Kurz vor 6:00 Uhr schüttet es noch, kurz nach 6:00 Uhr kommt die Sonne raus.
“Ich werde euch als bunter Regenbogen entgegenlachen, wenn ihr an mich denkt.“


Jepp, und ich habe an sie gedacht. 🥹
Das Groß und das Jib sind gesetzt. Schööön❣️


Der Wind ist noch schwach, die See ruhig. Ein Motor läuft mit. Solange wir in der Landabdeckung sind, wird sich daran auch nichts großartig ändern.
Auch weiter draußen bleibt der Wind unstet und kommt doch tatsächlich aus der entgegengesetzten Richtung, als vorhergesagt. Sowas aber auch… 😏.
Der Motor läuft weiter mit und wird es bis zum Erreichen von Noosa Heads, unserem heutigen Tagesziel, auch weiterhin tun. Die Segel schlagen hin und her, und das ist doof. Untiefen müssen umsegelt werden, sorgen sie doch schon durch ihre Namen für Angst und Schrecken. „Schulterbrecher“ ist einer dieser furchtbaren Namen. 🥴 Wir könnten auch in der Fahrrinne für die großen Kähne segeln, das wäre auf die Untiefen bezogen sicherer. Aber Klaus will nicht. Ihm ist da zu viel Verkehr

Dann halt nicht. Wobei, ich sehe da nicht so viel Verkehr wie Klaus… 🧐.


Gerade passieren wir Golden Beach und Moffat Beach, vor uns die Sunshine Coast.

Ehrlich gesagt, sieht die Küstenbebauung hier überall ziemlich gleich aus. Mittelhohe Hochhausblöcke reihen sich an einem endlosen Strand aneinander. Schön ist glaube ich, anders.

Oh ha, da kommt gerade wieder so eine Untiefe, wo sich sogar das Wasser bricht, nicht die Schulter. 🫢

Auf der Landseite kommen uns Felsen recht nahe, also gut uffbasse!!! Übrigens, die Wellen waren uns von hinten prophezeit! Tatsächlich hauen sie seitlich rein! Yuti wackelt arg und die Segel schlagen doof!
Plötzlich gibt es Alarm. Der Autopilot fällt aus und „No rudder response“ wird uns gemeldet. Das heißt, die Ruder reagieren nicht mehr. Dreimal passiert das, dann läuft wieder alles. Oh, sowas mag ich ja überhaupt nicht. Gibt’s jetzt nen Fehler, oder nicht? Wir werden es heute zumindest nicht mehr erfahren. Wir nähern uns den Köpfen von Noosa. Doch sicher, ob wir dort auch ankern können, sind wir uns nicht! Das Wellenbild ist für diese Bucht alles andere als optimal. Schauen wir mal.
Der Himmel zieht immer mehr zu. Das sieht aber momentan noch sehr, sehr hübsch aus.



Was hängen da so viele schwarze Dinger im Wasser? Sind das Haischutznetze?? Klaus hatte davon gelesen. Je weiter wir in die Bucht von Noosa Heads kommen, umso mehr erkennen wir, was das wirklich ist. Surfer, noch mehr Surfer, ganz viele Surfer 🏄♂️. Die gesamte Küste ist übersäht von schwarzen Körpern und Köpfen. Die nutzen alle die starke Brandung für halsbrecherische Surfakrobatik!!! 😳





Auch einsetzender Regen und Dunkelheit scheinen niemanden zu stören. Es wird gesurft, dass die Schwarte kracht.

Wir schmeißen den Anker und schaukeln in den Wellen. Gut, dass wir 2 Hulls haben! Ich habe mal versucht die vielen Köpfe zu zählen. Auf an die 60 Surfer komme ich. Ist das hier ein sogenannter Surfer-Hot-Spot? Vielleicht. Gesehen haben wir so etwas noch nicht. Die Surfer surfen in die Nacht, wir gehen schlafen. 😴 😴
Kläusi wird 62 🎂
Weder Torte, noch Geschenke sind an Bord. ☹️ Wie denn auch? Aber ich werde ihn heute ganz besonders gut bekochen. Zum Frühstück gibt es geröstete Sauerteigsandwiches mit Käse, rohem Schinken, Butter, Frischkäse und Gurkenscheiben. 🥒
Die Frage, die sich stellt ist, was machen wir heute. Hängen wir ab und bleiben? Das entspräche dem „Regen“. Oder fahren wir weiter? Das wiederum käme der „Traufe“ gleich. Es gibt keine gute Lösung, und für die nächsten Tage sieht es auch nicht besser aus. Kein Wind und Strömung von vorn, viel Wind von vorn und blöde Wellen, später alles auf die Nase… Wir können uns drehen und wenden, es ist alles irgendwie Kacke. Meine Quintessenz ist: Segeln an Australiens Ostküste ist Scheiße! 💩 Oder zumindest schwierig. Da wir immer noch vor Anker liegen, haben wir uns wohl für abhängen und somit für Regen entschieden. Und es regnet kräftig. Ein Regenband am anderen zieht über uns hinweg. Net so schee! Klaus, das Geburtstagskind ist der Meinung, wir wären mittlerweile verweichlicht. Aha! Könnte sein, wir sind ja auch beide schon über 60. 10:36 Uhr, der Anker ist gehoben, wir fahren weiter. Wie? Jetzt also doch die Traufe? Jepp. Klaus lässt die Gesamtsituation keine Ruhe, und das Wackeln am Ankerplatz nervt ihn zusätzlich. Die Surfer sind übrigens schon längst wieder auf den Brettern. Denen scheint es hier gar nichts auszumachen. Sind die vielleicht sogar die ganze Nacht durchgesurft?
13:36 Uhr, eigentlich läuft es ganz gut. Die Wellen sind nicht schlimm, die Squalls erträglich. Wir motoren mit Groß auf Reff 3 und vollem Jib. Der Wind ist mau. Wir haben uns im Salon eingeschnuckelt und schauen Fernsehen, „Die Totenfrau“.
Die wird gespielt von Anna Maria Mühe, und es geht ziemlich brutal zur Sache. Es gibt 2 Staffeln à 6 Teile. Tolles Geburtstagsprogramm. 🤭
Zum Geburtstagsmittagessen gibt es knusprige Schnitzel mit Röstkartoffeln und Tomatensalat. Meinem Geburtstagsmann schmeckt’s. 😋 Ab dem Nachmittag, in Deutschland sind gerade alle erwacht, steht das Telefon nicht mehr still. Es wird gequasselt, gewhatsappt und Grüße ausgerichtet bis in den späten Abend. Dann versucht Klaus etwas zu schlafen, klappt aber nicht. Okay, ich versuche es mal. Klappt auch nicht, obwohl das Motorsegeln gar nicht so unangenehm ist, komisch.
Der Geburtstag ist längst zu Ende, der 27. Mai beginnt,…
und Klaus nimmt noch einmal Anlauf für einen kurzen Nap. Und ja, von 3:00 Uhr bis 5:00 Uhr kommt er zur Ruhe. 😴 Ich schaffe anschließend sogar 3 Stunden, dann weckt mich Klaus. Am Großsegel gibt es Probleme. Von einem Schlitten, der im Mast das Segel hoch- und runtergleiten lässt, ist eines der Befestigungselemente am Segel abgeflogen. Bevor wir der Sache auf den Grund gehen, muss er aber nochmal aufs Klo. 💩 Ich schaue mich derweil an Deck etwas um und entdecke das abgesprungene Teil, kurz vor seinem Abgang, links unter der Reling liegen. Schnell schnappe ich zu, Glück gehabt.🍀 Klaus ist nun wieder da und los geht der Reparaturversuch. Huch, jetzt müsste ich aber ganz schnell noch aufs Klo. 💩 Geht aber nicht, wir fahren gegen den Wind, das Groß muss jetzt runter, ich muss einhalten. Dann hole ich Klaus noch „eingekniffen“ ein paar Schraubenzieher, breche dann ab und flitze aufs Klo. Puhhhhh…. 😮💨. Als ich wieder da bin, ist das Problem am Groß vorerst beseitigt, das Groß kann wieder hoch. In Bundaberg, unser nächstes Ziel, will Klaus noch ein paar dickere Schrauben kaufen und die abgeflogene Platte besser befestigen. Die anderen fünf auch. Vielleicht übt das neue Segel mehr Druck auf diese Befestigungsplatten aus? Wer weiß? Wir motorsegeln munter weiter. Seit geraumer Zeit umrunden wir K‘gari, die größte Sandinsel der Welt, besser bekannt unter dem Namen Fraser Island.



Seit 1992 gehört diese 122 Kilometer lange Insel zum UNESCO Weltnaturerbe. Aber klar doch. 😉 Diese komplett aus Sand bestehende Insel ist dennoch bewachsen. Sogar ein Regenwald gedeiht dort, was weltweit ziemlich einzigartig sein soll. Zahlreiche Süßwasserseen befinden sich auf der Insel. Der bekannteste ist der Lake McKenzie, mit extrem klarem Wasser.

75 Meilen Strand locken etliche Besucher mit ihren Offroadern an.

Selbst Kleinflugzeugen dienen die Beaches als Landebahn.

Und, auf der Insel lebt die genetisch reinste Dingo-Population Australiens.

Wir haben diese „wilden Hunde“ bisher nur im Sydneyer Zoo gesehen.

Diese Sandinsel ist schon etwas Besonderes. In der Aboriginal Sprache bedeutet K‘gari so viel wie Paradies. Bernd Wagenführer meinte hingegen gestern, das wäre schon alles etwas überbewertet. Sooo toll hätte es ihm dort gar nicht gefallen. Soso, wir werden sie eh nur vom Wasser aus betrachten können.



Die Abkürzung über die Great Sandy Strait hätte uns natürlich näher an die Insel herangeführt, aber die Durchfahrt hat es in sich. Sechs Bedingungen sollten erfüllt sein, um sicher durchzukommen. Zwei Stunden vor Flut soll man am Eingang sein, keine Wellen über 1,30 Meter haben, mit den Offiziellen über die aktuelle Situation sprechen, vor einigen Stellen, mit Tiefen unter einem Meter muss auf die nächste Flut gewartet werden und so weiter und so weiter… Da haben wir uns dagegen entschieden, auch, wenn es uns schon gereizt hätte.
Um die Mittagszeit, man höre und staune, kann der Motor endlich ausgeschaltet werden. Wir segeln, richtiges Windsegeln❣️ Etwas später möchte Klaus den Wassermacher starten, denn hier und jetzt hat das Wasser bestimmt eine bessere Qualität, als dann in der Bucht vor Bundaberg. Doch der Wassermacher streikt. Er baut keinen Druck auf und zieht kein Wasser. Baum. Lang ist’s her, dass wir Wasser gemacht haben, viele Monate. Wahrscheinlich sitzt der Ansaugschlauch total zu. Aber genau dieser Schlauch, den man lösen müsste, um das zu überprüfen, sitzt so dermaßen fest, da ist im Moment nichts zu wollen. Erst am nächsten Ankerplatz können wir da was versuchen. Blöd!!! Keinen einsatzfähigen Wassermacher zu haben, ist kein gutes Gefühl!
Die Fahrt durch die Nacht, es wird immer früher dunkel, verläuft ruhig und sogar angenehm. Sterne sind zu entdecken, der mehr als halbvolle Mond erhellt die Dunkelheit wie eine warmweiße Lampe. Trotzdem kommt Klaus auch jetzt nicht in den Schlaf. Na gut, dann gehe ich halt schlafen. 😴 Das klappt so gut, ich überhöre sogar meinen gestellten Wecker. Statt nach versprochenen 2 Stunden, komme ich erst nach 3 Stunden wieder in den Salon und finde einen tief und fest schlafenden Kapitän Klaus. Okay, dann gucke ich jetzt mal schleunigst nach Wind, Windrichtung, Verkehr und nach was noch? Oh, ein kräftiger Squall kommt und zieht über uns hinweg. 25 Knoten pfeifen, und es schüttet Hunde und Katzen. Klaus schläft. Um kurz nach 4:00 Uhr wacht er auf. Kannst ruhig weiterschlafen, Klaus. Aber nein, er hat irgendetwas im Po. Hummeln? Meint er vielleicht, ich passe nicht richtig auf?? Ich weiß es auch nicht. Aber beide müssen wir jetzt nicht auf den Plotter glotzen. Dann mache ich halt meine Äuglein zu.
Der Regen hört auf, und sanft gleiten wir immer näher unserem Ziel entgegen, Bundaberg. 🍺 Bier, 🥃 Rum und 🧃 Limonaden. 😉
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