Liegen die Nerven langsam blank?

Klaus‘ Ohr macht Stress.👂🏻Ich soll es mit einem eigens dafür besorgten Apparillo aussaugen. Huch… 😳. Doch Klaus ist hochgradig ungeduldig und aggressiv. Entweder ich tue ihm weh oder komme gar nicht weitgenug in den Gehörgang hinein. Also mit dem Absaugschlauch, meine ich. 😉 Er soll es doch lieber selber versuchen, denn er fühlt ja viel besser wo sein Gehörgang verläuft. Nach einer kleinen Veränderung am Schläuchlein, bekommt er tatsächlich ein bisschen von der Entzündungsmatsche heraus. Jetzt fühlt er sich besser. Gott sei’s gedankt. 🙏In solchen Momenten denke ich manchmal, es wird Zeit, dass unsere Reise zu Ende geht. 🤔
So, einmal kräftig geschüttelt und weiter im Text. Wir segeln nun zum letzten Stop over, bevor wir die Nordspitze erreichen werden. Heute wird es wieder nur ein größerer Sandhaufen zum Ankern sein. Nicht, dass wir den noch übersehen. Der Himmel ist bedeckt, der Wind bläst um die 22 Knoten. Mit dem Jib segeln wir mit durchschnittlich 5 Knoten voran und lassen zeitgleich den Wassermacher laufen. Eigentlich bräuchte der Wassermacher gute 4 bis 5 bar Druck, um gut arbeiten zu können. Im Moment kommt er nur auf läppische 3,4 bar. Müssen schon wieder die Filter erneuert werden? 🙄 Drei bar sind Minimum, darunter läuft die Pumpe nicht.
Wir erreichen Bushy Island, den besagten Sandhaufen, und haben 500 Liter entsalztes Wasser im Tank. Das ist doch mal was!

Dahinten, der Baum oder die Palme sieht aus, wie die Jesus Statue von Rio. 😃
Konzentriert

Tatsächlich! Es gibt sie also doch, die Salzwasserkrokodile Australiens!! Und dieses da vorne auf der Sandbank, ist wirklich ein richtiger Brocken!!! Aufregend!

Saltie, wie nett. Die Australier haben einen Hang zum Verniedlichen.

Dieser Ankerplatz ist aber schon echt ein bisschen scary. Ziemlich ungeschützt liegen wir hier den Wellen und dem heulenden Wind ausgesetzt. Und dann noch dieses riesige Krokodil da vorne. 👉 Andere Boote? Fehlanzeige.

Ich werde auf jeden Fall kein Treppenlicht anmachen, womit uns andere Boote bei Dunkelheit besser erkennen könnten. Nee, nee! Ich glaube nämlich, dass das der Grund war, warum sich die Seeschlange letztens zu uns gesellt hat. Die hat sich von dem Licht angezogen gefühlt. 🐍 Das wollen wir mit dem Krokodil hier nicht ausprobieren! 🐊
Beim Öffnen des Internets stößt Klaus auf eine weitere Anforderung der Darwin Biosecurity. Eine zusätzliche Meldung müsse von uns gemacht werden. Häää? Wir verstehen erstmal nur Bahnhof. Sollten wir bei einer der Inseln der Torres Strait geankert haben – nein, noch nicht, wollen wir aber – müssen wir das ankreuzen. Wie bitte? Was sollen wir ankreuzen? Das wir da hinmöchten? Chat hilft. Wenn wir bei einer der Inseln der Torres Straße, wie zum Beispiel bei der Thursday Insel, den Anker fallen lassen, müssen wir das bei Erreichen des Festlandes im Vorfeld melden. Dann kann das Landwirtschaftsministerium entscheiden, ob wir zusätzlich von der Biosecurity auf Pflanzen, Tiere und Proviant untersucht werden müssen oder nicht. Das wird ja immer doller! 🤯 Da kommt doch gleich die Überlegung auf, den geplanten dortigen Stop für Diesel und Proviant ersatzlos zu streichen. Wir überlegen noch und müssen einmal drüber schlafen. Apropos schlafen, ich glaube, ich brauche gar nicht erst in meine Koje zu krabbeln, da falle ich sowieso bloß wieder heraus. Meine Güte, was für ein Gewackel, kotz, gülp…

Etwas entnervt bin ich jetzt schon. Die Fahrt entlang Queenslands Küste ist wirklich anstrengend! Meine Nerven werden dünner. Aber um Darwin zu erreichen und hoffentlich in die Marina zu dürfen, müssen wir hier entlang, komme was da wolle. Und um unsere Reise ins Outback in Angriff nehmen zu können, müssen wir in die Marina. Punkt. Die Unsicherheiten wegen der dortigen Behörden drücken die Stimmung auf jeden Fall. Was ist, wenn wir nicht in die Marina dürften? Großes Geheule? 😭Wahrscheinlich! Es bleibt uns nichts als abzuwarten. Schauen wir mal 👀 👀.

7:00 Uhr und ab

Bloß weg hier! Weg von diesem Wackelpeter und dem Krok! Klaus hatte später noch ein zweites gesichtet, ein kleineres Tier. Ah, Tête à Tête am Inselstrand? Nee, es ist gerade keine Paarungszeit. Die ist erst wieder im Sommer, in der Regenzeit, von November bis März. Das ist auch gut so! Denn in der Paarungszeit sind die Männchen noch viel aggressiver als so schon und sehen dann auch im Menschen eine territoriale Bedrohung.
Das Gewackel lässt im Laufe des heutigen Segeltages nach, der Wind natürlich auch. Das eine gibt es nicht ohne das andere. Das Korallenmeer beruhigt sich, endlich. Gemütlich segeln wir der nördlichsten Landspitze entgegen, dem Cape York, oder auch Tip-Top of Australia genannt.

Den Namen Tip-Top of Australia finde ich richtig nett❣️

Just segeln wir an einer wunderschön beleuchteten Steilküste entlang, die aufgehende Sonne gibt ihr Bestes.

Um die Mittagszeit erreichen wir den Eingang zur berüchtigten Albany Island Passage.

Berüchtigt, da im falschen Moment am falschen Ort, dir bis zu 4,5 Knoten Strömung entgegendrücken können.

Und wir sind nicht im richtigen Moment dort, wir sind zu früh. 😬 Wie wird man mit einem Segelboot langsamer? Jepp, das Jib muss verkleinert werden. Dann ist aber nichts mehr zu machen, da hilft auch kein Bremsen mehr, es geht hindurch. Aufregend!!! Meine Nerven… 🙃.

Wir brauchen aber gar nicht zittern und zetern, es geht ganz gechillt hinein und durch. Keine stehenden Wellen – ein für Segler echter Seglerschreck – empfangen uns am Eingang. Der noch vorhandene Gegenstrom steigt zwar stetig an, von anfänglichen 0,5 Knoten,…

auf maximale 1,6 Knoten, das war’s aber dann auch. Der Wind, mit jetzt über 20 Knoten, treibt uns gut gegen den Strom voran. Wir müssen noch nicht einmal die Motoren dazunehmen, die sich selbstverständlich im Stand by befinden. Eigentlich hatte ich mich auf besagte stehende Wellen, Wasserwirbel, angreifende Krokodile und Kollisionen mit den nach Norden ziehenden Walen eingestellt. 😉 Nichts von alledem passiert. 😁 Den Walen fahren wir jetzt sowieso davon. So weit in den Norden kommen sie selten bis nie. Sehr schade eigentlich. So geht dieses Erlebnis so völlig an uns vorbei. 😕

Blick nach vorne…
und Blick zurück.
Auf der Albany Insel leben Menschen. Das sieht sogar nach einem Restaurant aus.
Schöne Steinformationen und Strände ziehen an uns vorbei, oder wir an ihnen. 😉

Jetzt ist es noch circa eine Stunde bis zum Tip-Top.

Blick zurück…
und Blick nach vorn.
Blick zur Seite.
Dito…
und zur anderen Seite.
Plötzlich prescht von hinten was heran. Ich glaube, diese Yacht kennen wir. Die lag mit uns gemeinsam in der vorletzten, ruhigen Bucht. Die scheinen es echt eilig zu haben. 🚨
Wir müssen nur noch um diesen einen Landzipfel rum, dann wird geankert.
Doch die Yacht knallt rücksichtslos an uns vorbei und ankert noch vor uns. 🤨
Hier muss kurz noch mal die Luft angehalten werden, denn es wird eng.
So, jetzt hängen wir beide am Haken. Fertig. ✅
Cape York Tip-Top ist umrundet. Yeah 🥳!

Gehen wir noch an Land? Nö, nur virtuell und mit dem Fernglas.

So hätte es sein können. 😎

Es ist nicht wirklich spektakulär, auch wenn so einige Aussies weite Wege auf sich nehmen, um diesen Punkt Australiens zu besuchen. Aber dieses Festlandende ist flach, man hat keine tolle Aussicht und eigentlich nur die York Insel vor der Nase. Nicht vergleichbar mit beispielsweise der Nordspitze Neuseelands. Für die haben auch wir einen langen Weg mit dem Leihwagen auf uns genommen. Jetzt bleiben wir im Salon hocken und gratulieren erst einmal unserer Schwiegermutter und Mama zu ihrem 96. Geburtstag. Wow, sie ist noch so unglaublich fit! Körperlich wird‘s langsam etwas schwieriger, aber vom Kopf her ist sie wirklich voll dabei. Jetzt werden mal ganz locker die 100 angepeilt. 😁
Und morgen geht‘s für uns gleich wieder weiter. Wir haben entschieden, alle Inseln der Torres Strait auszulassen und direkt nach Darwin rüber zu machen.

Bevor wir Darwin erreichen, können wir bei einer schmalen, langgezogenen Inselgruppe pausieren und verschnaufen. Bis dorthin werden wir circa 3 Tage durchsegeln.

Na dann ist ja alles klar und wir hauen uns weg. Pitibüh, pitibüh, schnarch, schnarch… 😴😴

It’s Screecher Time

Na dann mal in die Hände gespuckt und los. Und? Kommt jetzt das Screecher raus? Nein, noch nicht. Erstmal starten wir mit Jib und einem Motor. Trauen wir uns etwa nicht? Vielleicht? Bis mittags müssen wir die Torres Strait hinter uns gelassen haben und die Arafura See erreichen. Denn mittags dreht der Gezeitenstrom und das würde dann für uns ungemütlich werden. Im Moment sind wir vom Inselsammelsurium gut geschützt, segeln ohne Wellen, mit nur 13 Knoten Wind, aber guten 3 Knoten Strom, prima voran.

Der uns schiebende Strom nimmt minütlich zu, und seit 8:08 Uhr ist endlich das Screecher draußen❣️Werden die Nähte der Belastung standhalten? Werden sie aufplatzen, oder gibt es an anderen Stellen Probleme?
Im Moment sieht alles gut aus, und wir sausen bei mittlerweile 20 Knoten Wind flott durch die Inselwelten.

Wir passieren Wednesday und Thursday Island, haben gerade die größere Insel Prinz William neben uns und passen gut auf weiterer Untiefen auf. Denn tief ist es unter uns nicht, und das wird auch noch eine ganze Weile so bleiben.

Doch eines muss ich sagen. Durch die perfekte Tiedenplanung von Kapitän Klaus, trotz der nervigen Ohrenschmerzen, sind wir zur richtigen Zeit, am richtigen Ort und fahren easy peasy durch die Torres Straße. Es ist geradezu idyllisch und wunderbar❣️
Und das Screecher hält. 🤗
Deutlich nehme ich die zunehmende Nähe zum Äquator war. Es ist viel wärmer und auch schwüler geworden. Schwitz. 😅 Nach dem Mittagessen macht der Wind ein Verdauungsschläfchen, wir zuckeln mit nur noch 2,8 Knoten und kaum noch Strömung langsam voran und wackeln dabei kräftig. Das Screecher schlägt hin und her, mein Blick fährt das Segel immer wieder besorgt auf und ab, doch noch ist alles gut. Am Nachmittag ist der Mittagsschlaf beendet und der Wind ist zurück. Genau so hat es Klaus vorhergesagt, dank Windy. Jetzt bläst er wieder mit 13 bis 14 Knoten, passt. 👍 Wir hören ununterbrochen Klaus’ Musikauswahl und mampfen Berge von Sauerkraut mit Kartoffelpü, um wach zu bleiben. Hmm… 🤔, vielleicht nicht so ganz schlau, denn der volle Magen braucht jetzt viel Blut um zu verdauen, das dem Hirn dann fehlt, oder?! Egal.
Später stellt sich der Strom mit 1,8 Knoten wieder hilfreich ein und schiebt uns zusammen mit guten 20 Knoten Wind sehr gut voran. Mit 8 bis 9 Knoten sausen wir durch‘s wieder wellige Wasser. Aber, sie kommen von hinten, die Wellen, das ist gut zu machen. Und dann haben wir es geschafft. Wir lassen die Torres Straße hinter uns und die Arafura See beginnt.

Zum Abend gibt es wieder Kläusi‘s Nachtmusik, nein, seine Musikauswahl quer durchs Gemüse, und ich tanze und wippe im Türrahmen festhaltend ausgelassen zu den Klängen. Es sieht und hört mich ja niemand. 😆 Doch, mein Mann, und der kann dabei partout nicht einschlafen. Also Ende und aus. Wie schade. 😔

6:30 Uhr, die Sonne steigt glutrot empor

Fotos mache ich keine, die habe ich schon so oft gemacht. Die Segelbedingungen haben sich gut gehalten. Mit Strom und gutem Wind segeln wir lockere 6 Knoten voraus.
Etwas später möchte ich was zu Mittag kochen, Spaghetti mit Zwiebel-Möhrenschmand soll’s sein. Das Wasser kocht, die Spaghetti kommen hinein und, oh Schande, die sind verschimmelt. Ihhh bah! 🤢 Ich muss nochmal ganz von vorne beginnen, neues Wasser aufsetzen, neue Nudeln nehmen und? Jepp, dieses Mal sind die Nudeln okay. Bei den Möhren muss ich auch schon einige aussortieren, auch da hat sich Schimmel breitgemacht. So langsam leeren sich unsere Vorräte. Klaus wird schon ganz nervös. Sag Klaus, wollten wir nicht mal fasten???
P.S.: Das ist glaube ich gar nicht nötig. ☺️
Wir segeln und segeln und segeln den ganzen Tag. Mann, bin ich heute müde! 🥱 Dauernd nicke ich einfach weg, egal in welcher Position. Ich bekomme gar nicht mit, ob auch Klaus mal die Äuglein schließt… Nur, dass man stürbe, sollte man nicht auf mindestens 7 Stunden Schlaf kommen, meint mein Mann. Tja, dann können wir wohl schon bald den Abdecker bestellen. 🫣
Irgendwie kämpfen wir uns durch die Nacht, lebend….

Nächster Morgen

Das Screecher arbeitet wunderbar❣️Der Wind pustet uns mit 21 Knoten super voran, eigentlich wieder deutlich zu viel fürs Segeltuch, aber naja… 🫤. Mit etwas Strom segeln wir gar 10 Knoten im Durchschnitt. Sauber! Aber unseren geplanten Stop over schaffen wir trotzdem nicht mehr bevor die Dunkelheit zuschlägt. Hmm… 🤔. Also segeln wir weiter bis zum nächsten Stopp, heißt, weitere 2 Tage und Nächte segeln.

Wir passieren die Inselwurst, an der wir ursprünglich halten wollten, jetzt noch mit ordentlich Mitstrom.
So sieht das dann aus, wenn der Strom sich umkehrt.

Plötzlich kommt ein Kontrollanruf über Funk rein. Die Australian Border Control Aircraft meldet sich:
Yuti, Yuti, Yuti, wo ist das Boot registriert?
➡️ Hamburg, Germany
Letzter Hafen?
➡️ Newcastle, Australian
Nächster Hafen?
➡️ Darwin, Australian
Okay, Danke und einen guten Nachmittag, over and out.
Na, die patrouillieren ja mal wieder genau. Jepp, wir hätten ja auch von außerhalb kommen können.
Ganz plötzlich und ohne Vorwarnung ist das Meer extrem aufgewühlt. Wieso? Ach, wir haben Gegenstrom. Erst 1,7 Knoten, dann 2 Knoten. Upsi, von jetzt auf gleich. So kann’s gehen. Und die Uhren haben sich wie von Geisterhand eine halbe Stunde zurückgestellt. Unheimlich! Okay, Strom gegen Wind, das ist nicht ungefährlich!

Oh là là,…
so ist der Blick jetzt…
nach vorne raus.

Und so nach hinten…

Jo, carpe diem, lustig! 🫢

Wir schalten beide Motoren dazu, um den Wellen besser zu entkommen.

Jau, das Salzwasser ist drinnen. So what. Mittlerweile haben wir 2,6 Knoten Gegenstrom.

Das muss alles noch mit dem Umrunden der Inselwurst zutun haben. Wenn wir erst weiter davon weg sind, wird’s besser, prophezeit mein Käpt’n. I hope so. 🙏

Oh ha, die Sonne geht, der Squall kommt?

Und dann? Ein Schrei von Klaus, ohhh, Andrea, das Screecher ist wieder gerissen. 🗣️🗣️🗣️🗣️🗣️🗣️🗣️🗣️🗣️🗣️🗣️🗣️🗣️🗣️

Scheiße nein, wieder an einer neuen Stelle. 😱

Einwickeln, sofort! Beide Motoren volle Kraft voraus, um den Druck ein wenig aus dem Segel zu nehmen und einrollen! Eye, eye Käpt’n! Screecher ist drinnen ✅, Jib ist draußen. ✅
Tja, das war’s wohl mit unserem Screecher. Good by, heul 😭. Hast uns so gute Dienste geleistet und uns noch bis hierher gesegelt, schluchz 😥.
Da geht die Strömung auch schon wieder zurück. Erst nehmen wir einen Motor raus, wenig später auch den anderen. Tatsächlich sind wir jetzt mit dem fleißigen Jib mindestens einen Knoten langsamer als mit dem schnellen Screecher. So what. Dann also ab in die Nacht und durch sie hindurch. Über die Begegnung mit der anderen Art schreibe ich aber erst das nächste Mal. Tschau, tschau… 👋 ✋ 👋

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