Lady Musgrave, da wollen wir hin, aber…

wann, wie und wieso? Nun ja, dieses südlichste Atoll des Barrier Reefs ist etwas ganz besonderes.

Erstens, es ist ein Atoll und zweitens, ist es befahrbar. Wir können also durch eine kleine Eingangspassage hineinsegeln.

Erinnerungen an die Tuamotus werden wach.
Doch erst einmal begrüßen uns und diesen sonnigen Sonntag eine Reihe kleiner Piepmätze.

Na du, du unten rechts, ist am Popo alles klar?
Und du, unten links, gleich macht dein Hälschen aber knack..,

Auf jeden Fall wird eine ausgiebige Morgentoilette zelebriert und ordentlich gekackt. Nachher ist die ganze rechte Bootsseite von kleinen, dunklen Kackwürstchen überzogen.
Dankeschön. 😖
Wir hingegen überlegen, grübeln, planen und…. entscheiden.
Am morgigen Montag werden wir rüber machen. So, das ist mal entschieden. Dann wird sich Klaus jetzt wohl oder übel an den Austausch der Relais machen müssen. Ich räume schon mal die dritte Kabine leer. 🥵 Aber kurze Rede, langer Sinn, oder wie war noch der Spruch? Klaus hat sich so dermaßen gut vorbereitet, dass ihm das ganze Prozedere super von der Hand geht und perfekt klappt. Bravo❣️ Nun ist Klaus auch noch ein Profi in Sachen Elektroinstallation! Hut ab! Er meint, nun habe er auch wirklich gutes Werkzeug zur Hand. Ja, das hilft natürlich auch. Wenn ich es mir aber so recht überlege, kann man so eine Reise eigentlich nur machen, wenn mindestens einer umfassendes, handwerkliches und technisches Wissen, Verständnis und Geschick hat. Ohne das sollte man getrost zu Hause bleiben! Da piept es am Plotter. Ohhh neiiin, unser GPS ist weg. Die GPS Antenne scheint wieder kaputt zu sein. Zwei Erstazantennen haben wir noch, dann isch over. Das Hauptproblem liegt aber wohl in der Steuerungszentrale, dem Hub. Da muss bei der Herstellung etwas schiefgegangen sein, es soll da drinnen einen Wackelkontakt geben. Und Kabel würden so beschädigt werden, dass die Antenne heiß wird und durchbrennt. Herstellerseits ist das ein bekanntes Problem, wir müssen uns wohl mal vertrauensvoll an Garmin wenden, den Aufkäufer von Vesper Cortex. Jetzt tauscht Klaus die Antenne und beide hoffen wir, dass die es eine Weile macht. Denn, mit dem GPS steht und fällt auch das AIS und der bootseigene Ankeralarm, und was weiß ich nicht noch so alles??!
So weit, so gut. Nun laufen wir doch sicherheitshalber nochmal zum Supermarkt. Lady Musgrave ist unbewohnt, und später zurück an der Küste ist auch erstmal nichts weiter zum Einkaufen. Vielleicht gehen wir zuvor noch Pizza essen? Ach nee, das Café hier ist ja so nett, da lass uns mal reingehen.

Ich liebe die Kombi aus Speisen, Dekoration und Kleidung.

Beide essen wir ein Omelette mit leckeren Zutaten, wie Süßkartoffeln, Zwiebeln, Pilzen und Käse. Köstlich❣️ Dann kaufe ich mir noch ein hochwertiges T-Shirt mit zwei Seesternen auf der Brust (Da, wo früher mal die Brust war… 😝) und mehrere Gläser mit hausgemachtem Chutney. Später im Supermarkt werden noch ein paar Kleinigkeiten erstanden, und am späteren Nachmittag fahren wir nicht mehr tanken, wie ursprünglich geplant, sondern genießen einen dollen Mondaufgang. Tanken und Wasserziehen wird auf morgen früh verschoben.

WOW❣️

Am nächsten Morgen…

begrüßt uns wieder ein sehr schöner Himmel.

Es ist noch ganz früh, die Ankerlichter sind noch an.

Wir wollen spätestens um 6:00 Uhr an der Tanke stehen, um hoffentlich noch ungestört tanken und Wasser aufnehmen zu können. Wir heben den Anker, der Anker und seine Kette sind ummantelt von Schlamm und Schlick. Da muss ich aber die letzten Wasserreserven nutzen und alles gut abspritzen. Was ne Sauerei! Der Schlamm spritzt übers gesamte Vordeck.

Wir stehen an den Zapfhähnen und lassen zu allererst Wasser in den furzleeren Wassertank laufen. Das dauert jetzt ne Weile. Ich genieße die Ruhe dieser frühen Morgenstunde, normal schlafe ich da ja noch.

Wasser ist aufgefüllt, da hätte unser Wassermacher viele, viele Stunden für schuften müssen. Dafür haben wir jetzt aber eine deutliche Chlornote im Frischwasser. Egal, jetzt wird Diesel getankt. Okay, beide Tanks sind randvoll, und jetzt spritzen wir noch ganz unverschämt unser Boot etwas sauber, mit Tankstellenwasser! 😛 Noch ist kein anderer im Anmarsch. Dann bereiten wir das Groß auf seinen Einsatz vor und zuckeln gemütlich von dannen.

Es geht genau die Fahrrinne wieder hinaus, in der wir während der Einfahrt so dermaßen nass gemacht wurden. Heute herrscht Friede, Freude, Eierkuchen. 😊

Da vorne dann bitte links ab.

Mit kurz nach Sieben ist es immer noch ganz schön früh UND kalt. Bei wolkenlosem Himmel wird es nachts richtig, richtig kalt. Bis da die Sonne wieder aufheizen kann, dauert es schon eine Weile, schnatter, schnatter… 🥶.

Als wir lossegelten, wehte der Wind noch mit 12 Knoten. Jetzt, zur Mittagszeit nur noch mit 3. Trotzdem kommen wir in Minischritten, mit 1,5 Knoten voran. Ich muss allerdings zugeben, der Strom hilft mit einem Knoten mit. Niedlich. ☺️ Wir sind total alleine unterwegs. Auf dem Wasser liebe ich das ja. Vor allem, wenn wir ganz gemütlich dahinschuckeln. So kann ich jetzt auch sehr entspannt kochen und braten. Es wird gepfeffertes Rindfleisch mit Süßkartoffel-Champignon-Broccoli-Gemüse geben. 🍠🥦🍄‍🟫 🥩
Dass wir so saulangsam sind, macht gar nichts. Denn ins Atoll von Lady Musgrave können wir erst morgen früh um 9:00 Uhr hineinfahren. Dann erst stimmen die Bedingungen. Doch ich vermute, wir müssen gleich einen Motor zur Hilfe nehmen, bevor wir noch ganz stehen bleiben und Ruderprobleme bekommen. Jepp, so ist es auch, wir motoren in die Dunkelheit. Kurz vor Mitternacht bekommen wir Besuch. 🐬🐬🐬🐬🐬

Eine Delphinschule spielt mit Yuti. Viele kleine Delphine mit Babys pusten und prusten lautstark um uns herum. Einige Halbstarke platschen kräftig mit ihrer Schwanzflosse, es spritzt bis hoch zu uns.

Es ist immer wieder schön, diese Tiere bei sich zu haben. Einfach herrlich❣️
Der Wind ist weg, die Delphine auch, die Wasseroberfläche gleicht wieder dem Plastikfolienwasser der Augsburger Puppenkiste, die Segel sind eingeholt, wir stellen den Motor aus und dümpeln für ein paar Stunden…

Ankunft

Der Motor tuckert, das Jib ist draußen, die Sonne geht auf. Die Lady ist nun schon mit bloßem Auge zu erkennen.

Und ne ganze Menge Boote liegen auch schon dort.

Oh, da sind die Ankerbojen bestimmt schon alle weg. Normal ankern geht natürlich auch, aber ab heute Nacht soll der Wind peu à peu an Kraft zunehmen und die nächsten 2 Tage kräftig blasen. Da hängt man lieber an einer Boje, denn typisch Atoll, ist es gespickt mit lauter kleinen und großen Bommies. Bei diesem Atoll ist eh das meiste unter Wasser. Nur ein Stück Wald schaut wie eine eigene kleine Insel heraus.

Dieses Stückchen Wald auf Sand darf betreten werden und sogar Campen 🏕️ ist erlaubt.

Ohhh, Kacke, das GPS ist schon wieder weg. 😡 Das ging jetzt aber schnell. Mist, Mist, Mist, jetzt haben wir nur noch eines in Reserve. Und das wird dann ja wohl auch ganz schnell durch sein. Das muss jetzt erst einmal so bleiben. Dann halt ohne AIS und Ankeralarm.
9:03 Uhr zeigen unsere Uhren an, und wir sind immer noch nicht am Eingang. Haben wir zu lange rumgedödelt? Sieht ganz so aus. Wir brauchen noch ein Dreiviertelstündchen.
So, jetzt aber! Ach Mensch, da weißt uns sogar eine Boje den Weg, was für ein Luxus. Der Riffdurchlass ist sehr, sehr schmal, aber weiterhin gut betonnt. Wir sind durch! Jetzt heißt es Augen noch mehr aufreißen! 🫪 Ich stehe vorne am Bug, um nach Bommies Ausschau zu halten. Ganz langsam tasten wir uns voran, ich schaue in Echt, Klaus auf sein IPad. Dort kann er die Korallenköpfe besser sehen, als auf dem Plotter. Nur die im Rücken befindliche Sonne, so soll es ja sein, blendet auf sein IPad-Glas. Da nimmt er sein Handy, das blendet nicht so… 🙃. Was soll ich rufen? Land in Sicht? Nein! Boje in Sicht! 🥳 Zwei, drei Ankerbojen sind noch frei!!! Das ist ja supertoll!!! An einer anderen Seawind 1260 tuckern wir auch noch vorbei. Hallöchen 👋✋👋.

Viertel nach zehn liegen wir sicher in Lady Musgrave’s Schoß. Durchatmen ist angesagt. 😮‍💨
Auf dem Weg zur Boje habe ich schon 2 große Meeresschildkröten gesehen. Dafür ist dieser Ort ja ganz besonders bekannt und geschätzt. Zapperlott, das GPS geht wieder, freu! 😃 Klaus hat alles, wo er ran kam, festgezurrt und nun funktioniert die Antenne wieder. Toll❣️Dann lag es jetzt an einem weiteren Wackelkontakt, der sich aber beheben ließ. Super❣️GPS, AIS und mehr funktionieren wieder. 🙏 Und was kommt jetzt? Was Schönes? Jepp! Wir widmen uns meinem letzten Gebutstagsgeschenk, oder war es zu Weihnachten? 🎄 Es dreht sich um ein Unterwasserkameragehäuse für mein IPhone, samt Beleuchtung. WOW. 🤩 Jetzt werde ich zumindest Unterwasserfotos in IPhone Qualität machen können, wenn ich das Gehäuse vorbereitet und verstanden, sowie die dafür notwendige App heruntergeladen habe. Okidoki, das wird jetzt gemacht. Alles ist kiki käse und sehr anwenderfreundlich. Toll! Da freue ich mich schon sehr aufs Ausprobieren!

Viel Wind fegt übers Wasser 🌬️💨

Und Marine Park Kontrolleure sind da.

Sie umrunden alle an Bojen liegenden Boote, machen Fotos und notieren, an welcher Boje das jeweilige Boot liegt. Ups, wir lassen uns besser nicht blicken und ziehen die Köpfe ein. Darf man doch nur 24 Stunden an der Boje hängen, und die haben wir schon erreicht. 🫣 Nach dem Motto, sehe ich dich nicht, siehst du mich nicht. 😂

Die Kontrolleure sind wieder abgedüst. Alle anderen Boote liegen ja noch länger hier als wir.

Wir beobachten mal, ob sich da jetzt irgendwer vom Acker machen wird…

Sieht nicht danach aus. Tja, die mögliche Strafe könnte gesalzen sein! 1.000,- Dollar und mehr sind schon möglich. Wir beschließen noch diese Nacht an der Boje zu bleiben und morgen früh höchstwahrscheinlich umzuparken, das heißt frei zu ankern. Jetzt pfeift und heult der Wind fast beängstigend. Das Wasser ist schwibbel schwabbelig und viel zu unruhig, um einen Schnorchelgang einzulegen. Zwei verankerte Plattformen liegen vor uns im Wasser.

Diese Plattformen werden von Ausflugsbooten angefahren. Touristen werden hier zum Schnorcheln hergebracht. Heute kommt aber keines.
Wir lassen uns dann mal in den Schlaf schaukeln, fauchen und pfeifen und schauen, was morgen wohl so geht… 👋

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