Wieder eine Yacht gesunken 😧

Zum Glück nicht unsere…

06. Oktober 2023

Wenig Wind, viel Motor. Die Reiseplanung mit Hilfe von Strömungsbildern erweist sich in der Realität als schwierig. Im Moment werden wir gerade mit 4 Knoten Strömung nach Süden gedrückt. Das passt jetzt nicht so ganz zur Planung, denn wir müssen ja bis spätestens Montag früh vor Bazaruto liegen, um dem Grauen, das da von Richard’s Bay hochkommt, zu entgehen. Und ein Vorbeisegeln sollten wir tunlichst vermeiden. Klaus rechnet stündlich neu und passt den Kurs an. Des Cason meint, wir sollten erst gar nicht bis Bazaruto segeln, sondern schon 300 Seemeilen vorher, bei einer Miniinsel warten. Ne, ne, Klaus will weiter. Ich komme mit. 😂
Da platzt die Nachricht in den Raum, dass die Jambo gesunken ist. 😱 Den Einhandsegler, Martin Daldrup, verfolgen wir schon sehr, sehr lange auf YouTube. Ein wirklich sympathischer Mann, der mit seiner Bavaria 34 seit langer Zeit die Weltmeere besegelt. Er hat sich in seine Rettungsinsel begeben und muss mit ansehen, wie seine sooo geliebte Jambo im Südatlantik versinkt. Auch er hatte wohl eine schwere Kollision, mit was? keine Ahnung, und wartet jetzt auf Rettung. Über 1.300 Seemeilen von der brasilianischen Küste entfernt und auch nicht in der Nähe einer Schifffahrtsroute, gar nicht so einfach, fast unmöglich. Ein Frachtschiff, zum großen Glück nur 200 Seemeilen entfernt, nimmt sofort Kurs auf den Havaristen. Bis es ihn erreichen wird, werden ca. 20 Stunden vergehen. Oh mein Gott, wir zittern mit und sind richtig geschockt. Mehr Infos haben wir zur Zeit nicht.
Wir segeln bedrückt weiter und schauen um 21:00 Uhr mal wieder auf den Tacho.
6.755 SM sind das heutige Ergebnis. Weitere 130 Seemeilen haben wir somit im Sack. Übrigens zeigt mir Klaus noch, wo unsere zusätzliche, starke Tauchpumpe liegt und wie sie funktioniert. Für alle Fälle…

07. Oktober 2023

Die Nacht verläuft ruhig. Zum Glück können wir endlich wieder auf den Motor verzichten. Das wird auch höchste Zeit, denn lange lief der jetzt auf 2.200 Umdrehungen, damit wir auch sichtbar voran kommen konnten. Denn nicht vergessen, wir müssen rechtzeitig Bazaruto erreichen!
Mehrfach nicke ich während meiner Nachtwache ein. Mist, das darf nicht sein! Ich hole mein Kindle und lese das Buch „Weltenatlas“ weiter. Obwohl das Lesen des nachts bei mir ja eigentlich das beste Schlafmittel ist, aber nicht dieses Buch. Hier muss ich richtig aufpassen, um das Hin und Her zwischen unterschiedlichsten Geschichten, Zeiten und Fiktionen zu verstehen und den Zusammenhang zu erkennen. Und Jambo geistert mir im Hirn herum. 🆘 Und an unsere Nachbarn, Gabi und Rainer muss ich denken, die sooo fantastisch auf unser Haus achten und auch darüber hinaus helfen, wo sie nur können. Denn das Leben geht auch zu Hause weiter und Dinge passieren. Amseln werden groß gezogen, so schön.

Aktuell macht uns aber jetzt ein Wasserrohrschaden in der Firma echt zu schaffen.

Das ist nicht schön und sieht richtig übel aus. Kein Handwerksbetrieb will sich der Sache annehmen. Keine Mitarbeiter und hohe Krankenstände sind die Begründung. Aber, aber, was sollen wir bloß tun?? Sooo weit entfernt vom Ort des Geschehens…
Nicht verzagen, Gabi und Rainer fragen, und schwupps löst sich das Problem fast in Luft auf. Jedenfalls ist die Problemlösung da und die Reparatur in die Wege geleitet. Ich kann immer nur wieder sagen, Danke, Danke, Danke 🙏! Ohne diese beiden, könnten wir unser Abenteuer so nicht machen!
Dann kreuzen mehrere Frachter unseren Weg und jegliche Müdigkeit ist weg. Der Sternenhimmel ist berauschend, aber Fische beißen keine an… Dann wechseln Klaus und ich uns ab, und ich darf endlich schlafen. 😴
Später am Tag, die Angel ist immer noch draußen, beißt ein fetter Tuna an und springt komplett aus dem Wasser und…. reißt sich los. Schade! Das wäre ein doller Fang gewesen…

Neuigkeiten im Fall Jambo. Martin ist gerettet. 18 Stunden musste er in seiner nass-kalten Rettungsinsel ausharren, bis der Frachter Alanis ihn aufnehmen kann 😮‍💨. Auch ein absolut wahnsinniges Erlebnis. Irgendetwas muss sein Ruder ab- und ein Loch in den Rumpf reingerissen haben. Aber wirklich wissen wird man es wohl nie, die Jambo ruht nun am Grund des Atlantiks.

Die Angel schlägt an. Huch, vielleicht wird’s jetzt was?! Jaaa, ein Gelbflossenthunfisch hängt dran. 🎣 Juhuu…

Genau die richtige Portion für uns beide. Morgen wird’s lecker❣️Wir segeln mit dem Sonnenuntergang weiter,…

und schauen auf unseren Tacho. Bei 6.916 Seemeilen haben wir bis 21:00 Uhr tolle 161 SM geschafft. Prima 👌. Wir segeln mit Screecher und alles nimmt zu. Der Wind (von hinten, bis zu 28 KN), die Strömung (von schräg hinten, 2,6 KN), die Welle, der Speed. Wir werden schneller und schneller und surfen die Wellen mit über 11 Knoten! Wahnsinn!! Eigentlich müsste das Screecher schleunigst rein, aber no Chance. Der Druck auf dem Seegel ist viiieeel zu groß. Wir sausen weiter durch die Nacht…

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