Das Kimberley ruft, wir kommen…🚍

Und weiter geht’s, ohne auch nur einmal Piep zu sagen. Wir nehmen heute unseren Toyota Hilux in Empfang, mit dem wir schon morgen ins nächste große Outback Abenteuer starten werden. Wir sind mit der Autovermietung verabredet, wo uns eine 40-minütige Fahrzeugeinweisung erwartet.
Von wegen, läppische 10 Minuten nimmt sich der Chef Zeit für uns. Er geht hurtig über alle Punkte hinweg und vertut sich dann auch noch mit dem Vehikel. Das fällt ihm im letzten Moment jedoch noch auf. Zuvor mussten wir einen seitenlangen, eng bedruckten Mietvertrag unterzeichnen und viele Punkte einzeln signieren, die wir n i c h t mit dem Auto machen dürfen. So zum Beispiel durchs Wasser fahren. What 😳? Was soll denn das? Wir fahren ins Kimberley und dort in den Purnululu Nationalpark. Das ist allseits bekannt, und dass es dort Wasserlöcher gibt, auch. Deshalb haben wir uns ja genau so einen Hilux mit Schnorchel gemietet.🤨 Seltsam! Wir zeichnen gezwungenermaßen auch diesen Punkt ab und nehmen zur Kenntnis, dass wir für alle etwaigen Schäden verantwortlich sind. Versichern können wir uns nicht. Hm…, das hat schon einen etwas faden Beigeschmack. Nun gut, wir akzeptieren alles, ziehen mit dem Ungetüm vom Hof und fahren zum nahegelegenen Woolworths. Dort zeigt sich schon die erste Schwierigkeit. Wo ist ein geeigneter Parkplatz? Es ist sehr voll und wir kreisen und kreisen, bis wir uns in eine Parklücke hineintrauen.

Jepp, da oben sind die Dachzelte.

Wir kaufen für stolze 700,- Dollar ein. 🤭 Viel Obst und Gemüse ist dabei, aber auch Fleisch zum Grillen und viel Wasser. Wir müssen uns im Outback selbst versorgen. Denn außer Plumpsklos gibt es im Purlululu Park nüscht!
An Bord werden unsere Reisetaschen umgepackt und nochmal ganz intensiv in unseren Köpfen gekramt, ob wir für unsere Wüstentour auch an alles gedacht haben. Festzurrgurte? ✅ Taschenlampe?✅ Kabelbinder?✅ Starlink Antenne?✅ Powerbanks?✅ Ladekabel?✅ Mückenspray?✅ Und so weiter…
Am Abend chillen wir noch im Salon, als Klaus plötzlich eine sehr verwirrende Info entdeckt. Ins Western Territory darf keinerlei frisches Obst und Gemüse eingeführt werden. Milchprodukte sind fraglich, Honig verboten. Waaaaas???? 😳 Beim Grenzübertritt werden wir genauestens diesbezüglich kontrolliert. Verbotenes wird noch vor Ort entsorgt. Baum! 🫣 Augenblicklich fällt meine Laune bis auf den Gefrierpunkt. Und was machen wir jetzt? Wir holen mehr als die Hälfte unsere Vorräte wieder aus dem Auto heraus und verstauen alles in Yuti’s Kühlschrank und Kühlbox. Wenn sich die Sachen gut halten, nutzen wir sie für die anschließende Überfahrt nach Indonesien. Das ist eine Lösung, doch ich bin trotzdem bedient! 😓 Im Ort Kununurra, gleich hinter der Territorialgrenze müssen wir alles neukaufen.
Zu blöd! Hab‘ schon gar keine Lust mehr. Gute Nacht! 😡

Abfahrt um 7:00 Uhr

Na, es wird ein paar Minuten später. Wir klatschen uns ab und los geht die Reise. 830 Kilometer der Strecke von insgesamt 1.200 Kilometern wollen wir heute schaffen. 😳 Nun, die müssen wir auch schaffen, denn am Lake Argyle haben wir einen Campground bestellt und bereits bezahlt. Allerhopp! Schneller als 110km/h dürfen wir nicht fahren. Auch wieder so ein Punkt, der unterschrieben werden musste. 🙄 Aber ehrlich? Das ist schon ganz richtig so, denn sonst kämen wir trotz riesigem Dieseltank nicht weit. 12 Liter die Stunde ist der Verbrauch unseres Vorgängers.
Kurz hinter Darwin begegnen uns sehr viele, sehr große und sehr hohe Termitenbauten. Wie massive Hochhäuser kommen sie daher. Imposant!

Wie schaffen das diese klitzekleinen Tierchen bloß???

Kleinere Bauten sind natürlich auch mit dabei. Manchmal ist eine Wiese total übersäht von kleinen, mittleren und großen Bauten.
Wieder fahren wir Kilometer für Kilometer gerade aus.
Kununurra, die Ortschaft hinter der Grenze ist noch 317 Kilometer entfernt.
Immer wieder sehen wir fette, schwarze Bremsspuren. Da wurde viel Gummi gelassen. Warum? Nun ja, ich würde sagen, Wildtierkontakt.
Bei diesem eingezäunten Bereich sollte nichts passieren!

Tanken wäre gut und etwas essen noch besser!

Am Victoria River…

ist eine Tanke in Kombination mit einem Campground.

Da machen wir jetzt Rast. Doch wo gibt’s Diesel? Wir sehen nur die Petrol Zapfsäule. Suchend, mit bestimmt dummen Gesichtern schauen wir uns um. Dann winken und rufen uns Mittagsgäste am Tankstellenrestaurant zu. Häää? Was? Ach sooo, gegenüber am Zaun ist die Dieseltanke. Das muss einem aber auch gesagt werden!

Die ist aber versteckt!

Wir tanken, gehen aufs Klo, fassen Mittagessen und fahren weiter. Die ersten 400 bis 500 Kilometer sind landschaftlich langweilig. Leichte Zweifel kommen auf, ob sich diese Mammuttour wirklich lohnen wird. 🤔 Doch dann ziehen immer mehr Boabs meine Blicke auf sich.

Irgendwie habe ich mein Herz an sie verloren. ❤️‍🔥 Ich kann gar nicht aufhören zu fotografieren.
Einfach toll sind diese Wasser speichernden Wüstenbäume❣️ Und alle stehen in freier Wildbahn.

Immer wieder passieren wir abgebrannte Flächen. Kontrolliertes Brennen oder kulturelles Brennen nennt man das. Ein Vorgehen, das die Aboriginal People schon lange vor Ankunft des weißen Mannes betrieben. Mosaikartig werden kleinere Bereiche in der frühen Trockenperiode in Brand gesetzt. So entstehen mehrere sogenannte kühle Feuer, die nur Gras, Laub und Geäst verbrennen. Die Bäume bleiben oft unversehrt, auch wenn ihre Stämme verkohlt aussehen. Das Baum- und Buschland Australiens hat sich über Jahrtausende an Feuer gewöhnt. So brauchen einige Bäume die Hitze des Feuers um ihre Samen freizusetzen. Andere treiben aus unter der Rinde geschützten Knospen neu aus, und frisches Gras sprießt aus dem Boden. Es entsteht eine Fläche von frisch abgebrannten Bereichen, letztes Jahr abgebrannten Flächen und gar nicht abgebrannten Gebieten. So locken die frisch grünenden Bereiche Tiere an, in den unverbrannten Flächen finden sie Unterschlupf. Brechen ungeplante Feuer aus, werden sie durch die abgebrannten Bereiche ausgebremst. So versucht man große, heiße Buschfeuer zu verhindern. Das wurde von den Aborigines gut durchdacht und gepflegt. Nach und nach erkannten dies auch die weißen Männer. Und so ist besonders im Western Territory das gezielte Brennen eine heute wieder regelmäßig angewandte Praxis.
Die Landschaft wird interessanter. Bergketten tauchen auf,…

Auch sehen wir immer öfter Rinder am Wegesrand. Obacht!

und wir erreichen die Grenze.

Ein netter Grenzer empfängt uns, stellt ein paar Fragen und schaut in unsere Provianttaschen und in die im Wagen eingebaute Kühlung. Er findet nichts Verbotenes, welch Überraschung 😕 und lässt uns mit guten Wünschen weiterziehen.
Hupsala, wir bekommen 1 1/2 Stunden geschenkt. Im Western Territory tickten die Uhren echt anders. 🕒 🕚 🕠 🕣.
Ich fahre dann auch mal. Aber Klaus findet, ich fahre zu weit am Straßenrand. Jepp, und ich finde, er fährt zu weit in der Straßenmitte. Ich sag bloß nicht dauernd was.

Nicht nur die Landschaft wird interessanter, auch die Straße wird besser.

Um 16:05 Uhr neuer Zeit, erreichen wir den Argyle Campground.

Da blitzt der größte Süßwassersee Australiens schon hervor. Wer sieht’s?

Noch ein paar Kurven, dann sind wir da, lassen uns in der Rezeption den Platz zuweisen und staunen über diesen wirklich schönen Campground❣️
Platz 171 ist der unsrige, und sogleich beginnt Klaus unser Schlafzelt aufzubauen. Alles ist schon etwas oll und ramponiert. Er bekommt es aber hin, mit Hilfe der kleinen Trittleiter an Bord.

Das vordere Zelt lassen wir unberührt.

Für mich ist das nichts, ich bin echt zu klein, um das zu wuppen. 🫣

Ich kann es nur “einrichten”, als die richtige Leiter ausgeklappt ist. Steil ist die! Uiuiui…

Der Reißverschluss, der die Abdeckplane befestigt, ist an einem guten Stück von der Plane abgerissen. Und die Auflage, die eigentlich auf dem Zeltboden liegen sollte, schlappt gerade so runter und hängt seitlich am Auto. Beides bekommen wir keinesfalls repariert. Wir haben es aber auch nicht kaputt gemacht. Ausrufezeichen❗️So, bevor wir jetzt den dollen See in Augenschein nehmen, möchte Klaus die elektrische Luftpumpe ausprobieren. Wenn wir morgen im Purnululu Nationalpark für die letzten 53 Kilometer Off-road die Luft in den Reifen deutlich reduzieren, will er sicher sein, dass das spätere Aufpumpen auch klappt!

Strom kommt aus der Batterie.

Alkes funktioniert so wie es sein sollte. Prima!👌 Dann gehe ich jetzt erstmal einen Boab umarmen. Hier steht nämlich ein super Exemplar. 🤗

Und jetzt der See…

Wow❣️ Ich bin geplättet. Sooo schön sind der Argyle Süßwassersee und seine hügelige Umgebung.

Und der Pool macht diesen Zeltplatz perfekt.

Infinity Pool 🤩.

Dass dieser schöne Platz teurer ist, 85,- Dollar die Nacht, ist nun klar. Passt.👍 Im Restaurant gibt’s Fischburger für Klaus und nen Octopussalat für mich. Es schmeckt alles prima! 👌 Und nun? Nun krabbeln wir in unser Zelt auf dem Autodach und versuchen zu schlafen. Es ist zwar noch früh, aber wir sind schon arg müde. Also hoch ins Körbchen.

Meine Fresse, wir sehen ja schon vor dem Schlafen fix und fertig aus. 🫣 Und keiner stelle sich das jetzt bitte da oben in irgendeiner Weise bequem vor! Aber, wir haben es so gewollt. Selbst in Schuld, würde mein Bruder als Kind zu mir sagen. Und tatsächlich schlafen wir ziemlich schnell ein. Ungefähr bis Mitternacht. Wird einer wach, wird’s der andere auch. Die Luft hier drinnen ist gut, die vordere und die hintere Öffnung sind offen, so können üble Gerüche schnell abziehen. 😝 Nur mein Schnarchen bleibt und unsere Rücken knacken. Trotzdem schläft ein jeder nochmals ein, bis kurz vor 6:00 Uhr.

Am nächsten Morgen

Jetzt aber schnell raus und noch schneller aufs Klo, die Blase drückt. Poah, der Körper bringt’s fast nicht. Alles ist steif und unbeweglich. Die Leiter ist so steil, da muss ich mich gut konzentrieren. Ächz, stöhn, kletter… 😮‍💨. Die Waschboxen sind prima, da gibt’s nichts zu meckern. Dann baut Klaus alles wieder reisefertig zurück, und wir starten den 2. Teil unserer Tour zum Purnululu Park. 370 Kilometer sind es nur noch, doch für die letzten zusätzlichen 53 Kilometer Off-road im Park, soll man mindestens 4 Stunden brauchen. Uiuiui.
Während der Pool noch abgedeckt ist,…

und eine junge Dame sich an Morgen-Yoga versucht,…

starten wir durch.

Zuerst fahren wir noch ein Stückchen hoch zum Aussichtspunkt über diesen wunderschönen See.

Schau an, die haben hier eine Staustufe eingebaut, zur Stromerzeugung.
Herrlich, friedvoll, wohltuend…
Peace ✌️
On tour …
Kununurra, der letzte größere Ort auf unserer Strecke.

Hier tanken wir auf und kaufen ein paar frische Sachen nach.

Boab

Hier wird der für die ganze Region lebenswichtige Ord River, durch den Diversion Damm, zum Lake Kununurra aufgestaut. Und bis eben habe ich nicht gewusst, dass dieser Fluß vom Ord River Damm zum Lake Argyle aufgestaut wird. Also ist der Ord River verantwortlich für die Süßwasserversorgung des Ostens Kimberleys. By the way, das gesamte Kimberley misst 420.000 Quadratkilometer und ist damit größer als Deutschland.

Mehr und mehr Rinder weiden am Wegesrand. Obacht!!

Termitenhügelchen und ein Kreuz. Zum Gedenken an einen Verkehrstoten?
Ab und an begegnen uns Road Trains. Diese Bezeichnung passt! Zieht die Zugmaschine doch bis zu 4 Anhänger hinter sich her.
Eine der wenigen Straßenbaustellen.
Der Straßenbelag ist hier ziemlich gut!
Rastplätze sind regelmäßig angelegt.
Und meine Lieblingsbäume stehen überall herum. 🤗
Ein Spiel beginnt, wer sieht den Dicksten?
Diese Brummis sind schon auch beeindruckend! Brrrumm 💨
Der Ord River?
Dicke Termitenbauten zieren die Landschaft.
Nicht höher, aber dicker als noch in Darwin.
Manchmal sind’s aber auch Steinhaufen und keine Termiten.
Ein Felsenball, einfach glatt auseinandergebrochen.

Dann passieren wir eine Aboriginal Siedlung, in die wir besser nicht reinfahren sollten.

Und dannnnnn… sind wir da. Wir stehen am Eingang zum Purnululu Nationalpark. Jetzt wird’s heiß! Jetzt wird’s spannend. Die aufregenden letzten 53 Kilometer stehen uns nun bevor. 😬 Jetzt wird es sich zeigen, was unser Auto kann. Wir bereiten es natürlich noch vor und lassen die Luft aus allen 4 Reifen heraus. Das heißt, wir reduzieren die vorhandenen 45 bar auf schlappe 25 bar. So steht es auf unserer Tabelle, oben auf der Windschutzscheibe.

Dann gehen wir beide noch schnell aufs Klo. Ein Plumpsklo nordet uns schon mal auf den Standard der nächsten Tage ein.

Sogar Toilettenpapier ist zugegen. Aber irgendwas stimmt da nicht. Das benutzte Papier gehört ins Plumpsklo und der Eimer sollte Wasser für die Bürste haben, die ja auch da ist. Tsssss….. Wer hat’s nicht gewusst? Es machen sich neben uns noch ein paar andere Leute fertig für den Ritt durchs Gelände. Zwei junge Männer wollen mit ihrem stinknormalen Campbus da durch. Ob die und ihr Auto das wohl überleben? Wir werden sehen. Wir sind fertig und fahren als erste….
Aber davon, was uns jetzt erwartet, berichte ich das nächste Mal. Tschau, tschau 👋✋👋 🫣

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