Lima, “die seltsamste, traurigste Stadt, die du sehen kannst”

Das waren die Worte von Herman Merville, Autor von “Moby Dick”, über die melancholische Hauptstadt Perus.
Aber zuerst ein paar Worte zu unserem Flug. Der war nämlich obercool ❣️Zwei fette, breite, bequeme Sitze warteten auf uns, mit ordentlich Beinfreiheit und ausfahrbaren Fußstützen. Eine eigene Stewardess kümmerte sich um uns. Fragte nach unserem Befinden, nahm unsere Menüwünsche auf, servierte uns gewärmte Knabbereien und Getränke nach Wahl. Wir schauten Kinofilme, verspeisten ein leckeres Mittagessen und genossen den gut 3 stündigen Flug sehr❣️😁
Nun empfängt uns eine….

Man möchte meinen, gleich gibt’s Regen, aber dem ist nicht so.
Ganze 50 Millimeter Regen fallen hier im gesamten Jahr, wenn’s hochkommt.

Die Stadt liegt i m m e r unter einer grauen Wolkendecke verborgen. Trotzdem schreitet diese Crew nach Arbeitsende beherzt in den restlichen Tag.

Wir besorgen uns wieder ein Uber und der Fahrer, ein junger Mann, ist ausgesprochen nett. Er erklärt uns, dass die grauen Wolken durch das Treffen kalter Luft vom Humboldt-Strom des Pazifiks, auf die wärmere Wüstenluft der Stadt entstehen und oft auch durch die Straßenzüge wabern. Dazu käme der stetig zunehmende Smog, der vielen, vielen Autos. Ein Drittel aller Peruaner leben in Lima, ein Moloch von ca. 13 Millionen Menschen.

Jepp, schon nach wenigen Minuten auf Limas Straßen bekommt man den Eindruck eines Verkehrsinfarktes.

Auch die Häuser und Gebäude sehen deprimierend aus.

Unzählige Werbeplakate und – lichter flackern durchs ewige Grau.

Unser Fahrer warnt uns vor einigen Stadtteilen, durch die wir fahren. Dort sollten wir uns nicht aufhalten. Alles klar.

Heilige verwirren sich im menschlichen Kabelsalat.
Alles wirkt schmuddelig.
Auch das Meer verschwimmt zu einer milchig-schmutzigen Suppe.

Einem nackten, braunen Berg hilft auch die Anpflanzung von Bäumchen nichts. Von alleine wächst hier gar nichts. Alles was grün aussieht, muss täglich bewässert werden. Viel gibt es davon folglich nicht. Alles ist trocken, braun und staubig.

Wir biegen ab, um in den Stadtteil Miraflores zu gelangen, ein wohlhabender und schöner Stadtteil, so heißt es. Dort liegt auch das erstes Hotel unserer gebuchten Gruppenreise. Klaus hat unserem Reiseleiter Ronald bereits geschrieben, dass wir Lima erreicht haben und bald im Hotel eintreffen werden. Eines vorab, Ronald wird auf unsere Nachricht nicht reagieren…

Kurz vor dem Hotel wird die Umgebung tatsächlich besser. 😅
Die Botschaft Großbritanniens.

Und da sind wir dann auch, im Hilton Garden Inn. Es ist ein etwas düsterer Bau mit einer gewisser Martialik.

An der Rezeption erfahren wir, dass wir uns morgen früh, nach dem Frühstück, um 9:00 Uhr, mit der Gruppe und dem Reiseleiter treffen werden. Okay. Wir gehen nochmal kurz raus und genehmigen uns einen kleinen Snack.

Die auch?

Wieder im Hotel geht’s noch mal hoch aufs Rooftop, um die Aussicht in Augenschein nehmen zu können.

Das ist ja nett hier! Aber bei 17 Grad Luft, ist ein Bad dann doch nicht so verlockend.
Der Blick.

Und jetzt ab ins Bett!

Gute Nacht 😴😴 🌙

Der nächste Morgen startet früh mit einem guten Frühstück, und wir entdecken drei Mitglieder unserer Reisegruppe.
Steckbriefe:

Vater Manfred, 65 Jahre, gebürtiger Pole, erfolgreicher, selbstständiger Gas-, Wasser-, Heizungsinstallateur und absolut fit.
Tochter Alexandra, 28 Jahre, ehemalige, erfolgreiche Leistungssportlerin im 400 Meterlauf, fertige Sportwissenschaftlerin und Marketingstudentin, …
und Tochter Charlotte, 26 Jahre, angehende Grundschullehrerin mit komödiantischem Talent, ebenfalls ehemalige Leistungssportlerin, Siebenkampf.

Ein Peruaner zwinkert mir am Buffet neckisch zu, vielleicht ist er ja unser Reiseleiter??
Nein, leider nicht. Um 9:00 Uhr kommt ein dünnes Männlein, fortgeschrittenen Alters, im karierten Hemd mit Schiebermütze. Das ist unser Reiseleiter Ronald.

“Ronaldo”, Peruaner, 61 Jahre, Reiseleiter bei skr-Reisen, lieb und nett, aber das war es dann auch schon…

Erster Eindruck von Ronald? Nun ja …Jetzt fehlt nur noch eine Person, und das ist die pensionierte Englisch- und Französisch-Lehrerin Mechthild.

Mechthild, 76 Jahre, ehemalige Lehrerin, absolut spaßbefreit und meckerich, aber schlank und fit.

Mit unserer Wenigkeit …

Klaus, 60 Jahre, Kapitän der Yuti und sein Crew Andrea, weder schlank noch fit, gerade noch 58 Jahre, rückenschmerzgeplagt und jetzt schon nicht gut auf Ronaldo zu sprechen… 🫤

wären wir dann komplett. Stopp, ein lokaler Guide ist noch mit von der Partie und der Fahrer des Kleinbusses. Der lokale Guide wird sich noch als sehr gut herausstellen. Es geht in den Minibus und ab zur Stadtrundfahrt. Zuerst passieren wir einen Hügel, der einer Pyramide ähnelt. Es ist auch eine Pyramide. Wir halten und steigen aus.

Huaca Pucllana Pyramide

Wir bleiben aber vor dem Zaun, besuchen nicht das zugehörige Museum und erfahren von Ronaldo nur, dass es sich um eine heilige Kultstätte handelt, diese nicht hohl ist, aus lauter sonnengetrockneten Lehmziegeln besteht und 1.500 Jahre alt ist. Ach herrje, sein Deutsch ist aber gar nicht gut. Er redet leise, mit vielen Füllworten und nuschelt noch dazu… 🫤.

Hier wird fleißig restauriert.

Zum Glück begleitet uns ja noch ein lokaler Guide, mit gutem Deutsch und vielen Informationen. 😅Dieser heilige Ort entstand schon weit vor der Gründung Limas durch den Spanier Francisco Pizarro, anno 1535. Auf 7.500 Jahre vor Christus, ließ sich hier gefundenes Werkzeug von Siedlern datieren. Mehrere Kulturen entwickelten sich im Land, bis hin zu den allbekannten Inkas. Die Lima-Kultur schreibt jedoch Verantwortung für den Bau dieser 7-stöckigen Pyramide. Archäologen vermuten verschiedene religiöse Zwecke des Baus und religiöse Opferungen junger Frauen… 🫢. Nach dem Motto, gib den Göttern das Schönste und Liebste, dann werden sie dir schon hold sein. Ein letztes Bild, dann geht es auch schon weiter.

Wir quengeln uns durch den Verkehr, aber nicht mit diesem Bus, das ist ein öffentlicher.

Es geht über Brücken, …
vorbei an Statuen, …
Kirchen …
dem Stadtstadion, …
den ersten Lamas, …
bedröppelten Peruanern, …
und mysteriösen “Schaufenstern”, …
bis hin zu Straßenkinderverkäufern, …
bis wir das Zentrum Lima’s erreichen.

Am Plaza de Armas, oder Plaza Mayor, dem Hauptplatz Limas, machen wir halt und dürfen nun verschiedene Paläste, sowie die Klosterkirche San Francisco bestaunen. Wer hat’s gebaut? Die Spanier natürlich.

Aber, man muss schon ein wenig im Trüben fischen.
Hier Paläste der damaligen reichen, spanischen Highsociety. Heute oft Amts- und Regierungsgebäude.

Die Stadt der Könige, wie Lima auch genannt wird, war bis Mitte des 18. Jahrhunderts das Zentrum der spanischen Neuen Welt. Das wundert mich allerdings schon, denn auch damals war das Klima depressionsverdächtig. Die trockenste Küstenwüste der Welt, die Atacama, ist im Zusammenspiel mit dem kalten Humboldtstrom des Pazifiks, damals wie heute verantwortlich für Nebel rund ums Jahr.

Geldwechsler an jeder Ecke.
Die Klosterkirche San Francisco.
Hier geht’s rein, in den großen Gebäudekomplex. Eine Dame, ist es vielleicht Maria?, schaut auf uns hinunter.

Mehrere Schulklassen, bewaffnet mit Stift und Block, warten auf Einlass.

Diese Jungs sind privilegierte Kreolen (in Peru geboren, von europäischen Eltern), oder Mestizen (in Peru geboren, von einem europäischen und einem indigenen Elternteil).

Diese, zur Zeit noch von 30 Franziskaner-Mönchen bewohnte Klosterkirche, ist ein wahrer Schatzkasten für Kunst und Literatur. Etliche wertvolle Gemälde und meterhohe Bücherregale gehören zum Klostereigentum.

Maurische Fliesen zieren viele Wände.
Der schöne Innenhof des Klosters.

Leider ist das Fotografieren nicht mehr erlaubt… Aber so ganz werde ich mich wohl nicht daran halten… 🤭
Besonders nicht vor diesem Ölgemälde des letzten Abendmahls.

Unser lokaler Guide erklärt uns die verschiedenen Malschulen und weist auf den Einfluss indigener Künstler hin, der auch in dieses Gemälde eingeflossen ist.

Was wird zum letzten Abendmahl gegessen??? Man kann es kaum erkennen, aber es ist ein Cuy, ein Riesenmeerschweinchen. Eine absolute peruanische Delikatesse. Interessant ist auch die Ausgestaltung des sich an Jesus lehnenden Jüngers, der mehr einer Frau gleicht, als einem Mann. Sollte das vielleicht Maria Magdalena darstellen?? Und wer flüstert Judas den Verrat ins Ohr? Jepp, der Teufel persönlich.

Und hier das vorläufige Ende vom Lied, der gekreuzigte Heiland.

Mit den Spaniern kam der Katholizismus ins Land. Sie rotteten kurzerhand die damalige Inka-Kultur aus, sowohl Menschen wie religiöse Bauten und errichteten auf den Ruinen ihre pompösen Kirchen. Dominikaner, Franziskaner und Jesuiten komplementierten dieses “Werk”. Heute sind 95 % der Bevölkerung Perus Katholiken. Doch unter vorgehaltener Hand oder auch völlig offen wird der indigene Glaube von damals mit integriert. Dies werden wir noch an vielen Stellen im Land entdecken.
Jetzt geht’s runter in die Katakomben. Das Kloster ist weitläufig von unterirdischen Gängen durchzogen.

In früheren Zeiten wurden etliche Menschen hier unten beerdigt. Ich glaube es waren um die 70.000. Der Vorteil war, dass man durch Luftschächte der Messe akustisch lauschen konnte. Das beruhigte viele Seelen zu Lebzeiten sicher sehr. 🫣 Später wurden die Knochen exhumiert, sortiert und zum Teil in Mustern neu arrangiert. Meistens liegen sie aber nur in rechteckigen Steintruhen aufgestapelt. Hat man die Katakomben von Paris gesehen, ist das hier nicht besonders spektakulär. Im Vergleich:

Paris, na Kinder, erinnert ihr euch❓

Lustig ist h i e r die Tatsache, dass es auch einen unterirdischen Gang rüber zum Nonnenkloster gab. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Und wir gehen jetzt hoch und raus und dürfen ein wenig und selbstständig durch die Altstadt flanieren.

Bunte Farbtupfer durch die in Trachten gekleideten Andenfrauen.
Schulklassenaufläufe vor dem Haus der peruanischen Literatur.
Regierungsgebäude
Bewacht wird hier gut, man ist auf alles vorbereitet.
Wunderschöne, holzgeschnitzte, spanische Balkone.
Hier auch!
Tatsächlich fand die Grundsteinlegung aber etwas weiter weg statt…
Wachwechsel und Musikkapelle vor dem Hauptregierungsgebäude.
Das hört sich aber nicht sehr peruanisch an.
Wir suchen noch ne Bank und heben ein paar Soles ab, die Landeswährung Perus. 100 Soles entsprechen ca. 25 Euro.
Alles was irgendwie grünt und blüht, muss ständig gewässert werden. Das Wasser kommt aus den Anden, ein weiter Weg und daher sehr kostbar!

Das war Lima. Wir fahren nun raus aus dieser wolkenverhangenen Stadt. Fünf Stunden Busfahrt liegen vor uns, bis wir Paracas erreichen werden. Wir nehmen die Panamericana, d i e Verkehrs- und Lebensader des Landes.

Alles was Räder hat, ob Schwerlastverkehr, Touribusse, Pkw’s oder Motorräder läuft über diese Route. Sobald wir den Kern der Stadt verlassen haben, wird es wieder arm und ärmer, staubig, autoverstopft, trocken und monoton.

Nix mehr mit kolonialen Prachtbauten.
Verkehrsverstopfte Straßen, U- und S-Bahnen gibt es nicht.
Favelas, bis auf die Hügel hinauf…

Und dann, die große Monotonie. Trockene Wüstenberge, kaum Vegetation, aber Industrie hinter Mauern.

Eine wackere Palme vor Industriequalm.

Tristesse und grauer Himmel begleiten uns noch lange.

Aufforstungsversuche, die aber nur bei ständiger Bewässerung eine Chance haben.

Die klimabestimmende Atacama Wüste bekommt im Durchschnitt nur 20 Milliliter Regen übers Jahr ab. Oftmals auch gar nichts, aber ganz selten auch viel mehr. Dann gibt es Überschwemmungen, mit Schäden für Mensch und Tier. Nur blüht und grünt sie dann, wie von Geisterhand. Das muss sehr beeindruckend sein.

Hier grünt und blüht allerdings nichts.
Ein abgestorbenes Bäumchen streckt mahnend seine Zweiglein gen Himmel.
Manchmal tauchen Villen am Meer, von reichen Menschen aus Lima, auf. Aber ist das hier schön? Grau und diesig ist der Himmel noch immer.

Wir passieren Ortschaften …

Der Himmel reißt endlich auf, aber die Tristesse der Gebäude bleibt. Fast ausschließlich unverputzte Lehmziegelbauten, viele unfertig oder bereits Bauruinen.

Vermummt, vor Staub geschützt, bieten Straßenverkäufer ihre Waren an. Erfolgreich? Selten!

Weiter geht’s! Es wird “wüstiger”, bis wir Paracas endlich erreichen.

Übrigens, die Palmen wurden von den Spaniern mitgebracht.
Ich verstehe die Schutthaufen nicht und den vielen Müll am Straßenrand. 🤔

Die Panamericana ist nicht wirklich in einem guten Zustand und die Federungen vom Minibus sind nicht die besten. Klaus und ich sitzen ganz hinten, selbst gewählt, und werden ordentlich durchgerüttelt. Eine Eigenart hier sind die eingebauten Bodenwellen. Vor, in und nach Ortschaften, auch noch so kleinen, oder vor Tankstellen, die es sehr häufig gibt, tauchen sie plötzlich auf. Der Fahrer bremst ab und hubbelt vorne rüber. Dann gibt er wieder Gas, und wir hier hinten bekommen nochmal einen ordentlichen Schlag ab. Au, mein Rücken 😵‍💫.
Dann sind wir endlich da!!!

Unser Hotel liegt direkt am Strand, und wir kommen noch rechtzeitig an, um einen wunderschönen Sonnenuntergang zu genießen. 🤗 Das Haus hat einen gigantischen Pool, aber niemand ist drinnen. Eigentlich Wahnsinn so eine Wasservergeudung zu betreiben, bei allgegenwärtiger Wasserknappheit. Wir laufen noch zur Promenade, die Knochen etwas richten…

Da ist ja ne ganze Menge verboten…
Meerestierplastiken und Kabelsalat.

Wir laufen zurück in den Sonnenuntergang und zum Begrüßungs-Pisco Sour. 🍸

Pisco Sour ist das Nationalgetränk, neben dem beliebten Maisbier, dem Chicha. Pisco ist ein Traubenschnaps, von heimisch angebauten Trauben 🍇 und nach der Stadt Pisco benannt. Gemixt wird er mit Zuckersirup, Limettensaft und Eiweiß und wird mit Eiswürfeln im Shaker geschüttelt. Das schmeckt echt lecker und schreit nach mehr❣️ Doch morgen geht es früh raus. Und hätte ich gewusst, was für ein Sodbrennen der bei mir verursachen würde, hätte ich mich zurückgehalten… 😝.

Brennendes Gut’s Nächtle 😵‍💫 🫢 😮‍💨

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert