Mit Iskander über die Insel 🚓💨

Und ab geht die Post. Um 9:00 Uhr klappen die Autotüren, unser kleines Reisegepäck liegt im Kofferraum, Iskander dreht den Schlüssel um und los geht’s. Erstes Ziel sind zwei große Wasserfälle. Bis dorthin ist’s ein gutes Stück, ich schaue raus und versuche mir einen Eindruck von Land und Leuten zu machen.

Mal sehen, wieviele Moscheen ich auf‘s Foto bekommen werde?! Vorbei geht‘s an einem kleinen Markt. Viele Männer und Mopeds prägen das Bild.

Dann wird es ländlich. Reisfelder drängen sich in den Blick.

Arbeiter auf den Reisfeldern ernten die Samenstände ab. Eine mühsame und körperlich anstrengende Arbeit. Iskander erklärt uns, dass das einer der Haupterwerbe der Menschen hier ist. Es gäbe nicht viel Arbeit auf Lombok. Etwas Tourismus-, Garten- und Feldarbeit. That’s it. Es reicht bei weitem nicht für alle! Das werden wir noch öfter hören. Deshalb sei der Familienzusammenhalt auch so wichtig. Da unterstützt einer den anderen. Er finanziere so zum Beispiel auch die Familie seiner Schwester, da deren Mann kaum Einkommen habe. Die Frauen bleiben meist zu Hause und kümmern sich um die Kinder. So ist es auch bei ihm. Er hat 2 Söhne und seine Frau sei daheim. Okay… 🤔.

Wie auf Bestellung sehe ich Frauen mit ihrem Nachwuchs auf dem Roller. Schul-Shuttle-Service. 😌

Und das ist eine „Tankstelle“ für die Bikes. Benzin in Flaschen stehen im Regal. Das werde ich noch sehr oft so sehen. Interessant finde ich die Farben, grün und blau.
Wohnungen und Geschäfte.
Verkaufsstände unterhalb der Straße. Übrigens, die Straßen sind relativ gut und sehen fast neu aus.
Hausbau

Wir erreichen die Ecke mit den Wasserfällen.

Und bekommen herrliche Ausblicke auf Berge, Palmen und Reisfelder. 🤩

Es wird hier aber nicht nur Reis angebaut. Viele weitere Feldfrüchte und auch Tabak werden kultiviert. An einem Rastplatz mit Blick, werden wir an „Man“ übergeben. Wahrscheinlich heißt er Rahman, was gerne zu Man abgekürzt wird. Also Man bringt uns jetzt zu den Wasserfällen. Er ist lustig und nett, kann aber nur wenig Englisch. Doch ist er äußerst bemüht, uns heil und sicher und informativ zu führen.

Ein zierlicher, fröhlicher kleiner Mann. 😊
Bebauung am Hang.
Blick ins Tal.
Ein Aff‘, Man mag ihn nicht und scheucht ihn davon.
Café am Hang.

Wir laufen lange an einem vor Jahrhunderten gebauten Kanal entlang. Ein Bewässerungssystem für die Landwirtschaft und Wasserversorgung der Dörfer.

Bambusdschungel
Ferienanlage?
Bergketten
Wasserlauf

Es ist ein wirklich schöner und schattiger Weg. Das Wetter ist eh zum Eierlegen und Man erklärt uns den Weg, den künstlichen Wasserlauf und verschiedene Pflanzen und Bäume.

Das ist ein Baumwollbaum! Ach schau an. Diese Baumwolle wird aber nur als Füllmaterial verwendet, nicht für die Herstellung von Kleidung.
Staustufen zur Regulation des Wasserlaufs.

Klaus liebt Staustufen und spielt gleich daran herum. 🤭 Plötzlich blitzt der erste Wasserfall durchs Dickicht.

Man will uns unbedingt fotografieren. Bitteschön. 📸

Wir nähern uns dem Wasserfall Sendang Gile. Früher hieß er mal Sengang Gile und hieß soviel wie „verrückter Löwe“. Der Legende nach wurde einst ein „verrückter“, ein Dorf terrorisiernder Löwe verjagt. Bei seiner Verfolgung in den Wald, stieß man auf diesen Wasserfall. So hatte er seinen Namen weg. Heute übersetzt man seinen Namen gerne mit „verrückter Wasserfall“. Schauen wir mal, wie verrückt dieser Fall tatsächlich ist.

Sehr schön anzusehen ist er auf jeden Fall ❣️
La la la, wir sind da❣️Am Fuße des verrückten Wassers.
Hier haben sich ein paar Stände und Futterbuden niedergelassen.
Man hat auch eine Vorliebe für einen der Stände. Dort lassen wir uns nieder, kaufen etwas zu trinken und wechseln die Schuhe. Klaus wird bis runter zum Fall steigen und etwas vom Wassernebel schnuppern. Ich bleibe sitzen und beobachte das Treiben. Man unterhält sich mit der Standbetreiberin.

Er erzählte uns auf dem Weg hierher, dass es so unglaublich schwierig und mühsam sei, sich finanziell über Wasser zu halten. Auch er merkt an, dass es viel zu wenig Arbeit gäbe. Wer kann, mache irgendwas mit Touristen, so wie er, die anderen verdingen sich für einen Hungerlohn auf den Feldern und in den Gärten. Diese Arbeit mache einen aber körperlich kaputt. Man würde krumm und schief und bekäme schnell einen kaputten Rücken. Er macht es uns ständig vor und läuft mit gebeugtem Rücken. In unserem Alter könnte kein Feldarbeiter, keine Feldarbeiterin mehr gerade und ohne Stock gehen. Übel! 🥴 Er nennt uns auch nicht beim Namen, sondern sagt Mama und Papa zu uns, oder Omma und Oppa. ☺️ Gerade mache ich noch ein paar Aufnahmen,…

dann brechen wir zum zweiten Wasserfall auf, dem Tiu Kelep, dem „Becken des fliegenden Wassers“.
Der Weg dorthin ist ne etwas andere Nummer. Es geht über gerölliges Flußbett, glitschige Wege, über das ein oder andere Hindernis hinweg und viele Treppen hinauf. Man hält mich viel an der Hand, Mama darf nicht stürzen. Und Papa? Beziehungsweise Oppa? Der soll gut aufpassen. Hati, Hati,…

Vorsicht❗️

Achtung, Achtung und langsam, langsam, sind die deutschen Worte, die Man ganz schnell von uns lernt und jetzt millionenfach sagt. Und ich sage nun laufend, Hati, Hati! 😆

Es geht durch knöcheltiefes Wasser. Aber warum formt Man mit seiner Hand eine Pistole??? 🤔 Hinter uns kraxelt Oppa, alias Klaus.
Wir wechseln mal eben die Reihenfolge. 😜

Dennoch wartet Man auf mich, um mich hochzuziehen.

Ich muss aufpassen, dass ich ihn, das Fliegengewicht, nicht zu mir runter ziehe!!! 🤭

Viele Paare und Kleingruppen haben ihre Guides. Ich weiß, das ist nicht zwingend oder gar vorgeschrieben, aber es ist ihr Broterwerb im wahrsten Sinne des Wortes. Da kommt es bei mir nicht gut an, als ein Deutscher, a l l e i n e unterwegs, ohne Guide, mich darauf nochmal hinweist. Blödmann! Der hat nichts kapiert! ☹️
Dann sind wir da, am Fuße des Beckens des fliegenden Wassers. 🫧

Ja, und es fliegt und sprüht und spritzt wirklich, je näher man ihm kommt.

Ein sehr schönes Fleckchen Natur❣️
Das Wasser tobt regelrecht beim Aufschlag!

Viele fotografieren und posieren ausgiebig.

Dieses junge Paar kann kaum genug davon bekommen.

Dann geht’s den etwas wackeligen, nassen und beschwerlichen Weg wieder zurück, mit viel „Hati, Hati“, „langsam, langsam“ und „Achtung, Achtung“. 😆
Wir treffen auf Iskander, verabschieden Man mit einem ordentlichen Trinkgeld und fahren zum Essen in die Rinjani Lodge.

Es ist das beste Haus am Platze mit coolem Blick und Pool. 🤩 Eigentlich wollten wir genau hier auch übernachten, doch das Haus war fully booked. Wir wählten eine Alternative, das Lighthouse. Zu dem geht es dann nach dem Essen.

So, das war nett❣️ Wir essen zu dritt und laden Iskander selbstverständlich ein. Jetzt geht es weiter. Unterwegs besprechen wir drei, dass wir uns heute noch statt morgen, das traditionelle Dorf anschauen wollen. Abgemacht. ✅

Dazu müssen wir uns aber in ein traditionelles Tuch wickeln. 🤭

Ha, ha, ha… 😂.

Eine junge, sehr nette Frau führt uns durch ihr Dorf. Hier leben 8 Familien, ganz ursprünglich, wie noch zu Zeiten der Sasak-Kultur. Es ist, als würden wir in Deutschland ein Freilichtmuseum besuchen. Mit dem Unterschied, dass hier noch nach alten Mustern und Traditionen richtig und tatsächlich gelebt wird.

Ein paar Spielzeuge der Neuzeit haben sich aber schon hierher verirrt. 😉

Unsere Guide erzählt fast wie ein Wasserfall. 😂 Sie ist nach der Hochzeit ihrem Mann hierher ins Dorf gefolgt. Lebt zusammen mit ihm, ihrer Tochter und den Schwiegereltern in einem dieser traditionellen Einraum-Häusern. Privatsphäre? Fehlanzeige. Manche Familien leben mit 10 oder 12 Personen in so einem Familienhaus. 🫢

Ui, ich bekomme Beklemmungen. Es ist dunkel, muffig und sehr, sehr einfach hier drinnen. Der Boden besteht aus gestampftem Lehm, verfeinert mit Kuhdung. Geschlafen wird in 2 Betten. Die Schwiegereltern in einem, die dreiköpfige Familie im anderen. Gekocht wird in einer der Ecken auf offenem Feuer. Sie haben zwar einen Stromanschluss, die Schwiegereltern bestehen aber auf die traditionelle Art des Kochens. Mitsprache hat sie nicht. Überhaupt unterliegen alle Bewohner strengen Regeln, die vom dorfeigenen Iman, dem überregionalen Mittler zwischen Dorf und Staat und runter bis zu Schwiegereltern und Ehemann bestimmt und kontrolliert werden. Sie findet das alles andere als gut und beklagt sich über diverse Zwänge und Erwartungen. Alles mögliche müsse gefeiert werden. Hochzeiten, Geburten, Beschneidungen, Beerdigungen und natürlich alle religiösen Festlichkeiten. Die Männer sitzen dann unterm Dach der allgemeinen “Wohnzimmerhütte”, palavern und rauchen, die Frauen sitzen entfernt zu ihren Füßen und müssen alles Beschlossene umsetzten. Dann muss bei jeder Feierlichkeit entsprechend aufgetischt werden, und wehe wenn nicht. Dann wird böse gelästert und hinterrücks getuschelt. Das Geld ist so schon so knapp und eigentlich müsste man alles etwas runterfahren, aber daran ist nicht zu denken, der bösen Nachrede wegen. Tja und Jobs gibt es fast nirgends. Was sie total nervt, ist die ewige Bevorzugung der Männer und der Söhne. Bekomme man ein Mädchen, so wie sie, ist das nicht sehr viel wert. Der Stammhalter ist nach wie vor das höchste aller Dinge und wird dementsprechend gefeiert. Von Gleichberechtigung seien sie so weit entfernt. Das hört sich ja alles gar nicht gut an! Und trotzdem wirkt sie in sich ruhend und sogar fröhlich. Wir schreiten gemeinsam weiter durch ihr Dorf.

Viele Hühner und Enten lebe im Dorf. Wenige Ziegen liegen unter dem Dach der Stallhütte.
Oben links liegt kein Misthaufen sondern Alang-Alang-Grasbüschel, auch Silberhaargras genannt. Damit werden die Dächer gedeckt und ausgebessert.
Das ist das Bad inklusive Toilette. Eines für alle Bewohner und ohne Dach. Puhhh, das ist heavy!!!

Sie bauen verschiedene Früchte und Gewürze an. Sie meint, sie lebten vegetarisch und schenkt uns eine grüne Orange und eine Avocado, klebt mir Weihnachtssternblättchen ans Ohr…

und zeigt uns die Gewürze.

Bei einem Haus verkaufen sie Kaffee, Nelken, Vanilleschoten und anderes. Wir erstehen ein Bündel der gut duftenden Vanilleschoten und erinnern uns an Madagaskar. Dort gab es die fetten Vanillebündel an fast jeder Ecke. Also dient auch das Dorf selbst dem Zweck des Broterwerbs. Unserer netten Guide werden wir nach eigenem Befinden einen Obolus in die Hand drücken. So ist es hier üblich. Da kommt auch noch ihre kleine Tochter angesaust. Sie habe ihr vorhin aufgeregt gesagt, dass da gleich Touristen kämen. Tja, auch sie weiß genau, wie der Hase hier läuft. Hoffentlich lernt sie gut in der Schule, lernt Englisch und bekommt eine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben. Ihre Mutter hat es jedenfalls gecheckt. 😌
Tschau, tschau, dadah, bye bye 👋.
Nun geht es in unser Leuchtturm-Hotel. Weit ist es nicht mehr. Iskander übergibt uns dem Hotelpersonal und verabschiedet sich bis morgen.
Um den offenen Speiseraum samt Bar und Rezeption zu betreten, müssen wir die Schuhe ausziehen. Oh, das mag ich ja so ganz und gar nicht. 😟

Nun gut, es muss sein. Wir checken barfuß ein, bekommen unseren Schlüssel und besprechen schon mal das morgige Frühstück. Dann gibt es erstmal einen coolen Begrüßungstrunk.

Erst ist er leuchtend pink und nach Zuckerwasserzugabe türkisblau. Schmeckt übrigens gut. 👍

Jetzt wurschteln wir uns unsere Schuhe wieder an und laufen rüber zu unserem Häuschen.

Hübsch❣️

Ich sitze noch ein Weilchen auf der Veranda und schreibe in meine Tagebuchkladde. Klaus liegt schon auf unserem Bett unterm Baldachin und beobachtet einen kleinen Gekko beim Fliegenfangen.

Der soll sich mal schön den Bauch vollschlagen, je ruhiger verläuft unsere Nacht. 😉
Ich bin müde und ausgepowert und schlafe schon gegen 18:00 Uhr ein. Schluss für heute. Morgen holt uns Iskander nach dem Frühstück wieder ab, und die Reise geht weiter… 🚓💨💨

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