Lombok versus Bali

Es sind Schwesterninseln und doch so verschieden.

Übrigens, wir habe es gestern dann doch noch in unsere Kojen geschafft und prima weitergeschnorchelt. Was so ein bisschen Bier doch ausmacht! 😉
Aber zu wissen, dass wir unsere 3-Tagestour auf Lombok unter Dach und Fach haben, hat sicher auch zur Entspannung beigetragen. Ein Fahrer, zwei Hotels, alles ist gebucht und organisiert.
Ach, und noch was, von unserem Ankerplatz aus haben wir einen prima Blick auf den aktiven Vulkan Rinjani.

Blick vom Ankerplatz.

Er ist d i e Attraktion von Lombok! Ist er doch mit seinen 3.726 Metern der zweit höchste Vulkan ganz Indonesiens. Und sein junger Krater, im See des alten,…

gibt ihm die Möglichkeit jederzeit auszubrechen. 🌋

Aber wieso jetzt eigentlich Lombok? Bali ist ja wohl jedem ein Begriff, oder? Beide Inseln sind an der engsten Stelle nur 35 Kilometer von einander entfernt, aber schon immer durch die sogenannte 1.000 Meter tiefe Wallace-Linie getrennt. Alfred Russel Wallace erkannte diese auffällige, geologische Trennung im 19. Jahrhundert und so wurde sie nach ihm benannt. Diese tiefe Schlucht war nie ohne Wasser, ist nie trockengefallen. Auch, als der Meeresspiegel 120 Meter tiefer lag, führte diese Rinne stets Wasser. Und so entwickelten sich zwei völlig verschiedene Welten. Bali war einst mit dem asiatischen Festland verbunden und beherbergt deshalb eine asiatische Flora und Fauna. Bali ist etwas größer als Lombok mit seinen 4.700 Quadratkilometern und beherbergt ungefähr 4,5 Millionen Einwohner. Diese sind mehrheitlich dem Hinduismus zugewandt. Blüten, Tempel, Prozessionen und viel Schnick Schnack beherrschen das Bild. Lombok ist fast ausschließlich islamisch geprägt, beherbergt um die 4 Millionen Menschen und weist eine ganz andere Flora und Fauna auf. Wobei bestimmt das ein oder andere Samenkorn fliegend die Seiten wechseln und Kokosnüsse hin und her schwimmen konnten. Noch unter der niederländischen Kolonialmacht entwickelte sich Bali bereits touristisch. Galt doch die Gesamtheit der Hindu-Kultur als besonders exotisch. Insbesondere in den 1960er, 1970er Jahren boomte der Tourismus und nahm Fahrt auf. Hotelketten sprossen aus dem Boden wie Bambus, ein internationaler Flughafen wurde gebaut, für gute Infrastruktur gesorgt. Lombok hatte zwar auch mit seiner Sasak-Kultur etwas “zu bieten”, seine Menschen waren aber über die Zeit überwiegend zum Islam konvertiert. Vielleicht war das der Grund für eine viel, viel spätere, touristische Entwicklung? Jedenfalls spielte Lombok dahingehend fast 100 Jahre irgendwie so gar keine Rolle. So blieb Lombok ursprünglich, fast bis heute. Bali ist mittlerweile ein touristischer Moloch, wird überschwemmt von Besuchermassen und ist sehr kommerziell. Und deshalb fiel unsere Wahl auf Lombok.

So segeln wir nun um Lombok herum,…

kommen ganz passabel mit unserem Screecher voran und staunen über eine Shrimp Farm nach der anderen.

Und weitere sind im Bau!

Der weltweite Hunger nach Shrimps muss gigantisch sein!
Doch immer wieder fällt unser Blick auf den Rinjani.

Das Erklimmen dieses Kraters mit Trägern und Übernachtungen im Zelt, gilt als eine der wichtigsten touristischen Attraktionen der Insel.

Um 17:21 Uhr hängen wir an der vorbestellen Boje Nummer 18. Das Bojenfeld liegt vor einer klitzekleinen Marina, die sogar ein Trockendock und Reparaturmöglichkeiten bietet. Ach, ist das schön❣️Wir sind da❣️

Die Wolken sehen gefährlich aus, es fällt aber kein Tropfen.
Kurz vor 18:00 Uhr…

Kurz nach 18:00 Uhr geht es los. Aus verschiedenen Richtungen beginnt der Singsang der Muezzine. Das ist gewöhnungsbedürftig, das muss ich schon zugeben! Ein vielstimmiges “Gejodel” geht über uns nieder. Hmmm…, schon nervig! Denn passen tut das unterschiedliche “Gejaule” nicht zueinander! Ohren zu und durch, durch die Nacht. Sie jaulen lange und immer wieder…. 🙉.

Am nächsten Morgen

Oh was für ein Gewackel herrscht hier am Mooringball! Und das, obwohl das Wasser so glatt ist. Aber tiefer Schwell trifft die Boote meist seitlich und lässt auch Yuti kräftig schaukeln. Und dann das Gejaule der Muezzine. Es ist furchtbar! Krumm und schief und immer wieder. 🥴 Zu allem Überfluss ist da auch noch so eine hohe Eunuchenstimme mit dabei. Grausam! Etwas später finden wir heraus, das ist gar kein Eunuch, das ist ein Kind, ein Junge. Der darf halt auch mal. Bestimmt sind seine Eltern stolz wie Bolle, aber unter uns, das ist fast nicht zu ertragen! 🙉🙊🙈
Und dann werden wir hier auch noch geräuchert, lebendig! Der beißende Qualm zwickt manchmal sogar in den Augen. Wie war das nochmal? Müllmanagement! Ach ja! 🙊🐵🙈
Puhhh, ist das hier doch kein so guter Platz?! Sieht ganz so aus. Doch von hieraus startet unsere 3-Tagestour. Also Augen und Ohren zu und durch. Wenn ich mir die kleineren Monohulls so angucke, wie die so hin- und herwackeln, müsste ich eigentlich gleich kotzen. 🤮
Am späten Vormittag machen wir mal mit dem Dinghy rüber. Wir sollten uns anmelden und Hallo sagen. Der Marino möchte auch unser Greenbook sehen, das liegt aber noch an Bord. Okay, bringen wir dann morgen vorbei. Dann entsorgen wir unseren angesammelten Müll vorschriftsmäßig. Wenn der mal nicht auch demnächst verbrannt wird? Würde mich nicht wundern. Und jetzt laufen wir mal vor bis zur Straße. Ich bin neugierig und will mich umschauen.
Noch auf dem Marinagelände:

Das Büro der Marina. In wenigen Tagen wird hier die World ARC mit über 20 Booten einfallen. Da werden wir bereits wieder weg sein.
Das Hotel der Marina.
Trockendock mit kleiner Werft.

Dann gibt es noch ein Restaurant, Toiletten und Laundry und alles ist im Besitz eines Europäers, beziehungsweise offiziell im Besitz seiner indonesischen Frau. 😉
Dann verlassen wir kurz das Marinagelände, passieren das Kontrollhäuschen mit 2 netten Kerls und treten auf die “Straße”.

Blick zurück,…
Blick nach rechts,…
Blick geradeaus,…
nach halb links…
und ganz links.

Upsi, das ist aber sehr ärmlich hier und schmuddelig! Damit habe ich so nicht gerechnet. Klaus mag gar nicht mehr groß weiterlaufen, ich möchte noch vor bis zum ersten “Supermarkt”, kurz vor der Hauptstraße.

Die erste Moschee von Tausend! Ich habe entdeckt, dass Lombok als die Insel der tausend Moscheen gilt. 🫣 Klaus läuft wieder vor. Er will es schnell hinter sich bringen.
Ein paar Farbtupfer gibt es trotzdem.
Aha, die Hauptstraße. Wir laufen noch bis zum Rama Mart und kaufen ein paar Wenigkeiten ein. Morgen soll es mit Fahrer zum richtigen Supermarkt gehen.
Hier ist ganz schön was los! Traffic, Traffic, Traffic 🛵💨
Und schnell wieder zurück.

Bevor wir ins Dinghy steigen, besuchen wir das Marina-Restaurant.

Klaus bekommt Hähnchen Cordon Bleu und ist begeistert. Ich habe Thunfisch mit Gemüse und Pommes auf dem Teller. Auch mir schmeckt es klasse, nur ist der Thunfisch leider ein zweites Mal gestorben. Es ist alles sooo billig! Irgendwie zahlen wir 10,- Euro umgerechnet für alles, inclusive Getränke. Dann beglücke ich noch einen fliegenden Händler, weil ich ihm ein Muschelarmbändchen abkaufe. Er strahlt mich an und will mich in sein Gebet einbinden. 😁 Und nun setzen wir wieder über. Das Gewackel hat glücklicherweise etwas abgenommen. Eine sanfte Brise hält die Boote auf Richtung, die Wellen kommen von vorne. Ich beobachte noch ein Weilchen das Hafengeschehen. Immer wieder kommen Boote und bringen etwas. Aber was? Ich glaube sie bringen gesammelten Müll. Pappe und gesammelte Plastikflaschen in Säcken. Eine Recyclingannahmehütte steht am Strand.

Abgeladen wird händisch.

Schon in Kupang konnte ich beobachten, dass die Männer ins Wasser sprangen und halb schwimmend, halb watend die Waren an Land brachten. Hier jetzt das gleiche Bild. Wenn etwas nicht nass werden darf, muss es entsprechend hochgehalten werden. Dann geht’s ins Häuschen und es wird abgerechnet.
Na, und ab 18:00 Uhr geht das Gejaule wieder los, volle Kanne. Schon vorher wurde murmelnd aus dem Koran rezitiert. Jetzt sind die Lautsprecher wieder auf “gib ihm” eingestellt. 🫨 Danach darf dann der Junge noch 2 Stunden lang quäken. Es ist unbeschreiblich grausam!
Gute Nacht! 🥴
P.S.: Warum hat sich Lombok touristisch nicht so entwickelt wie Bali? Dreimal darfst du raten!

Was ist das denn? 😣

Um 3:00 Uhr in der Nacht werde ich wach. Gottchen, was ist da denn los??? Alle Muezzine überschreien sich gegenseitig. Es ist wirklich beängstigend, extrem laut und einfach nur schrecklich‼️ Ich muss meine Dachluke schließen, höre dieses Geschrei mit Widerhall trotzdem und kann nicht mehr schlafen. Bis 5:00 Uhr geht dieses Theater, diese furchtbare Lärmbelästigung, nee, diese Körperverletzung! Ich bin sprach- und fassungslos.
Zerschlagen stehe ich auf, tropfe Klaus 2 Tropfen ins Ohr, huppsalla, es sind 3 geworden, dann mache ich mich fertig.
Um 8:00 Uhr spätestens wollen wir im Marinabüro unser Greenbook vorlegen und die Paperwork abschließen. Wir sind schon um 7:30 Uhr dort und treffen auf Peter, den Eigentümer dieser Marina. Was ein Tausendsassa, was ein Weltgereister! Wir haben ein kurzes, interessantes Gespräch, dann meldet sich Iskander. Iskander, auf deutsch heißt er Alexander, lässt uns wissen, er sei da und sitze gerade noch bei seinem Cousin für einen Kaffee. Wir könnten dazukommen. Iskander ist unser Fahrer für die geplante 3-Tagestour, und heute bringt er uns zum Einkaufen zum Supermarkt.

Das ist sein Auto, gegenüber lebt sein Cousin. Einer von ganz vielen Cousins und Cousinen. 😅

Schwupps sitzen wir bei dem Cousin, lernen ihn, Iskander und zwei Frauen (Cousinen?) kennen. Es ist mehr eine rumpelige Hütte, als ein Haus, unordentlich und ja, auch dreckig. Aber wir trinken gemeinsam starken Kaffee und knabbern leckeres Süßgebäck. Nun, so leben sie halt. Ich werde nie verstehen, warum man in Armut auch oft so verdreckt hausen muss. Warum wird Müll einfach überall fallengelassen? Sie dürfen doch alles verbrennen. Warum werden Bauten nicht fertiggestellt und Schutt und Gerümpel einfach liegen gelassen? Mir zuckt’s in allen Gliedmaßen, und ich würde gerne den ganzen Dreck und das ganze Gerümpel entsorgen und aufräumen. 🫣 So, jetzt aber ab zum Supermarkt. Iskander ist ein netter, gutaussehender, fast 40 jähriger Kerl, der eher wie Anfang 30 rüberkommt. Er spricht ganz gut Englisch, was eher selten ist und scheint so ein wenig das Geld ranschaffende und sich sorgende Familienoberhaupt zu sein. Und so bringt er uns zuallererst zu einem Obst- und Gemüsehändler, selbstverständlich ein Cousin von ihm, grins.

Ja, da werde ich schon fündig.

Danach bringt er uns zum besten Supermarkt dieser Region. Tja, viel gibt es dort aber nicht. In erster Linie werden asiatische Fertigprodukte und Gefrorenes angeboten. Zum Glück haben sie Milch, etwas Käse und Butter. Das war es aber auch. Ach ja, Nutella haben sie noch! Die kommt dann auch noch mit. 😊
Es geht wieder zurück, und ich staune über den Müll und Dreck überall am Straßenrand und vor sämtlichen Gebäuden. Zurück an Bord werden unsere Einkäufe verstaut, denn nach unserer morgen startenden Kurzreise wollen wir gleich wieder in See stechen. Wir tuckern nochmal rüber zum Restaurant und essen zu Mittag. Heute liegen einige Hunde zu unseren Füßen, einer bettelt. Und bei einsetzender Dunkelheit geht das abendliche Schreikonzert wieder los. Brrrr…
Dann wird noch ein Segelboot abgeschleppt und uns direkt vor die Nase gesetzt.

Der Schlepper ist so laut, dass ich die Muezzine kurz mal nicht höre. 👍 Doch der Segler mit Motorschaden geht leider nicht an eine Boje, sondern ankert nicht gerade sehr weit entfernt von uns. Muss das sein? Morgen früh hauen wir ab und können dann gar nicht mehr beobachten, ob der Mono auch fest verankert ist. Blöd!

Kann man nichts machen für! Gute Nacht! ———————— 🙉 😴 🌙————————

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