Singapur ruft 🔊

Ja, wir hören es! Oder ist es Pulau Batam? Es sind jedenfalls noch 1.000 Seemeilen bis zum Treffpunkt mit unseren Kindern, die Zeit drängt.

Guten Morgen Sonnenschein. ☀️ Nee, was ist das denn? Der Himmel ist mausgrau und es regnet Bindfäden. 🌧️ Ohhh, da wird unser Panorama-Walk durch die Reisfelder wohl buchstäblich ins Wasser fallen.
Doch erstmal lassen wir uns ein gutes Frühstück schmecken. 😋 Parallel unterhalten wir uns noch mit den französischen Hotelbesitzern. Sie sind schon richtig lange in Indonesien und diese Oase der Ruhe ist ihr bisher letztes Projekt. Wir loben ihr Werk bis über den Klee, aber so richtig zufrieden wirken beide nicht. Da kann man wohl machen nichts. 🤷 Sie haben jedoch genügend Hunde und Katzen, statt Kinder, die ihnen viel Liebe und Zuneigung entgegenbringen könnten. Wir sagen mal adieu und warten auf Iskander.

Alles ist pitsche patsche nass.

Wir warten draußen vor dem Tore. Kaum zu glauben, dass hinter diesem unscheinbaren Holztor, sich ein solch schönes Hotel versteckt. Wir stellen uns gegenüber etwas unter und beobachten die beiden Vögelchen im Käfig vom Nachbarn. Da kommt Iskander angesaust und wir beratschlagen erstmal gemeinsam, was wir jetzt machen. Wir könnten zu einem weiteren traditionellen, aber privaten Dorf fahren, wo die Frauen noch nach althergebrachter Art Sarongs, Tücher und Decken weben. Dort könnten wir uns einführen lassen in die Kunst des Webens, wie es schon vor Hunderten von Jahren gemacht wurde. Danach steht es uns frei, nach Lust und Laune schöne Webereien käuflich zu erwerben. Abgemacht, das machen wir. Danach würden Klaus und ich noch ganz gerne einen Frisör oder Barber aufsuchen, um nicht wie die Beatles in Singapur anzukommen. Iskander ist etwas überrascht, wird uns aber ein passendes Etablissement suchen. Prima. 👌 Na dann, auf geht’s.

Es hört ziemlich schnell auf zu regnen, an unserem Plan für heute ändert sich aber nichts.

Wir kommen auch durch Mataram, der Hauptstadt von Lombok und ganz West-Nusa Tenggara.

Regierungsgebäude
Hier gibt es auch richtige Tankstellen. Nicht nur die blauen und grünen Glasflaschen in den Regalen am Straßenrand.
Eine breite, vierspurige Straße führt durch die Stadt.
Das Hauptverkehrsmittel ist und bleibt der Roller.
Eine große, öffentliche Schule…
und ein Laster voller Spielsachen. 🥁

Nun wird es langsam wieder ländlicher, bis wir das private Dorf erreicht haben.

Bauen in Eigenregie. Ob es hier auch so überbordende Bauvorschriften gibt wie bei uns?
Hier kommt Nachschub an gebrannten Ziegeln.
Brrrum, knatter…💨
Und jetzt das Dorf der Weberinnen.

Iskander übergibt uns in die Hände eines sehr netten jungen Mannes, und der führt uns subito zu den webenden Frauen.

Das ist ein sogenannter Rücken- Hüftwebrahmen. Ich werde noch verstehen wieso der so heißt.

Diese Art des Webens ist eine Jahrhunderte alte Tradition der Sasak Frauen. Sie ist ihnen so wichtig, dass dieses Können bis heute eine Voraussetzung ist, um heiraten zu dürfen. Natürlich nur für die Frauen. 🫤 Ich schaue unseren Guide ungläubig an. Wie? Und wenn ein Mädchen nun mal partout nicht dieses Handwerk von ihrer Mama erlernen will? Dann darf sie nicht heiraten? Ja, so ist das. Aber, es gibt Mittel und Wege, so meint er. Sie müsste in einem anderen Dorf heiraten und verheiratet zurückkommen, ganz einfach, meint unser junger Kerl. Ja und Jungs dürften dieses Weben nicht erlernen? Es könnte ja auch mal einer schwul sein und es inniglich wollen?! Nee, keine Chance. Er könnte etwas anderes machen, aber nicht weben. Hmm… 🤔. Doch ICH soll es jetzt versuchen. Ach herrje, wenn es sein muss.

Jetzt verstehe ich auch den Namen dieses Webstuhls. Ich sitze regelrecht eingeklemmt zwischen Webarbeit und einem Rücken- Hüftgurt. So kann ich aufrecht sitzen, komme an alle Utensilien heran, und der Rücken bricht nicht durch. Aber nach ein paar gewebten Reihen möchte ich schon lieber wieder aussteigen. 😅

Dann werden wir jetzt eben in den schönen Verkaufsraum geführt und bekommen gaaanz viele Tücher = Kain tenun und Beinkleider = Sarongs, gezeigt. Also Sarogs kommen nicht in Frage, aber Tücher, beziehungsweise Tischtücher schon eher. Nach längerem Hin und Her entscheiden wir uns und nehmen 2 Tücher. Knapp 400,- Euro kostet der Spaß. Ein bisschen gehandelt wurde natürlich auch. 😉

In Rupiah sind das ~ 8,2 Millionen. Und prompt wird die Zahlung blockiert. Das passiert aber erst später und ich merke es erst an Bord. Hmm…, und wie bekomme ich die Zahlung jetzt freigeschaltet? Erst telefoniere ich mit der DKB Bank und bekomme gesagt, dass ich mit Visa telefonieren müsste. Nur die könnten die Sperre aufheben. Okay, dann mach‘ ich das mal. Und tatsächlich komme ich da mit einem Mitarbeiter weiter. Der ist über den Millionenbetrag echt erstaunt und fragt nach dem Umrechnungskurs. Aha, soso… Alles klar, Problem erkannt, Problem gebannt. Es lag aber nicht am Milionenbetrag, sondern an der Benutzung des Handys und nicht der Karte. Also ist die Karte der sicherere Weg. Okay, wieder was gelernt.
Nach dem Weberdorf fährt uns Iskander nun zum Barber, den er selbst erstmal aus dem Internet heraussuchen musste. Er selber geht nie zum Haareschneiden, das macht seine Frau. ☺️ Aber der Barber Shop ist gut gewählt, sehr modern, groß und picobello. Wir kommen sofort dran und werden bestens bedient. Das Thema Haare schneiden ist damit erledigt. ✅ Nun geht es zurück zur Marina.

Da hinten ist schon wieder das Meer.

Bei Ankunft verabschieden wir uns herzlich, zahlen die „Zeche“ und legen noch ein gutes Trinkgeld obendrauf. Alles in allem hat uns Iskander, dessen Auto und Sprit, seine Verpflegung und Unterkunft circa 150,- Euro gekostet. Und das nicht pro Tag sondern für alle 3 Tage zusammen. Das sind noch Preise! Und Iskander gehört damit schon zu den Besserverdienern. Wir machen noch den Umweg über das Restaurant der Marina und essen ein letztes Mal gut und günstig. 😋 Dann bezahlen wir noch unsere Boje im Marina Office und verabschieden uns.

Unser Dinghy ist auch noch da, und wir knattern zurück zu Yuti. Och ist Yuti schmutzig! Und so gelb! 😧 Hmm, waschen können wir sie aber nicht, das kostbare Nass in unserem Tank muss noch für ein paar Waschmaschinen reichen. Dafür singen die Muezzine wieder in voller Lautstärke, dazu schief und krumm. Fürchterlich, ganz fürchterlich.

Am nächsten Tag zur Mittagszeit

Wir legen dann mal ab. 1 1/2 Tage wollen wir durchsegeln, bis wir einen Inselstopp zum Ausruhen eingeplant haben. Eye, eye Käpt’n, los geht das 🌊 ⛵️🌊 🌊…
Kurz nach Verlassen des Inselschutzes schlägt der Wind und die Wellen zu. 25 Knoten und seitliche Wellen lassen Yuti wie einen Ball hin und her hüpfen. Da fliegt uns fast das Zusatzpanel vom Dach. Salzwasser spritzt übers Boot, bis in den Steuerstand hinein. Im Laufe des Tages soll alles etwas angenehmer werden, hoffen wir es mal. Wir passieren gerade das auslaufende Ende eines Verkehrstrennungsgebietes und können die entgegenkommenden, dicken Pötte schon sehen.

Uffbasse!!!

Einer dieser Frachter hat uns mal wieder aufs Korn genommen. Klaus funkt ihn an, und der reagiert umgehend. In einem großen Bogen fährt er an uns vorbei. Prima. ✅ Definitiv haben wir mehr Wind als vorhergesagt. Mittlerweile sind es eher 25 bis 30 Knoten, die uns voranpusten.
Die erste Nachtwache ist wieder mein Job, und der geht von 20:00 bis 23:00 Uhr. Klaus übernimmt, ich hüpfe in meine Koje und stelle den Wecker auf 2:00 Uhr ein. Tatsächlich bin ich aber erst 4 Stunden später wieder im Salon. Huch, was ist da denn passiert? Klaus ist sowieso etwas verwundert, warum ich erst jetzt erscheine. Ja aber hallo? Die Verwirrung ist komplett! Irgendetwas ist mit der Zeit passiert. Zapperlot, wir sind doch tatsächlich just in eine neue Zeitzone reingesegelt und haben eine Stunde geschenkt bekommen. Also alle Handy-Uhren springen eine Stunde zurück, und meine weckt mich auch pünktlich um 2:00 Uhr, brauchte aber 4 Stunden dafür. 😵‍💫 Woher sollte ich das jetzt auch wissen? Nun bin ich ja da, und Klaus kann mir vom Angriff der Fliegefische erzählen. Also, er liegt im Salon und wartet auf mich. Da schießen 4 Fische, voll karacho an Deck, bis in den Salon und einer noch weiter, bis auf Klaus‘ Bauch! Er schreit erschrocken auf und strampelt den Fisch wieder zurück in den Steuerstand. Dort rutscht er unter die Box unterm Steuersitz, und dort liegt er jetzt immer noch. Mensch, davon habe ich wirklich gar nichts mitbekommen! 😌

Mitternacht längst vorbei

und ich halte wieder Wache. In den frühen Morgenstunden lassen Wind und Welle etwas nach. Nach wie vor sind wir nur mit dem Jib unterwegs. Dennoch ging und geht es gut voran. Schwupps sind wir bei Pulau Kangean angekommen.

Die Insel, Hauptinsel der Kangean-Inseln hat immerhin 100.000 bis 120.000 Bewohner. Alle dazugehörenden Inseln kommen auf etwa 170.000 Menschen.

Touristisch ist hier nichts los. Dennoch schrieb jemand auf noforeignland, als er an Land ging, dass er allerherzlichst empfangen wurde. Wir beobachten, dass 2 Versorgungsschiffe festmachen und bis tief in die Nacht entladen werden. Die Menschen hier leben von Fischerei, Landwirtschaft und Viehhaltung. Alles andere muss per Schiff hergebracht werden. Nun, das gilt ja wohl für die allermeisten, indonesischen Inseln. Ohrenbetäubend knattern kleine Bötchen an uns vorbei.

Die knatternden Zweitackter… 🙉.

Dann übernehmen die Muezzine. 🙉🙉

6:30 Uhr, der Anker ist wieder oben

Ein vollkommen vermummter Fischer paddelt noch schnell an uns vorbei. Etwas unheimlich sieht der aber schon aus!

Etwa 200 Seemeilen wollen wir dieses Mal schaffen.

Ahoi 👋.

Eigentlich wäre heute der richtige Moment fürs Oxley, fürs Leichtwindsegel, denn der Wind säuselt nur schwach. Aber ehrlich, wir sind zu faul. 🤭 Denn fürs Oxley müsste erst das Screecher komplett abgebaut werden. Nee, das wäre dann doch zu viel des Guten… 😅. Wir versuchen es weiterhin mit dem Screecher. Es geht so einigermaßen. Doch was ist denn das?

Ist das Erbsensuppe? Nein, das ist eine Armada von Fischerbooten in die wir da hineinfahren. 😳 Das, was wir auf dem Plotter sehen, sind nur die mit AIS. Mindestens nochmal so viele sind ohne AIS unterwegs. Ich mach mal nur von einigen der Boote Fotos.

Ganze Großfamilien leben an Bord.

Viele Wohnboote sind da unterwegs, mehrstöckig. Das heißt unterwegs sind sie gar nicht alle, die meisten hängen am Anker. Stimmt ja, tief ist es hier nirgends. Nicht mehr als 70 Meter oder weniger ist hier der Grund vom Rumpf und Ruder entfernt. Wir schlängeln uns durch das ganze Gesumse, doch es hört ganz und gar nicht mehr auf. Immer neue Bootsansammlungen erscheinen vor uns und auf dem Plotter. In der Nacht wird es ganz besonders haarig. Ständig muss zwischen Radarbild und zu erkennenden Lichtern verglichen werden. Wichtig ist, die ohne AIS rechtzeitig zu erkennen und unseren Kurs entsprechend anzupassen. Ein zweiter Stressfaktor kommt dazu.
Klaus‘ Ohr hat sich von jetzt auf gleich deutlich verschlechtert. Er schluckt jetzt unser Breitbandantibiotikum aus der Bordapotheke und lässt sich von mir antibiotische Ohrentropfen verabreichen. Zum ersten Mal bekommt er postwendent Bauchschmerzen und schlimm stinkenden Durchfall. Puhhh… 🙊. Seine Darmflora hat nun endgültig die weiße Fahne gehisst. Gute Nacht 💩.

Keiner kommt wirklich zum Schlafen

Der Wind ist kräftiger geworden und kommt fast genau von hinten. Das bedeutet wiederum, dass das Segel ständig Gefahr läuft umzuschlagen. Einer von uns beiden muss ununterbrochen den Kurs um 2 oder 3 Grad anpassen, damit das Screecher nicht schlimmstenfalls zerreißt. Anstrengend❕Dabei noch den unzähligen Booten auszuweichen ist schon ne stressige Nummer. Die Umstellung auf Windsteuerung bringt etwas Ruhe in die Geschichte. Doch nun fahren wir halt da hin, wohin der Wind uns bläst. Auch nicht immer gut und richtig. 😏 Nun ist es wieder hell und wir sehen das Gewusel wieder mit eigenen Augen.

Immer mehr große Schiffe tauchen auf. Manche sind natürlich wieder auf Kollisionskurs zu uns.
Achtung, Achtung! Hati, Hati! Uffbasse!

Zwischen alledem suche ich nach einem Probiotikum für Klaus’ Darmflora und werde fündig. Vielleicht hilft‘s?! Er hört wieder ganz schlecht. Woher ein Geräusch kommt, kann er nicht verorten. Hoffentlich schlägt das Antibiotikum an! Daumen drücken! ✊
Wir nähern uns unserem Zwischenstopp, der Insel Bawian. Und dann ankern wir doch tatsächlich gleich neben einem Kohletransporter mit Schlagseite.

Uhhh, das sieht aber richtig schief aus!

Viele Fischerboote und Kohletransporter parken in dieser Bucht. Es wirkt sehr industriell hier.

Eigentlich steht jetzt erst einmal Körperhygiene und Schlafen ganz oben auf unserer Liste. Doch das Geschehen auf dem Kohletransportanhänger zieht unsere Aufmerksamkeit magisch an.

Viele Leute agieren, aber keinesfalls hektisch. Mehrere Pumpen befördern unentwegt Wasser aus dem Riesencontainer. Gerade so viel, wie vermutlich wieder hineinströmt. Ein Taucher ist zugange. Sollte der Anhänger weiter Schlagseite bekommen und die Kohle ins Rutschen kommen, na dann gute Nacht Marie…. 😝. Müssten wir in diesem Fall nicht lieber ganz schnell die Flatter machen? Ich denke schon!!! Doch die Leute machen wirklich keinen gestressten Eindruck, wir bleiben. Klaus braucht Ruhe! Er hat Bauch- und Kopfschmerzen.

Das Kohleteil ist noch nicht abgesoffen!

Sieht aber ganz schön übel aus!

Wir mussten nicht fliehen, heben aber jetzt den Anker, um weiterzuziehen. Da begegnet uns ein Tug Boat mit einem leeren Anhänger.

Soll der vielleicht die Kohle aus dem havarierten Teil aufnehmen? Wir werden es nicht mehr erfahren.

Ein Fischer kommt rein. Wir glotzen, sie glotzen… 😄.

Was ist das nur für ein Teil! Sieht irgendwie extrem huddelig und unübersichtlich aus. Ringsherum sind die vielen, vielen Scheinwerfer montiert, mit denen sie nachts Plankton und Fische anlocken.

Dann passieren wir noch einen intakten Kohleanhänger.

Von diesen Teilen gibt es wirklich viele vor Anker, oder von Tug Booten gezogen.

Wir sind flott unterwegs, und ich achte gut auf das Fischereigewusel auf unserem Kurs. Klaus muss sich auch über den Tag ausruhen. Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Durchfall und eine große Schlappheit ziehen ihn runter. Dazu hat er auch noch Knieschmerzen rechts. What? Das ist doch eigentlich mein Thema. Mir wächst da nämlich was.

Wächst da eine zweite Kniescheibe? Oder kommen da bald viele kleine Spinnen heraus? 😱 Auf jeden Fall ist dieses Gewächs immer noch eine Folge des Hinflatschers in Australien und dem steilen Berganstieg in Indonesien, wo ich auf Händen und Knien den Hügel hoch bin. Na, ich werde es weiter beobachten.
Klaus war gestern noch an Deck ausgerutscht und hatte sich den Fuß verletzt. Zwei Zehen sind dunkel angelaufen. Vielleicht sind die Knieschmerzen eine Folge davon? Wir sind schon ganz schön fertig, oder? 🫩Wer uns nun noch ungewaschen und in verschmutzten T-Shirts am Salontisch sitzen sähe, würde keinesfalls mehr sagen, wir hätten uns nach 4 Jahren Bordleben gut gehalten! 🤣 Alles egal, wir müssen weiter und durch eine weitere Nacht. Aber davon erzähle ich später. Tschau, tschau 👋✋👋

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