen uns aufs Bett und entspannen. Da ruft Klaus, wir müssen nochmal zur Marina, ich kann das Buch kriegen!!!! Hä? Was? Wie? Warum? Das Buch über die San Blas Inseln!!!! Ach, sach bloß… 🤗. Ja, das San Blas Buch ist unerlässlich, um sich zwischen den 365 Inseln vor Panama mit dem Boot zu bewegen. Es gibt keine zuverlässigen Karten über dieses Segelgebiet, nur dieses Buch eben. Leider ist es total vergriffen und nicht per PDF zu bekommen. Lukas, der Schweizer, wollte es kaufen und Klaus kopieren. Echt nett❣️Doch in den vielen Gruppen, in denen sich Klaus bewegt schrieb jemand, dass er sein gebrauchtes Buch jetzt verkaufen will. Er sei aber gerade in der Marina von Santa Marta, in Kolumbien. So ein Zufall, wir auch, fast. Klaus wird sich schnell mit ihm einig, und so marschieren wir wieder zur Promenade und dann zur Marina. Knochen zusammensuchen und los.

Suchbild: Wo ist Klaus?

Zusammen mit dem Kätzchen warten wir vor den Toren des Marinageländes. Da kommen sie auch schon. Ein belgisches Ehepaar in unserem Alter, seit einem guten Jahr mit ihrem Kat und Hund unterwegs und sehr nett. Die Männer fachsimpeln über das Buch, den heiligen Gral, wir Frauen diskutieren über Frisöre, die uns die Haare zu kurz geschnitten haben… 😂.

Kann man ja alles mit nem Hut kaschieren. 👒

Dann verabschieden wir uns und laufen noch kurz zurück zur Promenade, den Industriehafen anschauen.

Da liegt einer…
… jetzt sitzt er. Work-Life-Ballance?

Auf und an der Promenade herrscht eine sehr angenehme Stimmung. Es ist nicht so heiß, es weht ein Lüftchen und die Menschen sind gechillt.

Ich auch! Klaus wartet derweil hinter mir auf seine bestellten Gourmet-Pommes. Jepp, er hat schon wieder Hunger…Zzzz. Am Ende bekomme ich auch welche ab, und die letzte wird gerecht geteilt!

Küsschen 💋

Dann laufen wir wieder zurück zum Hotel. Dort angekommen stelle ich erschrocken fest, mein Hut ist weg. Baum, …. den habe ich beim Kätzchen liegen lassen. Der ist jetzt bestimmt weg. Wir laufen trotzdem hin, den Weg kennen wir ja mittlerweile… 🙄 Und…, der Hut ist noch da! Jippie! Er war nur ein bisschen weggeweht und hatte sich am Zaun verklemmt. Dann muss ich mir keinen neuen kaufen. 😁

Ach guck mal, die Polizei hat hier sooo coole Quads. Net schlecht!

So eins hättest du wohl auch gerne, was? 😉

Nein! Klaus ist happy mit seinem Buch, dem Bauch voller Gourmetpommes und er will jetzt zurück zum Hotel. Gleich sofort möchte er die Nase ins Buch stecken und dunkel wird es jetzt sowieso. Allahopp.

Am nächsten Morgen bekommen wir unser Frühstück hier serviert:

Idyllisch ❣️

Dann treffen wir Johann, unseren Guide für die nächsten zwei Tage. Johann ist 29 Jahre alt, lebt noch bei Mama und ist irgendwie niedlich. Zusammen mit dem netten Fahrer von gestern besuchen wir heute eine Gruppe Ureinwohner des Landes, die Kogi. Sie gelten als die Nachfahren der Tairona, ein präkolumbianisches, hochentwickeltes Volk. Hier handelt es sich um eine Gemeinschaft von 12 Familien, die sich dazu entschlossen hat den Kontakt zu uns, den kleinen Brüdern und Schwestern, aufzunehmen. Sie, die Hüter des Herzens der Mutter Erde, empfinden sich als unsere großen Brüder und Schwestern und sehen schon seit langem mit größter Sorge, dass WIR es verkacken. Dass wir zu viel falsch machen und Mutter Erde in ihrer Existenz massiv gefährden. Sie, die Kogi, treten daher jetzt mit uns in Kontakt, um uns zu warnen und aufzuklären, dass wir wieder lernen die Mutter Erde zu schützen und sie, die Kogi, ihren Auftrag die Erde zu retten, erfüllen können. Na, wenn das mal nicht schon zu spät ist? 🤔 Aber nicht alle indigenen Gruppen wollen den Kontakt zu uns. Andere bleiben verschlossen und zurückgezogen. Also wir fahren erstmal ein ganzes Stück mit dem Auto, und dann müssen wir einen ordentlichen Weg hinauf auf einen Berg. 1 1/2 Stunden beschwerlicher Fußmarsch steht uns bevor. Es gäbe zwar die Möglichkeit mit Motorrädern hochgefahren zu werden, aber das lehnen wir entsetzt ab. Das geht ja wohl so gar nicht! Die Kogi leben schon seit langem an den Hängen der Sierra Nevada de Santa Marta, weit bevor die Spanier auch nur einen Fuß auf den Boden Kolumbiens setzten. Als das dann aber passierte, zogen die sich noch weiter in die Berge zurück und behielten somit ihre Unabhängigkeit. Da hinauf war es den Spaniern dann doch viel zu anstrengend.

Hier ist der Startpunkt. Im Hintergrund stehen die Bikes 🏍️.
Es geht vorbei an einem Rinderhirten, …
Johann hinterher, …
und in den tropischen Regenwald hinein.

Dann stoßen wir auf eine Ameisenstraße. Da ist ordentlich Verkehr, und es ist zu drollig, wie diese kleinen Tierchen die geernteten Blattstückchen zu ihrem Nest transportieren.

Ich habe mal gehört, dass Ameisen eigentlich faul seien. Hmmm, das kommt mir aber ganz und gar nicht so vor! Und jetzt haben wir auch noch gelernt, dass diese Ameisen noch nicht einmal etwas sehen. Sie haben gar keine Augen und können ihre Umwelt nur riechen und ertasten. Dolle Sache!

Johann erklärt uns noch, dass zu dieser Spezies sowohl große, als auch ganz kleine Tiere gehören. Mensch, das ist ja wie bei Klaus und mir! 😆 Ja aber bei ihnen hat das noch eine bestimmte Bewandtnis. Die großen sind Soldaten, und die ganz kleinen helfen und reinigen sie, damit sie immer einsatzbereit sind und den Stamm vor Feinden beschützen können. Also das ist bei Klaus und mir dann doch nicht so! 🤭 Er reinigt sich zum Glück selber, kicher….

Wir kommen an vielen Mangobäumen vorbei. Johann sagt, das seinen Flip Flop Mangos, die wüchsen einem beim Vorbeilatschen gerade so in den Mund. Stimmt, die Bäume sind voll beladen und die Früchte hängen tief.

Der Bambus ist umso höher gewachsen.

Und was hängt da im Bambus? Genau, eine grüne Schlange. Sie ist giftig, aber nicht tödlich. Gut! 👍 Auch ist sie null Komma null an uns interessiert, eher das Gegenteil. Ich bekomme sie nicht wirklich gut vor die Linse.

Dann schon eher die Termitenbauten. Die sind mal wieder überall anzutreffen.

Und was soll das sein? Eine Prinzessinnen Villa?! Wir lassen sie trotzdem links liegen und wandern weiter. Der Ausblick wird immer besser.

🤩

Aber oben sind wir noch lange nicht, und unser Tempo lässt mehr und mehr zu wünschen übrig.

Sooo in etwaaaa…

Upsi, der erste Kogi begegnet uns. Er ist aber in entgegengesetzter Richtung unterwegs, abwärts… Und wir machen erstmal eine kleine Pause bei Einheimischen und trinken frisch gepressten Saft.

Das ist auch eine gute Möglichkeit den Berg hinaufzukommen. 🐴 Ich hätte große Lust wieder mal zu reiten. Hüaaa! Aber Klaus zieht nicht… Okay, wir kraxeln dann mal weiter und werden immer stiller. Nur unser stetiges Schnaufen wird laut und lauter… 🥵.
Endlich 😮‍💨, wir sind da. Das Kogi Dorf ist erreicht. Erschöpft, kurzatmig und durchgeschwitzt sind WIR, Johann nicht.

Und das ist unser Mann. Er führt uns jetzt durchs Dorf und wird uns einiges zeigen und erklären. Zum Glück spricht er Spanisch und Johann kann uns alles auf Englisch übersetzen. Wir tauchen ein, in eine komplett andere Welt! Blöderweise müssen wir uns nun weiter den Berg hochschleppen, auf schmalen, in den Lehm gehauene, wackelige Steinstufen. Poah…
Die Kogi sind Selbstversorger, ernähren sich überwiegend vegetarisch oder vegan und leben in absolutem Einklang mit der Natur. Sie befragen die Mutter Erde regelmäßig, was sie braucht. Auch fragen sie sie nach den besten Standorten für jede einzelne Pflanzenart. Sie meditieren viel, mit Koka und Muschelkalk. Nur zusammen mit dem Muschelkalk entfalten die getrockneten und gerösteten Kokablätter ihre gewünschte Wirkung. Anregend, Lungen erweiternd, Hunger stillend, Müdigkeit nehmend, usw. Sie führen fast ständig ihren Poporro mit sich. Das ist ein ausgehölter Kürbis mit langem Hals, der mit gebranntem Muschelkalk gefüllt wird. Mit einem Stöckchen wird der Kalk aus dem Kürbis gefischt und in den mit zerkauten Kokablättern gefüllten Mund gegeben. Diese heilige Mischung bewirkt jetzt etwas. Ja aber was denn? Ihre Gedanken weiten sich, sie sind kaum noch müde, meditieren und denken sehr viel über die Welt nach. Der heilige Saft (die gelbliche Spucke) wird um den Kürbis gewischt. Mit der Zeit entsteht eine feste Calcitschicht, die wiederum der Speicher aller gedachten Gedanken ist. Der Kogi Festspeicher, sozusagen. Aufgeschrieben wird bei den Kogi nichts, sie haben keine eigene Schrift entwickelt. Nun ja, es ist schon reichlich kompliziert alles zu verstehen, aber eines ist offensichtlich, sie wirken sehr entspannt, ruhig, spirituell, und das Leben im Gleichgewicht hat oberste Priorität. Sie kennen keinen Besitz, leben in einfachsten Bambus- und Palmenhütten auf gestampftem Lehmboden, in der Regel ohne Strom und fließend Wasser.

Das Frauenhaus im Fischgrätmuster, …
und das Männerhaus.

Sie haben zwei unterschiedlich geflochtene Gemeinschaftshäuser, in denen gelehrt, sich getroffen, diskutiert und auch meditiert wird. Sie bauen alle möglichen Früchte und Pflanzen an. Und der, der etwas braucht, nimmt es sich. Aber da jeder im Gleichgewicht leben möchte, nimmt sich niemand mehr, als er dafür benötigt. Ein Zuviel gibt es nicht.

Eine Guanábana wird vom Baum geholt, wir dürfen probieren.

Das ist ja ein Gematsche! Aber das Fruchtfleisch um die kleinen Kerne herum ist köstlich. Ich will auch mal…!! Die Guanábana ist eine Stachelannone (kein Schreibfehler) oder im Deutschen, ein Sauersack. Der deutsche Name wird dem leckeren Geschmack aber keineswegs gerecht. Uns wird die Kaffeemühle und die Zuckerrohrquetsche gezeigt. Alles natürlich per Hand- beziehungsweise Eselbetrieb.

Kaffeemühle

Die Esel sind in diesem Fall der Kogi und ich. Das Ergebnis lässt sich sehen und …

schmecken! Der frische Zuckersaft schmeckt göttlich. Am liebsten würde ich ihn alleine wegschlürfen. Aber das wäre dann zu viel und brächte mich aus dem Gleichgewicht. 😉 Wir sitzen nun oben auf dem Berg, auf Steinen und bekommen jeder zwei Armbändchen umgebunden. Ein schlichtes Baumwollband links und eines mit einer dunklen klitzekleinen Perle rechts. Es soll uns vor bösen Erdgeistern beschützen.

Je nach Perlenfarbe gibt es Schutz vor Luftgeistern, Wassergeistern usw. Dankeschön 🙏. Ihre Kleidung und Taschen machen die Kogi selbstverständlich auch selbst. Die Baumwolle wird angebaut, die Frauen spinnen, die Männer weben. Wer dann die Stücke zu Umhängen, Hosen oder Oberteilen zusammennäht, habe ich vergessen.

Am Ende unserer Zeit bei den Kogi, erfahren wir noch etwas sehr Spezielles. Geführt wird eine jede Gemeinschaft von einem weisen Mamos oder/und einer weisen Sagas. Doch wie man dazu wird, ist fast unvorstellbar. Schon als Baby wird diese Person durch eine Eingebung oder durch die Befragung der weisen Mutter Erde auserwählt. Dieses Geschöpf wird dann bis zu seinem/ihrem 18ten Lebensjahr in völliger Dunkelheit großgezogen. Es bekommt ungewürzte, magere Kost und ganz viel Unterricht in allen Belangen und lebt abgeschirmt, fast wie im Mutterleib. Mit Vollendung des 18ten Lebensjahres wird der Mensch am Morgen, kurz vor Sonnenaufgang hinausgeführt und erblickt zum ersten Mal die Welt im Licht der aufgehenden Sonne. „Schau, alles ist so, wie ich es dir beigebracht habe.“ Die nun sichtbar gewordene, unfassbare Schönheit der Mutter Erde gilt es zu schützen und zu erhalten und das Volk der Kogi-Gemeinschaft weise zu führen. Eine große Aufgabe, die sicher immer schwieriger werden wird. In einer Welt, die den Indigenen immer mehr zu Leibe rückt. Ich sah einen Kogi mit Smartphone, sie trugen fast alle derbe Gummistiefel statt barfuß zu laufen, auch der Klimawandel macht nicht Halt vor Kogi Gebiet, ein Hang war schon kräftig abgerutscht. Dann produzieren sie den Kogi Kaffee und treten in Handelsbeziehungen mit uns. Wird ihre Gemeinschaft unwiederbringlich verändert? Ich hoffe nicht! Mir werden sie sicher so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen. Wer nochmal etwas mehr über die Kogi erfahren möchte, der kann sich vom bayerischen Fernsehen, unter www.br.de, „Das Volk der Kogi in Kolumbien“, als Podcast anhören. Wir verabschieden uns jetzt, beeindruckt und nachdenklich und laufen nun den Weg wieder zurück.

Guten Tag Huhn, pass auf deine Kinder auf!

Dann entdeckt Johann einen ganz besonderen Frosch und ist aus dem Häuschen!

Er trägt eine kostbare Fracht auf seinem Rücken. Johann wird ganz zappelig und macht viele Fotos. Ich auch, man kann ja nie wissen…

Und in der Tat, es handelt sich um einen Pfeilgiftfrosch, auch Baumsteigerfrosch genannt. Sie gelten als die bunten Edelsteine des Regenwaldes. Indigene nutzen ihr Gift gerne für die Jagd. Manche dieser Frösche betreiben Brutpflege, wie in diesem Fall. Nach dem Ableichen auf dem Urwaldboden, nimmt das Männchen den Nachwuchs Huckepack und trägt ihn zu kleinen Wasseransammlungen. Pfützen, Blätter, oder die auf Bäumen wachsenden Blatttrichter der Bromelien sind beliebte Kinderstuben. Dafür müssen sie dann eben auch die Bäume besteigen. Alle 2 Tage werden alle Ablageorte besucht und bei Bedarf jede einzelne Quappe mit unbefruchteten Eiern versorgt. Ganz schön aufwändig diese Kinderaufzucht. Soll noch einer sagen, die Väter täten nichts…
Wir laufen nun bis runter zum Playa los Cocos. Dort wartet ein Mittagessen auf uns.

Na du? Hast wohl ordentlich mit Fliegen zu kämpfen… 🪰

Och, das ist aber schön hier! Damit haben wir gar nicht gerechnet und haben auch keine Badesachen mit dabei. 😏

Wir sind sowieso völlig geschafft und lassen uns müde auf die Stühle sinken.

Das Essen kommt…

Es sieht zwar gut aus, schmeckt aber, abgesehen von den Säften, ganz und gar nicht. 😖 Alles ist ohne jeglichen Geschmack und der Fisch ne reine Schuhsohle. Ich kann’s nicht aufessen und schaue staunend auf Johann, der ALLES, bis auf den letzten Krümel mit Begeisterung aufisst. Wenigstens einem schmeckt‘s… Dann werden wir zurück zum Hotel gebracht, fallen in die Betten und sind fertig! 😴😴

Die Kakaoplantage:
Johann holt uns zu diesem schönen Ausflug ab, dieses Mal mit einem 4×4 Geländewagen und zugehörigem Fahrer. Die Fahrt zur Plantage hat es in sich, und kostet uns Nerven und Körperspannung. Der überwiegende Weg führt holterdipolter geradewegs über regelrechte Straßencanyons. Schlaglöcher will ich das schon gar nicht mehr nennen, auch Wasser muss durchfahren werden.

Ich kann das Handy definitiv nicht ruhig halten.

Nein, Krokodile sind dieses Mal auch nicht mit dabei! 🙄 Dafür ist die Landschaft, die uns bei der Kakaoplantage empfängt, sehr schön.

Nonverbale Kommunikation. 😁

Wir beginnen mit der Erkundung der Kakaoplantage. Danach besuchen wir noch das Bio Caoba Reservat, dazu aber später.

Guten Morgen, Buena Dia.

Ähh, Kakaoplantage? Wo sind wir denn hier gelandet? Ach, hier kommen wir zum Mittagessen zurück, das gehört schon zum Caoba Reservat? Ich bin etwas durcheinander. Ach, beides liegt ganz dicht beieinander, jetzt verstehe ich. Wir fangen aber mit dem Kakao an? Okay.

Jetzt aber, das sieht nach Kakao aus!

So geht es mal los. Mit diesen kleinen, nicht duftenden Blüten. Sie sind übrigens beiden Geschlechts und brauchen nicht zwingend das fliegende Personal, um bestäubt zu werden. Praktisch! Daher fehlt auch der Duft.

Dann wachsen die Kakaobohnen heran, und wenn sie jeglichen grünen Farbton verloren haben, können sie geerntet werden. Das gilt für die orangenen und die roten Früchte. Sie kultivieren aber auch grüne Früchte. Wie sie da den Reifegrad feststellen, habe ich vergessen zu fragen. Drei Sorten dunklen Kakaos werden hier also angebaut. Manche Bäume sind gepfropft, zusammengefügt. Sie tragen dann zum Beispiel rote und gelbe Früchte oder gelbe und grüne…

Das ist übrigens unser Kakaofachmann von dieser Finca. Er weiß alles, spricht aber nur Spanisch.

Wir fragen ihm Löcher in den Bauch, und Johann hat Mühe mit der Übersetzung ins Englische hinterherzukommen.

So, mit mehreren gezielten Hieben, mit der Machete, ist die Frucht geöffnet.

Da präsentiert sich der Rohkakao. Ich habe schon mal eine frische Kakaofrucht bekommen, wusste aber nicht viel damit anzufangen. Jetzt weiß ich es! Man klaubt die in weißem Fruchtfleisch liegenden Bohnen heraus und ab in den Mund damit. Jetzt lutscht man dieses Fruchtfleisch vom Kern ab und spuckt den Bohnenkern unzerkaut wieder aus. Das war’s. Ganz schöne Verschwendung, schmeckt aber sehr fruchtig und süß❣️Hier auf der Finca bauen sie ausschließlich dunklen Kakao an, keinen weißen und schon gar keinen pinken. Ja, den gibt es auch. Die Franzosen haben damit rumexperimentiert und die Belgier schon erste pinke Schokolade produziert. Achtung, Schokolade ist nicht gleich Kakao! Der weiße Kakao ist nicht der Stoff für weiße Schokolade. Die ist nämlich nur aus dem Fett des dunklen Kakaos, Milch und ordentlich Zucker. Die weiße Kakaobohne ist schwierig anzubauen und findet in Medizin- und Kosmetikprodukten ihren Einsatz. Plantagen müssen absolut allein stehen, dürfen nicht mit dem dunklen Kakao in Berührung kommen, brauchen Schutzwälle aus Orangenbäumen und so weiter… Also hier gibt es nur den dunklen Kakao im Anbau. Pestizide kommen nicht zum Einsatz, und die gesamte Plantage macht einen sehr gechillten und idyllischen Eindruck. Gänse schnattern und Hunde streunern herum. Manchmal auch beide zusammen!

Dieser Gänserich weicht uns nicht mehr von den Waden und fasziniert mich. Ich passe gar nicht mehr richtig auf. 🙂‍↕️

Da werden wir für ein Foto hinter den Baum geschickt. 😎

Wie Lampions kommen uns die Früchte vor. Sieht sehr nett aus❣️Jetzt geht es zur Weiterverarbeitung. Zuerst landen die Bohnen zur Fermentation in Holzkisten. Das ist einer der wichtigsten Schritte bei der Kakaoherstellung. Die durch das Fruchtfleisch feuchten Bohnen, fangen in den Kisten schnell an zu gären. 4 bis 5 Tage dauert dieser Prozess, der für die Entstehung des späteren Aromas zwingend notwendig ist. Regelmäßiges Durchmischen vereinheitlicht den Gärungsprozess. Dann kommen sie zur Lufttrocknung hier aufs Dach, für weitere 2 bis 7 Tage. Am Ende dürfen die Bohnen nur noch um die 6 Prozent Feuchtigkeit beinhalten.

Wir dürfen probieren. Der sehr bittere Geschmack der Rohbohne hat sich nun schon stark reduziert. Mir schmeckt‘s gut. Ich schnapp mir noch ein paar… Jetzt geht es zur Röstung.

Die Röstung ist nochmal für den reinen Geschmack wichtig. Hier kann man durch Verfahren, Dauer und Temperatur unterschiedliche Ergebnisse erzielen. Wir probieren. Hui, ganz schön trocken, streng und bitter. Nun wollen wir die Bohnen mahlen.

Na dann kurbel mal ordentlich! Es ist fast unglaublich, was da jetzt für eine braune, schmatzige, cremige Masse entsteht.

Wir lernen, Kakaobohnen aus Kolumbien, Venezuela und Mexiko verfügen über 30 Prozent Öle. Bohnen aus anderen Ländern haben nur 10 Prozent. 70 Prozent der Ernten verbleiben im Land, 30 Prozent werden in die USA und Japan exportiert. So, so, Europa bekommt nichts? Genau! Nichts! Aber WIR bekommen was ab. 😎 Jetzt wird nämlich mit Zucker gemischt, um so die verschiedenen Kakaoprozente herzustellen. Von 95 % bis 70 %, wir schauen zu.

Dann formt unser Kakaomann noch hübsche Blattornamente …

und verschwindet damit in der Küche. Zurück kommt er mit leckeren Tassen heißer Schokolade.

Währenddessen wird Klaus für eine weitere Prozedur vorbereitet. Ziel ist eine 10-jährige Verjüngung. Dass passt gerade gut, steht doch bald sein 60. Geburtstag an. 🤭

Na? Hat ja mehr als geklappt! Er sieht jetzt schon 20 Jahre jünger aus, gell?!?

Immer beobachtend mit von der Partie, 2 herrlich blau-gelbe Papageien. 🤗

Der will bestimmt nur spielen… 😂.
Also, das war schon mal richtig, richtig schön hier! Jetzt geht es aber sofort weiter zum Mahagoni Reservat. Jepp, das heißt nämlich Caoba übersetzt. Ein deutsch-kolumbianisches Biologenpaar gründete auf ehemaligem indigenen Gebiet ein Refugium aus Pflanzen, Bäumen, Kräutern, Seen und Hütten nach indigenem Vorbild. Ein Stück weit erinnert es mich an den Spicy Garden auf den Seychellen. Um in dieses Paradies zu gelangen, müssen wir aber zuerst ein Flüsschen überwinden.

Schuhe aus, …
Hosen hoch und los…
Fast geschafft!
Drüben 🤗

Jetzt ergötzen wir uns an wunderschönen Blumen, Bäumen, Baumhäusern, Seen, Fischen UND Krokodilen! 🐊 Endlich … 😂.

Papaya, Kaffee, Würgepflanze, Bambus

Huuu, dass sind ja Fische! Richtige urzeitliche Viecher. Im Aquarium auf Phuket gab es so ein Exemplar. Und jetzt sehen wir sie hier im Teich…

Interessante Informationen! Die bis zu 4 Meter langen Pirarucús atmen über dem Wasser! Sind es dann überhaupt Fische? Ja, Süßwasserfische.

Bestimmt 5 Exemplare warten auf Futter. Wir haben aber nichts…

Und jetzt die Kaimane! Wieder keine Krokodile, aber fast. 😅 Wasserschildkröten sind auch mit von der Partie.

Das Auge vom Kaiman sieht unecht aus. Ist es aber nicht!
Sie kommen…

Wir müssen uns ins Baumhaus retten‼️

Wo ist es nur???
Daaaa 🆘

Man könnte hier auch übernachten. 🛌 Aber was ist das? Rauchentwicklung über der Kogihütte… Feuer 🔥❓

Das sieht gar nicht gut aus ❗️Findet auch Johann und geht mal fragen…

Wir gehen hin, Johann kommt zurück, es ist alles in Ordnung. Die räuchern Ungeziefer aus. Ach soooo…

Wir laufen nun zurück, vorbei an Gewächshäusern, tollen Pflanzen und zurück über den Fluss.

Rote Bananen.

Baumgewächse, die aussehen wie Bananen. Ich kann mich kaum sattsehen. Wir müssen jetzt aber zurück! Klaus möchte sich nicht mehr nur sattsehen, er will auch satt werden! Und sehr dunkle Wolken ziehen auf. 🌧️ Jepp, es erwischt uns voll, noch bevor wir das Etablissement fürs Mittagessen erreichen können. Triefnass hüpfen wir unter die Dächer.

Nein, in die Hängematten geht es jetzt nicht, das Essen steht auf dem Tisch und schmeckt❣️ Nur etwas getrocknet aber vollkommen satt geht’s jetzt wieder in den 4X4 Geländewagen und das ganze Holperstück zurück. Auweia… Wird das Essen drin bleiben???

Die Berglandschaft der Sierra Nevada de Santa Marta ist wunderschön. 🤩

Auch hier sind Fincas am Wegesrand zu entdecken. Fast überall stehen Kisten mit geernteten Mangos zur Abholung bereit. Jetzt ist Haupterntezeit.

Nach gefühlt endlosem Geruckel, das Mittagessen ist gerade so drinnen geblieben, sind wir wieder unten angekommen, und das quirlige Treiben hat uns zurück.

Ich möchte möglichst das wahre Leben der Menschen hier erhaschen. Nicht nur das schöne Touristendasein. Und ich finde auf diesem Bild, aus dem Auto heraus fotografiert, sieht man viel. Ein Mann stützt sich den Kopf, ist müde oder gelangweilt, ein zweiter prokelt am Motorrad herum und ein dritter schneidet einem Kind die Haare, ein weiterer junger Kunde wartet. Alltagssituationen au point.

Verkehrsgewusel 🏍️🛵🛺🚌🚕🚚🚗🦽

Wir gehen nicht mit Gott, aber fahren mit Jesus.

Wir sind wieder zurück und am Hotel.

Es gibt eine herzliche Verabschiedung von Johann und seinem Fahrer. 🤝
Wir schleifen uns in unser Zimmer und fallen erschöpft aufs Bett. Sooo viele Eindrücke, Bilder, Düfte und Gedanken schwirren in meinem Kopf herum. Ich muss zügig Platz schaffen, denn morgen fliegen wir nach Medellin❗️Einst die Stadt des Bandenterrors, der Drogen und des Mord und Totschlags. Sooo lange ist es noch gar nicht her! Die gefährlichste Stadt der Welt, was ist aus ihr geworden? Wir sind SEHR gespannt!!!

3 Kommentare

  1. Traumhaft!!!
    Ich finde es wunderbar, dass Ihr uns auf Eure Reise mitnehmt.
    Geschrieben auf der Terrasse in Müapp kurz vor Mitternacht bei 12,9 Grad mit einem Lächeln, Petra

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