Es bleibt eine Challenge 😵‍💫

Und was für eine…….
Mitten in Klaus’ Schlafphase überfliegt uns erneut die Border Control. Ein anderer Pilot scheint zugange zu sein und funkt uns erneut an. Die gleichen Fragen werden gestellt. Alles okay, gute Nacht. Danke ebenfalls, over and out. Nun ist Klaus aber wach und muss erneut in den Schlaf finden. Mir, ich bin gerade in der Nachtwache, gelingt das super gut. 😌 Aber zum Glück erst zum Ende meiner Schicht. Das möchte ich betonen! Dann verschwinde ich gegen 2:00 Uhr in meinem Bett. Klaus bleibt ja immer im Salon, selber schuld. Erst um 6:30 Uhr stehe ich wieder auf der Matte. Uahhh, gähn 🥱. Jetzt kann Klaus es ja nochmal versuchen. Mit durchschnittlich 4 Knoten juckeln wir voran. Die Sonne geht auf und der Wind ist mit 20 Knoten ganz schön kräftig. Wooo ist unser Screecher? 😢 Und wo sind jetzt wir?

In der Arafurasee sind wir, und es ist 7:06 Uhr.

Der Tag nimmt seinen Lauf. Am frühen Nachmittag besucht uns eine Delphinschule. Erfreut springe ich an die Reling. Aber das sind nicht nur Delphine! Was sind das denn für Tiere? Eine andere Art! Ganz schwarz, größer als Delphine und ohne langen Schnabel, ganz abgerundet vorne… 🤔. Ich stehe am Bug…..

Klaus am Heck. Wir sind ganz aufgeregt!

Mensch, da schwimmen große und kleine Säuger, erwachsene Tiere und Jugendliche, Delfine und, … ja was? Kleine Schwertwale sind’s. Poah, da bekommen wir ja doch noch „Wale“ zu sehen. 🤩

Der „falsche Killerwal“, so sein Spitzname, ist hier mit nem Rudel Tümmler unterwegs. Doll!!!

Und dann nimmt ein großer Tümmler Anlauf und schießt aus dem Wasser.

Huch, darauf war ich nicht gefasst.
Wenn der keinen Spaß hat, dann weiß ich‘s auch nicht!
Patsch 🥳.

Meine Güte, das Wasser brodelt, so viele Tiere sausen um Yuti herum. Wir kriegen uns gar nicht mehr ein! Der kleine Schwertwal bildet gerne langanhaltende Gemeinschaften mit Tümmlern. Sie jagen zusammen und können sich sogar untereinander paaren. Das Ergebnis sind dann Wolphine, eine Kombi aus Whale und Dolphin. So lustig. Aber ja, sie sind kompatibel, da beide zur Familie der Delfine gehören. 🙃 Der kleine Schwertwal ist eher fern der Küsten zu finden, jedoch selten. Da haben wir ja richtig Glück, dass wir ihnen, und noch mit der Kombi Tümmler, begegnen! Das Quietschen war zuerst zu hören. Klaus hat’s gehört, und das mit seinem geblockten Ohr… Ich dachte, es ist der Wassermacher, aber der läuft ja gar nicht. 😝

Wie lange dünne Moorwürstchen sehen sie unter und vor unserem Boot aus. 😂

Irgendwann haben sie genug gespielt und drehen ab.

Tschau, tschau, ihr besonderen Tiere❣️ 👋

Das war jetzt eine wirklich schöne Zusammenkunft und hat die allgemeine Stimmung bei uns sehr gehoben. 😀
Der Wind holt wieder aus und eine Strömung von 2 Knoten schießen uns durch die Nacht. ⛵️💨

Was für eine anstrengende Sausefahrt durch die Dunkelheit

Durch die dunkle, dunkle, mondlose Nacht. Eins ist gut, wir sehen das Wellenspektakel nicht. Aber, ich spüre es um so mehr! Alles wackelt, klappert, heult, und sich durchs Boot zu bewegen ist nahezu unmöglich! Ich mag das nicht mehr, ehrlich!!! 😮‍💨 Gestern, bevor wir die Schwertwale und großen Tümmler zu Besuch hatten, dachte ich schon, ich kriege nen Bootskoller. Da muss ich dann immer an meine Freundin Birgit denken, die es beim Segeln schlimm fand, nicht stoppen und aussteigen zu können. Jau, könnte man schon, wäre bloß nicht gerade gesund… 😖.
Es ist 4:00 Uhr am frühen Morgen, und Klaus hat sich tatsächlich zum allerersten Mal in seine Koje zurückgezogen. Denn heute ist ihm das Gehaue und Geschlage doch zu arg, und er fühlt sich in seiner Koje etwas besser geschützt. Bemerkenswert! Die Lautstärke ist auch immer wieder eine Herausforderung für Nerven und Gemüt. Da hilft auch kein Ohren zuhalten. 🙉
Gegen Mittag sollten wir den nächsten, geplanten Stop over Point erreicht haben. Eben hat Klaus Drew kontaktiert. Drew, der Ausführende der Biosecurity von Darwin. Wir möchten gerne von ihm wissen, ob es besser wäre noch am Freitag oder doch erst am Montag aufzuschlagen. Davon würden wir es abhängig machen, ob wir nur kurz rasten und weiterfahren oder hier nächtigen und noch mit 2 weiteren Stopps die restliche Strecke entzerren. Mal abwarten, ob sich Drew rechtzeitig melden wird. Währenddessen geht das Supergewackel gerade so weiter. Ich krabble eben aus meiner Koje und bekomme im Augenwinkel noch mit, wie eine riesige Welle seitlich über’s Boot schlägt. Klaus schreit nur, Andrea, Andrea, hast du das gesehen? 🗣️ Ja, ein bisschen… 😨. Unser Stopp, die Mc Cluer Insel, ist kurz vor Mittag erreicht.

Wir sind natürlich alleine hier vor Anker. ⚓️
Darwin in Reichweite.

Die Insel ist aber recht hübsch mit ihrer kleinen Steilküste.

Krokodile? Nein!

Wir liegen endlich geschützt, und erstmal wird nun gekocht. Es gibt Kürbisgnocchi mit Kohl-Zwiebelgemüse und Parmesan. Dann geht’s unter die Dusche, ohne hin und her zu fliegen. Schööön! So, wenn wir noch Freitag von der Biosecurity abgefertigt werden könnten, müssten wir eigentlich JETZT wieder los. Aber Drew meldet sich nicht.
Neue Probleme tuen sich auf. Klaus’ Navionics Karte für Indonesien ist abgelaufen und lässt sich nicht über’s Internet wiederbeleben. Nur die Offline Funktionen von 2022 können noch genutzt werden. Scheiße nein, Klaus bekommt Schweißausbrüche. Zum Glück hat er noch eine aktuelle Boating App von Navionics auf seinem Handy. Im Notfall muss das reichen. Dann geht der Plotter halt nicht. Das findet Klaus aber ganz unglücklich und ist es selber auch. Das System ist Steinzeit, schnaubt er wütend. 😤
Weiter im Text. Wir holen das kaputte Screecher runter und packen es weg, heul. Aber ehrlich, bei diesen vorherrschenden Winden wäre es eh nicht zum Einsatz gekommen, und das neue Segel ist ja bereits in Arbeit. Den Bugsprit müssen wir für die Marina sowieso einklappen, um nicht zu lang zu sein. Erledigt. ✅
Zehn Minuten vor 16:00 Uhr segeln wir weiter, auf Verdacht sozusagen. Drew hat sich bisher leider nicht gemeldet. Kurz nach Verlassen des Inselschutzes haben wir sie wieder, Wind und Welle. 😑
Doch es wäre nicht die unberechenbare australische Nordküste, wenn es dabei bliebe. Als wenn jemand den Schalter umgedreht hätte, ist der Wind plötzlich weg. Na ja, weg ist relativ. Er weht noch mit 15 Knoten, und das ist für mich jetzt fast schon nichts mehr. 🫣 Und, wir segeln wie Omma und Oppa… Und, Drew hat sich gemeldet. Er meint, wenn wir bis morgen, Donnerstag, früh genug in Darwin wären, würde er uns noch am Freitag irgendwie dazwischenquetschen. Wenn ich mir aber unsere Durchschnittsgeschwindigkeit im Moment so anschaue, 5 Knoten, glaube ich nicht, dass wir das noch schaffen… 🤔. Kurz vor Mitternacht erreichen wir, dank 1,9 Knoten Mitstrom, einen 6er Schnitt und das unglaublicher Weise fast ohne Wellen. 😳
Noch kürzer vor Mitternacht nimmt der Wind wieder zu auf 20 und 21 Knoten, Tendenz steigend. Mit im Schlepptau, die Wellen, aber noch moderat.

Donnerstag, 00:01 Uhr

Klaus schläft noch, ich wache schon seit 21:00 Uhr und schlafe tatsächlich nicht. Ich könnte direkt noch länger. 💪 Eine 3/4 Stunde später machen wir dann aber den Wechsel. Doch schon eine Stunde später, weckt mich Klaus aus tiefstem Schlaf. Er möchte das Großsegel hissen, um schneller zu werden. Oh Mann, na dann….
Wir nehmen es auf’s dritte Reff, um noch auf der sicheren Seite zu sein, sind dann aber wirklich einen Knoten schneller. Augenblicklich zwitschere ich wieder ab ins noch warme Bettchen. Doch auch diesmal währt die Ruhepause nicht lang. Von harten Schlägen in den Rücken werde ich wach. Mensch Klaus, was fährst du denn da für einen Kurs❓Ich taumle in den Salon, halte mich fest und sehe es…. Fast 30 Knoten Wind und etwas später auch noch 5,2 Knoten Strömung katapultieren uns durchs Wasser. Durchs Wasser?? Nee!! Durch eine höllische Kreuzsee, einen brodelnden Hexenkessel, eine Waschmaschine im Schleudergang. Ich muss unweigerlich an den Musikexpress meiner Jugend denken, in dem man immer so an den Rand gequetscht wurde, und es im Kreis mal vorwärts, mal rückwärts hoch und runter ging. 🤢 Die Wellen kommen von überall her und knallen übers Boot, von vorne und von der Seite 🌊🌊🌊, oh là là. Und, wir befinden uns bereits in der ersten Meerenge von Van-Diemen’s-Golf.

Jepp, wir sind schon bei Kringel 1.
Ich glaub‘s ja nicht, wir rasen mit 12,2 Knoten dahin. 😳

Es ist schon arg, und es wird noch arger! Eine dicke Motoryacht kommt uns entgegen. Entgegen! Bei 5 Knoten Strömung! 🫢 All das in noch völliger Finsternis. Es wird jetzt immer später erst hell. Sehr bedrohlich!

Sie kommt uns sehr dicht entgegen. Wir selber haben gutes Tempo drauf und segeln mit 10,2 Knoten voran. Schwierige Situation!

Also, gut festhalten und beten, dass diese Schütteltherapie bald ein Ende hat!!! Auch oder gerade für Yuti sind solche Verhältnisse echt Vollstress! Ein Teufelsritt! Es knackt und knatscht, rumpelt und bombt ohrenbetäubend. 🙊🙉🙈 Selbstverständlich fliegt auch wieder Verschiedenes durch die Gegend, wir lassen es liegen. Bei Sonnenaufgang sind wir dann doch froh, wieder etwas erkennen zu können. Schon arg! Zum Glück werden wir nicht seekrank!

Der Steuerstand nass und salzig, von den hineinschlagenden Wellen, und auf und nieder, immer wieder.

Wir reiten auf einem wildgewordenen Bullen, mit abgeklemmten Hoden. Ja, das passt!

Wer zuerst fällt, der schreit dann.

Nach einer gefühlten Ewigkeit, nimmt der starke Mitstrom peu à peu ab. Wir sind durch die erste Engstelle durch. 😮‍💨 Die zweite wird noch viel enger sein. Nein, bloß nicht jetzt schon daran denken! Um 9:39 Uhr herrscht folgende Situation:
Der Wind weht mit nur noch 18 Knoten, der Strom kommt uns mit 0,8 Knoten von schräg oben links entgegen, die Wellen lassen spürbar nach. Gegen Mittag fahren wir durch gelbbraunes Wasser. Seltsam!

Die Strömung strömt uns bereits nun mit 1,8 Knoten entgegen und der Wind kommt seitlich, zusammen mit den dazugehörigen Wellen. Wir warten sehnlichst auf eine bestimmte Warnbake, um „abbiegen“ zu können.

Da ist sie ja! 👏

Jetzt wird der Kurs verändert, Wind und Welle kommen nun von hinten und ich kann etwas zu essen zubereiten. Es gibt Nudelsalat mit Thunfisch und Schafskäse. Unsere Vorräte an frischen Sachen sind zusammengeschmolzen. Nur noch ein paar Möhren, 2 Äpfel, 2 Petersilienwurzeln, 3 Kartoffeln und 5 kleine Zwiebeln kullern in der Kühlung herum. Nudeln und Reis sind hingegen noch reichlich vorhanden.
Da umkreist uns plötzlich ein Militärschiff. Huch, haben wir was falsch gemacht?

Ach nee, doch nicht. Es fährt bloß in großem Bogen an uns vorbei.

Irgendwie hat man gleich ein komisches Gefühl. Nun hatte ich just Essensreste aus dem Küchenfenster geschmissen und fühlte mich ertappt. 🫢 Böser Smutje!
Käpt’n Klaus hat gerade beschlossen, wir werden momentan nicht weiter Richtung Darwin segeln, wir werden stattdessen kurz vor der zweiten Meerenge ankern und erst gegen 21:00 Uhr weiterfahren. Die Strömung wird uns bald kräftig entgegenströmen und erst am Abend wieder umdrehen. Dann erst werden wir die zweite Engstelle in Angriff nehmen. Wir schaffen es eh nicht mehr während der Arbeitszeiten der Biosecurity von Darwin am Anker zu hängen. So what. Mittlerweile ist der Wind sogar ganz weg. Wir holen die Segel ein und motoren zur ausgesuchten Ankerstelle. Von dort bis zur Bucht von Darwin sind es dann noch gute 40 Seemeilen. Kaum vorstellbar, was eben noch bei der ersten Engstelle abging! Als würden wir in zwei völlig verschiedenen Welten herumsegeln. Jetzt, so ganz ohne Wind, wird‘s richtig heiß. Die Tropen lassen grüßen. 😅 Gleich erreichen wir unsere Warteposition.

Was werden wir tun in den paar Stunden der Ruhe? Schlafen? Klaus ratzt sofort weg. Er ist wirklich durch, fix und fertig. Ich kann nicht schlafen. Was‘n das? Gibt’s doch gar nicht… 🤔. Kurz bevor wir weiter müssen, schlafe ich dann doch noch ein. Klaus steht vor meinem Bett und weckt mich. Los, los Andrea, aufwachen, wir müssen! Verwirrt taumele ich an Deck. Licht an, Motoren an, Anker lichten. Die Segel bleiben drinnen, der Wind ist nach wie vor verschwunden.
In pitch black, in schwärzester Nacht, wie die Australier sagen, motoren wir durch die mondlose Dunkelheit, der zweiten Engstelle entgegen. Der Strom müsste sich nun umgekehrt haben und uns hoffentlich nicht mit 8 Knoten aufwarten. Andere Segler hatten solch ein Erlebnis.😱 Noch gleiten wir sanft durch die Finsternis.

Steuerbord. Wie durch grünen Waldmeistertrunk.
Auf der Backbordseite gleiten wir durch frisches Blut… 🩸
Der Steuerstand in nächtlicher Beleuchtung.

Der Strom nimmt jetzt kontinuierlich zu.

Mehr als 4 Knoten werden es aber nicht. 😮‍💨
Ja, wir vertrauen und segeln unseren Weg. Wem vertrauen wir da eigentlich? Na uns! Uns und unserem Boot.

Darwin leuchtet uns in weiter Ferne,…

ein Leuchtturm leuchtet uns den Weg…

und der Sternenhimmel mit Milchstraße glitzert ganz faszinierend❣️

Ist das toll❣️Das Foto habe ich mit meinem IPhone 17 geschossen, und ich bin geflasht von dieser Qualität!!! 🤩

Und die Engstelle ist überhaupt nicht schlimm! Gemütlich schippern wir hindurch. Wer hätte das gedacht?!

Doch die Anspannung steigt erneut

Der neue Tag ist angebrochen und wir nähern uns der Ankerbucht vor Darwin.

Es ist gerade 2:11 Uhr.

Eine Stunde später, ein paar Boote kann ich erkennen. Ich stehe mit Taschenlampe vorne am Bug und kneife die Augen zusammen. Die Lichter von Darwin erhellen die Dunkelheit, dennoch erweist sich das Ankermanöver als äußerst difficile. Wider der Vorhersage drücken immer noch 2 Knoten Strömung von hinten, der Wind bläst nun wieder kräftig von vorn, und Yuti tanzt vor und zurück. Zu allem Überfluss vertüddelt sich dabei die lange Doppelleine der Bridle und der Verschluss löst sich zum allerersten Mal. So ist der Druck auf Kette und Ankerwinsch riesig groß und die Strömung saust in einem Affenzahn unter Yuti hindurch. Bei Vollbeleuchtung, vielen Zurufen und Hin- und Hergerenne bekommen wir die Bridle wieder frei und der zweite Versuch führt zum Erfolg. Gottseidank! 🙏 Beim Nachbarboot kommt schon der Besitzer im Pölter mit Taschenlampe herauf und schaut nach, was wir da um 4:00 Uhr am Morgen so treiben. 🫣 Klaus setzt noch die Nachricht für Drew ab, man kann’s ja mal versuchen, dann schmeißen wir uns in unsere Kojen und schlafen augenblicklich tief und fest ein. 😴😴

Wie es von hieraus weitergeht, und dass die eigentliche Challenge noch auf uns wartet, das gibt’s dann beim nächsten Mal. 👋🖖👋

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