Es geht los! Wir machen Yuti ablegebereit und warten auf das GO vom Schleusenmeister. Rein in die Schleuse, Schotten dicht und auf Meeresniveau schleusen lassen. Draußen am Außenponton festmachen und auf die Offiziellen warten. Wir haben ein Appointment um 10:00 Uhr. Da sind sie schon die Herren und die Dame, 3 Mann und eine Frau kommen an Bord. Wir werden gefragt, ob wir bereit zum Verlassen des Landes sind? Ja, sind wir. Okay. ✅ Papiere werden vorgelegt, Pässe gezeigt, und dann beginnt ein Prozedere, was wir so auch noch nie erlebt haben. Zwei Beamte, behandschuht und mit Taschenlampen, steigen durch das gesamte Boot, öffnen alle, wirklich alle Luken, Klappen, Bilgen, Schrankfächer, heben alle Polster hoch und wollen beide Maschinenräume begutachten. Währenddessen dürfen Klaus und ich nicht ins Bootsinnere hinein. Wir sitzen mit den beiden anderen Beamten im Steuerstand. Seltsam! Sehr seltsam!! Chat meint dazu, dass das, was wir da gerade erleben ein Full Search sei und eigentlich nicht üblich ist beim Verlassen des Landes. 🧐 Mein Gott, was suchen die bloß? Eine geschlagene 3/4 Stunde sind die bei uns zu Gange. Und die Mehrwertsteuer für unser neues Screecher bekommen wir auch nicht erstattet. Das Segel sei ein fester Bestandteil des Bootes und somit nicht erstattungsfähig. Blöd! Das hatten wir aber anders verstanden. Nun ja, mit einem etwas seltsamen Gefühl verlassen wir eine Stunde später den Außenponton und schippern los.

Warum die bei uns alles auseinandergenommen haben, erfahren wir nicht.

Der Boat Speed geht schon mal nicht. Das war zu erwarten. Da werde ich wohl früher oder später die unzähligen Wasserflaschen ausräumen müssen, damit Klaus das Messrädchen wieder ausbauen und reinigen kann. 😕 Sonst noch was? Ja! Die Funkantenne, auch fürs AIS zuständig, ist gebrochen und dreht wie wild ihre Runden, ganz oben im Mast. So ein Käse! Da haben die Kakadus ja wohl doch in unserer Abwesenheit Karussell gespielt und die Antenne umgeknickt. Blöde Vögel!!! Ersatz haben wir diesmal nicht an Bord, und in Indonesien werden wir so etwas nicht bekommen. Offensichtlich funktioniert aber noch alles. Daumen drücken, dass es so bleibt! ✊
Wir segeln Downwind, herrlich❣️Sogar die Strömung ist mit uns. 6 Knoten segeln wir mit unserem neuen Screecher. Prima! Irgendwann dreht der Strom, der Wind nimmt ab. Auch jetzt haben wir es noch mit starken Tiden zu tun. Das neue Segel flattert und wackelt. Irgendwie steht es anders als unser gutes, altes Screecher. Wir können auch nicht mehr so hart am Wind mit dem Neuen segeln. Das Tuch ist dünner, aber auch größer. Schauen wir mal, was wir davon halten und ob wir uns aneinander gewöhnen. Zur Nacht nehmen wir das Screecher rein, das Jib raus und motoren lange. Da fliegt die australische Border Force über uns hinweg…


und will wieder das Übliche von uns wissen. Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Wo ist Yuti registriert? Und, bilden wir mit dem hinter uns befindlichen Segler einen Verband? Nein, das tun wir nicht. Aber wer das ist, wissen wir schon. Eine Seawind 1000 XL, die auch schon in Darwin schräg hinter uns in der Marina lag. Sie ist kurz nach uns aufgebrochen. Ihr Ziel ist ebenfalls Kupang in Indonesien. Lustig. Sie ist jedoch etwas schneller als wir und wird uns sicher demnächst überholen. An Bord ist ein Österreicher mit seiner thailändischen Frau. Wir werden bestimmt noch miteinander Kontakt haben. Es geht in die Nacht, wir wechseln uns erst einmal alle 2 Stunden ab.
Ein schöner Sonnenaufgang begrüßt den neuen Tag
Bei Helligkeit wechseln wir die Segelgarderobe. Das Jib kommt rein, das Screecher raus. Warum das Handling vom Screecher so dermaßen schwergängig ist, bleibt vorerst im Dunklen.
Klaus ist nun aber der Meinung, wir sollten jetzt unbedingt und subito Schnitzel braten und Gemüse zubereiten, bevor alles schlecht wird und über Bord geworfen werden müsste. Okay, ich als Smutje höre den Wink mit dem Zaunpfahl und mache mich sofort an die Arbeit. Hühnchenschnitzel mit einem Gurken-Tomaten-Mozzarellasalat wird unser heutiges Frühstück sein. 😛 Und es schmeckt super❣️Eigenlob stinkt doch nicht, oder? Dann der Schock auf vollen Magen. Die Komodo Inseln sind ausgebucht und für uns nicht anlaufbar. What? Seit April 2026 dürfen täglich nur noch 1.000 Menschen in den UNESCO Welterbe Nationalpark Komodo Island einfahren, nach vorheriger, erteilter Erlaubnis. Baum! So ein Pech! Da ist absolut nichts zu wollen. Erst Mitte Oktober sind wieder buchbare Plätze verfügbar. Da müssen wir aber längst in Singapur sein. Das bedeutet für uns, wir dürfen keinen Zentimeter in das Nationalparkgebiet hineinfahren oder auch nur hindurchfahren. Wir müssen das gesamte Gebiet umfahren. Harte Strafen, inklusive Konfiszieren des Segelbootes drohen bei Zuwiderhandlung. Meine Güte, so ein Mist. 😡 Dabei sollte Komodo ein Highlight unserer Indonesienreise werden. Da müssen wir wohl schleunigst umdisponieren. Es wird wirklich immer spürbarer, dass das Segeln mit dem eigenen Boot weltweit immer komplizierter und reglementierter wird. Also, Klaus macht sich umgehend an die neue Routenplanung von Kupang aus ran. Auch das Thema neue Antenne stellt sich als sehr schwierig heraus. Tan von Seawind erklärt, dass es die alte Antenne nicht mehr gibt. Die, die sie uns nannte und Klaus sofort bestellt hatte, ist doch nicht kompatibel. Mist! Die ist aber schon zu Larissa unterwegs. 😝 Und nun? Klaus ist gerade ganz still geworden. Zu viele schlechte Nachrichten kommen zusammen. Eine g u t e Nachricht ist, unser Boat Speed geht wieder. 🥳 Na also!
Aber, ein Frachter verfolgt uns, fährt exakt unseren Kurs und ist natürlich viel schneller. Klaus verändert unseren Kurs um 5 Grad. Und was macht der? Der verändert ebenfalls seinen Kurs um 5 Grad. Spinnt der??? Den müssen wir aber wirklich gut im Auge behalten.

Es segelt sich übrigens hervorragend❣️Ich sage nur, 7 Knoten mit Screecher, und das Wetter ist 1A mit Sternchen.
Es ist 17:30 Uhr und erneut überfliegt uns die australische Border Force. Diesmal funkt uns eine Frau an und möchte exakt dieselben Fragen beantwortet haben wie noch Stunden zuvor. Meine Güte, unsere Daten sind über alle Maßen bekannt und unser Kurs ist eindeutig Richtung Kupang. Was wollen die nur??? Stoisch funkt Klaus erneut alle gewünschten Daten nach oben. Over and out.
Es geht durch die Nacht. Ich schlafe viel, zur großen Verzweiflung von Klaus. 🥴 Doch wenn mein Hirn mit Schlafmilch geflutet wird, ist nichts mehr zu machen.
Am nächsten Morgen
Ein guter Segeltag lässt sich an. Trotz mehr Wind, 20 Knoten plus und spürbar höherer Wellen von der Seite. Die Sonne lacht, wir kommen gut voran, obwohl wir momentan nur das Jib draußen haben.
Mittags kredenze ich Schweinefilet mit grünem Gemüse. Lecker❣️
Bis zum Nachmittag taucht keine australische Border Force mehr auf, dafür immer mehr indonesische Fischerboote.


Es sind Wohnboote, Wäsche ist zum Trocknen aufgehängt. Witzig, dass uns sofort wieder Erinnerungen an Thailand in den Kopf schießen. Im asiatischen Raum ist Fischen und Leben ein ganz anderes Thema. Ganz viele Menschen leben und arbeiten auf diese Weise. Wir werden zunehmend mehr und mehr diese und anderer Boote zu Gesicht bekommen. Jetzt gönne ich mir erstmal eine Sonnenuntergangsdusche an Deck. Herrlich❣️
Das Nachtwachentiming klappt heute viel, viel besser. Auch Klaus kommt zum Schlafen. 😉 Das ist sehr gut und sehr wichtig❗️
Der nächste Tag beginnt
Irgendwann in der Nacht, wechseln wir wieder aufs Screecher. Wir werden sonst zu langsam. Unser Timing ist so wichtig, denn wir wollen keinesfalls in der Nacht in Kupang ankommen! Die Bucht soll voller Fischerboote, Ankerketten, Leinen und Muschelfarmen sein, sozusagen die Hölle für Segler.
In meiner Nachtwache muss ich einem Fischerboot ausweichen. Es hat selbstverständlich kein AIS. Aber bunte, blinkende Lichter und weißes, gleißendes Licht wechseln sich ab, und ich kann es gut erkennen.
Am Morgen mache ich mich daran, alle frischen Gemüse für spätere Speisen zu verarbeiten. 3 Stunden stehe ich am Gasherd. Danach bin ich durchgebraten und zwiebelverheult. 😭 Aber frische Sachen dürfen ja nicht eingeführt werden. Auch alle Äpfel verkoche ich zu Apfelmus. Ich hoffe, in dieser Form ist es erlaubt.
Jetzt müssen wir uns um unsere Einreisekarten kümmern. Passnummern, Gesundheitsangaben, Ankunftszeit und Hafen, Gepäckstücke 🤔, Hotel und Aufenthaltsort 🤔, Visanummern, zu verzollende Waren, gefährliche Güter und Devisen müssen angegeben werden. Als wir alles fertig eingetragen haben, schickt Klaus die Formulare ab und erhält umgehend die Systemmeldung, 500 Error. Na großartig! 😵💫 Das indonesische Programm ist Scheiße, es funktioniert nicht.
Zum Glück haben wir ja nun einen Agenten namens Matthew, und an den wendet sich Klaus. Matthew meint, wir machen das dann vor Ort, zusammen mit den Offiziellen. Gut. 👍
Mir ist schlecht 🤢! Ich war wohl zu lange unten am Herd gestanden. Essen mag ich auf gar keinen Fall, auch nicht nur ein Bisschen!
Wir segeln mit Screecher und sind flott unterwegs, so 7 bis 8 Knoten. Käpt’n Klaus entscheidet einen Umweg zu segeln, um nicht schon in der Nacht Kupang zu erreichen.
Dann sind wir und ein Frachter auf Kollisionskurs. Der Zusammenstoß droht in weniger als 30 Minuten. 😱 Klaus greift zum Funkgerät und bespricht sich mit dem anderen Kapitän. Nur Sekunden später ändert der Große seinen Kurs um 15 Grad und weicht uns kleinem Quieker großflächig aus. 😁

Erste Leichen sammeln sich auf unserem Boot.

Die Nacht bricht herein und wir nähern uns unserem Ziel. Jetzt gibt es 2 Möglichkeiten Kupang auf der Insel Timor zu erreichen. Der kürzere Weg führt durch eine enge Inselpassage zwischen den Inseln Timor und Senau hindurch, gespickt mit Perlenfarmen, Fischereiplattformen und weiteren Hindernissen. Bei Dunkelheit kommt das für uns keinesfalls in Frage, obwohl die andere Seawind das gerade erfolgreich gemacht hat. Auf dem Plotter können wir über AIS sehen, wie der Österreicher fährt. Er ist aber auch eine ganze Ecke schneller unterwegs und konnte noch im Dämmerlicht Kupang erreichen. Wir werden außen herum fahren und somit noch zusätzliche Zeit schinden. Wir brauchen Tageslicht, Schluß aus!

Aber auch diese Route ist nicht ohne Gefahren. Auch dort gibt es Perlenfarmen. Kürzlich berichtete ein Segler auf noforeignland, dass er dort ein schwimmendes Etwas sichtete und einen Vermerk in die Karte gemacht hat. Also auch dort, Uffbasse!!!
Wir wechseln zur Nacht von Screecher auf Jib. So ist es etwas ruhiger und vor allem sicherer.
Mit Argusaugen durch die Nacht
Unsere beiden Blicke kleben am Radar. Nichts will übersehen werden. Endlich, um 5:30 Uhr wird es hell. Nun können wir mit eigenen Augen sehen, wohin die Reise geht.
Indonesien, der größte Inselstaat der Welt. Auf über 17.000 Inseln, Klaus will die alle besuchen 😉, verteilen sich 1.904.569 Quadratkilometer und über 280 Millionen Menschen. Australien, mit einer Fläche von 7.688.287 Quadratkilometern beherbergt gerade mal um die 28 Millionen Menschen. Was für Dimensionen und was für Unterschiede! Indonesien ist mehrheitlich moslemisch geprägt. Auf der Insel Java, die bevölkerungsreichste Insel der Welt, lebt mehr als die Hälfte der indonesischen Gesamtbevölkerung. Jakarta ist nach wie vor die Hauptstadt des riesigen Inselimperiums. Obwohl sie dem Untergang durch steigenden Meeresspiegel und eigenem Absinken geweiht ist. Die auf dem Reißbrett geplante neue Hauptstadt Nusantara, findet noch immer nicht genügend Anklang in der Bevölkerung. Wohlklingende Inselnamen, wie Sumatra, Sulawesi, Bali, Teile von Borneo und Neuguinea gehören alle mit zu Indonesien.

Der Wahlspruch „Einheit in Vielfalt“ hat große Bedeutung! Denn die Bevölkerung setzt sich aus über 360 gezählten Ethnien und sprachlichen Gruppen zusammen. Es ist fast eine Aufgabe der Unmöglichkeit, da ein einheitliches Staatsgefühl zu entwickeln. Daher ist Nation-Building DIE Aufgabe aller Regierungen. Das Vorgängergebilde nannte sich Niederländisch-Indien. Captain Bligh von der Bounty, rettete sich mit seinen Mannen nach Kupang und wurde von den Niederländern zurück nach England gebracht. Nach dem 2. Weltkrieg wurde Indonesien in die Unabhängigkeit entlassen. Seitdem ist es eine Republik, mit einem demokratisch gewählten Staatsoberhaupt, welches zugleich Präsident und Regierungschef ist.
Eine einheitliche Staatsreligion gibt es nicht, obwohl 87 Prozent der Bevölkerung moslemischen Glaubens sind. Aber, ein jeder Staatsbürger muss sich zu einer von 5 möglichen Religionen bekennen. Die da wären, Islam, Christentum, Buddhismus, Konfuzianismus oder Hinduismus. Eine totale Religionsfreiheit gibt es somit nicht. Aber, viele Menschen entscheiden sich für eine der 5 Religionen und leben unter diesem Deckmäntelchen trotzdem ihre ursprüngliche Glaubensrichtung weiter. Indonesien gilt als aufstrebende Wirtschaftsnation. Sie nehmen Platz 16 der Weltrangliste ein und erwirtschaften ein stabiles, jährliches Wachstum von rund 5 Prozent. Die steigende Inlandsnachfrage ist der eigentliche Motor des wirtschaftlichen Wachstums und den weltweiten Krisen gegenüber recht widerstandsfähig. Darüberhinaus verfügt das Land über bedeutende Bodenschätze. Indonesien ist der Schlüsselakteur für den Abbau von Nickel, Kohle, Kupfer und Gold. Auch dürfen Rohstoffe nicht mehr unverarbeitet das Land verlassen. Somit entwickelt sich nebenbei eine robuste, verarbeitende Industrie. Man könnte sagen, Indonesien gibt Gas und holt auf. Auch eine breite, junge Gesellschaft ist dem Ganzen sehr dienlich. Dazu ist das Land landwirtschaftlich erfolgreich. Es ist der größte Exporteur von Palmöl und bedeutend bei der Ausfuhr von Kautschuk, Kaffee und Gewürzen. Zu guter Letzt, gab es kürzlich das Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union. Ein echter Wirtschaftsbooster für Indonesien! Die EU stellt somit den wichtigsten Handelspartner für Indonesien dar. Auf 98,5 Prozent aller indonesischen Exporte entfällt zukünftig jeglicher Zoll. Europa sichert sich zum Teil bevorzugte Importe wichtigster Rohstoffe aus dem Land. Auch werden deutlich mehr Direktinvestitionen von Europäern in Indonesien erwartet. Ist das ein Beginn goldener Zeiten für beide Seiten? Wir werden sehen.
Jetzt sind wir jedenfalls gleich da, es ist hell und die Sonne lacht.

Was wird uns erwarten? Wir sind sehr gespannt aber auch etwas angespannt. Jetzt muss ich aufpassen und mich aufs Ankermanöver vorbereiten.
Ich melde mich wieder, bis dann… 👋.
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