Über Straßen des Grauens zum Ort der Verzweiflung

Port Arthur steht heute auf dem Abschlussprogramm unserer Reise. Das ist das zu den schlimmsten Sträflingslagern Australiens gehörende Gefängnisareal für die besonders schlimmen Männer, einige wenige Frauen und Kinder des Empires. Doch da müssen wir erst einmal hinfahren. Also, ein letztes Frühstück im Lodge Resort, Klamotten zusammenpacken, nochmal auf Toilette gehen, zum Auto laufen und ab.

Es dauert überhaupt nicht lange, und die ersten Verkehrstoten liegen am Straßenrand. 🫣

Oder mitten auf der Straße.
Ohhh jeee…, die Straße des Grauens. Ja, das ist er wohl, der Tasmanian Highway.

Echt alle paar 100 Meter gibt’s a Leich, fürchterlich. Ich höre auf zu zählen und erst recht die zermatschten Leichen zu fotografieren…

Lieber mache ich Fotos vom Wasser und Land.
Und plötzlich steht da dann so ein Blüher rum, irre!

Da vorne ist eine tolle Klippenlandschaft, da stoppen wir mal kurz und gucken. 👀

Wir schlagen uns durchs hohe Gras…
bewundern wieder so einen federleichten Samenball…
und erreichen dieses orange gefärbte Kliffgestein.

Sind das jetzt Algen oder ist das Eisen???

Hier gesellt sich auch noch lila dazu❣️
Gegenüber ist das Gestein ganz grauschwarz, höchstens Vogelkot gibt eine leichte, weiße Note.
Crazy
Und dort ist jegliche Farbe auch schon wieder verschwunden.
Rutschen wir noch runter zum Strand? Nee, wir gucken nur und kraxeln wieder hoch zum Auto.

Gefahren wird gar nicht lang, da stoppen wir auch schon wieder, um uns die ausgefallene und einzigartige Stachelbrücke anzuschauen. 👀 👀

Wir staunen nicht schlecht über die Breite der alten Brücke!

Wer hat sie gebaut? Die Sträflinge natürlich, wer denn sonst?! 1843 wurden Feldsteine ohne Mörtel oder Zement zusammengefügt. Es entstand eine Brücke, die ein wichtiges Verbindungsstück der Ostküstenstraße war und bis heute hält. Der jetzige Tasman Highway, den wir parallel entlangfahren, ersetzt aber die alte Straße und somit auch diese alte Brücke. Heute ist sie eine Touristenattraktion, mit ihren spitzen, senkrecht stehenden Steinen obendrauf. Wofür die eingebaut wurden? So ganz genau weiß man es nicht. Vielleicht um das Vieh vor dem Runterfallen zu bewahren, oder um der Brücke bei starkem Wind mehr Stabilität zu geben?

Und jetzt? Jetzt geht’s weiter zur nächsten und letzten Unterkunft.

Oh, Achtung, da liegt wieder a Leich!
Wie süß❣️ Von dieser Rostlaube geht wohl keine Gefahr mehr aus. Schon gar nicht von dem niedlichen Fahrer und seinem Beifahrer. 😉 Die Australier haben Humor!

Und dann sind wir da. Überlegen noch, ob wir die supersteile Abfahrt unters Häuschen runterfahren, um das Auto dort zu parken, ohne zu wissen, ob wir da jemals wieder hochkommen. Wir machen es aber. Genau passend, wie verabredet stehen wir vor der Türe, haben aber immer noch keinen Code für den Schlüssel bekommen.

Klaus versucht irgendwie den Vermieter zu kontaktieren, ich schau mich mal ums Häuschen herum ein bisschen um.

Da ist die steile Zufahrt und ein ganz besonderes Bäumchen, mit unglaublichen Früchten.
Sowas hätte ich auch gerne im heimischen Garten. 🥰
Hier hat jemand Lust zu dekorieren. Nett❣️
Das waren doch bestimmt mal Reusen, oder?

Die Zeit vergeht, doch Klaus hat noch kein Lebenszeichen des Vermieters erhalten.

Er prokelt jetzt selber mal rum, und probiert die gängigsten Codes aus. Nein, es klappt nicht. Nix zu wollen. Hm…, ich sagte mal zu Beginn dieser Reise, wir haben ja notfalls unser Auto. Ist es jetzt soweit?
Da, der Vermieter meldet sich und lässt endlich den Schlüsselcode rüberwachsen. Er hatte vergessen den Code damals mitzuschicken. Okay.

Fast eine Stunde später öffnen wir die Türe und treten ein. 👏

Das ist aber gemütlich und schön hier. 😍

Tolles Sofa❣️
Es wirkt alles sehr individuell und privat. Mal- und Aquarellstifte liegen sogar bereit. 🤔
Jo Klaus, bist drinnen, ich draußen. Die Terrasse ist der Knaller!
Auch hier wieder, Gartenmöbel, besondere Pflanzen und ein Grill. Geschmackvoll❣️
Auch der Blick ist super, und in den drumherum wachsenden Bäumen hängen Blüten und dunkelblaue Fruchtstände. Sehr schön. 🤩
Pflanze und Käfer im gleichen Farbton. Nennt man das Tarnung?

Im Wohnzimmer liegt ein Gästebuch und dann wird’s mir klar. Dieses Häuschen gehört einer australischen Familie, die hier selbst regelmäßig Urlaub macht und in den anderen Zeiten das Haus vermietet. Doch unsere Smartphones haben kein Internet, kein WLAN. Upsi 😳, das ist aber blöd. Nee, das geht ja gar nicht!!! In dem Hausratgeber steht aber dick und fett, KEIN WLAN! Au weia, wir brauchen aber Internet, wir sind abhängig! 😵‍💫 Überleg hin und her, dann hat Klaus die Lösung. Er kauft eine e-sim mit ausreichend Kapazität, und Zack haben wir das “katastrophale Problem” gelöst. 🥳 Dann können wir uns ja beruhigt ins kuschelige Bettchen legen, daddeln und schlaaafen.

Der nächste Tag

Heute geht’s ins nahegelegene Port Arthur, dem einstigen Sträflingslager der grausamsten Art. Und ja, wir kommen mit dem Auto die Auffahrt wieder hoch, auch wenn’s etwas staubt. 💨
Wir nehmen uns den ganzen Tag, um richtig in die Geschichte dieses Ortes einzutauchen. Es wird nicht reichen….
~~~~~~~~~~ Port Arthur ~~~~~~~~~~~

Das Hauptgefängnis

Zwischen 1830 und 1877 wurden mehr als 12.000 Strafgefangene nach Port Arthur verbracht. Meistens befanden sich 1.000 bis 1.200 Sträflinge gleichzeitig im Lager, manchmal auch mehr. Diese Anlage auf Tasmanien war eine der wichtigsten Straflager des Empires und mit die berüchtigtste noch dazu. Alle Gefangenen mussten schwerste Arbeiten verrichten, wurden grottenschlecht ernährt, bekamen so gut wie keine medizinische Versorgung, ein einziger Arzt war für weit über 1.000 Menschen gleichzeitig zuständig, Hygiene war nahezu unmöglich und schlussendlich sollte der Wille jedes Einzelnen gebrochen werden. Das war übrigens der damalige, moderne Ansatz, dass man die Psyche zerstörte, um sie wieder neu und besser aufzubauen, beziehungsweise abzurichten. Hat aber nicht funktioniert…

Die Zellen waren extrem schmal, ein richtiges Bett passte da nicht hinein. Abends wurden zwei breite Riemen von Wand zu Wand gespannt und eine dünne Matratze darübergelegt. Eine wackelige Hängematte entstand. Beheizt wurde dieser große Ziegelbau nicht, also war es in den Zellen im Winter schrecklich nasskalt und stickig warm im Sommer. Die Zellen hatten auch keine Fenster, die vergitterten Fenster erhellten nur die außerhalb liegenden Gänge. Also war es auch stockdunkel in jeder Zellenkammer, wenn das Guckloch in der Tür geschlossen wurde. Licht per Öllampe gab es nur, wenn der Sträfling noch in der Zelle zu arbeiten hatte. Es wurde wirklich jedes Mittel verwendet, um die Gefangenen zu quälen und zu disziplinieren.

Wie sah wohl so ein Tagesablauf der Gefangenen aus?

Wenige Aufzeichnungen und Erzählungen blieben erhalten und werden bis heute überliefert:

„Für jedes kleinste Vergehen flog die Peitsche. Ich hörte schon das Krachen auf den Rücken der anderen, bevor mein eigener Schmerz begann“, so die Worte eines Gefangenen.

„Das Brot war trocken und hart, die Suppe dünn. Jede Bitte nach mehr hätte eine weitere Strafe zur Folge gehabt. Ich hatte so schlimmen Hunger und pickte jeden noch so kleinen Krümel auf“, so ein Häftling.

Ein Aspekt der Haft wurde damals von den Häftlingen als besonders schrecklich empfunden. Die Isolation und das brutale Schweigegebot. Das Auspeitschen stand zwar auch auf der Tagesordnung, aber das Schweigen und die Isolationshaft in Dunkelzellen waren der wahre Horror. Ein anonymer Gefangener berichtete:

”Sie sperrten mich in völlige Dunkelheit. Tage vergingen, ohne dass ich Licht sah. Das Zeitgefühl verschwand, ich hörte nur den Herzschlag meines Herzens und fürchtete komplett den Verstand zu verlieren.”

Als Krönung dieser Methode wurde das separate Gefängnis errichtet. Ein auffälliger Rundbau mit besonders strengem Reglement.

Eigentlich sieht diese Zelle doch ganz freundlich aus, sauber, ordentlich und hell. Der absolute Horror kommt da nicht so rüber, finde ich. Bis ich sehe, wie die dorthin versetzten Strafgefangenen sich kleiden mussten.

Sehr viel Menschliches sollte nicht mehr zu sehen sein. Da wurdest du selbst durch die Bekleidung schon eingesperrt!

In jeder Zelle lag dieses Sonderregelwerk aus, doch wer konnte schon lesen?
Nach kürzester Zeit wusstest du aber genau, was hier verlangt wurde oder vielmehr verboten war. Oberste Regel, schweigen und absolut still sein. Immer! Beim Aufstehen, Waschen, Essen, Arbeiten, … Und, immer allein, aber unter strengster Bewachung. Auch der Kirchgang bedeutete null Sozialkontakt. Man saß in abgetrennten Boxen, trug Maske und Kapuze, der Blick war zu senken. Auch der „Freigang“ fand alleine, vermummt und still statt. Jeder kleinste Verstoß führte zu weiterer Strafverschärfung, bis hin zu isolierter Dunkelhaft. Der Tagesablauf verlief immer exakt gleich, Abwechslung gab es keine. Viele Gefangene wurden psychisch krank, litten unter Halluzinationen, verletzten sich selbst, einige nahmen sich, meist erst Jahre später, das Leben.
Wieso galt diese Form der Bestrafung als modern und fortschrittlich? Man glaubte, psychische Bestrafung sei weniger schlimm als physische. Man dachte, durch innere Einkehr und Gebet, ohne jedwede Ablenkung, würde der Mensch sein Tun hinterfragen und zur Läuterung kommen. Das dieses Verfahren jedoch schlimmer war als beispielsweise das Auspeitschen, merkte man erst nach und nach. So viele zerbrochene Menschen blieben zurück und auf der Strecke….

Wir streifen über das riesige Gelände. Begutachten Wachanlagen,…

und das Kommandantenhaus. Hier wohnte der Chef der gesamten Anlage. Erst alleine, dann mit Frau und später mit Familie. Das Haus wurde immer entsprechend angepasst und vergrößert.

Das ist schon recht wohnlich. Tja, sonst hätte der Herr Kommandant auch keine Frau hierher bekommen. 😉
Wieviele Bewacher, Handwerker und Verwaltungsleute lebten eigentlich in Port Arthur? Neben dem obersten Kommandanten gab es je nach Ausbau der Anlage und Belegung 100 bis 150 Soldaten, 40 bis 70 zivile Aufseher, 20 bis 40 Verwaltungsangestellte inklusive der Geistlichkeit und Lehrer und 20 bis 50 Handwerksmeister und Fachkräfte. Die Familienangehörigen sind da noch gar nicht mitgezählt. Dieses „Personal“ musste räumlich untergebracht und ernährt werden. Da kam ganz schön was zusammen. Das war dann auch mit ein Grund das Straflager zu schließen, es kostete zu viel. Obwohl auf der hauseigenen Werft einige Schiffe erbaut und die Sträflinge kostenlos zu allen erdenklichen Arbeiten herangezogen wurden, war der Unterhalt des Lagers ein großes Thema. Den Pfarrern wurde eine dolle Kirche gebaut, denn der christliche Glaube war wichtig und auch ein weiteres Disziplinarmittel. Diese Rolle spielt Religion, welche auch immer, bis heute gern.

Der damals herrschende Schrecken kommt nicht wirklich rüber. Jedenfalls nicht für mich. Es erscheint mir alles eher wie ein großes Freilichtmuseum, oder wie ein großer Freizeitpark. Die riesigen Grünflächen erzeugen Freiheitsgefühle, da sehr viele Gebäude nicht mehr existieren. Die Sonne lacht, es ist warm und viele Touristengruppen tummeln sich auf dem Gelände.

Ein Kreuzfahrtschiff ist vor Anker gegangen und schaufelt seine Gäste an Land.

Für diese illustre Gesellschaft ist eigens eine exclusive Ein- und Ausstiegsreihe abgetrennt worden. Das stört Klaus so ganz und gar nicht. Er nimmt genau diesen Weg, um unser gebuchtes Boot zu besteigen, dass uns auf das Inselchen Point Puer bringen soll. Ich kann ihn gerade noch zurückrufen. Dann sitzen wir auf unserem Boot und tuckern zur „Kinderinsel“ und streifen dabei auch die Begräbnisinsel, Isle of the Dead.

Blick vom Wasser aus.
Hier fanden alle Verstorbenen Port Arthurs ihre letzte Ruhestätte. Die Sträflinge wurden am Fuße der Insel namenlos verscharrt, die Zivilisten bekamen ordentliche Gräber on the top. Der Standesunterschied musste gewahrt bleiben, auch über die Lebzeiten hinaus. Je wichtiger eine Zivil- oder Militärperson war, desto pompöser wurde der Grabstein gearbeitet.

Auch die „Knaben-Spitze“ so wurde die erste Strafgefangeneninsel ab 1834 für Jungs genannt, passieren wir nur. Erfahren aber viel über die damalige Situation dort.

Circa 2.000 Jungen zwischen 9 und 19 Jahren kamen hier in Haft. Ja, in Großbritannien kam man für wiederholten Diebstahl schnell in Haft, egal wie jung man auch war. Bei Mehrfachtätern kam es dann ab 1834 zur Deportation nach Tasmanien. Schon brutal! Die wochenlange Überfahrt war ja eigentlich schon Strafe genug. 176 Tage bei wilden Wellen, starken Winden und unter Deck gefangen, mussten die Kinder und Jugendlichen überstehen. Dann wurden sie von Hobart hierher verbracht und gleich in gute und böse Jungs unterteilt. Die lange Passage war Basis für die Verhaltenseinteilung der Jungen. Auf der Insel, die Kinder sollten deutlich getrennt von den erwachsenen Häftlingen sein, gab es dann eine sogenannte Demarkationslinie, die die Insel in 2 Teile teilte. Die guten Jungs nach links, die bösen nach rechts, oder umgekehrt. Ich weiß es nicht genau. Ihre Unterkünfte waren spartanisch, ungeheizt, die Ernährung schlecht, die Arbeit hart und auch das Bestrafungssystem ähnelte sehr dem der Erwachsenen. Der Unterschied war bloß, dass es Lehrer für die Unterrichtung und Erziehung der Kinder gab. Aber auch während des Unterrichts setzte es Strafen. Schmiss ein Junge mit Brotkrümeln um sich, benahm er sich schlecht im Unterricht oder verhielt sich respektlos gegenüber einer Lehrkraft, konnten folgende Strafen folgen:
1.) Verbale Ermahnung
2.) 25 Schläge auf den Po
3.) 3 Tage Karzer bei Wasser und Brot

Hier konnte mal für 3 Jungs Alter, Erscheinungsbild, Strafe und Geschichte nachgezeichnet werden.

William Timothy, 14 Jahre, 1,40 Meter groß, braunes Haar und haselnussfarbene Augen. Er beging einen brutalen Straßenraub, stahl das Buch eines Kindes und ein Taschentuch. Er wurde zu 14 Jahren Haft in Port Arthur verurteilt. William erzählte dem Gericht, keine Eltern mehr zu haben.
Sein Gesicht sei quadratisch, er habe ein breites Kinn und eine Narbe prange über seiner Nase.

William Pearson, 12 Jahre, 1,43 Meter groß, braune Haare und haselnussfarbene Augen. Er wurde eines Ladendiebstahls beschuldigt und Messer geklaut zu haben. Zuvor erhielt er schon 3 Jahre Haft für 24 andere Diebstähle und wurde bereits 4 mal ausgepeitscht. Nun wird er für 7 Jahre nach Port Arthur verbannt.
William hat einen runden Kopf, ein frisches Erscheinungsbild und keine Tätowierungen.

Humphrey Sherriff, 16 Jahre, 1,51 Meter groß, dunkelbraunes Haar, braune Augen. Er bekam 10 Jahre Straflager in Port Arthur. Er wurde das 5. Mal beim Diebstahl erwischt. Dieses Mal stahl er ein 24 Kilo schweres Behältnis mit Fett.
Humphrey hat ein ovales Gesicht, eine hohe Stirn und eine Tätowierung von 9 Punkten zwischem linken Daumen und Zeigefinger.

Mir fällt auf, dass die Jungs doch alle recht kleingeraten waren. Das wird hier auch an einer Stelle erwähnt und auf die damalige superschlechte Ernährung verwiesen. Komisch, das war bei mir mit absoluter Sicherheit nicht der Fall, und dennoch habe ich es nicht über 1,58 Meter geschafft… 🫤.

Mr. Alistair Scott recherchierte im Jahre 1843 über den Verbleib und Werdegang von 231 Jungs. Das war eine durchaus schwierige Aufgabe, da sich die Geschichten oft im riesigen Australien verloren. Aber von diesen 231 Individuen konnte er nachweisen, dass sie Haftstrafen von 5 Monaten bis zu 6 Jahren verbüßten. Dass 80 % wieder rückfällig wurden, jeder Dritte heiratete und einer von zehn bekam Kinder. Sechs wurden später gehängt und einer von zehn landete in einer staatlichen Einrichtung, wie Obdachlosenasyl oder Armenhaus. Buchhalterisch festgehalten wurden 80 Todesfälle während der gesamten Existenz des Point of Puer. 1843 ging die Zahl der verbannten Kids aus Großbritannien merklich zurück. 1849 wurde Point of Puer geschlossen. Auch dieser „Betrieb“ war schlichtweg zu kostspielig. So musste jeder Liter Wasser und alles andere an Nahrungsmitteln, Werkzeugen etc. hergeschippert werden. Die Insel verfügte über keine eigene Wasserquelle. Auch kranke oder verletzte Jungs mussten umständlich rübergeholt werden, um ins Krankenhaus der Strafanstalt gebracht zu werden. Und so fiel für diese traurige Anstalt 1849 der Hammer. Übrigens erreichte keiner der jungen Straftäter jemals wieder die britische Heimat. Sie verblieben und verstarben im weitläufigen Australien. Das gesamte Straflager wurde 1877 geschlossen. Häftlinge wurden verlegt oder freigelassen. Das Gelände wurde nach einem britischen Adelstitel „ Carnarvon“ umbenannt. Es sollte einen Neuanfang für diese Region geben und nicht mehr mit dem Straflager in Verbindung gebracht werden. Doch genau diese dunkle Vergangenheit interessierte die Menschen, und erster Tourismus entstand. Dafür wurden Gebäude für ein einfaches Hotel umfunktioniert.

1885
So wurde damals schon geworben.

Andere Gebäude verfielen oder wurden Opfer von Buschbränden. Nach und nach etablierte sich die Gegend als Touristenmagnet. Man begann Gebäudeteile zu stabilisieren und zu restaurieren, wie das Kommandantenhaus. Heute ist Port Arthur, der alte Name kehrte natürlich zurück, ein vielbesuchter Ort. Ein Informationsgebäude dokumentiert die Geschichte dieses Ortes vorbildlich. Und die Anlage selbst ist toll gestaltet und mit allerlei Informationstafeln bestückt. Die Informationsfülle ist atemberaubend und uns schwirrt schon ordentlich der Kopf. Dennoch möchte ich unbedingt nochmals etwas Zeit im Museum verbringen, schauen und lesen….

Klaus probiert hingegen mal die Fußfesseln aus. Die Häftlinge hatten allerdings weniger Spaß. Sie mussten diese Fesseln außerhalb ihrer Zellen immer tragen. Auch während ihrer täglichen, schweren Arbeit.
„Folterinstrumente“

Ein Kängurufell zum Wärmen? Nee, damit versuchten 2 Sträflinge zu fliehen. Sie nähten mehrere Felle zusammen, versteckten sich darunter und versuchten so das Gelände zu verlassen. Hat nicht geklappt. Einem Wächter fiel das seltsame Verhalten des Tieres auf und schoss darauf. Die Flüchtenden wurden dabei verletzt aber nicht getötet. Was danach folgte, kann ich mir nun gut vorstellen. Einzelhaft und Schweigeknast…
Überhaupt gelangen keine nennenswerten Ausbrüche. Zu abgelegen, zu viel Wasser drumherum, zu viel Bewachung. Einige wenige Versuche gelangen, aber nur für kurze Zeit. Alle Entflohenen wurden früher oder später wieder gefasst, gaben auf oder starben im undurchdringlichen Buschland.
Gut, dass wir einfach nur ins Auto steigen müssen, um zurück zu unserer zivilisierten Unterkunft zu kommen. 😮‍💨
Mann, sind wir jetzt vollgepumpt mit Eindrücken, Geschichte und Geschichten. Da hilft nur noch eins, ab ins Bett und alle Viere von uns strecken!

So, das war’s jetzt mit unserer Tassi Erkundung. Morgen wird es den ganzen Tag regnen,…

und übermorgen fliegen wir zurück aufs Festland, nach Newcastle, zu Yuti. Tschau, tschau 👋✋👋

P.S.: Wir hatten riesen Schweinebacke mit dem Wetter! Und so wurde unsere Reise nach Tasmanien ein voller Erfolg❣️

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