Ich will nach Hause

Ja, das möchte ich❣️ Jetzt steht der Beisetzungstermin fest. Es wird der 13. Mai sein. Das passt ganz wunderbar, denn wegen unserer Visa müssen wir spätestens am 8. Mai Australien verlassen. Wir hatten ja schon Flüge nach und eine Unterkunft in Neukaledonien gebucht, die werden jetzt gecancelt, die Unterkunft storniert. Die Neubuchungen laufen auf Höchsttouren. Flüge von Brisbane nach Frankfurt und zurück müssen her, eine Unterkunft für Hamburg gefunden werden. Klaus kümmert sich perfekt um alles. 🙂 Und, er legt sich schon mal die Stützstrümpfe zurecht. 😅
Das Marinateam ist großartig❣️Sie sagen uns zu, sich während unserer Abwesenheit um Yuti zu kümmern, sollte dies erforderlich sein. Das ist ganz prima, denn in manchen Marinas in Australien darf man sein Boot gar nicht alleine lassen…

1. Mai

Mein Bruder ist einfach nur top❣️ Er plant und organisiert alles rund um Muttis Beisetzung und bindet mich sogar noch mit ein. Das Grab wird auf dem Ohlsdorfer Friedhof sein, dem größten Parkfriedhof der Welt. Dort liegt alles was Rang und Namen hat, aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Und natürlich auch der ganz normale Mensch, ob jung, ob alt, ob Mann, ob Frau, oder was auch immer, bloß tot muss er halt sein. Die Urne wird von einer Hamburger Künstlerin kreiert, den Blumenschmuck stellt das friedhofseigene Floristenteam her und das schönste ist, die Beisetzung wird von den Bestatterinnen begleitet: Ein tolles Frauenteam, welches meinem Bruder von dessen Freund Costa herzlichst empfohlen wurde.
Und was macht mein Mann, neben der ganzen Heimflugorganisation? Der bestellt wie ein Weltmeister Ersatzteile für Yuti. 😉 Zieladresse ist die unserer Tochter, und bei unserem Rückflug nach Australien soll dann alles wieder mitgenommen werden. 25 Kilo stehen uns beiden jeweils zur Verfügung. 🫣

2. Mai

Das Wetter ist ziemlich unstet. Obwohl wir uns im Herbst befinden, erinnert es mehr an den April. Regen, Sonne, Wind, Wolken, Regen,… Egal, alle Flüge sind gebucht, die Unterkunft in Hamburg steht und die Familie ist bereit. Larissa hat sich trotz ihrer vielen Patienten kurzentschlossen freigenommen und kommt mit. 👍 Wir werden bereits am 6. Mai nach Brisbane fahren, dort eine Nacht verbringen und am 7. Mai fliegen. Von Newport liegt die Stadt ja immerhin noch gute 30 Kilometer weit entfernt, und so können wir sie uns auf diesem Wege einmal anschauen. Passt. Der Flug geht dann erst einmal nach Sydney, dann nach Qatar/Doha und von dort weiter nach Frankfurt. Eine Reisezeit von 30 Stunden erwartet uns. Hoffentlich reicht jeweils ein paar Stützstrümpfe?! Und hoffentlich gibt es wegen des Irankrieges keine Probleme über Qatar. 🙏 Angst habe ich nicht, nur Sorge, dass ein Flug gecancelt werden könnte. Wir werden sehen…. Doch plötzlich setzt eine wohltuende innere Ruhe bei mir ein. Ich werde in Hamburg dabei sein❣️
So, jetzt müssten wir noch so einiges an Bord vorbereiten. Denn wenn wir wiederkommen, haben wir nur ganz wenig Zeit, bevor wir den Marinaplatz verlassen und weitersegeln müssen. Doch wie gesagt, ein Schauer nach dem anderen jagt über uns hinweg. Gut, dann werden wir jetzt mit Schirm, Charme und Melone den weiter entfernt liegenden Supermarkt und Friseur in Augenschein nehmen. Circa einen Kilometer müssen wir laufen, eine Richtung.

Ach guck an! Jetzt macht der Regen ja mal für etwas länger Pause, und wir brauchen gar keinen Schirm und keine Melone. Auch gut! Dann mal los.

Wir überqueren den Albatross Kanal. Doch dieser Name ist nicht Programm, und ein Pelikan macht deutlich, dass es eigentlich sein Kanal ist!

Von der Brücke haben wir eine gute Sicht auf die kleine Marina und Yuti.

Immer wieder gehen Stichsträßchen ab und führen zu schönen Villen am Wasser. Jede hat dann natürlich ihren eigenen Steg mit entsprechendem Motor- oder Segelboot. Gefällt mir!
Alles ist sehr gepflegt und zeigt eindeutig, hier herrscht Wohlstand. Auch die Autos zeigen kein anderes Bild. Meistens werden fette Pickups gefahren.
Und als Zweitwagen ein Mini gefällig? 😉
Wir können nur noch staunen und lachen! Es scheint, als seien überall im Land die Rasenkanten zur Perfektion getrimmt!! Unglaublich!!!
Und Klaus hat auch schon einen Job gefunden. 😄

Dann sind wir da und fürbass erstaunt! Das ist ja ein richtiges, nobles Zentrum, mit mehreren Restaurants, dem Friseur, dem Supermarkt, einer Apotheke und, und, und…

Schnurstracks geht’s zum schicken Friseur. Jenny empfängt uns strahlend und sichert uns einen Termin am Dienstagvormittag. Als sie erfährt, dass wir mit unserem Boot hier sind, ist sie außer Rand und Band! Sie möchte mit uns kommen und uns dafür ein Leben lang kostenlos die Haare schneiden… 😂 Nett! Jetzt begutachten wir mal den Supermarkt.

Jo, der lässt keine Wünsche offen. Da können wir dann prima proviantieren, wenn wir wieder zurück sind. Wo ich immer wieder fasziniert stehenbleiben muss, ist das Kühlregal mit der Hundewurst…

Jeder gut sortierte Markt hat sowas im Angebot. Habe ich vorher noch in keinem anderen Land gesehen. Doch, in Neuseeland. Lustig! Anfangs wollte ich schon danach greifen, denn es sieht aus wie eingeschweißte Mortadella. Jetzt haben wir uns einen Überblick verschafft und laufen zielstrebig zum Sushi Restaurant.

Hier flambiert sie mir gerade das Wagyu Fleisch für meine Bestellung. Es wird das australische Wagyu Rindfleisch verarbeitet. Es ist ähnlich zart und lecker wie das japanische, aber spürbar günstiger.

Wir schnabulieren famos und finden es ganz toll hier in Newport. Spontan könnten wir uns ein Leben hier vorstellen. Aber das geht ja nicht. Ein Programm für Alte gibt es nicht mehr… 😔. Brisbane wird 2032 die Olympischen Spiele ausrichten. Dafür haben sie schon kräftig gearbeitet und werden noch weiterhin ordentlich ranklotzen. Auch unsere in die Jahre gekommene Marina wird sich von Grund auf erneuern. Der Ball rollt, meinte Vid letztens.
Zurück an Bord stellt Klaus erschrocken fest, seine Bilge läuft voll Wasser. Wir haben ein Leck! 😳 Zum Glück ist es Süßwasser, puhhh 😮‍💨. Aber woher kommt es? Nach längerer Suche ist es eingekreist. Es ist der Warmwasserboiler. Das Überlaufventil hat nen Schaden. Das, was sich eigentlich nur bei großer Wassererwärmung öffnen sollte, steht dauernd offen und lässt das Wasser raus. Das fließt dann in die Bilge und wird von einer Tauchpumpe wieder herausbugsiert. Was für ein Fabrikat ist der Boiler samt Überlaufventil? Ein italienisches Fabrikat! Ehrlich, alles an Bord aus Italien war schon mal kaputt. Hmmm…🤔. Klaus bekommt es zum Stoppen und bestellt haste was kannste noch schnell ein Ersatzteil bei SVB. Was soll ich sagen? SVB ist so dermaßen auf Zack, dass sie dieses Teil auch noch zu den zuvor bestellten Sachen dazupacken und alles zusammen zu Larissa schicken. Toll❣️❣️❣️

3. Mai

Klaus steht unter der Dusche…., da streikt die Frischwasserpumpe mal wieder. 🫣 Ich weiß nicht, wie oft sie uns schon im Stich gelassen hat, ich habe nicht mitgezählt. Ich muss gestehen, sie ist nicht aus Italien, sie ist aus England. Pahhh… 😠. Er war zum Glück noch nicht eingeseift, trocknet sich ab und repariert das olle Teil zum x-ten Mal.

Übrigens, Klaus ist modisch ja ganz up to Date! Er trägt ne Hose, die den Popo unterteilt und betont. 🤣 Das sehen wir jetzt immer öfter bei jungen Fitnessdamen, die ihren Popo damit bewusst in Szene setzen. Was das eigentlich soll, ist uns schleierhaft. Bei Klaus ist es ungewollt. 😅 Ehrlich❣️

Jedes Mal ist es eine furchtbare Viehcherei! 🥵 Danach springt er völlig verschwitzt ein zweites Mal unter die Dusche. Diesmal kann der Waschgang abgeschlossen werden. 😁 Ich mache mich derweil ans Putzen der Fenster, Luken und Dichtungen ran. Da danach wird Wäsche gewaschen. Während ich zwischen fertiger Maschine und Aufhängen der Wäsche hin und her flitze, stellt Klaus erbost fest, dass seit fast einem Jahr, irgendjemand sein Unwesen in unserer heimatlichen FRITZ!Box treibt. Irgendwie werden wir gerade auf allen Kanälen virtuell angegriffen. Schrecklich!!! Also Klaus hat zu tun. Er recherchiert, probiert, fragt Chat… Am Ende kann er denjenigen zumindest mal aus unserem Internet aussperren. Nun ja… Jetzt füllen wir noch 4 Kanister Diesel in unsere Tanks, was in einer Marina natürlich verboten ist. Und wir tropfen…. doch. 🙈 Als Klaus noch den Dinghykanister auffüllen will, spritzt ihm der gelbe Saft gleich wie eine Fontäne entgegen und fließt über unseren Bodenbelag im Cockpit. Scheiße nein!!!! Ich glaube, wir machen besser mal Schluss für heute!

4. Mai

Wir gehen tanken. ⛽️ Ein Bollerwagen wird geschnappt und die Kanister darin verstaut. Bis zur erstbesten Tankstelle sind es um die 2 Kilometer, eine Richtung. Wir zuckeln los.

Der Bollerwagen ist nicht der beste, aber wir erreichen die Tanke und bekommen einen Schreck. Ist die geschlossen? Die Preistafeln sind schwarz. Heute ist doch Feiertag, gell?! Oh, bitte nicht! Nee, sie hat doch offen, die Preistafeln sind defekt. Aha. 🙂‍↔️

Gib Stoff, Ede! Leider entdeckt Klaus in einem Kanister Dieselpest. 😱 Der muss unbedingt gekennzeichnet werden und darf nicht bis unten hin in den Tank gefüllt werden!

Nun geht es mit deutlich mehr Gewicht wieder zurück. Der Weg ist nicht eben, es geht hügelig rauf und runter. Das kann Klaus unmöglich alleine schaffen, ohne ermattet zusammenzubrechen. Ich schiebe. Gebeugt halte ich mich an der etwas scharfkantigen Plastikkante des Wägelchens fest, richte den Blick nach unten und schiebe was das Zeug hält, Klaus zieht. So rumpeln wir quietschend voran, müssen aber immer wieder Pausen machen! Echt im Eimer erreichen wir unser Boot, verstauen mit allerletzter Kraft noch die Kanister und fallen halbtot aufs Sofa. PAUSE 😮‍💨!

Aber das war‘s noch nicht für heute! Unser kaputtes Jib muss noch runter und das neue aufgezogen werden. Oh ha. 🥴 Wat mutt, dat mutt. Wir haben sowas noch nicht gemacht und sind etwas nervös. Aber mit viel Ruhe, Schritt für Schritt und mildem Lüftchen, bekommen wir das hin. 14:15 Uhr, das neue Jib ist gesetzt. Es passt perfekt und sieht sooooo gut aus❣️

Im Vergleich nochmal das alte Segel.

Nun sind beide Hauptsegel neu und weiß und glänzend. Schee … 😁.

Noch einmal, weil’s so gut ausschaut! 🤩

5. Mai

Letzter Tag vor unserer Abreise. Klaus hatte noch eine neue Mikrowelle bestellt, hierher in die Marina, und die kommt auch tatsächlich heute an. Unsere alte Welle kann ja schon laaange nicht mehr grillen und soll daher ausgetauscht werden. Gesagt, getan, auch dieses Projekt wird uns wohl noch gelingen. Doch was ist das? Der Stecker passt nicht. 🫪 Aber, aber, das Gerät hat doch einen australischen Stecker und unser australisches Boot eine australische Dose??? Nach langem hin und her wird Klaus klar, unsere Dose ist englisch. Häää?Yuti hat an dieser Stelle, und nur an dieser Stelle, eine englische Dose eingebaut bekommen. Unglaublich!!! Da muss dann noch ein entsprechender Adapter bestellt werden. Allerhopp! 🙄
Erst Tage nach unserer Rückkehr werde ich feststellen, dass diese Mikrowelle gar keine Grillfunktion hat. 😵‍💫 Da wurde ein falsches Gerät gekauft, Herr Müller! Klaus hatte in der Beschreibung etwas von Ofen gelesen und war der Meinung das wäre der Grill. Egal, nun haben wir ein neues Gerät, das sieht auch gut aus und kann halt nicht grillen. So what, wir haben auch fast 4 Jahre ohne Grillfunktion gelebt. 😆 Was gibt es noch zu erledigen? Das Dinghy muss noch schräg gehängt werden, damit eventueller Regen ablaufen kann. Dann gehts haste was kannste zum Friseur und danach zum Sushi essen. Lecker 🤤.
Die Marinaleitung bat uns noch, Yuti einen Liegeplatz vorzuziehen. Es käme eine größere Yacht, die dann am freiwerdenden, längeren Steg besser festmachen könne. Alles klar, das machen wir natürlich auch noch. ✅
Wir ziehen Yuti vor und vertäuen sie wieder zwei- und dreifach, dass auch ein Sturm ihr möglichst nichts anhaben kann. Nun werden noch ein paar Dinge gerichtet, die wir morgen nicht vergessen dürfen, dann geht’s in die Heia. 🥱 😴 Morgen fahren wir nach Brisbane, und übermorgen fliegen wir nach Hause…..

🛫🛬 Sydney 🛫🛬 Doha 🛫🛬 Frankfurt

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