EINE kleine neuseeländische Blaumuschel

Wird SIE zu unserem Verhängnis? 😱

Um 7:30 Uhr schneit Klaus bei mir rein. Drew hat sich doch tatsächlich noch heute Morgen gemeldet, wir sollen um 9:00 Uhr am Ponton sein. Ja klasse! 👏 Nichts wie auf und los! Erst selber waschen, dann Yuti schnell noch etwas sauberspritzen…

und den Anker lichten. Der Swivel zwischen Anker und Kette verklemmt sich. Mist! Das kann ich aber diesmal selber lösen. Der Anker ist oben und nun volle Kraft voraus. Wir sind Deutsche, wir sind pünktlich! 😜

Darwin
Da liegen noch ne ganze Menge andere Boote vor Anker.
Den Besitzer dieser Motoryacht haben wir in den Morgenstunden geweckt. Er ist wohl nochmal eingeschlafen. An Bord ist noch alles ruhig.

Um Punkt 9:00 Uhr liegen wir am Ponton.

Wir sind die Ersten, nur die Fähre auf der anderen Seite wartet auf Gäste. Ein kleines Motorboot macht hinter uns fest.

Wenn sonst auch noch kein Offizieller zugegen ist, die kreischenden Kakadus sind schon da. Oh je, die haben wir ja noch von Newcastle lebhaft in Erinnerung. Hoffentlich sind das hier nicht auch so unglaubliche Massen. 🙏 Aber wer sagt überhaupt, dass wir die Marina auch von innen zu Gesicht bekommen werden?!

Oder, dass wir tatsächlich mal in diese Schleuse rein dürfen?

Das kleine Motorboot will bloß tanken, ein kleiner Monosegler geht durch die Schleuse. Jepp, die Tanke ist gerade hinter uns am Ende des Pontons. Die bräuchten wir dann auch später noch. Hmm…., sollte laut Drew hier jetzt nicht der Bär steppen? Aber dann kommen die Biosecurity Beauftragten, und der Prozess beginnt. Ein Prüfer kommt an Bord und erledigt zu allererst mal den Papierkram.

Drew ist an Bord, sein Kollege auf dem Ponton.

Er stellt eine ganze Menge Fragen.
Wieviele Salzwasserausgänge hat das Boot. Wo genau befinden sie sich? Eine Skizze für den Taucher wird angefertigt. Wieviele Toiletten befinden sich an Bord? Werden die händisch oder per Elektropumpe bedient? Hat das Boot eine Klimaanlage, und wann wurde diese zuletzt gereinigt? (Upsi… 🫢) Haben wir eine Waschmaschine an Bord? Jetzt bitte die letzten fünf Länderstopps nennen. Wann und wo war das letzte Haul out? Wann wurde das letzte Antifouling aufgetragen? Und so weiter und so weiter… Drew schreibt fleißig mit. ✍️
Der Taucher lässt sich nun ins Wasser.

Blubberblasen steigen auf.

Zuerst verpresst er eine rosarote Flüssigkeit in die Eingänge der Saildrives und Toiletten. Bei den Saildrives muss Klaus solange den jeweiligen Motor laufen lassen, bis die Flüssigkeit einmal komplett durchläuft und schaumig wieder herauskommt. Bei den Toiletten muss ich solange die Spülung betätigen, bis ich die rötliche Soße in der Kloschüssel sehe.

Lecker 🤧, riecht nach Sauerkraut…

Diese Reinigungsflüssigkeit muss jetzt 10 Stunden einwirken. Sie sei nicht besonders aggressiv und brauche daher diese lange Zeit, um wirken zu können. Aha. Jetzt kommt der für uns entscheidende Teil. Der Taucher überprüft die Rümpfe, alle Auslässe, die Stahlgitter der Blitzableiter, die Ruder, die Propeller, die Saildrives und überhaupt jeden Winkel und jede Ecke unseres Unterwasserschiffs. Gesucht wird nach invasiven Muscheln und gefährlichen Algen. Ich möchte mal wissen, ob das hier für den Taucher ein Risiko ist ins Wasser zu steigen. Ja, meint Drew ganz lapidar. Gestern wäre der fast von einem Hai in den Fuß gebissen worden. 🫣 Der Taucher kommt gar nicht mehr hoch, ich werde schon ganz zappelig, aber nicht wegen der Haie. Das kann kein gutes Zeichen sein, glaube ich. Und so ist es dann auch. Er kommt blubbernd hoch und reicht seinem Chef eine klitzekleine Muschel. Ohhhh jeeee 🙈. Drew meint zerknirscht, das sähe eventuell nicht gut für uns aus. Es macht ihm sichtlich zu schaffen. Er begutachtet die Muschel, dreht sie zwischen seinen Fingern hin und her, misst sie, fotografiert sie, schickt alle Daten den Beamten der Biosecurity,…

Der Taucher hat genau 1 Exemplar gefunden! 🙄

die mögen aber nicht entscheiden. Drew meint, aufgrund der Größe, beziehungsweise ihrer Kleinheit, lässt sie sich nicht eindeutig bestimmen. Wäre es eine Blaumuschel, wäre das ungut. Wir dürften nicht in die Marina und hätten dann 2 Möglichkeiten. Entweder wir lassen das Boot rausholen, reinigen, eventuell 7 Tage austrocknen und erneut kontrollieren, oder wir fahren wieder zum Ankerplatz, klarieren aus und verlassen das Land. Oh Baum, unsere schlimmsten Befürchtungen werden wahr… 😖. Wir signalisieren, dass wir im Fall der Fälle das Haul out wählen würden, und Drew ist so nett, dass er gleich bei der Werft anruft und nachfragt. Jepp, Montag könnten wir rausgehoben werden. Nun ja. 🫥
Wäre es allerdings eine australische Muschel, bekämen wir unser Zertifikat und dürften in die Marina. Oh ha, das bleibt aber spannend. Und nun? Was passiert nun? Nun packt Drew die Minimuschel in ein Döschen mit Meerwasser…

Ist ja wohl niedlich, oder?

und läuft augenblicklich mit der Muschel zum Museum. What? Jepp! Dort wird er Dr. Richard kontaktieren, eine Koryphäe in Sachen Muscheln. Nee, echt jetzt? Ja! Der wird eindeutig feststellen, mit was wir es hier zu tun haben. Sobald er Bescheid wisse, sagt er uns was Sache ist. Okay, wenn es nicht so ernst wäre, wäre es ein sehr lustiges Komödchen. Na ja, bis 19:30 Uhr müssen wir eh hier am Ponton liegenbleiben. So lange braucht ja schon das Mittel, um seine Wirkung zu entfalten. Na dann warten wir mal. Gerade kommt ein Dinghy angefahren und macht genau hinter uns fest. Zwei Segler vom Ankerplatz sind’s, die hier noch schnell ein paar Einkäufe machen wollen. Sie berichten von so einigen Booten, die da draußen vor Anker liegen und nicht in die Marina durften. Ach herrje, ich glaube die Quote von 90 zu 10 ist andersherum zu verstehen. 90 Prozent fallen durch und nur 10 Prozent schaffen es in die Marina! 🫤 Wir beobachten mal das Fährgeschehen. Die fährt ja wirklich oft zur anderen Landseite und hierher zurück. Bestimmt stündlich, würde ich sagen.

Es ist auf jeden Fall ein reges Kommen und Gehen.

Dann kommt ein junger, hübscher Mann auf uns zu und spricht uns auf Deutsch an. Er ist schon im zweiten Verlängerungsjahr von Work and Travel, arbeitet gerade auf einem Ausflugsboot und hat unseren Hamburg-Aufdruck auf Yuti’s Rückseite gesehen. Wir schwatzen sehr nett miteinander, bis er mit seinen Touris wieder weiter muss. Dann kommt der Lockmaster, der Schleusenmeister, mit noch einer weiteren Person zu uns und verkündet uns das Ergebnis. Wir halten die Luft an………………. Wir sind akzeptiert, wir dürfen in die Marina. 😃
Nein? Doch! Yeah, kreisch, freu, jubel, jodel 🥳 🎉 🤗! Und jetzt kommt’s, es ist eine neuseeländische Blaumuschel, häää? Ja, die sei aber nun doch nicht gefährlich. Aha? Na, uns soll’s sehr Recht sein!!! Wir bekommen noch heute unser Zertifikat und jetzt eine Marinaführung, inklusive Schleuseneinweisung.

Die beiden führen uns sooo nett durch ihr Gelände, erklären uns genauestens das Handling in der Schleuse, zeigen uns alle Facilities, Läden und Restaurants und dann auch noch genau den Liegeplatz, den wir noch heute Abend oder morgen früh einnehmen dürfen.

Wir bekommen die gesamte Doppelbox. 😀 Hm, brauchen wir auch. 😆
C13/C14 ist dann unser. 👍

Zuletzt gehen sie noch mit uns ins Marinabüro und wir verlängern unsere Liegezeit. Denn gebucht hatten wir erst ab Montag und tatsächlich kommen wir ja schon morgen. Jepp, wir möchten lieber morgen, bei Helligkeit, den Schleusengang und das Anlegemanöver absolvieren und diese Nacht am Ponton liegen bleiben. Alles ist möglich und diese Führung der absolute Knaller❣️So etwas haben wir auch noch nicht erlebt, dass zwei Leute uns mit so viel Zeit und Freundlichkeit alles zeigen und uns dermaßen gut vorbereiten. Das war…… spitze, Jungs❣️Ich freue mich ohne Unterlass. 😃 Jetzt bekommen wir noch unsere Codekarten und verabreden die morgige Schleusenzeit. Um 7:00 Uhr geht’s los, um 6:45 Uhr findet ein letzter Call auf Kanal 11 mit dem Schleusenmeister statt. That’s it. Super duper, famos, grandios ☺️. Mensch, dann können wir ja doch noch versuchen unsere Touren ins rote Herz Australiens, ins Outback zu organisieren. Jippie 👏. Vielleicht schaffen wir ja sogar einen Tagesausflug bis ins Kimberley. Schauen wir mal 👀👀.
Drew schickt uns noch seinen Bericht, der nicht nur an uns geht, sondern an etliche, weitere Adressaten.

Es können nur 800 Millimeter gemeint sein, Anmerkung der Redaktion. 🙃

Ist das irre? Ich finde schon! So ein riesiger Aufwand wegen einer Muschel. Übrigens, die gesamte Prozedur war für uns kostenlos. Die Kosten trägt das Bundesland Northern Territory.

Absolut knülle schlüpfen wir in unsere Bettchen. Nee, halt, stopp! Noch nicht! Eine Aufgabe muss noch erledigt werden. Wir wollten ja noch tanken. ⛽️ Nach dem Erreichen der 10 Stunden Deadline werfen wir die Motoren an, veranstaltetn eine “Schaumparty” und spülen die Klos durch. Sauerkrautduft wabert durch’s Innere. Dann verschieben wir Yuti nach hinten, an die Tanke, tanken und tuckern wieder nach vorne zurück. Erledigt! ✅ Alles geht ohne Personal und 24 Stunden am Tag. Jetzt aber! Ich falle todmüde, aber überglücklich in meine Koje. Wir können ruhig und entspannt schlafen, ohne nerviges Gewackel ohne stürmische Winde, unfassbar! Um Mitternacht wird sogar das Tor zum Ponton abgeschlossen und niemand kann uns stören. Na dann gute Nacht 😘.

P.S.: Abendstimmung am Ponton

The End


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