46 + 96, was? Seemeilen ⛵️.
Wir brechen auf, um die nächsten 46 Seemeilen die Malakka Straße entlang Richtung Pangkor zu segeln. Dort hoffen wir, unser Boot endlich aus dem Wasser zu bekommen. Also Leinen los, tschüss Port Dickson und los geht‘s. Wind ist sanft, wir schalten wieder einen Motor dazu. Es fährt sich übrigens sehr schön mit nur einem Motor und ist darüber hinaus auch noch Sprit sparend. So geht es dahin, bis es Klaus zu langweilig wird und er sooo gerne das Screecher rausholen und montieren möchte. Ich bin not amused, denn das bedeutet zusätzliche Arbeit und Stress. Ich reagiere mal gar nicht. Vielleicht vergisst er es ja…? Pustekuchen! Er summt so vor sich hin, wurschtelt hier und da, bis er mir zusäuselt, ich bräuchte gar nicht viel machen, er hätte schon alles vorbereitet. 🙄 Na dann. Erstmal nach vorne zum Bug, Klappe auf und den riesen Sack mit dem Segel raushiefen. Aha, muss nicht viel machen… Die lange rote Leine, die bis hoch zur Mastspitze geht ausschäkeln, die lange Screecher Wurst einschäkeln, das andere Segelende am Bugspriet befestigen, zuvor noch einen kleinen Furler montieren, …Was ist das alles??? Der Furler dient dazu das Segel aus- und einzudrehen, der Bugspriet ist eine dicke kurze Stange, die ganz vorne am Bug raus geklappt werden kann, um dem Zusatzsegel genügend Spielraum zum Entfalten zu geben. Alle Segler Augen zu, hier spricht ein Laie. Dann Windrichtung prüfen und das Screecher zur richtigen Seite setzen. Wow, nicht schlecht! Das Screecher ist viel größer als unser Vorsegel und kann aus wenig Wind viel machen. Macht es auch, wir schalten den Motor ab und segeln nun flott dahin. Klaus ist happy.

😁 Aber wehe, wenn der Wind zunimmt und zu stark wird … Und genau das macht der Wind dann auch. Jetzt muss das Segel zügig wieder eingerollt werden, damit die Situation nicht gefährlich wird. Aber so einfach ist das dann immer nicht. Wir haben schwer zu tun alles wieder einzurollen und sind geschafft! Das zeigt mal wieder, wie flott eine Situation an Bord kippen und sehr schnell gefährlich werden kann! Nun haben wir die riesen Screecher Wurst vorne rum baumeln, hm ….Müssen wir dann ja auch wieder abbauen, demnächst. 😅 Wir peilen für die Nacht eine kleine verlassene Marina, in einem Fluss gelegen, an und wollen in front of ankern. Gesagt getan, aber mir ist‘s zu nahe an den Betonpfeilern der Marina dran. Das Boot bewegt sich ja um den Anker herum, je nach Wind und Welle und könnte diesen Pfeilern dann zu nahe kommen, finde ich. Also Anker wieder hoch, bisschen vorfahren und Anker wieder fallen lassen. Am Ende sind wir dann abermals recht nahe dran, an den Pfeilern 🙄. So what! Nun gibt‘s noch Bratkartoffeln mit Spiegelei, ein längeres Familientelefonat via What‘s App und dann geht es ab in die Falle. Morgen wird durchgesegelt…





GutenMorgen, Liebling 😂, wie war die Nacht? Gut! Wir sind nicht an die Pfeiler gekracht aber ordentlich rum geschwojet (um den Anker getanzt). Wir können es erstmal gemütlich anlassen, denn heute geht‘s durch die Nacht. Es müssen 96 Seemeilen bewältigt werden, es gibt keine Ankermöglichkeit dazwischen und wir dürfen nicht vor 9:00 h in Pangkor ankommen. Alles muss peinlichst genau berechnet werden, inklusive Wind, Wetter und Tide. Gegen Mittag legen wir ab. Erstmal geht es wieder zurück vom Fluss in die Malakka Straße. Das Gewässer hier hat keine gleichmäßigen Tiefen. Schnelle Wechsel von 30 Metern und mehr, zu 4, 3 oder weniger Metern sind nicht selten. Dazu kommen Unstimmigkeiten zwischen unseren Kartenangaben und dem was unser Tiefenmesser ermittelt. Plötzlich haben wir so eine blöde Situation, wo auf dem Plotter 20 Meter angegeben sind, wir aber tatsächlich nur noch 2 Meter unter unseren Minikiels haben. Vollbremsung, beide Maschinen volle Kraft zurück und dann langsam seitlich voran tasten und auf zunehmende Tiefe hoffen! Ist ganz schön schweißtreibend! Das ist aber heute nicht unser einziges Problem. Es sind sooo viele Fischerboote unterwegs, dass wir höllisch aufpassen müssen, uns nicht gegenseitig in die Quere zu kommen. Schwierig!







Kurz bevor es ganz dunkel ist, sehen wir noch eine Armada von Stecken aus dem Wasser ragen. Was das ist, wissen wir nicht, nur reinfahren sollten wir vermeiden! Ich wollte ja eigentlich schon die ganze Zeit näher bei den großen Schiffen fahren, also seitlich dem Verkehrstrennungsgebietes. Nun ändern wir den Kurs, aber nur etwas. 🤨 Was, wenn wir solche Stecken in der Nacht nicht erkennen? Aber schon bald haben wir keine Zeit, auch nur über Stecken nachzudenken. Mit der Dunkelheit kommen die Fischer und es sind viele, sehr viele. Viel mehr noch als tagsüber! Manche sind rot oder grün beleuchtet, manche nur weiß und nicht so gut zu erkennen. Eigentlich wollten wir uns abwechseln, so dass immer einer von uns etwas schlafen kann, aber das geht nicht. Zu viel Traffic! Die Fischer durchpflügen das Meer und fahren dabei wilde Schlangenlinien oder kreuzen schnell von rechts nach links und wieder zurück und das in Verbänden von 2 bis 3 Booten. Plötzlich kommen sie von beiden Seiten und wir wissen echt nicht mehr wie wir noch ausweichen sollen. Wohlgemerkt fahren wir unter Segel und können nicht so wendig reagieren wie die Fischerboote. Von Vorfahrtsregeln will ich gar nicht sprechen, die gibt es hier nicht. Uns ja eigentlich auch nicht. Wir sind die Exoten hier! Sie kommen uns so nahe, dass wir sie reden hören können. 😯 Aber wir stoßen nicht zusammen! Dafür nimmt der Wind an Stärke deutlich zu und in der Ferne leuchten mystisch die großen Frachter. Drei blenden mit giftgrüner Beleuchtung und verschwinden langsam am Horizont. Wir werden müde. Es gibt immer wieder Zeitfenster, wo auch unser Radar – man sind wir froh dieses Teil zu haben, denn nicht alle Boote haben AIS – keine Schiffe meldet. Schnell springt einer von uns auf‘s “Sofa“ im Salon, doch nein, da ist sie schon wieder, die unübersichtliche Situation. Vier Augen sehen mehr. Auch wenn sie rot und müde sind. Und ich sagte bereits, der Wind nimmt zu, deutlich. Meistens passieren Dinge gleichzeitig, so auch jetzt. Dann kommt schnell eine gewisse Hektik auf, nein keine Panik, nur so etwas ähnliches davor. Jib rein, zackizacki. Und Yuti in den Wind gedreht, um das Groß zu reffen. Nein, wir holen es ganz runter. Dabei müssen wir bloß gleichzeitig alle drei Reffleinen dicht holen und das Großsegel kontrolliert runter lassen. Das mit den Reffleinen ist schwierig und anstrengend und das letzt Stück vom Segel fällt auch nicht von alleine, und ich muss hoch um es mit der Hand runterzuziehen. Nicht ungefährlich! Puh, geschafft. Jetzt fahren wir das letzte Stück unter Motor, immer die Uhrzeit im Blick, denn die Einfahrt zur Marina ist sehr flach und nur bei Flut sicher zu passieren. Die hat ihren Höhepunkt aber erst nach 9:00, so gegen 11/12:00 Uhr. Wir gehen auf Nummer Sicher und tuckern so dahin, immer die Wassertiefe im Blick und die Pilotboote, die sehr schnell unterwegs sind, um die Frachter von draußen abzuholen und zum Anleger zu begleiten.



Wir kündigen uns jetzt bei der Marina an: “ Maina Pangkor, Marina Pangkor, here is Yuti, here is Yuti. Can you read me? We need some help for birth.” (Anm. vom Skipper: “assistance for berth”, aber ein bisschen Geburtshilfe kann ja auch nicht schaden 😄). Entweder es kommt dann keine Antwort oder eine, die man nicht versteht. 😵💫 Heute geht‘s aber, wir bekommen eine Antwort und reimen uns was zurecht. Wo sollen wir anlegen? Ah, da. Wo sollen die Fender hin? Alle links oder rechts oder gar hinten??? Okay, heute alle auf die linke Seite, da ist dann der Steg und Klaus parkt rückwärts ein. Dann wären hinten zwei auch nicht schlecht. Ich springe vor und zurück, knoddel hier und dort die Fender fest, doch ich soll auch sofort die Leine am Heck hinten links dem Marino zuwerfen… 🫤. Okay, wird gemacht, dann noch die Leine vorne und wir sind sicher vertäut. 🥳 Wir sind angekommen! Müde, verschwitzt und stinkend. Tschuldigung, was anderes wäre gelogen. Da heute Sonntag ist, müssen alle Formalitäten morgen erledigt werden. Darüber sind wir nicht traurig. Jetzt erstmal ne ordentliche Dusche. Der Marino zeigt mir, wo die Waschräume und auch eine Waschmaschine sein sollen. Klaus will an Bord duschen, ich schlurfe da hin, wo man es mir zeigte. Hm, aha… Was ich finde ist ne Baracke mit Außenwaschbecken und 3 Klos mit eingebautem Duschkopf. Das Wasser kommt aus ner oben befestigten Tonne. Egal, ich dusche. Fast unter freiem Himmel, mit Vogelgezwitscher und Geräuschen einer hochdrehenden Schleifmaschine vom gegenüber liegenden Trockendock. Hatte ich so auch noch nicht. Die Waschmaschine ist jedoch ein no go! Total oll und ekelig. Da werde ich wohl wieder heimlich in der Marina waschen … 🤓. Erfrischt und sauber schlurfe ich zurück zum Boot, wo mich Klaus schon freudig erwartet und jetzt sofort das Boot mit mir schrubben will. Das Salz muss ab und überhaupt ist Yuti sooo dreckig. Poah, eigentlich bin ich tot müde. Aber stimmt, Yuti ist dreckig und vom Salzwasser ganz schmierig. Also Wasserschlauch anschließen, Schrubber und Schwämmchen raus und los geht‘s. Ne, nur mit Wasser geht‘s eben nicht. Da muss was Härteres ran. Wir holen unsere verschiedensten Reiniger und hoffen, dass wir keinen Ärger bekommen. Bekommen wir nicht. Am Ende sieht Yuti so sauber aus wie noch nie zuvor, wir dagegen nicht mehr, und morgen wird gemessen, ob wir sie per Trecker und Gabel rausbekommen oder nicht?!? Wir sind gespannt!!! Nun noch etwas zu Essen, das wäre nicht schlecht. Wir erkunden das Marinagelände und stellen fest, dass das hier ein Knotenpunkt für Wassertaxis rüber zur Insel Pangkor ist. Am Wochenende ist hier ordentlich was los. Viele Malaysier kommen mit Sack und Pack zurück von ihrem Kurzurlaub von der Insel. Am Anleger sind Futterbuden und Strand- und Badespielsachen . Wir finden etwas zu Essen und können es gerade noch vor den großen schwarzen Krähen retten, die sich sofort, in einem unbeobachteten Moment, auf unser Essen stürzen wollen. Der Essensverkäufer verjagt sie aber umgehend. Er kennt die Vögel nur zu gut.






Das war‘s für heute. Reicht ja wohl auch! Noch schnell Zähneputzen und ab in die Koje.
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