Und ich laufe davon. Nein, nicht mit den Beinen sondern vom Schwitzen her… Die hohe Luftfeuchtigkeit und Schwüle hat uns wieder. Besonders wenn kaum ein Lüftchen geht. Da brauchst du dich nach dem Duschen gar nicht erst eincremen, denn die Creme bleibt über dem Körperschweiß gerade so stehen. Du sitzt, stehst und liegst ständig im eigenen Saft. Ekelhaft! Dazu kommt dann noch der allgegenwärtige Rauch zahlloser selbstentfachter Feuer. In goßen, hauchdünnen, schwarzen Fetzen legt sich die Asche aufs und ins Boot. Zusammen mit etwas Salzschmiere ergibt das eine „wunderbare“ Dreckschicht. Bäh! 😖 Längst sind wir schon wieder weitergezogen zum nächsten Stop over.

Auch hier gibt es noch tolle Granitfelsen aus dem vormals zusammenhängenden Riesenblock. Und einige Krakenfischerboote, so wie Klaus sie nennt.


Hier liegen wir jetzt sehr ruhig, weit drinnen in einer tiefen, flachen Bucht. Aber eingequalmt werden wir auch hier, obwohl keine erkennbaren Siedlungen zu sehen sind. Zusätzlich nerven kleine und kleinste Fliegen. Ein weiterer „Krakenfischer“ kommt rein. Ein Vater mit seinen beiden noch jugendlichen Söhnen und weiteren 2 Männern. Ich winke 👋, sie auch. 👋👋 Der Vater fotografiert 📸, ich auch 📸.


Wir lachen alle und freuen uns gegenseitig uns zu sehen. Alle führen wir sowas von unterschiedliche Leben, das es kaum zu beschreiben ist. Doch ein Lächeln ist universal. 😁
Ich denke über die ausladende Schiffskonstruktion nach und streite mich mit Chat darüber. Der beantwortet mir doch einfach nicht wirklich meine Frage dazu, sondern sülzt und schwafelt blöd drumherum. Hat das Boot ein großes Netz oder mehrere? Wie werden die oder das während der Fahrt gesichert? Ich gebe auf und mache mir selbst einen Reim darauf. Es müssen mehrere Netze sein. Punkt.
Klaus hat sich in sein Bett verzogen. Er hat Durchfall, starke Bauchschmerzen und fühlt sich krank. Oh je. Mit einer Ibu versucht er darüber hinwegzukommen. Armer Schlumpf. 🥺

Nächster Morgen 6:30 Uhr ⏰
Anker hoch, es geht weiter. Der Wind ist top! Fast keine Wellen stören, wir wackeln null und segeln ein tolles Tempo.
Klaus‘ Bauchschmerzen sind weg, aber sein Ohr ist wieder schlimm geworden. Nach der ordnungsgemäßen Einnahme des Antibiotikums und der Tropfen war es gerade mal einen Tag okay, und nun fängt alles von vorne an. Es ist grad zum Heulen!!! 😭 Was machen wir bloß? Ich soll es aussaugen. Ernsthaft? Da gab‘s doch letztens Oberstress. Ich schaue erst einmal nur mit dem Otoskop hinein. Menno, das sieht ja schlimm aus! 😳 Der Gehörgang ist voller Schmalz und schwarzem Irgendwas. 🗣️Iiiiiiiiiii…… Bis zum Trommelfell kann ich gar nicht gucken. Na gut, ich versuche mal mit dem großen Absauger etwas herauszubekommen. Etwas kommt wohl raus, aber viel zu wenig! Das meiste bleibt drinnen. Irgendetwas müsste das Zeug im Ohr aufweichen und lösen. Aber bei einer Entzündung ist alles, was ins Ohr hineingegeben wird, kontraindiziert, oder gar schädlich! Einen pulsierenden Ohrspüler hat Klaus auch an Bord und schmalzlösende Tropfen, Sprays und Öle. Sonst noch was gefällig? Doch wir sind unentschlossen und ratlos. Ich mache ihm nochmal die antibiotischen Tropfen rein. Darauf können wir uns einigen, und von denen haben wir auch noch genug. Die reichen noch für mindestens 1 Woche.
Das Segeln ist nach wie vor ein Träumchen. Es herrschen super Bedingungen. 😀
Tja, am späten Vormittag ist es damit vorbei. Kleine, kurze Wellen von der Seite und nachlassender Wind lassen Yuti kräftig schaukeln und das Segel schlagen. Es ist das Screecher, was da schlägt, und der dünnere Stoff knistert dann immer so laut. Knapp 2 Stunden halte ich das gerade noch akustisch aus, dann will ich das Segel einrollen. Klaus ist mürrisch, startet widerwillig einen Motor, das Screecher kommt rein und das Jib kurz angebunden raus. Tja, viel besser ist es gerade nicht, bloß schlägt und knistert das Jib nicht ganz so laut.
Wir passieren wohl gerade mal wieder ein Verkehrstrennungsgebiet der Großen. Von beiden Seiten kommen sie uns entgegen. Gut aufpassen ist die Devise! Der Himmel ist milchig, es ist drückend warm und schwül. Doch der Wind zieht wieder etwas an und das Segeln mit Jib wird besser und besser. So dürfte es bis zum Ankerplatz gerne bleiben. Tut‘s auch. Am späten Nachmittag sind wir da.

Der Anker fällt, der Anker hält, das Boot wackelt. Jepp, wellengeschützt ist der Ankerplatz bei Pulau Bangka nicht gerade. Egal! Für eine Nacht wird‘s schon gehen.
Unser Boat speed geht nicht mehr
und das schon seit 3 Tagen. Das ist blöd und daher soll ich jetzt mal runtertauchen und das Rädchen drehen. Hmm…, Chat sagt, hier könnte es schon diese gefährlichen Salzwasserkrokodile geben. Mist! Ich würge meine Angst herunter und springe ins warme Wasser. Sehen kann ich fast nichts, so trübe ist das salzige Nass. Das kleine Rädchen kann ich nur ertasten und zweimal anschnicken und drehen. Ich habe keine Flossen an und die kleine Taucherbrille nur für die Augen. Das Runtertauchen bis unter den Rumpf fällt mir immer schwer, da mein Körperfett mich sofort wieder hochkatapultiert. 🤭 Und ich habe nicht das Gefühl, dass das Rädchen leichtgängig genug ist. Aber ich will jetzt raus, definitiv! An Bord spucke und huste ich viel Salzwasser raus. Besonders aus der Nase läuft es ohne Unterlass. Ist mein Hirn leckgeschlagen? Immer wenn ich den Kopf runternehme, läufts aus meiner Nase. 😆 Dann schlage ich das Wasser aus den Ohren, will die Badeleiter reinklappen und falle durch das Gewackel gleich wieder ins Wasser. Frau über Bord! Aua! Ich schlage mir dabei das linke Schienbein an und wurschtel mich wieder an Bord. Jetzt wächst mir am linken Bein ein zweites Horn. 🙄 Das an meiner rechten Kniescheibe ist auch noch da. Aber Spinnen sind bisher keine rausgekommen. Nachdem ich mich wieder gerichtet habe und wir den Tatort mit Ballauf und Schenk geschaut haben, segeln wir weiter. 90 Seemeilen stehen auf unserem Plan, und somit müssen wir wieder durch die Nacht. Das Rädchen dreht sich! Juhuuu!! 🥳 Wir haben wieder Boat Speed❣️ Dann hat mein Anschnicken ja doch was genutzt. Am verlassenen Ankerplatz war es noch sehr schwibbel und schwabbelig, doch jetzt ist es wunderbar. Nur das Jib, der Wind und wir segeln mit gemütlichen 5 Knoten voran. Super. 👍 Nicht lange und es dunkelt. Was sehen unsere beanspruchten Augen dann? Unmengen von Fischerbooten, teilweise wie Perlen an einer Kette, erhellen den Horizont.

Aber auch dichter an uns dran sind viele Lichter auszumachen.

Uffbasse!!!! 🤓 Viele Untiefen erschweren das Navigieren zusätzlich. Anstrengend!!! Alle 2 Stunden wechseln wir einander ab.
Und was sehen wir bei Helligkeit?
Um 6:00 Uhr ist es soweit. Ich sitze gerade wieder an Deck am Steuerstand und sehe sehr viele feststehende Fischfangplattformen.




Jetzt wird mir so manches klar. Die wie Perlen an einer Kette aufgereihten gleißenden Lichter kommen von solchen Plattformen.

Die See ist gepflastert mit solchen Bangans, hölzernen Fischfangplattformen. Entweder sind sie mit Holzstangen im flachen Meeresboden befestigt, oder sie sind per Anker gesichert und können an andere Plätze gezogen werden. In den Hütten oder Zelten können die Fischer schlafen und kochen. Gefischt wird mit absenkbaren Netzen, mit viel Licht werden Plankton und Kleinfische angelockt und Fischer und Fang von Booten abgeholt. Wir haben jetzt sooo viele dieser Plattformen gesehen und noch dazu die vielen, vielen Fischerboote, dass es eigentlich keinen Fisch mehr im Wasser geben dürfte. Schon länger ist uns nichts Lebendiges im Wasser begegnet. Auch sind so gut wie keine Seevögel unterwegs. Delphine sind uns schon ewig nicht mehr untergekommen. Hmm… 🤔.
So, 10 Minuten nach 11 Uhr liegen wir vor Anker, im Nordosten der Insel Bangka. Jepp, wir sind heute entlang dieser langen Insel bis zum anderen Ende gesegelt.


Und jetzt? Jetzt sind wir 2 Würstchen im Räucherschrank! Große, außer Kontrolle geratene Feuer an Land, lassen mit viel Wind ihre dicken Rauchschwaden zu uns an den Ankerplatz wehen. Puhhh, hust, hust, reib die Augen, sie brennen.

Was sagte der Vater meiner Freundin Birgit immer gerne? Geräucherte Ware hält länger. 🥴 Nun ja, der Feinstaub lässt grüßen! Sollten wir vielleicht weitersegeln! Nee, zu kaputt. 🥱 Bei Dunkelheit kann ich das wahre Ausmaß erst richtig erkennen.

Asche, Ruß, Salz und Schlange
Jepp, all das ist an Bord.

Auweia! Die ist gefährlich, die ist sehr giftig. Bevor wir hier auch nur irgendetwas machen, um weiter zu segeln, muss die von Bord!!! Adios amigo… Nein, das versteht die nicht. Dadah 👋 ✋ 👋
Dann spritzen wir Yuti kurz ab, um nicht den ganzen Ruß zu verschmieren und füllen noch unsere 120 L Dieselkanister in unsere beiden Tanks. Dann machen wir aber ganz schnell die Flatter. Bloß weg hier! Unser dreimal geänderter Plan sieht nun folgendermaßen aus: Wir segeln jetzt circa 90 Seemeilen bis zum südöstlichen Zipfel von Pulau Lingga.

Von dort können wir Singapur schon fast winken. 👋 Das Vorankommen ist prima. Ein zur Zeit noch stabiler Passatwind pustet und unser Screecher zieht uns bestens voran. So sehr viele Fischer sind gerade gar nicht unterwegs, und so hält sich der Stress in Grenzen. Ein Tug Boat mit Kohleanhänger kreuzt unseren Weg, ansonsten passiert nicht viel. 🥱
Noch vor 2:00 Uhr in der Nacht erreichen wir die gewünschte Bucht
Kurz davor leuchtet uns so einiges entgegen. Mehrere Bangans stehen im Hintergrund aufgereiht. In der Bucht liegen 3 Fischerboote. Dennoch finden wir einen sicheren Ankerplatz. Der Anker fällt, der Anker hält. 👍

Vorne auf dem Trampolin liegt ein großer, toter Fisch.

Jetzt aber ab ins Bett, subito! 😴😴
Um 7:30 Uhr möchte Klaus Ohrentropfen haben und steht vor meinem Bett. Okidoki, wird erledigt. Danach drehe ich mich noch einmal um und ratze bis zehn.
Der Blick aus dem Fenster sagt mir, liegenbleiben. Es ist bedeckt, grau, schwül und schwitzig. Doch ich rolle mich raus und stehe augenblicklich im Schwitzesaft. Bäh! 🫠 Dafür ist diese Bucht sehr ruhig und sehr entspannt. Kein Dorf, kein Muezzin, kaum Fischer.
Nur viele, kleine Piepmätze flattern ständig umher und um uns herum und üben sich im Zielkacken auf Yuti. Wir schauen Fern, hören Podcasts, kochen, essen und schlafen…


Guten Morgen
Da hat sich ja ein Segler zu uns gesellt. 🤗

Ah, die Mosaic ist gekommen. Sie war uns schon die Tage gefolgt. Mama, Papa und zwei Kinder sind an Bord. Sie sind eine neuseeländische Familie und seit 2 Jahren unterwegs. Bisher umrundeten sie Tasmanien, Australien, Vanuatu, Neukaledonien, haben sich nun Indonesien vorgenommen und wollen wie wir nach Batam, in die Nongsa Point Marina, lustig. Na, dann werden wir uns dort sicher erneut begegnen.
Hier bleiben wir noch eine Nacht, es liegt sich so gut. 😊
Und jetzt auf nach Pulau Mesanak

Klaus steckt routiniert den Kurs ab, wir heben den Anker und schippern noch vor 7:00 Uhr los. Die anderen schlafen noch. Das Screecher ist draußen, ein Motor hilft, so müssten wir die 55 Seemeilen gut packen.
Da erfahre ich so ganz nebenbei, dass sich auf Batam Island unser Kielwasser noch n i c h t kreuzt. What? Kreisch! Ich dachte, wir wären dann ganz offiziell rum! Nee, ganze 3 Seemeilen, oder auch 5 fehlen uns noch. 😡 Dann müssen wir die halt noch weitersegeln und wieder zur Marina zurückfahren. Das ist doch wohl klar, oder?
Nein, meint Klaus, das sollten wir auf gar keinen Fall machen. Wir kämen so in die Hoheitsgewässer von Singapur und die sind extrem überwacht. Uns würde viel Ungemach erwarten, wenn wir das trotzdem, ohne dort einklariert zu sein, machen würden. Darauf steht nämlich die Todesstrafe. 😱 Nein, du lügst doch! Ja, nein, die Todesstrafe droht nicht, aber hohe Geldstrafen, die Konfiszierung des Bootes, Gefängnis und Prügelstrafen drohen durchaus. Prügelstrafen? Du meinst so mit Knüppel aus dem Sack? 🥴 Nee, dann machen wir das lieber doch nicht. Dann ist unsere Weltumrundung in Batam eben noch nicht zu Ende, sondern erst auf dem Weg nach Malaysia. Ich hatte mir sowieso gedacht, das Reisetagebuch bis zur Marina in Langkawi zu führen. Und mit dem Verlassen des Bootes und dem Heimflug nach Deutschland den Schlusspunkt zu setzen. So soll es dann eben sein.
Wir motoren den ganzen Tag. Der Wind ist schwach, der Trade Wind ist passé. Wir sind jetzt bereits wieder im Bereich des Monsuns. Das Screecher schlägt sich aber trotzdem ganz gut. Der Himmel wird nun gar nicht mehr richtig klar.

Diesig, schwül und schwitzig ist jetzt die neue Realität. Mit letztem Tageslicht erreichen wir unser Ziel für die Nacht.

Zuvor mussten wir noch an etlichen kleinen Fischerbooten vorbei. An unserem Platz sind wir jedoch ganz alleine. Ich bereite noch einen Nudel-Mozarella-grüne Tomaten-Salat zu, sonst passiert nicht mehr viel. Außer, das wir beginnen mit etwas Wehmut über die zurückliegenden Jahre zu sinnieren. 🥹

Mensch, wir haben ja Vollmond❣️Und der schafft‘s doch tatsächlich durch die von Wassertröpfchen geschwängerte Luft. Gute Nacht. 🥱 😴
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