Die letzten Meilen ⛵️

Die Sonne ist aufgegangen. Doch durch die graue Soße kommt sie nur schemenhaft hindurch.

Es ist gaaanz still und ruhig.

Wir beschließen noch eine weitere Nacht hier zu bleiben. Weiter Richtung Singapur toben Gewitter. Das muss ja nun nicht sein. Bis zum 1. Oktober und unserer gebuchten Marina sind es noch 4 Tage und damit mehr Zeit als genug.
Klaus hat eben mal festgestellt, dass September und Oktober die regenreichsten Monate des Jahres sind. Volltreffer! 🙄 Und als hätte das Wetter das gehört, zieht das erste kräftige Gewitter über uns hinweg.

Es prasselt der Regen, es heult der Wind, es grollt der Donner. Das Internet ist weg.

Uhhh, so etwas haben wir schon lange nicht mehr erlebt. Ergiebiger Dauerregen bleibt uns erhalten. Wir bleiben den ganzen Tag im Salon kleben und schwitzen still und leise vor uns hin. Wobei, durch den Regen sind die Temperaturen etwas heruntergegangen, aber die Luftfeuchtigkeit ist maximal. 😓

Nun geht‘s weiter

Der Regen ist durch, und wir motoren erstmal ganz ohne Segel los. Der Wind ist fast bei null, aber unser heutiges Ziel ist nicht weit. Allergut. Neue Gewitterzellen machen sich zu uns auf, oder wir fahren ihnen entgegen. ⛈️
Um 10:05 Uhr pladdert es los. Irgendetwas, wie zum Beispiel Duschhandtücher trocken zu bekommen, ist absolut unmöglich. Ich habe völlig vergessen, bei all dem zurückliegenden schönen Wetter, wie das ist. Was nass ist, bleibt nass, alles andere wird klamm und feucht. Schön ist das definitiv nicht! 😔
Um 14:30 Uhr sind wir da und haben geankert.

Pulau Pangkil

Wir liegen in der großen Bucht von Pulau Pangkil. Gut und sicher liegen wir dort, haben genug Strom, da die ganze Strecke motort wurde und beobachten das Treiben der Fischer. Die Mosaic mit ihrer neuseeländischen Familie ist uns gefolgt und liegt nun auch hier. Dann erfährt Klaus, dass wir auch schon morgen in die Nongsa Point Marina auf Batam kommen könnten. Das ist ja prima❣️Von hier sind‘s noch 30 Seemeilen, das ist gut zu schaffen.
Puhhh, hier haben wir aber gerade echt einen fetten Fliegenalarm!!! 🪰🪰🪰🪰🪰Große, kleine und kleinste Quälgeister umschwirren uns. Bähhhhh! Da müssen wir schon jetzt alle Schotten dicht machen, um nicht komplett eingenommen zu werden. Zu spät wächst die Erkenntnis, dass wir durch den kleinen Fensterschlitz hinter dem beleuchteten Plotter, das Starlinkkabel führt da durch, „Millionen“ von Fliegern den Weg in den Salon geebnet haben. 🫣 Alle Lichter aus, sofort! Klaus mutiert zum gnadenlosen Fliegenjäger. Aber es sind ja gar keine Fliegen! Es sind fliegende Ameisen! Na dann viel Spaß beim Jagen. Gute Nacht.

Fliegen übernehmen die Macht

Uh, ah, oh, bäh, Kläusi entsteigt fix und fertig seiner Koje. Er meint, mindesten 50 ameisige Flieger während der Nacht erlegt zu haben. Der Steuerstand draußen ist hingegen noch total übersät. Mensch, wie legen wir denn da bloß ab? Wir tun‘s, augenblicklich! Bloß weg hier! Kein einziges Fenster wird dabei geöffnet, wir verständigen uns per Zeichensprache. Später hole ich den Staubsauger aus Klaus’ verrammeltem Schlafgemach. Puhhh, bin ich da in einen Ziegenstall geraten? Die Luft hier drinnen könnt‘ ich ja mit nem Käsemesser schneiden. 🙊 Schnell wieder raus hier! Ich vernichte mindestens noch einmal 50 dieser fliegenden Ameisen. Auch sind ganz große Öschis dabei. Sind das Königinnen? Ich schwitze unterdessen wie ein Wasserfall. Fürchterlich!!!!! 🥵 Der Schwitzesaft läuft über die Augenbrauen, direkt in die Augen. Uhhhh, das brennt! Er fließt den Rücken hinunter, aber nein, nicht bis in die Poporitze! Die Unterhose fängt den Strom ab, noch. 😆 Aber, es regnet nicht, jedenfalls nicht draußen! Das ist doch schon mal was! Wir segeln mit Screecher, ein Motor muss helfen. Alles gut, die fliegenden Ameisen haben wir abgehängt! 🥳

Aber große Pötte, Industrie, Feuer, Rauch und Qualm bleiben uns treu. 🙊
Kleine Holzboote mit Vater und Söhnen begegnen uns ebenso, wie…
große Gastransporter.
Das Wasser wird immer schmutziger. Plastikmüll, Dosen, Rettungswesten, Pflanzenabfälle, und was weiß ich nicht noch alles, schwimmt an uns vorbei. 🙈🙉🙊
Hier verbindet ein Kabelverleger Indonesien mit Singapur. Eine kleine rußende Plattform hängt da irgendwie noch mit dran. Was die da macht? Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall verqualmt sie die Luft. 🙊
Da ist schon das Marina Resort zu sehen, der Yachthafen und die Einfahrtbojen. Links rot, rechts Grün. Käpt‘n Klaus meldet uns per Funk an.

Um 13:33 Uhr sind wir da und bereits sicher in unserer Box vertäut.

Mr. Acok hat uns mit seinem Team excellent beim Anlegen geholfen und uns bereits alle möglichen Dienste offeriert, grins. Nun sitzen wir im Salon und sind pitsche patsche nass. Ehrlich? Ich bin mir überhaupt nicht bewusst, dass wir jetzt einmal rum sind, um diese abenteuerliche Welt. Tja, eigentlich fehlen uns ja tatsächlich auch noch wenige Meilen, je nachdem ob wir unseren Track klein- oder großziehen. 😉

Jetzt können wir es uns aussuchen. Sind wir nun rum oder noch nicht? Ich finde, wir sind rum. Bloß unser Kielwasser haben wir noch nicht gekreuzt. Aber das machen wir ja noch, wenn wir nach Malaysia segeln. Dann feiern wir halt zweimal. 😃
33.102 Seemeilen stehen auf dem Plotter, was ungefähr gut 61.000 Kilometern entspricht. Die haben wir uns von Tag 1 in Vietnam, bis hierher in 4 1/2 Jahren ersegelt. ⛵️
Nun setzen wir mal wieder einen Fuß oder auch zwei auf indonesischen Boden und laufen zum Marinabüro, um uns anzumelden.

Der Marinachef, ein Mann aus Singapur, ist super nett. Er kassiert erstmal unser Greenbook ein, wir bezahlen die ersten 2 Wochen unseres Liegeplatzes und auch schon die Ausklarierungsgebühren, dann führt er uns durch die Marina. Ach, halt, unsere Gesichter werden noch eingescannt, damit wir per Gesichtserkennung zurück zum Boot und auch wieder an Land kommen. Das ist ja mal richtig praktisch! Trotzdem hat die gesamte Anlage, inklusive Resorts, ihre besten Tage längst hinter sich. Egal! Nach der Führung lassen wir es uns erstmal im rund um die Uhr geöffneten Hotelrestaurant schmecken. Und es schmeckt gut❣️

Die fette Portion oben rechts habe ich mir bestellt. 😄

Irgendwie ist alles gerade etwas surreal, und wir sind ganz schön platt. 🫠
Mit vollem Bauch und verschwitzten Klamotten geht‘s zurück zu Yuti. Die Gesichtserkennung funktioniert. 👍 Wir fackeln nicht mehr lange und fallen in unsere schwitzig-feuchten Kojen….

Nacht Käpt‘n Trief, gute Nacht Mamsell Schwitz. Wir haben‘s geschafffffft… 😴😴

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